Die Große Koalition auf dem Weg zur Einheitspartei   1 comment

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Da kann man sich ja freuen auf die neue Regierung. Niederlagen bei Abstimmungen wird es nicht mehr geben und echte demokratische Auseinandersetzungen auch nicht mehr. Das ist eine äußerst bedenkliche Entwicklung der Demokratie in Deutschland.

Hier ein Artikel von deutsche-wirtschafts-nachrichten.de
Auszug.

Die Große Koalition auf dem Weg zur Einheitspartei

In einer ungewöhnlich großen Runde werden CDU und SPD bis Weihnachten die Weichen für Deutschland stellen: Ein gemeinsames Verhandlungs-Team aus Bund und Ländern soll weitreichende Entscheidungen treffen.

Dieser Parteien-Staat zeigt: Parlamente sind nur noch Folklore. Eine starke Opposition gibt es nicht mehr. Die Bürger staunen und wenden sich ab. Vielleicht ist genau dies das Ziel.

Angela Merkel und Sigmar Gabriel bei der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestags am Dienstag: Harmonie im Inneren, außen herum eine Mauer. Das Konzept der demokratischen Kontrolle ist Vergangenheit. (Foto: dpa)

Angela Merkel und Sigmar Gabriel bei der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestags am Dienstag: Harmonie im Inneren, außen herum eine Mauer. Das Konzept der demokratischen Kontrolle ist Vergangenheit. (Foto: dpa)

SPD und CDU sehen die Koalitions-Verhandlungen als Schulter-Schluss: 75 Politiker aus Bund und Ländern werden darüber verhandeln, wie Deutschland in Zukunft regiert wird. Alle schwarz-roten Ministerpräsidenten werden teilnehmen, nur Baden-Württembergs Grüner Kretschmann bleibt außen vor.

Es geht um weit mehr als Posten: Im Grunde ist schon an der Masse der Verhandlungs-Teilnehmer zu erkennen, dass sich Deutschland immer mehr in einen außerparlamentarischen Ein-Zwei-Parteien-Staat verwandelt. Die Parlamente werden, wenn die Koalition zustande kommt und hält, in die Rolle von Zustimmungs-Maschinen gedrängt.

Das gilt für den Bundestag wie für die angeschlossenen Landtage. Und das gilt am Ende auch für den Bundesrat, der nun in raffinierter Weise als föderalistisches Gegengewicht zur Bundesregierung in die Pflicht genommen wird.

Mit ihrer Zwei-Drittel-Mehrheit wird die Große Koalition alles beschließen können, was sie will.

Die Macht geht nicht vom Volke aus, sondern von zwei Parteien.

[…]

Die Themen Europa oder Außenpolitik werden ebenfalls in keiner Arbeitsgruppe beraten. Beim Thema Finanzmärkte und Banken leitet der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, die SPD-Delegation.

Damit signalisieren SPD und Union entweder, dass sie in Europa ohnehin nicht mehr viel bewegen können oder aber das sie in allen wesentlichen Punkten einer Meinung sind. Zugleich signalisieren die Parteien, dass sie nichts von einer modernen Bürger-Beteiligung halten.
Sollte es tatsächlich zu einer Änderung der EU-Verträge kommen (hier), wird es in Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit keine Befragung der Bürger geben. Sie werden zu tun haben, was zwei Parteien, die in absoluten Zahlen nicht die Mehrheit der Deutschen vertreten, ihnen vorschreiben.

Tatsächlich bedeutet die Ausklammerung des wichtigsten Themas für die deutsche Zukunft jedoch: Was immer die deutsche Position ist – sie wird abseits der demokratischen Entscheidungsprozesse bezogen und vertreten.

Die deutsche Innenpolitik hat sich so in den wenigen Jahren seit der Einführung des Euro tatsächlich auf eine Art Regionalpolitik reduziert. Man diskutiert über Symbolthemen wie den Mindestlohn und darüber, wie man die Schulden und Finanz-Lücken innerdeutsch verteilen soll.

Damit wird die deutsche Demokratie von zwei Seiten ausgehöhlt: Die wichtigen wirtschaftlichen Entscheidungen treffen Lobbyisten, Industrie-Vertreter, Technokraten, Banken und internationale Netzwerke. Und bei den wenigen finanzpolitischen Aufräumarbeiten machen zwei Parteien die Politik nicht mehr in den öffentlich zugänglichen Parlamenten, sondern in Arbeitskreisen, bei denen die jeweilige Klientel bedient wird.

Verschärft wird diese Entfremdung der Politik von den Bürgern durch das Fehlen einer Opposition, die stark genug wäre, den übermächtigen Regierungsblock auch einmal mit der Aussicht auf Erfolg herauszufordern.

