Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet   1 comment

Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet
Von Christopher Hitchens

Rezension auf Amazone.de zu obigen Buch

In den USA hat es Christopher Hitchens Buch mit dem provozierenden Titel „God is not Great – How Religion poisons everything“ (Deutsch: „Der Herr ist kein Hirte“) bis auf Platz 2 der Amazon-Bestsellerliste geschafft. Im angeschlossenen Diskussionsforum zeigt sich, warum die Amerikaner zur Zeit ein in sich gespaltenes Volk sind. Da wird Hitchens einerseits wegen seiner ketzerischen Ideen verdammt und dazu aufgefordert, seine Äußerungen zurückzunehmen, um seine Seele vor der ewigen Verdammnis zu bewahren. Andererseits wird er für seinen Mut gelobt, endlich einmal die Wurzel allen Übels klar und deutlich zu benennen: Der durch Vernunft nicht zu rechtfertigende Glaube an einen Gott oder mehrere Götter.

„We atheists do not require any priests, or any hierarchy above them, to police our doctrines […] To us no spot on earth is or could be „holier“ than another: to the ostentatious absurdity of the pilgrimage, or the plain horror of killing civilians in the name of some sacred wall or cave or shrine or rock, we can counterpose a leisurely or urgent walk from one side if the liberary or the gallery to another, or to lunch with an agreeable friend in pursuit of truth and beauty“ (6).
„God is not Great“ ist einerseits eine kompromisslose Abrechnungen mit allen Religionen (auch den polytheistischen), die trotz des Leides, welches sie seit Jahrtausenden der Menschheit zufügen, immer noch gesellschaftlich anerkannt und respektiert werden.

Dazu analysiert Hitchens die durch und durch weltliche Entstehungsgeschichte der monotheistischen Buchreligionen und die machtpolitischen Motive der Verfasser. Auch den Einwand, dass Religionen die Menschen mit moralischen Kategorien versorgen und somit zu einem besseren Handeln anleiten, lässt der Autor nicht gelten.

Im Kapitel „Does religion make people behave better“ (173-193) legt Hitchens überzeugend dar,

dass diese Behauptung nicht nur falsch, sondern in vielen Fällen genau das Gegenteil der Fall ist. Allen Religionen ist gemeinsam, dass sie Außenstehenden, also „Ungläubigen“, mit Folter und Tod drohen, um die Stabilität und Identität der eigenen Gruppe zu stärken.

Ein nur kurzer Blick auf Bibel und Koran bestätigt dies. Auch wenn viele der Gewaltexesse ursprünglich vielleicht nur metaphorisch gemeint waren, spielt das heute keine Rolle mehr, da vor allem der Islam einen blinden und nahezu nekrophilen Glauben an die toten Buchstaben des Korans vorschreibt und auf jede Kritik mit einem penetranten Beleidigtsein (oder Mordanschlägen) reagiert.
Ist Hitchens objektiv? Ganz bestimmt nicht, aber das fällt bei dieser Thematik auch schwer. Kapitelüberschriften wie „Religion as an Original Sin“ oder „Is religion child abuse?“ sprechen eine deutliche Sprache. Doch trotz aller Polemik hat Hitchens Darstellung Hand und Fuß und ist sehr gut zu lesen. Überzeugend und mit Feuereifer wirbt er für einen sekulären Humanismus und eine Welt, in der die Einsichten von Shakespeare, Milton und Dostojewski die von Bibel und Koran ablösen.

Aus drei mach vier! Nachdem im vergangenen Jahr die „new atheists“ unter Führung von Richard Dawkins („The God Delusion“ Deutsch: „Der Gotteswahn“), Daniel Dennett („Breaking the Spell“) sowie Sam Harris („The End of Faith“) der Religion den Krieg erklärt haben, reiht sich nun auch Hitchens in diesen Kreis ein. Und eines ist klar:

Die Welt braucht diese neue Aufklärung! Nahezu alle Kriege auf der Welt haben auch eine religiöse Komponente oder werden religiös gerechtfertigt. Es wäre zum Wohle Aller, wenn diese gefährliche Waffe entschärft werden könnte.

Von Michael Dienstbier

http://www.amazon.de/Herr-ist-kein-Hirte-vergiftet/dp/3453620364/ref=pd_sim_b_2_img

Gruß Hubert

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Eine Antwort zu “Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet

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  1. Hier noch zwei Rezensionen zu einem anderen Autor, Sam Harris.

