Italien Wahlen – Ruf nach den Pyromanen   1 comment

Es ist für einen Nicht-Italiener nicht nachzuvollziehen wie man einen Berlusconi oder auch einen Komiker wie Grillo mit solch einem Prozentsatz wählen kann. Unseriös sind sie beide. Clown ist für Berlusconi noch beschönigend gesagt, wenn man daran denkt wie viele Prozesse er am Hals hat. Jetzt ruft er sogar zum Justiz-Protest am 23. März auf und missachtet hiermit die Unabhängigkeit der Justiz.
http://www.op-online.de/nachrichten/politik/berlusconi-ruft-anhaenger-protest-gegen-justiz-zr-2777572.html

Die Italiener haben sich das Chaos und Unregierbarkeit gewählt. Nach einer „Schamfrist“ kommt es wohl sicher wieder zu Neuwahlen – mit ungewissen Ausgang. Es ist den meisten Italienern wohl nicht klar, dass sie diese Wahlentscheidung etwas kosten wird. Große Reife haben die Italiener bei dieser Wahl nicht bewiesen.

Hier ein Bericht von op-online.de

Spinnen die Italiener? Zwar liegt das Mitte-Links-Bündnis des seriösen, wenn auch farblosen Pier Luigi Bersani im Abgeordnetenhaus in Führung – aber Silvio Berlusconi ist im Senat überraschend stark. Von Lorenz von Stackelberg

Rund 50 Prozent der Wähler vertrauen ihre kostbare Stimme zwei politischen Irrlichtern mit jeder Menge Katastrophenpotential an: dem unsäglichen „Cavaliere“ und dem entfesselten Wutbürger Beppe Grillo. Frei nach dem Motto: Wenn das Haus in Flammen steht, ruft man nach den Pyromanen und dreht dem erprobten Feuerwehrmann Mario Monti, der die Flammen schon fast unter Kontrolle hatte, das Wasser ab. Brandbekämpfung a là bella Italia.

Phasen der Unregierbarkeit hat das Mittelmeer-Land zwar schon des öfteren überstanden; im Angesicht der Euro-Krise würde das aber ein Menetekel bedeuten. Erschrocken verfolgt Europa, wie jener Mann feixend wiederaufersteht, der Italien mit seinen endlosen Gerichtsverfahren, seinem peinlichen Sexualleben, seinen bizarren Tricksereien und Machtspielchen weltweit blamiert und wirtschaftlich an den Rand des Abgrunds geführt hat. Der Totengräber übt sich in der Rolle des Spielverderbers, kongenial ergänzt von einem Komiker, der die Finanzämter abschaffen will und ansonsten Wutgeheul mit Programmatik verwechselt. So führt man Politik ad absurdum.

Neuwahlen wären das letzte Mittel

Jetzt droht in Italien Agonie. Das überschuldete Land steckt in einer tiefen Rezession mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Sollte in Rom keine regierungsfähige Mehrheit zustandekommen, dann wäre der stockende Reformkurs mausetot. Steigende Zinsen an den Kapitalmärkten würden die Rückkehr der Schuldenkrise einleiten – aber diesmal stünde kein Retter in der Kulisse bereit. Neuwahlen wären das letzte Mittel. Und der Rest der EU, allen voran die Deutschen, könnte das schlimmstmögliche Szenario nicht mehr ausschließen – das kranke Land am Mittelmeer würde jeden Rettungsschirm zerreißen.

Italien Wahlen-Ruf nach den Pyromanen

80% der Italiener informieren sich durch das Fernsehen. Viele Fernsehkanäle sind ja von Berlusconi.

Hier noch ein Auszug aus tagesanzeiger.ch

Italien im Chaos. Keiner weiss, wie es nach den Wahlen weitergehen soll. Aber wer sind eigentlich jene Menschen, die dieses Chaos angezettelt haben? Ein Experte gibt Auskunft über die Befindlichkeit des Italieners.

[…]
Stichwort Berlusconi.
Im Ausland kann man es kaum fassen, dass er trotz der etlichen Negativzeilen der letzten Monate wieder an die Macht gelangen könnte. Wie ist das möglich?

