Archiv für 16. Juli 2012

Wer Täter ehrt, mordet ihre Opfer noch einmal – Teil II   Leave a comment

Wer Täter ehrt, mordet ihre Opfer noch einmal – Teil II

Morde bis zum Untergang des Dritten Reiches und darüber hinaus

In der sächsischen Anstalt Großschweidnitz sind zwischen 1939 und 1945 über 5700 Patienten „gestorben“, allein bis Mai 1945 1012 Bewohner.
In Hadamar werden 1941 10 000 Menschen vergast und danach etwa 5000 mit Hunger und Spritzen ermordet. Im Januar 1945, zwei Monate vor dem Einmarsch der Amerikaner, bestellt Dr. Adolf Wahlmann noch 10 000 Veronaltabletten, um weiterhin Patienten vergiften zu können. Von der Befreiung Hadamars gibt es Filmaufnahmen der US-Army. Sie zeigen zum Skelett abgemagerte Menschen wie sie aus den Konzentrationslagern bekannt sind.
In der Anstalt Meseritz-Obrawalde, 150 km östlich von Berlin, werden ab 1942 18 000 Menschen ermordet. Die letzten am 28. Januar 1945, einen Tag bevor die sowjetische Armee eintrifft. Einige tausend noch ungenutzter Urnen dokumentieren, daß weiter gemordet werden sollte.
In der bayerischen Anstalt Kaufbeuren hatte Direktor Valentin Faltlhauser aus eigenem Antrieb eine spezielle „Hungerkost“ entwickelt, wonach seine Patienten binnen dreier Monate verhungerten. Noch drei Monate nach der Befreiung und nach der Verhaftung des Direktors geht das Massensterben weiter.
In der brandenburgischen Anstalt Teupitz leben am 28. April 1945, am Tag der Befreiung, noch 600 Bewohner, Ende Oktober sind es nur noch 54 Patienten.
In der sächsischen Anstalt Altscherbitz sterben 1945 mehr Menschen als während der Nazi-Zeit. Die Sterberate beträgt 1945 36,5 Prozent, das sind 838 Menschen. 1947 steigt die Sterberate auf 38 Prozent, das sind 887 Menschen.
In der württembergischen Anstalt Zwiefalten sterben 1945 46,5 Prozent der Insassen, doppelt so viele wie 1944.
In der pommerschen Anstalt Ueckermünde beträgt 1945 die Sterblichkeit 55 Prozent. In der Anstalt Bernburg/Saale verdoppelt sich 1945 die Zahl der Sterbefälle.
Schloß Hoym in Sachsen-Anhalt, während der Nazi-Zeit eine Absterbeanstalt für sog. psychiatrische Pflegefälle. Auch hier beginnt das Massensterben erst nach der Befreiung. Bei 500 Bewohnern beträgt 1945 der „durchschnittliche Sargbedarf“ 250 Särge.

Die Anstalt Düsseldorf-Grafenberg hat 1946/47 eine Sterberate von 55 Prozent, 1948/49 sind es noch immer 30 Prozent. Grafenberg hatte schon vor den Nazis Kranke zur Erprobung von Malaria-Präparaten Bayer-Elberfeld zur Verfügung gestellt.
Der Psychiater Heinz Faulstich („Hungersterben in der Psychiatrie 1914-1949″, 1998) hat als erster Vertreter seines Faches die Ermordung mittels Hunger dokumentiert. Faulstich gibt für die Nachkriegszeit eine Mindestzahl von 20 000 Toten an, wahrscheinlich seien es jedoch erheblich mehr. Eine Bestandsaufnahme insgesamt scheitert daran, daß zahlreiche Anstalten ihre Unterlagen vernichtet haben.

