Archiv für 17. Juli 2012

Männliche Beschneidung – Harmloser Eingriff?   Leave a comment

Es kann nicht hingenommen werden, dass in europäischen Ländern im Namen der viel strapzierten Religionsfreiheit Körperverletzungen stattfinden. Und das nur weil das archaische längst überholte Religionsvorschriften verlangen. Kinder haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die Maßnahme zielt auch darauf ab Masturbationen bei Jungen uninteressant zu machen. Wenn schon, sollen Juden und Muslime das daheim in ihren Ländern machen. Man sollte in europäischen Ländern nicht immer den Fehler machen, Muslimen und Juden, so entgegen zu kommen. Ist ja schlimm genug, wenn sie das in ihren Ländern mit den Jungen machen. Noch schlimmer sind die Beschneidungen an Mädchen. Aber man kann nicht diese verbieten und bei Jungen erlauben. Jede/r hat das Recht auf Selbstbestimmung. Wenn ein Junge die Beschneidung machen will, kann er es ja bei Erreichen der Volljährigkeit machen lassen.
Die Deutschland-Mutti haut wieder voll daneben, wenn sie meint: „Deutschland würde sich damit „zur Komiker-Nation“ machen (wenn man die männliche Beschneidung verbieten würde bzw. strafrechtlich verfolgen).

Hier ein Artikel von „Inaktiv-Online“

Männliche Beschneidung – Harmloser Eingriff oder gefährliche Mutprobe?

Neu dürfte für so Manchen die Tatsache sein, dass auch die Beschneidung der männlichen Genitalien weltweit zu zahlreichen Todesfällen führt oder lebenslanges Leid nach sich zieht. Während die männliche Beschneidung in der sog. „Dritten Welt“ vornehmlich eine rituelle Tradition darstellt, hat sich die Routinebeschneidung von Jungen gleich nach der Geburt in den nordamerikanischen Staaten inzwischen zu einer einträglichen Praxis entwickelt, von der unmittelbar und mittelbar eine ganze Anzahl von Arbeitsplätzen und Karrieren abhängen. Was den Medizinmann auf den Salomon-Inseln mit dem hypermodern ausgestatten Arzt in den USA verbindet:
Beide vergehen sich ohne medizinische Indikation an Kindern. Mit der Beschneidung von Jungen wird viel Geld verdient. Es fehlt die medizinische Notwendigkeit, die nach deutschem Recht einen operativen Eingriff überhaupt erst straffrei stellt.

Was genau ist eigentlich Jungenbeschneidung?

Beschneidung bei Jungen und Männern (Zirkumzision) –
darunter versteht der Laie in der Regel die operative Entfernung der Penisvorhaut, welche normalerweise die sensible Eichel, wie wichtigste erogene Zone des Mannes, umschließt und schützt.

Hierbei unterscheidet man die medizinisch notwendige Entfernung der Vorhaut von nichtmedizinisch indizierten Eingriffen, etwa aus rituellen oder religiösen Gründen, aus Routine oder nach einer fehlerhaften bzw. leichtfertigen Diagnose.

Wer argumentiert, Jungenbeschneidung sei doch eigentlich eine harmlose „Routine-OP“ und diese Vorstellung womöglich noch auf rituelle Beschneidungen in anderen Kulturkreisen überträgt, begeht allerdings gleich zwei fatale Fehler:  Die „Operation“ ist nämlich weder hierzulande noch anderswo „harmlos“. Zudem ist das, was in Deutschland unter modernen medizinischen Bedingungen in einer Klink geschieht, überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was man anderenorts unter Beschneidung versteht.

Auch die Methoden der männlichen Beschneidung sind vielfältig und durchaus gefährlich.
Es handelt sich durchweg um Initiationsriten.

Alle diese Eingriffe erfolgen meist ohne jegliche Betäubung, sind mit furchtbaren Schmerzen verbunden und haben gravierende Auswirkungen auf Gesundheit, Sexualität, Psyche und zum Teil auch auf die Fortpflanzungsfähigkeit.

