Archiv für 14. Juni 2013

Gustl Mollath vor Untersuchungsausschuss   3 comments

 

Die Zweifel beginnen schon beim psychiatrischen Gutachten im Jahr 2006 von Dr. Klaus Leipziger, dem Bayreuther Klinikarzt. Damals bescheinigte er Mollath – ohne mit ihm jemals persönlich zu sprechen – ein paranoides Gedankensystem

(Anmerkung Hubert: das sieht aus wie ein bestelltes Gutachten). Schwargeldgeschäfte seiner damaligen Ehegattin Petra seien Wahnvorstellungen. Doch ein Prüfbericht der Hypovereinsbank belegt mittlerweile Mollath hatte Recht. Mit dem psychiatrischen Gutachten fällt aber auch der Grund für sein Wegsperren in eine geschlossene Anstalt. Ich möchte jedenfalls nicht die Verantwortung eines Klaus Leipziger oder eines Otto Brixner (Richter) haben.
Man braucht sich nur die Aussage seines Freundes Edward Braun anhören, dem die EX sagte, der Mollath sei doch irre, dem hänge ich was an und lasse ihn auf seinen Geisteszustand überprüfen. Wollte sie ihn loswerden? Auch das ärztliche Attest wegen angeblicher Körperverletzung an seiner EX erscheint in einem sehr zweifelhaften Licht und ist für mich jedenfalls unglaubwürdig.
Wenn man die Kriterien von Wahnvorstellungen und einem paranoidem Gedankensystem an „Patientin Beate M.“ (siehe im Video ca. an der Position 8:00 Min.) anwenden würde, dann müsste sie umgehend in einen geschlossene Anstalt eingewiesen werden. Der Psychiater Dr. Klaus Leipziger scheint sie wohl nicht zu kennen – oder zu gut?

Ihr (Beate M.) hermetisches Gedankengebäude ist vernünftigen Argumenten nicht zugänglich.

Hier ein Video vom BR – Quer
Meines Erachtens ein hervorragendes Video, das sehr zur Aufklärung und zur Erhellung des Falles Mollath beiträgt. Ich kann dem BR und dem Autor von „Quer“ dazu nur gratulieren und danken.

http://www.4shared.com/video/IrJaZLvM/Der_Fall_Mollath_-_Juni_2013_B.html

Hier ein Auszug aus dem Spiegel.

Gustl Mollath vor Untersuchungsausschuss: Die Abrechnung

Angeblich ist er wahnsinnig und gemeingefährlich: Gustl Mollath wird von der bayerischen Justiz seit Jahren in der Psychiatrie festgehalten – und gilt längst als Opfer eines Skandals. Vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags rechnete er jetzt mit den Behörden ab.

Auf dem Flur des Bayerischen Landtags ist es an diesem Dienstag für einen Moment so, als würde ein Popstar erwartet. Oder als gäbe es ein exotisches Tier zu begaffen, das sich verrannt hat: Nicht nur die Medien drängen sich vor dem Konferenzsaal, auch Abgeordnete, Besucher und Sicherheitspersonal wollen ihn zumindest kurz sehen – Gustl Ferdinand Mollath aus Nürnberg, 56, den Mann, der von der bayerischen Justiz seit sieben Jahren in der forensischen Abteilung verschiedener Bezirkskrankenhäuser festgehalten wird. Weil er wahnsinnig sein soll und gemeingefährlich.

Zu Unrecht, sagen Mollath und sein Unterstützerkreis. Zu Unrecht, glauben die Grünen, die SPD und die Freien Wähler. Und die Öffentlichkeit. Zu Recht, sagte die bayerische Justizministerin Beate Merk, CSU, wiederholt. Sagen vor allem Mollaths Richter und Sachverständige. Mollath ist ein Symbol geworden. Ein Märtyrer für die, die schon lange auf Gerechtigkeit warten.

Eine Bedrohung für die Staatsregierung, denn es fehlt nicht viel, und der Fall könnte sich als einer der größten Justizirrtümer der Nachkriegszeit entpuppen.