Bis heute finden die Täter im Regelfall mehr Verständnis als ihre Opfer. Es gibt eine Ausnahme: Mitarbeiter der Wittenauer-Heilstätten in Berlin haben die Vergangenheit ihrer Klinik aufgearbeitet. Von 1939 bis zum Kriegsende am 24. April 1945 waren 4 607 Patienten umgekommen, in der Regel etwa 20 Tage nach ihrer Einlieferung. Nach der Befreiung werden 2500 Menschen neu aufgenommen, davon „sterben“ im selben Jahr 1400, etwa 55 Prozent.
Seit 1957 heißt die Einrichtung Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Bonhoeffer war Gutachter bei der „Unfruchtbarmachung geistig Minderwertiger“ (Bonhoeffer), freiwillig, wie alle. Bonhoeffer arbeitete noch nach seiner Pensionierung für die rassistischen Sterilisierungsgerichte. Im Dezember 1941 hat er einen sog. Halbjuden zu begutachten, der vor 14 Jahren ein einziges Mal in der Psychiatrie gewesen war. Selbst das NS-Erbgesundheitsgericht hat Bedenken, da er keinerlei kranke Symptome zeige und normal arbeite. Bonhoeffer empfiehlt dennoch die Sterilisierung.


Menschen, die zwangssterilisiert wurden, fielen dem Rassenwahn der Nazi-Zeit zum Opfer, wurden aber rechtlich nie als Nazi-Verfolgte anerkannt und entschädigt

Es bleiben lediglich Almosen aus einem Härtefallfond.

Die Täter setzten ihre Karriere ohne Scham fort, traten sogar als Gutachter in Entschädigungsfällen auf und verhöhnten ihre Opfer, angesichts ihrer Minderwertigkeit könne kein seelischer Schaden vorliegen.

Einer der meistgeehrten Psychiater der Nachkriegszeit war Prof. Helmut E. Ehrhardt, Mitglied der NSDAP ab 1937, Ordinarius für Gerichtliche und Soziale Medizin in Marburg. Ehrhardt tat sich vielfach als Weißwäscher der Nazi-Psychiatrie hervor. 1963 meinte er in einem Gutachten für das Bundesfinanzministerium: „Eine Entschädigungsregelung für die Sterilisierten würde in vielen Fällen zu einer … Verhöhnung des echten Gedankes der Wiedergutmachung.“ Ehrhardt wurde mit der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft, geehrt. Er war u.a. Mitglied des Beirats für Seelische Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation, des ethischen Komitees und der forensischen Sektion des Weltverbandes für Psychiatrie, zuletzt auch Ehrenmitglied.

Die Verhöhnung der Opfer hat Tradition: bereits 1946 erstattete der Wiener Ordinarius der Psychiatrie Otto Pötzl ein Gutachten, wonach die Verabreichung von Giften eine besonders humane Tötung gewesen sei, da die Opfer in den Tod „Dahindämmern“. Der Wiener Gerichtsmediziner Leopold Breitenecker gutachtete 1967 in einem Prozeß gegen Vergasungsärzte über den Gaskammertod: „Es ist sicherlich eine der humansten Tötungsarten überhaupt.“ (Ks 1/66 GStA Frankfurt a. M.). Breitenecker, Gründer der Österreichischen Gesellschaft für gerichtliche Medizin, war Mitglied diverser Ethik-Kommissionen. Sein Sohn Manfred, Universitätsprofessor, Institut für theoretische Physik der Universität Wien, meinte noch in diesem Jahr, die Angehörigen der Ermordeten könnten die Aussage über das Sterben in der Gaskammer „vielleicht als Trost“ empfinden.

Der Schutz mörderischer Kollegen stand höher als das Leid der Opfer. So wird verständlich, daß Psychiatrieprofessor Werner Heyde, der medizinische Leiter des Gasmords, bis 1959 mit Wissen zahlreicher Kollegen unter dem Namen Dr. Sawade als Gutachter in Entschädigungsfällen arbeiten konnte.

Täterschutz galt bis zum Tode: Die Todesanzeige der Ärztekammer Niedersachsen für Dr. med. Klaus Endruweit, zum Vergasen in der Anstalt Sonnenstein in Pirna eingesetzt: „Wir werden seiner ehrend gedenken.“ Die Todesanzeige der Klinik Wunstorf für Hans Heinze, dem ehemaligen Leiter der größten Kindermordstätte der NS-Zeit: „Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“ In der Todesanzeige der Universität Kiel für Prof. Werner Catel, verantwortlich für den Kinder-Massenmord, heißt es, er habe „in vielfältiger Weise zum Wohle kranker Kinder beigetragen“. Die Traueranzeige der Psychiatrischen Universitätsklinik Düsseldorf für Prof. Friedrich Panse gipfelt in dem Satz: „Ein Leben der Arbeit im Dienst leidender Mitmenschen … ist vollendet.“ Panse war T4-Gutachter, d.h. er gutachtete Patienten in die Gaskammer.
Ende des Referats von Ernst Klee.