Es folgen Beispiele aus verschiedenen Ländern.
[…]

Historisch sind Zusammenhänge mit einer über längere Zeiträume hinweg vorherrschenden ultrakonservativen Einstellung zu Sexualität und Selbstbefriedigung erkennbar.
So schreibt der bereits erwähnte John Harvey Kellogg:

„Ein Mittel gegen Masturbation, welches bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung. Die Operation sollte von einem Arzt ohne Betäubung durchgeführt werden, weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat, besonders, wenn er mit Gedanken an Strafe in Verbindung gebracht wird.“

Der Schmerz als Strafe für die „sündhafte“ Manipulation an den eigenen Geschlechtsteilen und als krasses Gegenteil zum empfundenen Lustgefühl war aber nur EIN Ziel, das Kellogg mit der Beschneidung der Vorhaut ohne Betäubung verfolgte. Die Maßnahme zielte ferner darauf ab, die Eichel berührungsunempfindlicher und Masturbation somit uninteressant zu machen. Tatsächlich trocknet die ansonsten feuchte und höchst sensible Eichel nach einer vollständigen Vorhautresektion aus, überzieht sich mit einer neuen, dünnen Haut und wird somit unempfindlicher. In manchen Fällen führt dies in Kombination mit dem Verlust des sensiblen Vorhautgewebes selbst und ggf. des Frenulums zu teilweise eklatanten sexuellen Einschränkungen, worauf deutschsprachige Patienteninformationen mehr oder weniger deutlich hinweisen. Die Behauptung, eine Beschneidung habe keine Auswirkungen auf die Sexualität eines Mannes ist also, wenn auch nicht unbedingt falsch, so doch zumindest nicht zu verallgemeinern.

http://www.intaktiv-online.de/sexuel…he-mutprobe.html

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Beschneidung-Jungen_tonline

Foto: dpa

 

Hier noch zwei Zeitungsartikel aus Österreich

Religiöse Beschneidung von Buben ist Körperverletzung
derstandard.at, 26.6.2012

Landgericht Köln spricht wegweisendes Urteil – Betroffene Religionen schweigen noch
In Köln ist es künftig strafbar, wenn man Buben aus religiösen Gründen beschneidet. So entschied das Landgericht in einem Urteil, das der “Financial Times Deutschland” vorliegt. Damit ist es das erste deutsche Gericht, das den religiösen Ritus als Körperverletzung bezeichnet. Das Urteil betrifft mehrere tausend Buben in Deutschland, die in ihren ersten Lebensjahren beschnitten werden.
Bis dato gab es für deutsche Ärzte keine Rechtssicherheit bei diesem Thema. “Das Urteil ist vor allem für Ärzte enorm wichtig”, zitiert die “Financial Times” den Strafrechtler Holm Putzke. Wurde bislang ein Bub ohne medizinische Notwenidgkeit und rein aus religiösen Gründen beschnitten, konnten sich die Ärzte darauf ausreden, nichts von der Illegalität ihres Handelns zu wissen – auch wenn ein Gericht im Nachhinein die Beschneidung als Körperverletzung verurteilte. Der Arzt musste wegen des “Verbotsirrtums” freigesprochen werden.
Muslimische und jüdische Organisationen schweigen
“Diese Entscheidung könnte nicht nur die zukünftige Rechtssprechung prägen, sondern im besten Fall auch bei den betroffenen Religionen zu einem Bewusstseinswandel führen, Grundrechte von Kindern zu respektieren”, sagt Putzke. Das Gericht hatte in seiner Urteilsbegründung klargestellt, dass weder das Elternrecht noch die Religionsfreiheit eine Beschneidung rechtfertigen können.
Zum Urteil wollten sich die muslimischen und jüdischen Organisationen in Deutschland medial noch nicht äußern. Sie wollen zuerst die Urteilsbegründung prüfen.
http://www.kirchen-privilegien.at/page/2

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1. Juli, 2012
„Beschneidung ist Pflicht“
Tiroler Tageszeitung, 01.07.2012, von Brigitte Warenski

Islamische Tradition, Einschränkung der Sexualität oder Verletzung der Kinder-Rechte? Die Beschneidung sorgt für Zündstoff.

Innsbruck – Die Beschneidung von Buben im Islam oder im Judentum stellt nach einem Urteil des Kölner Landgerichts eine strafbare Körperverletzung dar. Ein Urteil, das Güven Tekcan, türkischstämmiger Gemeinderat der VP in Telfs, nicht verstehen kann. „Im Islam ist die Beschneidung von Buben bis zum 13. Lebensjahr Pflicht. Das ist klares Gesetz gleich wie das Alkoholverbot und das Verbot, Schweinefleisch zu essen“, sagt Tekcan. Ganz anders sieht das Gynäkologe Christian Fiala, der sich seit Langem gegen die Beschneidung starkmacht. „Es ist nicht einzusehen, warum die Beschneidung von Männern so bagatellisiert wird. Wenn das sensibelste Organ – die Vorhaut – entfernt wird, bedeutet das eine massive Einschränkung des sexuellen Empfindens. Das ist eindeutig als Verstümmelung zu sehen und gehört, wenn es aus religiösen Gründen vorgenommen wird, verboten.“ Auch die Innsbrucker Psychotherapeutin Ulrike Paul spricht sich gegen das religiöse Ritual aus. „Kinder haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit und jeder Eingriff, der nicht medizinisch notwendig ist, gehört abgelehnt.“ Mit der Beschneidung werde Kindern das Recht auf Selbstbestimmung genommen, meint Paul. Mückstein, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie, begrüßt die nun angefachte Wertediskussion: „Es ist wichtig, dass die Kinderrechte hier in den Fokus rücken.“ Keinen Grund, die Beschneidung von Buben in Zukunft als strafbar einzustufen, sieht Andreas Scheil vom Institut für Strafrecht an der Uni Innsbruck. „Die Beschneidung von Frauen ist strafbar, weil sie viel dramatischer ist. Die Beschneidung von Männern ist eine historisch gewachsene Verhaltensweise, an der man sicher nicht rütteln wird, nur weil ein deutscher Bezirksrichter das als Körperverletzung sieht.“