Ein Mensch wird weggesperrt, weil er 2003 – zwar mit wirren Thesen und Papieren – aber dennoch in Teilen zutreffend auf ein Schwarzgeldsystem der HypoVereinsbank ( HVB ) hinweist. Auch seine Frau soll daran beteiligt sein. Man glaubt ihm nicht, er gilt deshalb als wahnsinnig und gefährlich. (Anmerkung Hubert: so selten ist es nun auch wieder nicht, dass eine Bank in illegale Schwarzgeldgeschäfte verwickelt ist…) Seine Frau soll er gewürgt, 129 Autoreifen angestochen haben. Geldverschiebungen der Bank sind inzwischen bewiesen. Ein Gericht stellt die Gewalttaten Mollaths fest, aber Kritiker überzeugen die Beweise nicht.

„Das ist keine Talkshow hier“

Für ein paar Stunden lässt ihn der Landtag aus seiner Zelle in der Bezirksklinik Bayreuth, ohne Hand- und Fußfesseln, die er sonst bei Transporten tragen muss, das war Bedingung. Mollath trägt eine zerknitterte helle Baumwollhose, einen blauen Pullover und ein rotes Polohemd, Freizeitschuhe mit dicker Sohle. Das Haar altmodisch gescheitelt, in der Hand eine abgegriffene Stofftasche mit seinem einzigen Aktenordner. Die Knie knicken kurz ein bisschen ein, dann brandet Applaus auf. Die Zuschauer feiern ihren Helden. Bis der Ausschussvorsitzende eingreift. Das sei hier keine Talkshow, sagt Florian Herrmann, man habe ernste Dinge zu klären. Jetzt also soll Mollath aussagen. Nach sieben Jahren will man ihm endlich zuhören.

Er sei gegen seinen Willen im Bezirksklinikum Bayreuth untergebracht, so leitet Mollath seine Erklärungen ein. Und dann berichtet er, dass weder Staatsanwälte, Steuerfahnder noch Richter bei ihm nachgefragt hätten, was hinter seinen Schwarzgeldvorwürfen stecke. Niemals habe jemand Beweise sehen wollen, andere Namen und Banken erfragt, als die, die Mollath in seiner Anzeige genannt hatte. Die HVB lud ihn ein und wollte hören, welche Kenntnisse er über die Geschäfte hatte. Das war’s. „Hätte man sich das damals angesehen, dann hätte sich rasch ein Ermittlungsergebnis gezeigt“, sagt Mollath. Warum er nicht mehr Beweise geliefert habe? Nicht nachgelegt?, fragen die Abgeordneten. „Ich hätte doch nennen können was ich will, es hätte nichts bewirkt“ , lautet die Antwort.

Koffer mit Beweismitteln im Ausland verschollen

Angeblich sind Akten verschwunden. Mollath erzählt, er habe vor seiner Haft sicherheitshalber Koffer mit Beweismitteln ins Ausland gebracht, nach Paris und in die Schweiz. „Man weiß ja nicht, was in Bayern alles möglich ist.“ Ob die jetzt noch verfügbar seien? Ungewiss.

[…]
Rund zweieinhalb Stunden redet Mollath höflich, sachlich und überlegt. „Bei mir liegt keine psychische Krankheit vor“, sagt er. Er rechne nach seinen Erfahrungen mit der Justiz trotzdem sehr wohl damit, dass er nie mehr in Freiheit leben werde. Doch sein Leben in der Forensik sei schon jetzt unerträglich. Mollath berichtet von nächtlichen Zimmerkontrollen, regelmäßig wache er auf und leide immer wieder unter einem Schlafdefizit. Er habe einen Wunsch an die Abgeordneten: Wenn er schon fälschlicherweise untergebracht werde, „dann bitte ich um ein ordentliches Gefängnis“. Nur nicht mehr „diese Anstalt“.

Hier weiterlesen:
Untersuchuhngsausschuss-Gustl-Mollath-nennt-Leben-in-Psychiatrie-unertraeglich

Der Sachverständige (ich nehme an Herr Dr. K. Leipziger), sah sich nicht in der Lage noch einmal etwas zu seinem Gutachten zu Herrn Mollath zu sagen, wegen der vielen negativen Reaktionen (in den Medien), die er ertragen musste und die für ihn zu einer zu großen Belastung wurden (wie könnte man denn mangelnde Belastbarkeit diagnostizieren?… das wüsste ja Herr K.L. am besten). Frage: und dann gibt es keinen anderen Sachverständigen? Deswegen muss Herr Gustl Mollath mindestens noch ein Jahr in der Geschlossenen ertragen? Hmmm, seltsame Geschichten und Usancen gibt es in Bayern. Da bin ich sehr froh in einem anderem Land zu leben.

Gruß Hubert