Quelle:
http://www.toxcenter.de/artikel/Psychiatrie-NS-mordete-Quecksilberkranke-Referat-Ernst-Klee.php

Veröffentlicht 16. Juli 2012 von hubert wenzl in Psychiatrie, Uncategorized

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Neues Opfer im „Malaria-Skandal“ – Wiener Psychiatrie   Leave a comment

Neues Opfer im „Malaria-Skandal“ – Wiener Psychiatrie

Der im Beitrag „Psychiatrischer Faschismus“
http://hubwenzl.blog.de/2012/02/03/psychiatrischer-faschismus-12635903/

vorgebrachte Einwand von Missbrauch und Narrenfreiheit (wenn es Psychiater darauf anlegen bzw. sie einen entsprechenden menschenverachtenden Charakter haben) zeigt und erhärtet sich am Beispiel der Wiener Psychiatrie, (Uni-Klinik – nach dem Vorstand auch „Klinik Hoff“ genannt) die in den 1960-er Jahren Patienten einer Malariatherapie „unterzogen“, für die es aber laut Siegfried Kasper, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, gegen psychiatrische Erkrankungen „keine Verwendung“ gab (siehe Schluß). Die Malariatherapie wurde in den späten 1920-er Jahren gegen Syphilis angewandt.

„In einem Wiener Heim untergebrachte Kinder sollen in den 1960er Jahren als Erregerträger (von Malaria) „verwendet“ worden sein.“
„der Standard“

Die Vorwürfe gegen die Wiener Psychiatrie reißen nicht ab. Verhaltensauffällige Kinder wurden als „irre“ abgestempelt.

„Peter Schleicher:
An ihm wurden – wie er sagt – „experimentelle Korrekturmaßnahmen“ durchgeführt. Auf die „Geschlossene“ sei er gekommen, weil er Schauspieler werden wollte.

„Ich war kein fleißiger Schüler. Aber das rechtfertigt die Maßnahmen nicht. Dann müsste heute jeder zweite Schüler ins Irrenhaus.“ Peter Schleicher ist heute 66 Jahre alt. Im Alter von „15 oder 16 Jahren“ wurde der Wiener auf die geschlossene Abteilung der Wiener Uni-Klinik eingewiesen. Weil er, wie er sagt, nicht angepasst war und weil er seinen Berufswunsch geäußert hatte: Schauspieler. Seine Eltern wandten sich daraufhin an seinen Lehrer und der sah nur einen Ausweg: Psychiatrie. Die Diagnose damals: „Manisch-depressives Irresein“. „Wenn damals ein Doktor oder Lehrer etwas von sich gegeben hat, war das wie die Bibel“, erklärt Schleicher heute.

Valium

Rund vier Wochen sei er in der Uni-Klinik (nach dem Vorstand auch „Klinik Hoff“ genannt) gewesen. Auch er wurde mit Malaria „therapiert“, zusätzlich wurden ihm angeblich Sedativa, etwa Valium, eingeflößt. „Die Methoden waren barbarisch“, sagt Schleicher. „Ein besonders grässliches Medikament“, erinnert er sich, war Majeptil. „Danach konnte man weder gehen, noch sitzen, oder stehen. Es ging einem ganz entsetzlich. Die Sinnhaftigkeit ist mir bis heute nicht klar.“ Und weiter: „Bei der Absetzung litt ich unter schlimmsten Panikattacken.“

Schleicher, der später Keyboarder wurde und mit Ludwig Hirsch, Hansi Lang und Wolfgang Ambros spielte, ist nach eigenen Angaben heute noch „valiumsüchtig“.

Andere Stationspatienten seien mit Elektroschocks therapiert worden
„Das hat mich derartig erschüttert“, sagt der 66-jährige Musiker heute.

Auch Wilhelm J., der seine Vorwürfe bereits am Montag öffentlich machte, berichtet von „E-Schocks“ als Behandlung von Kollegen.“

„Johannes Wancata, Leiter der sozialpsychiatrischen Abteilung an der Wiener Uni-Klinik sagt, dass die – wie es heute heißt – Elektrokrampf-Therapie auch damals schon eine „adäquate Behandlungsmethode“ für schwere Schizophrenien oder Depressionen war.“ Ob sie aber „seriös angewendet wurde oder unkritisch und schlampig, das weiß ich nicht“.