Anmerkung Hubert: Da bin ich nicht der Meinung dieses Herrn Andreas Schell. Auch wenn die Beschneidung weniger dramatisch ist wie bei Frauen, so ist es doch ein schockierender Eingriff für einen Jungen.
Das sieht nicht nur dieser deutsche Bezirksrichter aus Köln so. Es ist eine Körperverletzung, die nicht mehr umkehrbar ist.

http://www.kirchen-privilegien.at/

Vom Behandlungs-Opfer zum Ehrendoktor (Peter Lehmann)   Leave a comment

Vom Behandlungs-Opfer zum Ehrendoktor (Peter Lehmann)

Ich möchte hier einen Artikel der Stuttgarter Nachrichten über Peter Lehmann bringen, dem Psychiatrie-Betroffene bzw. potenziell künftige psychisch Kranke, die eine Lebenskrise durchmachen, viel zu verdanken haben (sofern sie Schriften, Bücher von Peter Lehmann – aber auch anderen, zum Beispiel Kerstin Kempker, in die Hand bekommen. Sie werden auf die ungeheuren Gefahren von Neuroleptika (meiner Ansicht nach unverantworliche Medikamente – oft mit Spätfolgen, tardive Dyskinesie) hingewiesen. Es bleibt jedem psychisch Kranken dann selbst überlassen sich diesem Risiko auszuliefern. Ich würde es jedenfalls nie und nimmer eingehen. Peter Lehmann prangert auch die Behandlungsmethoden von Psychiatern an, vor allem auch die Zwangspsychiatrisierung und die leider noch immer von manchen Psychiater angewandten Elektroschocks (oft mit beschönigenden Namen, Elektrokonvulsion usw.). Peter Lehmann weist aber auch darauf hin, dass man mit dem eventuellen Absetzen von Pschychopharmaka sehr vorsichtig umgehen muss.

Hier der Bericht der Stuttgarter Nachrichten

Vom Behandlungs-Opfer zum Ehrendoktor
„Fellbach und Rems-Murr-Kreis“

Fellbach. Peter Lehmann wird von der Uni Thessaloniki für Pionierleistungen in der „Antipsychiatrie“ ausgezeichnet. Von Eva Herschmann

Jeder kann verrückt werden. Peter Lehmann rutschte 1977 aus der Norm heraus. Der Fellbacher studierte in Berlin und steckte in einer Lebenskrise. Das Studium der Sozialpädagogik stand kurz vor dem Abschluss, er hatte eine Sehnenscheidenentzündung, die ihm zu schaffen machte und Stress mit Frauen. Peter Lehmann brach unter den Belastungen zusammen. Seine Eltern, in deren Fellbacher Wohnung er Zuflucht suchte, wussten sich irgendwann keinen Rat mehr und riefen ihren Hausarzt. „Und der hat mich in Winnenden eingewiesen.“ Vom 6. April bis 1. Juni 1977 saß Peter Lehmann in der Psychiatrie. Was er in dieser Zeit und danach erlebte, hat ihn zu einem Kämpfer gegen Psychopharmaka und für die Rechte von Psychiatriebetroffenen gemacht.

Für seine Pionierleistung auf dem Gebiet der „humanistischen Antipsychiatrie“ hat ihm die Psychologische Fakultät der Aristoteles-Universität in Thessaloniki jetzt die Ehrendoktorwürde verliehen.