    Buchtitel
    Brief an ein christliches Land: Eine Abrechnung mit dem religiösen Fundamentalismus

    Vor vier Jahren brachte Sam Harris sein Buch „The End of Faith“ (Der Ende des Glaubens) auf den Markt. Das Ergebnis ist, dass er heute nur noch von einem Leibwächter begleitet sein Haus verlassen kann. Harris kompromisslose Abrechnung mit der Irrationalität und den Gefahren der drei monotheistischen Religionen hat in den USA vielen Menschen vor den Kopf gestoßen. Und auch sein neues Buch „Brief an ein christliches Land“ (Original: „Letter to a Christian Nation“) wird nicht gerade die Herzen der Evangelikalen im Sturm erobern. In einem imaginären Brief an einen (amerikanischen) Christen bringt Harris seine vernichtende Kritik präzise auf den Punkt.

    „Christians have abused, oppressed, enslaved, insulted, tormented, tortured, and killed people in the name of God for centuries, on the basis of a theologically defensible reading of the Bible“ (23). Auf nur gut 90 Seiten zeigt Harris zuerst anhand einiger Passagen aus dem Alten und Neuen Testament, dass sich die Bibel mitnichten dazu eignet, als Grundlage von moralischen und ethischen Handlungsmaximen anerkannt zu werden.

    Noch heftiger geht Harris mit den schwachsinnigen Dogmen des Islam ins Gericht, die jedes auch noch so brutale und menschenverachtende Verbrechen mit irgendeinem Koranvers zu rechtfertigen wissen. Als Grundübel sieht der Autor die Überzeugung jeder monotheistischen Religion, dass Zweifel an der jeweiligen „Wahrheit“ etwas Negatives und Verdammungswürdiges darstellen. Religion ist der einzige Lebensbereich, in dem der Glaube an etwas, was nicht nachgewiesen werden kann, nicht nur akzeptiert, sondern gar als eine Leistung betrachtet wird.

    Seine Position als Atheist definiert Harris folgendermaßen: „Atheism is nothing more than the noise reasonable people make in the presence of unjustified religious beliefs“ (51).

    Fazit: Diese kurze Darstellung ist primär an ein amerikanisches Publikum gerichtet, wo die Anzahl derjenigen, die die Evolutionslehre ablehnen und ernsthaft glauben, dass die Welt vor 6000 Jahren innerhalb von sieben Tagen geschaffen wurde, geradezu obszön hoch ist. Wer mehr an der Thematik interessiert ist, dem seien die ausführlicheren Darstellungen „Breaking the Spell“ von Daniel Dennett und „The God Delusion“ von Richard Dawkins empfohlen, die beide 2006 auf den Markt gekommen sind
    Von Michael Dienstbier

    ——-

    Der Brief richtet sich grundsätzlich an alle Christen, besonders aber an die „strenggläubigen“, die es ernst meinen und hier vor allem an jene in Amerika. Mit zwingender Logik führt Harris meisterhaft zum Schluss, dass die Bibel sich widerspricht, dass Gott entweder nicht existiert oder, falls doch – nicht allmächtig, nicht gütig sein kann.
    „Die Religion erhöht das Risiko von Streit unter den Menschen um ein Vielfaches mehr, als Stammeskonflikte, Rassismus oder Politik es jemals könnten.“ Davon nimmt Harris keine Religion aus, besonders nicht den Islam. Er weist anhand zahlreicher Beispiele nach, dass „Intelligentes Design“ bestenfalls unintelligent ist. Er stellt die Frage nach der wahren Moral und ob diese in der Bibel zu finden sei. Ob Christen bessere Menschen sind und aus ihnen zwangsläufig oder mehr Gutes erwächst als aus Atheisten und ob diese „böse“ sind. Die Antwort dazu sollte Sie auf jeden fall selber nachlesen, denn dieses kleine Büchlein mit 120 Seiten ist, auch wenn man als Christ mit dem Inhalt nicht immer einverstanden sein mag, für jeden lesenswert, der guten Willens ist. Denn es ist zwar kritisch, aber nicht polemisch und regt allemal zum Nachdenken an.
    Von Kritischer Leser

    http://www.amazon.de/Brief-ein-christliches-Land-Fundamentalismus/dp/3570009971/ref=pd_sim_b_3

    Gruß Hubert

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