[…]

Klinik-Chef Hans Hoff habe ihn dann, im Beisein der Eltern, persönlich aufgenommen. Eine weitere Rolle spielte auch Cornelius Kryspin-Exner, der in den 1960er-Jahren, während der Malaria-Therapien, als Arzt in der Uni-Klinik tätig war.

Der Tirol-Konnex

Später übernahm Kryspin-Exner das Ordinariat für Psychiatrie in Innsbruck. Das ist insofern interessant, weil eine seiner Mitarbeiterinnen die heute äußerst umstrittene Psychiaterin Maria Nowak-Vogl war.

Sie soll über Jahrzehnte hinweg Experimente mit Heimkindern auf der Innsbrucker Kinderbeobachtungsstation gemacht haben. Wie der KURIER berichtete, wurde Mädchen im Alter von acht oder neun Jahren das Medikament Epiphysan injiziert, um ihr „sexuelles Verlangen“ zu stoppen. Erst auf Grund eines ORF -Berichtes im Jahr 1980 sah sich Kryspin-Exner veranlasst, die Behandlungsmethoden von Nowak-Vogl zu unterbinden. Der Zeithistoriker Horst Schreiber hat die Zeit Nowak-Vogls aufgearbeitet. „Sie war wie besessen davon, sexuelle Regungen im Keim zu ersticken.“ Vor allem „Kinder aus dem Proletariat“ habe sie als „genetisch minderwertig“ abgekanzelt. „Bei ihr kommt immer wieder die NS-Diktion durch.“

Alle genannten Mediziner, die in den 60-Jahren tätig waren, sind mittlerweile verstorben.

http://kurier.at/nachrichten/wien/4484163-neues-opfer-im-malaria-skandal.php

Siehe auch „Die Presse„:
„Malariatherapie“: Anwalt rechnet mit 100 Betroffenen
http://diepresse.com/home/panorama/wien/730626/Malariatherapie_Anwalt-rechnet-mit-100-Betroffenen?direct=730769&_vl_backlink=/home/panorama/index.do&selChannel=615

„der Standard“:
Die „Malariatherapie“ sei ab den späten 1920er Jahren gegen Syphilis zum Einsatz gekommen, ihm selbst sei allerdings nicht bewusst gewesen, „dass das nach dem Zweiten Weltkrieg noch gelaufen ist“. Allerdings: „Für psychiatrische Erkrankungen gab es gar keine Verwendung“, so Kasper.
Um Syphilis-Patienten den Malariaerreger spritzen zu können, habe man freilich „Erregerträger“ gebraucht.
Es sei möglich, dass Menschen mit oder ohne ihr Wissen dafür „verwendet“ wurden, räumte der Klinik-Chef ein.
Anmerkung: dass Psychiatriepatienten bei entsprechender Aufklärung damit einverstanden gewesen wären, kann ich mir nicht vorstellen.
[…]
„Die von dem Juristen (Johannes Öhlböck) angenommene dreistellige Dunkelziffer ergebe sich aus dem Zeitraum, in dem diese Behandlungen offenbar stattgefunden hätten – von etwa 1960/61 bis 1964 -, der berichteten Dauer der „Kur“ (meist 14 Tage) sowie dem Umstand, dass es dafür zwei Kinder gebraucht habe: „Man hat Blut aus der Vene eines Kindes genommen und in den Gesäßmuskel eines anderen Kindes gespritzt“, gab Öhlböck die Darstellungen seiner Mandanten wieder. Das sei vor den Augen der betroffenen Kinder geschehen, und im übrigen auch mit der selben Spritze. (APA)“

http://derstandard.at/1328507211801/Vier-Personen-gemeldet-Malariatherapie-Psychiatrie-Chef-schliesst-Missbrauch-nicht-aus

„Malariatherapie“: Immer mehr Betroffene
Anwalt rechnet mit rund 100 Opfern.