Anfangs habe er sich mit allen Kräften dagegen gewehrt, in der Anstalt gefangen gehalten, entkleidet, festgeschnallt und zwangsbehandelt zu werden, sagt Peter Lehmann, Mitgründer des Europäischen Netzwerks und des Weltverbands von Psychiatriebetroffenen. Unter der Wirkung von Antipsychotischen Medikamenten sei sein Widerstand geschwunden. Der 27-Jährige zeigte Parkinsonsche Krankheitssymptome, wurde willenlos, apathisch. Lähmungsartige Muskelstörungen und Zwangsbewegungen der Mundmuskulatur setzten ein, während seine Sprache immer verwaschener, er selbst immer dicker wurde und seine Haare ausfielen. „Ich glaubte irgendwann einmal selbst, ich sei psychisch krank und brauche meine Medikamente“, sagt Peter Lehmann.

Nach Winnenden folgten etwa vier Monate stationärer Aufenthalt in der Universitätsanstalt in Berlin-Charlottenburg. Danach vegetierte Peter Lehmann zunächst allein in seiner Berliner Wohnung vor sich hin, bis er sich entschied, vorerst wieder zurück in seine schwäbische Heimat zu gehen. Auch in Fellbach stand er unter ständiger ärztlicher Überwachung und Medikamenten. Als der Nervenarzt einige Wochen in Urlaub fuhr, vergaß Peter Lehmann in seiner Teilnahmslosigkeit eines Tages die Tabletten rechtzeitig zu nehmen. Erst habe er einen Schreck bekommen und ängstlich auf den von den Ärzten angedrohten Rückfall gewartet, erzählt er. Der Rückfall blieb aus, dafür spürte Peter Lehmann etwas anderes. „Ich fühlte mich zum ersten Mal wieder lebendiger.“ Er beschloss, die Tabletten ganz abzusetzen.

Peter Lehmann hat die Chance auf eine Rückkehr ins Leben genutzt. Er beendete sein Sozialpädagogikstudium und machte sich als Autor, Buchverleger und Versandbuchhändler selbstständig. Und weil er vom Charakter sehr nachtragend sei, wie er sagt,
bekämpft er die landläufige Psychiatrie, die ihre Patienten still legt anstatt ihnen zu helfen. „Meine Geschichte ist keine subjektive Einzelerfahrung, es ist die allgemeine Erfahrung von Psychiatriebetroffenen.“ Die Mittel, die in der psychiatrischen Behandlung verwendet werden, seien „extrem toxisch“, sagt Peter Lehmann. „Deshalb liegt die Lebenserwartung von Psychiatriepatienten um zwei, drei Jahrzehnte unter dem Durchschnitt.“

Betroffenen einen Weg aus dem Teufelskreis der Psychopharmaka zu zeigen, „die das Elementare eines Menschen zerstören, seine Lebenskraft“ ist ein Anliegen von Peter Lehmann. Den Kampf um Einsicht in seine Winnender Krankenakte hat er bereits vor Jahren vor dem Verwaltungsgericht in Mannheim verloren. „Darauf hat man in diesem Land kein Recht.“

Quelle:
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vom-behandlungs-opfer-zum-ehrendoktor.b6572085-312c-46e7-b01f-b06ffaea2b09.html

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Hier auch noch von Peter Lehmann:
Machtpoker der Psychiater um das Recht auf Akteneinsicht (die ihm vom Verwaltungsgericht Mannheim abgesprochen wurde).

http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/recht/machtpoker.htm
1. Meine eigenen Erfahrungen mit der Psychiatrie

[…]
„Aus der Verweigerung der Akteneinsicht kann ich nun schliessen, dass es den Psychiatern offenbar nicht um mein Wohlergehen geht, sondern um die Aufrechterhaltung ihrer Macht, um die Vertuschung möglicherweise krimineller Menschenversuche (worüber in der liberale Presse kräftig spekuliert wurde (6) und um die Vertuschung der Tatsache, dass Psychiatrie mit Hilfe, Therapie und Bemühen um Verständnis nicht das geringste zu tun hat.“

(6) Götz Aly, »Herr Professor Hanfried Helmchen und das Menschenexperiment. Forschungsalltag und Patientenrechte in der Psychiatrie«, in: Tageszeitung vom 1. Juli 1982, S. 9

[…]
„Das Wesen der Psychiatrie tritt in völliger Nacktheit zutage: Es besteht aus Stigmatisieren,
›Diagnostizieren‹, Abwerten, Be- und Verurteilen, und zwar auf billigste Weise, anstelle eine inhaltliche Auseinandersetzung zu führen. Letzteres setzt freilich moralische Substanz, intellektuelle Anstrengung, emotionales Einfühlungsvermögen und humane Zielsetzung voraus – von psychiatrisch Tätigen offenbar zuviel verlangt.“

Veröffentlicht 17. Juli 2012 von hubert wenzl in Uncategorized