Kuriositäten zur Beschneidung und zu den Vorhäuten Jesu   1 comment

Manchmal ist das Thema rituelle/religiöse Beschneidung auch gut zu Unterhaltungszwecken, sofern man als Mann nicht davon betroffen ist. Zu den Vorhäuten Jesu (also Mehrzahl !! 😀 ) gab es früher einen regelrechten Reliquienhandel.

Auszug

Wogegen hilft die Beschneidung männlicher Säuglinge und Jugendlicher?

Hier einige Antworten aus dem 19. Jahrhundert: gegen nächtliche Samenergüsse (das hielt man damals für eine Krankheit), gegen Bettnässen, gegen Epilepsie, gegen Syphilis, gegen Bauchschmerzen, gegen Schielen, gegen Masturbation und – ach ja – gegen Vorhautverengung.

Im 20. Jahrhundert findet man weitere Leiden, gegen die das Wegschneiden der Vorhaut helfen soll, Peniskrebs, Prostatakrebs, Gebärmutterhalskrebs und Unkeuschheit. Und natürlich hilft die fehlende Vorhaut gegen Aids.

Der Brauch der Beschneidung breitete sich in den USA seit dem 19. Jahrhundert immer mehr aus, 1953 veröffentlichten zwei Ärzte namens R. L. Miller und D. C. Snyder ihre Pläne alle männlichen Babys unmittelbar nach der Geburt beschneiden zu lassen, um der Masturbation vorzubeugen und um für Immunität gegenüber allen körperlichen und geistigen Erkrankungen zu sorgen. Einen besonders originellen Grund fand ein gewisser A. J. Fink: die massenweise Beschneidung sei notwendig, um zu verhindern, dass unter die Vorhäute von Soldaten Sand komme. Blöderweise entdeckt 1999 J. R. Taylor nach der anatomischen Untersuchung des spezialisierten Nervennetzes der Vorhaut, dass diese primär erogenes Gewebe ist, das für eine normale sexuelle Funktion notwendig ist. Die zahllosen abgeschnipselten Vorhäute werden in den USA übrigens von Erzeugern von Anti-Aging-Cremen für die Weiterverwendung in solchen Produkten aufgekauft.

Weitere Forschungen im 21. Jahrhundert ergaben, dass die Beschneidung nicht vor HIV schützt und dass die Vorhaut der empfindlichste Teil des Penis und weit empfindlicher als die Eichel ist. Was sofort das Echo hervorrief, die Beschneidung helfe gegen vorzeitigen Samenerguss.
Dr. Steve Scott fasste zusammen: „Historisch gesehen wurde der Beschneidung stets die Heilung genau jener Krankheiten zugeschrieben, welche zur jeweiligen Zeit die Gemüter der Bevölkerung erregten.“
Als Laizisten fällt einem zur Beschneidung ein, dass diese mit der

Markierung von Rindern mit einem Brandzeichen verglichen werden könnte. Man ist damit für den Rest des Lebens religiös gekennzeichnet, ein Austritt aus der Glaubensgemeinschaft hilft nichts: die Vorhaut wächst deswegen nicht nach. Die katholische Kirche besteht darauf, dass die an Kleinkindern verübte Taufe unwiderruflich sei, man bleibe auch bei Kirchenaustritt ein getaufter Katholik. Aber das macht nix. Weil Brandzeichen gibt’s keins.

[…]
Während einer Ekstase der hl. Katharina von Siena soll ihr Jesus als Vermählungsring seine Vorhaut geschenkt haben.

Dieser Ring, den angeblich nur Katharina selbst hatte sehen können, ziert noch immer den Fingerknochen der Heiligen, der zusammen mit ihrem Kopf in S. Domenico zu Siena verehrt wird.
A. V. Müller führt 1907 in seiner Abhandlung Über die hochheilige Vorhaut Christi? immerhin 13 Stätten auf, die sich des Besitzes der wahren Vorhaut Jesu rühmten: die Laterankirche in Rom, Charroux bei Poitiers, Antwerpen, Brügge, Paris, Boulogne, Besancon, Nancy, Metz, Le Puy, Conques, Hildesheim, Calcata. – Regelrechte praeputium-Mystiken und Vorhautkulte sind bezeugt: Speziell bestellte Vorhautkapläne sorgten beispielsweise in Antwerpen für die angemessene Liturgie, die bis zu feierlichen Hochämtern zu Ehren des hl. Teils reichten. Zu dem im französischen Charroux verehrten Teil, dem noch zu Zeiten Voltaires und Goethes eine günstige Wirkung auf den Verlauf der Geburt zugeschrieben wurde, pilgerten vor allem Schwangere.

Weiterlesen hier:

http://www.atheisten-info.at/downloads/Vorhaut.pdf

Hier noch ein anderer Link zum Thema:

Maggi fix und Kruzifix

http://www.jungewelt.de/2012/07-16/013.php

Gruß Hubert

Eine Antwort zu “Kuriositäten zur Beschneidung und zu den Vorhäuten Jesu

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  1. Hier noch ein interessanter Exkurs zu den historischen „Begründungen“ der Beschneidung. Unter anderem wurde sie im prüden Amerika des 19. Jh. als Mittel gegen die Masturbation gepriesen – und es „half“ auch, da die Beschneidung mit einem Gefühlsverlust einhergeht.

    Historische „Begründungen“

    Die Begründungen für die Beschneidung von Jungen änderten sich im Verlauf der Geschichte mehrfach. War es im 19. Jahrhundert die typisch amerikanische Prüderie, die Jungenbeschneidung als Mittel gegen Masturbation auserwählt hatte, musste später die Hygiene als „Argument“ herhalten, mit dem man auch gleich noch alle unbeschnittenen (also natürlich gebliebenen) Jungen als schmutzig und minderwertig disqualifizieren konnte. Diese entwürdigende Denkweise geistert auch heute noch in so manchem Hinterkopf herum.

    Einschüchterung und Angstmache vor Geschlechtskrankheiten, Peniskrebs, Gebärmutterhalskrebs oder HIV sind nach wie vor das Damoklesschwert, das so manchen Jungen unters Messer befördert.
    Der amerikanische Arzt, Erfinder der Erdnussbutter und Miterfinder der Cornflakes, John Harvey Kellogg (1852 – 1943) empfahl die betäubungslose Beschneidung von Jungen als Mittel gegen Masturbation (Selbstbefriedigung). Damit wollte er einerseits den Strafcharakter der Operation durch Schmerz verdeutlichen und andererseits eine Desensibilisierung (Gefühlsverlust) der nunmehr völlig ungeschützten Eichel erreichen – eine Folge, die nach vollständiger Entfernung der Vorhaut tatsächlich eintritt.
    Auch für Mädchen hatte der (übrigens hoch geehrte!) Arzt ein „Rezept“: Behandlung der Klitoris mit unverdünnter Karbolsäure zur Dämpfung der „unnatürlichen Erregung“.

    http://www.intaktiv-online.de/jungen-als-opfer/jungen-als-opfer/historische-begruendungen.html

    Gruß Hubert

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