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/panorama/chronik/434100_Immer-mehr-Betroffene.html

Maria Nowak-Vogl

Experimente an Tiroler Heimkindern

Laut dem Historiker Horst Schreiber sei Nowak-Vogl durch streng katholisches Denken und andererseits durch den Nationalsozialismus geprägt gewesen. In dessen Tradition stehe Röntgenbehandlung, die die Psychiaterin auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch angewandt habe: „Nowak-Vogl beschreibt selbst den Fall eines Fünfjährigen, den sie mit einer Serie von Röntgenstrahlen behandelt hat, wegen des Jähzorns, den er an den Tag legte.“

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/panorama/chronik/434003_Experimente-an-Tiroler-Heimkindern.html

Maria Nowak-Vogl
Kinder mit Kuhspritze behandelt – Auch Vorarlberger betroffen

„Ihre Methoden kamen erstmals ans Licht, als sich das Fernsehen 1980 für sie interessierte. Im Interview gab Nowak-Vogl, die 1998 verstorben ist, zu, das Mittel aus der Tiermedizin zur Vermeidung von Brunftverhalten bei Kühen angewandt zu haben. Nowak-Vogl demontierte sich mit ihren Aussagen vor laufender Kamera selbst. So war die 15-jährige Christine 1978 zu ihr eingeliefert worden, weil sie bei ihrem Freund übernachtet hatte. Nowak-Vogl diagnostizierte sexuelle Verwahrlosung und spritzte dem Mädchen insgesamt zehn Ampullen des Hormonpräparats Epiphysan, das laut Nowak-Vogl ein Jahr lang auf den weiblichen Hormonhaushalt wirkte.“

http://www.vol.at/kinder-mit-kuhspritze-behandelt-auch-vorarlberger-betroffen/3163981

Wer Täter ehrt, mordet ihre Opfer noch einmal – Teil I   Leave a comment

Wer Täter ehrt, mordet ihre Opfer noch einmal – Teil I

Es ist erschreckend, dass die deutsche Psychiatrie ihre Ideologie zur Vernichtung „unwerten Lebens“ schon lange vor der Machtergreifung Hitlers hatte. Unter Hitler konnten sie ihre Ideen und Pläne dann in die Tat umsetzen. Zu verurteilen ist auch, dass solche Psychiater, die an der Euthanasie und an medizinischen Versuchen an Kindern beteiligt waren, nach 1945 ungestört weiter arbeiten durften und in Amt und Würden waren. Zum Teil wurden sie noch ausgezeichnet.

In der Todesanzeige der Universität Kiel für Prof. Werner Catel, verantwortlich für den Kinder-Massenmord, heißt es, er habe „in vielfältiger Weise zum Wohle kranker Kinder beigetragen“.
Er war einer der drei Gutachter, die anhand der „Aktenlage“ über Leben oder Tod der von den Gesundheitsämtern des Reiches gemeldeten behinderten Kinder entschied.
http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Catel

Hier nun ein Referat von Ernst Klee am 6. August 1999 am PI der Universität Hamburg

Auszug:

1940/41 werden in insgesamt sechs Vergasungsanstalten 70 273 Menschen ermordet. Das Gas liefern die IG Farben Ludwigshafen. Das Zahngold der Ermordeten bekommt die Degussa. Die Gehirne verarbeiten das Kaiser-Wilhelm-Institut für Gehirnforschung in Berlin und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Psychiatrie in München (beide heute Max-Planck-Institute).
Den Gasmord organisiert eine Zentralstelle in der Berliner Tiergartenstr. 4 (T4). Im August 1941 verordnet Hitler einen Vergasungsstopp. Dennoch wird weiter gemordet: mit Medikamenten, mittels Hunger, im Einzelfall per Elektroschock. Ein weltweit einmaliges Verbrechen: Psychiater versuchen, ihre Kranken auszurotten.

Die deutsche Psychiatrie brauchte die Nazis

Zwischen 1933 und 1945 geschieht nichts, was nicht Psychiater lange vor den Nazis gefordert hatten. Emil Kraepelin 1918: Ein unumschränkter Herrscher, der … rücksichtslos in die Lebensgewohnheiten der Menschen einzugreifen vermöchte, würde im Laufe weniger Jahrzehnte bestimmt eine Abnahme des Irreseins erreichen können.“
Hermann Simon, Anstaltsleiter in Gütersloh, definiert 1931 den Personenkreis angeblich Minderwertiger: Körperschwache, Kränkliche, Schwächlinge, Schwachsinnige, Krüppel, Geisteskranke. Er kommt zu dem Schluß: „Es wird wieder gestorben werden müssen.“

