Archiv für 15. Mai 2013

Die Krankheit Werkvertrag   Leave a comment

 

 

Es ist skandalös. Nun sind den größeren Unternehmen Leiharbeiter auch noch zu teuer und man weicht auf die noch billigeren Dumpinglöhne mit Werkvertrag aus. Diese Woche war eine Sendung im Fernsehen, wo berichtet wurde, dass es eine Dreiklassen-Gesellschaft beim Luxuskarossenbauer Daimler gibt, nämlich die Stammbelegschaft mit 3400 Euro, Leiharbeiter mit 2600 und die Beschäftigten mit Werkverträgen mit 1200 Euro, jeweil brutto. Ich frage mich wieviel dem Arbeiter mit Werkvertrag noch netto bleibt?

Hier ein Bericht von taz.de

Auszug

Lohndumping auf dem Arbeitsmarkt
Die Krankheit Werkvertrag

Mit polnischen Schlachtern fing es an, mittlerweile setzen auch Ikea und Daimler Billigarbeiter mit Werkverträgen ein. Schluss damit, fordern die Gewerkschaften.

BERLIN taz | Für Berthold Huber, Chef der Gewerkschaft IG Metall, sind Werkverträge die „neue Krankheit des Arbeitsmarkts“. Seit einiger Zeit warnen Gewerkschaften und Betriebsräte davor, dass diese Verträge in Unternehmen immer häufiger eingesetzt würden. Die Folgen seien Lohndumping und eine Erosion der betrieblichen Mitbestimmung, da die Werkvertragsnehmer nicht zum Stammpersonal gehörten.

Nun hat die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken dazu Stellung genommen. Klar wird: Sie weiß über das Phänomen bisher herzlich wenig – sieht aber auch keinen Handlungsbedarf.

So heißt es in der Antwort, man erhebe selbst „keine Daten zur Erfassung von Werkverträgen“, auch seien der Bundesregierung „verlässliche statistische Daten zu dieser Thematik nicht bekannt“. In der Tat können Forschungsinstitute oder die Bundesagentur für Arbeit keine Auskunft geben, fragt man nach der Quantität des Phänomens.

Eine Datenerfassung ist schon deswegen schwierig, weil die Ausgaben für Werkverträge in den Betrieben in der Regel als Sach- und nicht als Personalkosten verbucht werden. Und weiter mit bla bla bla der Bundesregierung… (wer es genau wissen will, nachlesen in taz).

[…]
In der Nacht kommen die Litauer

An dieser Sichtweise kann man jedoch Zweifel hegen. Im März beispielsweise sendete der WDR einen Beitrag über das Ikea-Europalager in Dortmund. Ikea beschäftigte dort zu Tagzeiten fest angestellte Mitarbeiter. Nachts rückten litauische Werkvertragler an, vermittelt von einer litauischen Firma in Wilna.

Der Möbelkonzern zahlte eine Pauschale, sparte sich so die Nachtzuschläge. Die Arbeiter erhielten umgerechnet 6,50 Euro Stundenlohn – ausgezahlt in Wilna; Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge flossen so an den litauischen Staat.

Auch in der Fleischindustrie kennt man das Phänomen: Deutschland hat sich mithilfe des Einsatzes osteuropäischer Werkvertragsnehmer mittlerweile zum Billigschlachthaus Europas entwickelt:

Für 3 oder 4 Euro Stundenlohn beinen Polen oder Rumänen die toten Tiere aus. Das ist so unschlagbar billig, dass Betriebe in Frankreich oder Dänemark in die Insolvenz getrieben wurden – oder Schlachthöfe in Deutschland eröffneten. Denn hierzulande gibt es keinen Mindestlohn in der Branche.
(Anmerkung: man kann es sich vorstellen, wie es dann in den Schlachthäusern zugeht, da interessiert es keinen mehr, ob ein Tier betäubt ist, oder lebendig zerteilt wird).
[…]
Ein Problem ist, dass Deutschland – anders als die meisten europäischen Länder – keine Kriterien zur Abgrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen festgelegt hat.

[…]
Werkversträge in den meisten Betrieben

Das Phänomen tritt aber offensichtlich nicht nur bei Geringqualifizierten auf. Auch die IG Metall klagt darüber, dass im Maschinenbau oder in der Automobilbranche, beispielsweise bei Daimler oder Porsche, immer häufiger Ingenieure selbst in zentralen Bereichen wie der Entwicklung per Werkvertrag angeheuert würden.

Auch eine Umfrage unter den Betriebsräten von 900 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württembergs Anfang des Jahres zeigt den Trend auf: Die Befragten gaben an, dass in knapp drei Vierteln aller Betriebe Werkverträge eingesetzt würden. In mehr als der Hälfte der Unternehmen werde dadurch Stammpersonal ersetzt.

„Werkverträge dienen dazu, die Löhne zu drücken und tarifvertragliche Regelungen, beispielsweise zu Urlaubszeiten oder Sonderleistungen, zu umgehen. Die Firmen entziehen sich ihrer Personalverantwortung“, sagt Kai Bliesener, Sprecher der IG Metall in Baden-Württemberg.
von Eva Völpel

Die Krankheit Werkvertrag

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 15. Mai 2013 von hubert wenzl in Politik

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