Italien ist eine absolute Fernsehnation. Leider werden hierzulande nur fünf Millionen Zeitungen pro Tag verkauft – das sind gleichviel wie vor fünfzig Jahren. Obwohl die Bevölkerung inzwischen von 45 auf 60 Millionen angestiegen ist. Und auch in Sachen Internet hinken wir anderen europäischen Ländern hinterher. Das heisst, dass sich viele Italiener nicht informieren – oder eben nur über das Fernsehen. Was nicht heissen soll, dass da nur Müll produziert wird. Wir haben viele hervorragende Fernsehjournalisten in Italien. Aber seichte Unterhaltung überwiegt. Wenn ich in Italien fernsehe, wird mir rund um die Uhr suggeriert, dass auch ich reich werden und viele schöne, lächelnde Frauen haben kann. Genau dafür steht Berlusconi, und dies unterscheidet ihn ja auch von Bersani. Viele Italiener haben sich gedacht, wenn schon einen Alten wählen, dann wenigstens den lustigen Alten und nicht den Griesgram Bersani. Oder dann halt Grillo, der macht etwas komplett Neues.

Aber auch Grillo zeichnet sich – wie Berlusconi – vor allem durch Versprechen aus. Diese kann er doch unmöglich halten?
Grillo ist überzeugt, dass das Geld für die Umsetzung seiner Ideen irgendwo herausspringt. So will er zum Beispiel das Eisenbahnprojekt Turin–Lyon auf Eis legen und allein damit zehn Milliarden Euro reinholen. Oder er schlägt vor, die Energiekosten zu senken, indem vermehrt auf Solar- und Windenergie statt auf teures, aus dem Ausland beschafftes Erdöl zu setzen. Nur lassen sich diese Veränderungen nicht von heute auf morgen umsetzen, sie brauchen Zeit. Aber genau die fehlt Italien. Wir können nicht mehr warten, sondern brauchen sofort umsetzbare Lösungen.

Das erwartet ja auch Europa.
Ja genau. Aber Beppe Grillo ist es egal, was Europa denkt oder will – und ein sehr grosser Teil Italiens denkt genauso. Obwohl dies verheerende Auswirkungen haben kann. Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn bis zur Aufstellung der neuen Regierung am 15. März der Spread täglich steigt und die Börsenwerte immer tiefer fallen. Viele Italiener kümmert es nicht, was man in Europa von unserem Land hält oder welche Erwartungen man an uns hat. Im Gegenteil. «Lasst uns doch in Ruhe, wir sind unabhängig und machen, was wir wollen», hört man in letzter Zeit immer wieder. Viele sehen die Komplexität der Globalisierung nicht, es interessiert sie nicht. «Wir haben den Faschismus erlebt, die Roten Brigaden, Berlusconi, und jetzt kommt halt Grillo», so empfinde ich die allgemeine Haltung.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Wenn-schon-einen-Alten-waehlen-dann-wenigstens-den-lustigen/story/19341506?dossier_id=1826

Gruß Hubert

Veröffentlicht 3. März 2013 von hubert wenzl in Politik

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Eine Antwort zu “Italien Wahlen – Ruf nach den Pyromanen

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  1. Ergänzung.

    Das Gemeinwohl spielt in Italien leider nur eine sehr geringe Rolle. Ohne dem kann ein Staatswesen nicht gut funktionieren. Zumindest ein minimales Trachten nach Gemeinwohl wäre nötig.

    Hier ein Auszug aus „Die Zeit“.

    Die Niederlage der Vernunft

    Die Wahl in Italien zeigt die Schwäche der politischen Mitte. Hat das Gemeinwohl überhaupt noch eine Chance?

    Warum ist Italien anders? Wer Wahlen gewinnen will, heißt es in den meisten Ländern, muss die Mitte der Gesellschaft ansprechen. In Italien gilt das offenbar nicht. Bei den jüngsten Wahlen gewonnen haben der zum Politiker gewandelte Komiker Beppe Grillo und Silvio Berlusconi. Zusammen kommen sie auf rund 58 Prozent der abgegebenen Stimmen.

    Beide sind auf ihre Weise extrem, sie sind unseriös und exzentrisch, sie verkörpern das glatte Gegenteil von Maß und Vernunft, von Konsens und Common Sense.

    Hier weiterlesen:
    http://www.zeit.de/2013/10/Italien-Wahlanalyse

    Die Moral des Herrn Berlusconi – nur ein Beispiel unter vielen.

    Der Politiker Sergio de Gregorio hat gestanden: Er habe von Berlusconi drei Millionen Euro bekommen. Dafür musste er unter anderem das politische Lager wechseln.

    Hier weiterlesen:
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-03/berlusconi-gregorio-bestechung

    Gruß Hubert

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