Ernst Rüdin 1934
: „Der Psychiater muß sich mit den Gesunden gegen Erbkranke verbünden … Dem hohen Zuchtziel einer erbgesunden, begabten, hochwertigen Rasse muß der Psychiater dienstbar sein.“ Rüdin, der die

Zwangssterilisierung als „die humanste Tat der Menschheit“ bezeichnete, 1934 über Hitler: „Die Bedeutung der Rassenhygiene ist in Deutschland erst durch das politische Werk Adolf Hitlers allen aufgeweckten Deutschen offenbar geworden, und erst durch ihn wurde endlich unser mehr als dreißigjähriger Traum zur Wirklichkeit, Rassenhygiene in die Tat umsetzen zu können.“
Die deutsche Psychiatrie wurde von den Nazis nicht mißbraucht, sie brauchte die Nazis.
Psychiater diffamierten ihre Patienten aus Schwäche, denn sie kannten weder Therapie noch Heilung. Sie beseitigten zuerst jene, die ihnen ihr Unvermögen vor Augen führten: die chronisch Kranken, die sog. Unheilbaren. Der nahezu unaussprechliche Höhepunkt deutscher Psychiatriegeschichte: sie sagten „behandeln“, wenn sie mordeten.

Es gibt keinen Psychiater, der dem Massenmord Widerstand leistete.

Im Gegenteil: Direktoren der württembergischen Anstalten besichtigen die Vergasungsanstalt Grafeneck, die Vergasung ihrer Patienten inklusive. In der bayerischen Diakonie-Anstalt Neuendettelsau meldet Rektor Lauerer Patienten nach, weil sie als Hilfskräfte für die Hausarbeit nicht in Betracht kommen. Die westfälische Heilerziehungsanstalt Wittekindshof bittet die Generalstaatsanwaltschaft Hamm, schwierige Patienten in ein Arbeitslager, sprich: KZ, einzuweisen.
Die Vernichtung der Unheilbaren versetzte die Beteiligten, so T4-Psychiater Prof. Friedrich Panse, in eine berauschende Gehobenheit“. Prof. Paul Nitsche, psychiatrischer Leiter beim Massenmord: „Es ist doch herrlich, wenn wir in den Anstalten den Ballast los werden und nun wirklich richtige Therapie treiben können.“ Richtige Therapie, das heißt: Cardiazol-Schocks, Insulin-Schocks, Elektro-Schocks.

Psychiatriepatienten als Opfer von Menschenversuchen

Der Massenmord wurde nicht nur als einmalige Gelegenheit genutzt, die „Ballastexistenzen“ loszuwerden, die „Lebensunwerten“ dienten auch als menschliche Versuchskaninchen:
In den Wittenauer Heilstätten werden behinderte Kinder zu Versuchszwecken künstlich mit Tuberkulose angesteckt. Gleiches geschieht in der bayerischen Anstalt Kaufbeuren. Erhalten sind Fotos der Kinder, die sie nackt in ihrer Angst zeigen. Dr. Georg Hensel, verantwortlich für die tödlichen Versuche, schon 1940 in seiner Habilschrift: „Da mit dieser Art der Schutzimpfung beim Menschen ein Neuland betreten wurde, erscheint es selbstverständlich, daß für die Vakzination [Impfung von lebenden Krankheitserregern] vorläufig nur Säuglinge in Frage kommen, die schwere körperliche und geistige Mißbildung aufweisen und deren Lebenserhaltung für die Nation keinen Vorteil bedeutet.“

Die Anstalt Brandenburg-Görden war die zentrale Mordstätte für behinderte Kinder. Hier wurden deutsche Ärzte zu Kindermördern ausgebildet, sterben Kinder für Doktorarbeiten und wissenschaftliche Karrieren.
Zentraler Verwerter der Morde ist Julius Hallervorden. Er ist im Herbst 1940 bei der Vergasung ausgewählter Kinder anwesend, um am Tatort die Gehirne herauszuschneiden. Hallervordens Hirnforschung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Am 8. Dezember 1942 meldet er der DFG, daß er „im Laufe dieses Sommers 500 Gehirne von Schwachsinnigen selbst sezieren“ konnte. Nach dem Kriege schwärmt er: „Es war wunderbares Material unter diesen Gehirnen, Schwachsinnige, Mißbildungen und frühe Kinderkrankheiten.“
Hallervorden ist nach 1945 Abteilungsleiter am Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Hans Heinze, der Direktor der Brandenburger Mordanstalt, Leiter der Jugendpsychiatrie im niedersächsischen Wunstorf.