Linke und Grüne müssen sich damit abfinden, über bestimmte Dinge informiert zu werden. Diese Informationen stehen ihnen zwar per Gesetz zu, und mit dem Mittel der parlamentarischen Anfrage haben die Oppositions-Parteien auch gewisse Möglichkeiten. Doch das Ausmaß der Beantwortung bestimmt allein die Regierung. Bei der Diskussion um den Abhör-Skandal zeigt sich: Die Regierung denkt nicht daran, Informationen, die wirklich wichtig sind, weiterzugeben. Sie denkt auch nicht daran, Missstände abzustellen: Der BND liefert weiter Informationen an die Amerikaner. Der ganze Medien-Wirbel war ein Sturm im Wasserglas.

Die sich abzeichnende Einheits-Parteien-Regierung ist die vielleicht gefährlichste Entwicklung der bundesdeutschen Demokratie nach 1945.

Es gibt kein Spiel der Kräfte mehr. Wir werden die Rückkehr eines gnadenlosen Proporz-Systems erleben, in dem Posten nach Parteizugehörigkeit und nicht nach fachlicher oder gar moralischer Qualifikation vergeben werden.

[…]

In der Zeit der „Verhandlungen“ wird sich in den Köpfen der Politiker von SPD und Union die Idee einer Einheitspartei weiter festsetzen.

Das ist nicht neu: Schon jetzt kann kein Mensch mehr sagen, was die beiden Parteien unterscheidet.

Doch nun wird die Harmonie zum Zeitgeist einer Parteien-Republik, einer Parallelwelt, eine Funktionärs-Oligarchie.

Demokratie aber ist Wettstreit, Streit, Kritik, Auseinandersetzung.

Eine Demokratie funktioniert nicht, wenn es keine Alternativen mehr gibt. Keine Niederlagen bei Abstimmungen, keine sachliche begründeten harten Auseinandersetzungen.

Wenn Angela Merkel und Sigmar Gabriel in einigen Monaten ihren Amtseid ablegen werden, werden sie dies formal auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland tun.

Die Verfassungswirklichkeit wird sich mit dieser Großen Koalition dramatisch ändern.

Der Bürger steht vor dem Zaun und staunt.

Er wendet sich ab.

Vielleicht ist das ja genau die Absicht einer politischen Elite. Sie hat nicht das Gemeinwohl im Sinn, sondern den Bau einer unsichtbaren Mauer.

Sie soll fest stehen zwischen ihrer Welt und den lästigen „Menschen da draußen“. Nolens, volens müssen die alle vier Jahre einmal an die Urnen.

Das ist kein Neuanfang.

Das ist ein Abgesang.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/23/die-grosse-koalition-auf-dem-weg-zur-einheitspartei/

Gruß Hubert

Veröffentlicht 23. Oktober 2013 von hubert wenzl in Politik

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Eine Antwort zu “Die Große Koalition auf dem Weg zur Einheitspartei

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  1. Zur großen Koalition habe ich eine geteilte Meinung.
    Ich lehne sie nicht grundsätzlich ab, da sie demokratisch den Wählerwillen am weitestgehenden repräsentiert.
    Eine Koalition mit einer 5 % Partei würde ja bedeuten dass eine Partei die von 95 % der Wähler abgelehnt wurde (sonst hätte sie ja mehr Stimmen bekommen) an der Regierung beteiligt wird, während eine 30 % Partei ggf. in die Opposition gehen muss.

    Und noch etwas kommt hinzu. In Koalitionen wird der Kleinere Partner grundsätzlich untergebuttert. Er muss also viele Abstriche von seinen Versprechungen machen, was nichts anderes als ein Betrug an seinen Wählern ist. Die hätten dann womöglich gleich anders gewählt. Und auch in der Ressortverteilung sieht es für den kleineren Partner nicht gut aus. Und das umso schlechter je kleiner er ist. Im Extremfall muss er zu Frieden sein wenn für ihn ein Staatssekretärposten abfällt.
    Koalieren hingegen zwei annähernd gleichstarke Parteien, wird dies ausgewogener sein.

    Die Möglichleiten der Opposition werden dagegen maßlos überbewertet. 90 % aller gesetzgebenden Maßnahmen werden vom Bundestag in einfacher Mehrheit beschlossen.
    Einfache Mehrheit der anwesenden Abgeordneten. Es wurden schon Gesetze verabschiede da waren 22 Abgeordnete im Bundestag anwesend.
    Wenn die Regierungskoalition also über eine sicher Mehrheit verfügt, ist alles Andere was im Bundestag stattfindet “Zirkus“ fürs Volk. Gysi hält z.B. wunderbare Reden. Aber das war es dann auch schon.

    Koalitionen mit 3 und mehr Parteien sind natürlich auch problematisch. Unter anderem auch was die Stabilität einer solchen Regierung betritt. Könnte doch jeder Partner damit drohen die Koalition zu verlassen um bestimmte Ziele durchzusetzen. Kontinuität ist aber ein wichtiger Faktor in der Arbeit einer Regierung.

    Ich betone noch einmal es ist meine Meinung zum Thema.

    Gruß Sabine

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