In der oberschlesischen Anstalt Lubliniec werden Kinder und Jugendliche nach ihrer sozialen Brauchbarkeit selektiert und mit Luminal getötet. Gehirne und Rückenmark werden an Prof. Viktor von Weizsäcker, Neurologisches Forschungsinstitut Breslau, geschickt. Die Jugendpsychiaterin Elisabeth Hecker: „Ich darf wohl nur andeutungsweise darauf hinweisen, welch gut untersuchtes Material auf der Pflegestation zusammenkommt, wenn nach dem Tode der Kinder das Gehirn durch das neurologische Forschungsinstitut in Breslau untersucht wird. Prof. von Weizsäcker, Breslau, hat sich entgegenkommender Weise bereit erklärt, diese hirnpathologischen Untersuchungen machen zu lassen.“ Elisabeth Hecker gilt als Begründerin der Westfälischen Klinik für Jugendpsychiatrie in Hamm. Von ihr stammt der Satz: „Ein Tag ohne Goethe ist ein verlorener Tag.“

Auch die Pharma-Industrie nutzt die Gelegenheit. Die IG Farben Höchst kooperiert mit der hessischen Anstalt Eichberg, um Präparate im Menschenversuch zu erproben. In der bayerischen Anstalt Günzburg befindet sich ein eigenes Versuchslabor der IG Farben Ludwigshafen. Die Anstalt stellt Räume und „Krankenmaterial“ zur Verfügung. Der Hygieniker Gerhard Rose vom Robert-Koch-Institut kooperiert wiederum mit Bayer-Leverkusen. Kennzeichen dieser Versuche ist, daß Menschen, die keine Malaria haben, künstlich zu Malariakranken gemacht werden. In der sächsischen Psychiatrie in Arnsdorf, wo eine Assistentin aus Leverkusen beschäftigt wird, übernimmt Direktor Prof. Wilhelm Sagel die Infizierung.
In der Marburger Psychiatrie finden Versuche der Behringwerke statt. In einem Bericht der Verwaltung des Bezirksverbandes Hessen heißt es 1937: „Eine systematische Ausprobierung des hefeartigen Mittels Eugenozym, das angeblich nicht nur die Schizophrenie heilt, sondern auch die Erbmasse [!] der Schizophreniekranken günstig verändern soll, wurde in monatelang fortgesetzten Versuchen bei einer größeren Anzahl alter und frischer Fälle von Schizophrenie durchgeführt, gemeinsam mit der Landesheilanstalt Herborn.“

Der spätere Neurologie-Papst Georg Schaltenbrand hält die Multiple-Sklerose für eine Infektionskrankheit. Deshalb überträgt er Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) von MS-Kranken auf Affen. Er glaubt, bei den Affen eine Form von MS erzeugt zu haben und injiziert den Liquor der Affen auf Patienten der fränkischen Anstalt Werneck. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Versuche enden, als Oktober 1940 die Wernecker Patienten zur Vergasung abtransportiert werden. Georg Schaltenbrand wird nach 1945 Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Menschenversuche im KZ und in der Psychiatrie wurden auch sonst von der DFG finanziert. 1999 ist ein Buch des Historiker Notker Hammerstein erschienen: „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft in der Weimarer Republik und im Dritten Reich“. Eine Auftragsarbeit, ein letzter Versuch der Reinwäsche: So wird die Arbeit des Psychiaters Robert Ritter, der Sinti und Roma nach Auschwitz definierte und selektierte, als „allgemeinmedizinische Forschung“ hochstilisiert. Über die NS-Rassenhygiene heißt es, viele Forscher seien den „üblichen Auffassungen von moderner Hygiene, von Fürsorge und Vorsorgepflicht der öffentlichen Hand für Geschädigte, sogenannte Asoziale oder Behinderte“ gefolgt. So werden noch 1999 Vordenker und Handlanger von Auschwitz und Hadamar in den Dunstkreis von Für- und Vorsorge gerückt.

Hier weiterlesen:

http://www.toxcenter.de/artikel/Psychiatrie-NS-mordete-Quecksilberkranke-Referat-Ernst-Klee.php

Veröffentlicht 16. Juli 2012 von hubert wenzl in Psychiatrie, Uncategorized

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Papst wettert gegen Homosexualität   Leave a comment

Papst wettert gegen Homosexualität

Der Stellvertreter Gottes vergisst da mindestens zwei Dinge.

1) Er vergisst, dass ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Priester selbst homosexuell ist.
2) Dass nicht nur Homosexuelle sich nicht fortpflanzen, sondern auch Kleriker dürf(t)en das nicht.
Dass der Kirchenstaat die Menschenrechte nicht einhält ist ja nichts Neues.

Der alte Mann aus dem Vatikan, der den ganzen Tag ein langes weisses Kleid trägt, hat mal wieder gegen die Homosexualität gewettert. Angesichts der ganzen kinderlieben Pfaffen in seiner Sekte ein wirklich amüsanter Vorgang. Der Papst Benedikt XVI hat die 179 im Vatikan vertretenen Diplomaten zur traditionellen Neujahrsansprache empfangen. Das katholische Kirchenoberhaupt nutzte seine Rede nicht nur, um über die Religionsfreiheit und die Wirtschaftskrise zu sprechen sondern äußerte sich auch ungewohnt deutlich zum Thema Homosexualität. In der Ansprache des Papstes heißt es unter anderem, dass die Politik von Ländern, die die traditionelle Familie auf Basis der Verbindung zwischen Mann und Frau in Frage stelle, eine „Bedrohung für die menschliche Würde und sogar für die Zukunft der Menschheit“ sei. In dem Gesagten spiegelt sich nicht nur eine unverfrorene Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen wider sondern auch eine höchst eigenartige Vorstellung darüber, wie sich gleichgeschlechtlich orientierte Menschen unter einer restriktiven Gesetzgebung verhalten. So scheint der Papst ernsthaft davon auszugehen, dass Homosexuelle Menschen dazu übergehen würden, Kinder zu zeugen, wenn man ihnen nur verbietet, ihre ursprüngliche Sexualität auszuleben. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was Benedikt genau mit der „Zukunft der Menschheit“ meint. Angesichts von rund sieben Milliarden Weltbürgern davon zu sprechen, dass der Fortbestand der Menschen dadurch gefährdet ist, dass Homosexuelle sich dem göttlich-biologischen Auftrag entziehen, ist lächerlich. Nachvollziehbar wäre diese Auffassung nur dann, wenn der Papst die Menschheit als weiß, westlich und heterosexuell definiert. Lustig bleibt in diesem Zusammenhang, dass innerhalb der katholischen Kirche insgesamt rund 1,2 Millionen Priester und Ordensleute organisiert sind, die sich dem Fortpflanzungsgebot ebenfalls verweigern, wenn sie sich an den Zölibat halten.

Es mag vielleicht vom Oberhaupt der katholischen Kirche zu viel verlangt sein, Homosexualität gutzuheißen. Sich allerdings für Toleranz gegenüber Homosexuellen einzusetzen und sie ausdrücklich in seine Forderung nach Würde, Gerechtigkeit und Frieden einzubeziehen, sollte gerade dem geistigen Führer der Katholiken, wenn schon nicht eine Herzensangelegenheit, dann doch zumindest eine Selbstverständlichkeit sein.
Stattdessen macht sich das vatikanische Staatsoberhaupt, das wir im Bundestag sprechen lassen und dessen Empfängen unsere Diplomaten bereitwillig beiwohnen, selber zum Auslöser von Hass, Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung. In Bezug auf die moralische Bewertung der katholischen Kirche muss sich vor diesem Hintergrund jeder sein eigenes Urteil bilden.

http://www.kirchensumpf.to/category/doppelmoral/page/2/

Quelle: Jacob Jung Blog
Siehe:
http://jacobjung.wordpress.com/2012/01/09/papst-eifert-gegen-homosexualitat/

Veröffentlicht 16. Juli 2012 von hubert wenzl in Uncategorized

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Veröffentlicht 16. Juli 2012 von hubert wenzl in Uncategorized