Archiv für 24. Dezember 2013

Philipp Rösler und das Weihnachtswunder   Leave a comment

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Was für ein Glück, dass die FDP die 5 % Hürde nicht schaffte und einem Auftritte, wie die eines Philipp Rösler erspart bleiben. Die FDP ist ja nur eine Steuern-runter (natürlich für die oberen Zehntausend) und eine Lobbyisten-Partei und an sich schon unsympathisch. Philip Rösler war da aber noch das Sahnehäubchen.

Hier ein kritischer Artikel zum Treiben des Herrn Rösler von tammox2, der diesen Herrn besser beleuchtet.

Das Weihnachtswunder

Gott sorgt für die Seinen.

An der Spitze der traditionell antiklerikalen FDP, die in ihrem Programm von 1974 den Einfluss aller Kirchen strikt beschränken wollte, wird künftig

ein bekennender Christ stehen, der seit drei Jahren auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ist. „Mein Glauben gehört zu meinem festen Wertegerüst“, sagt Rösler, der regelmäßig mit seiner Familie den Gottesdienst besucht.

(Malte Lehming 13.05.11)

Der frommste Vizekanzler aller Zeiten, das ZdK-Mitglied Dr. Philipp Rösler, weiß wie man den katholischen Glauben zu interpretieren hat:

Nächstenliebe ist abzulehnen, nur die Reichen kommen ins Himmelreich und Wucher ist gut!

Mit Armen mochte sich der überzeugte Katholik erst gar nicht abgeben.

Sollten die prekär bezahlten „Schleckerfrauen“ doch selbst und eine „Anschlußverwendung“ für sich selbst kümmern.

Der Wirtschaftsminister der Herzen wußte eben, daß er seine kostbare Zeit nicht für diese armseligen Verkäufer-Brummsummseln verschwenden sollte, sondern lieber wahre Mildtätigkeit und Nächstenliebe für diejenigen entfaltet, denen Gott seine Liebe durch Reichtum gezeigt hatte.

Rösler setzte sich selbstlos für Baron von Finck, die Quandt-Familie und Paul Gauselmann ein.

Die FDP hat eben tatsächlich Herz; zumindest für diejenigen, die ihr zuvor Spenden in siebenstelliger Höhe überwiesen haben.

Glücklicherweise fließen auch an die APO-FDP weiterhin die Schecks. Sonst wüßte Herr Lindner ja auch gar nicht in welche Rekta er kriechen soll.

Auch nach seiner verheerenden Bundestagswahlniederlage wußte Rösler was sich für einen Christen gehört.

Die mehreren Hundert nun arbeitslos gewordenen FDP-Mitarbeiter ignorierte er, weigerte sich standhaft irgendeinem Parteikollegen zu helfen oder Trost zuzusprechen und schob auf dem letzten Parteitag die Schuld für die Niederlage anderen in die Schuhe.

Die Wahl haben in der FDP viele vergeigt: die Vorstände, die Vizes, die verschiedenen Parteivorsitzenden und natürlich auch der Spitzendkandidat. Erstaunlich, wie wenige von denen sich an diesem ersten Tag der Aufarbeitung auf dem FDP-Sonderparteitag zu Wort melden. Es sind genau zwei: Jetzt Ex-Parteichef Philipp Rösler und der Spitzenkandidat und Chef der vorerst letzten Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle.

Und selbst die zeigen nur auf andere: Auf die Medien, die CDU, auf Angela Merkel, auf die Durchstecher in den eigenen Reihen. Wie kläglich, dass Rösler lieber darüber lamentiert, wie schlecht er von den Medien behandelt worden sei, als darüber, welche kommunikativen und strategischen Fehler er selbst gemacht hat. Erinnert sei nur an seinen Coup, Joachim Gauck gegen Merkel als Bundespräsident durchgeboxt zu haben. Um sich dann über den Klee selbst dafür zu loben.

[…]  Nur die, die die vielen Fehler gemacht haben, schweigen. Oder zeigen mit dem Finger auf andere. Ein Armutszeugnis. Wer Ehre für sich beansprucht, der sollte auch in der Lage sein, zu seinen eigenen Fehlern zu stehen, sie zu benennen. Das Wort „Entschuldigung“ fiel nicht einmal. Das wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Und neben dem eigenen Rückzug aus der aktiven Politik der letzte gute Dienst an ihrer Partei gewesen.

 (Thorsten Denkler, 07.12.13)

Nachdem Rösler die stärkste FDP aller Zeiten, 15%-Partei mit fünf Bundesministern, binnen kürzester Zeit durch eine noch nie dagewesene Kette von Fehlleistungen erstmals nach dem Krieg zur APO herunterwirtschaftete, wartet eine neue Herausforderung auf den Freund der Milliardäre.
Rösler soll nun nichts weniger als die Weltwirtschaft retten!

Ein brillanter Plan!

Endlich erfüllt sich auch das Steuersenkungen! Steuersenkungen! Steuersenkungen! Steuersenkungen! Steuersenkungen! Steuersenkungen! Steuersenkungen! – Versprechen der FDP-Führung, die von 2009 – 2013 lediglich AbgabenERHÖHUNGEN durchgesetzt hatte! Rösler zieht in das Steuerparadies Schweiz.

Den Posten des Wirtschaftsministers hat er abgegeben, FDP-Parteichef ist er auch nicht mehr. Philipp Rösler steht vor den Scherben seiner Parteikarriere. Jetzt wechselt der 40-Jährige zum Weltwirtschaftsforum in Davos – und könnte neu durchstarten.

[…..]  Philipp Rösler, 40, [steht] nun vor dem Scherbenhaufen seiner Parteikarriere – und noch einmal könnte Davos zum Ort des unverhofften Wiederaufstiegs werden.

Bemerkenswerter Schritt

Das Weltwirtschaftsforum, so gab Rösler am Wochenende bekannt, wird sein neuer Arbeitgeber. Künftig werde er „die regionalen Aktivitäten des World Economic Forum außerhalb der Schweiz“ verantworten, sagte der Ex-Gesundheitsminister, Ex-Wirtschaftsminister und Ex-FDP-Chef dem Focus. Mit der ganzen Familie ziehe er in die Schweiz. Bloß weg.

 (Michael Bauchmüller, SZ, 22.12.13)

http://tammox2.blogspot.it/2013/12/das-weihnachtswunder.html
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Gruß Hubert

Der französische Staat als Weihnachtsmann   Leave a comment

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Es ist schon traurig, welche Armut es heute gibt. Inmitten all der Superreichen leben… nein, vegetieren Menschen, die nicht einmal sicher sind, ob sie am nächsten Tag genug zu essen haben. So gleicht in Frankreich die ärgsten Armutsspitzen mit so genanntes primes aus.
Hier ein Artikel von derstandard.at

Wenn der Staat Weihnachtsmann spielen muss

  • Frankreichs Sozialsystem versucht, soziale Härtefälle abzufedern. Ohne Weihnachtsprämie kommen sonst alleinerziehende Mütter oder alte, arme Menschen kaum über die Runden.
    foto: lionel cironneau/ap

    Frankreichs Sozialsystem versucht, soziale Härtefälle abzufedern. Ohne Weihnachtsprämie kommen sonst alleinerziehende Mütter oder alte, arme Menschen kaum über die Runden.

Über zwei Millionen Menschen erhalten in Frankreich alljährlich eine „Weihnachtsprämie“ – und sie sind auf sie angewiesen. Viele Langzeitarbeitslose, Pensionisten und alleinerziehende Mütter könnten ohne diese finanzielle Unterstützung sonst kaum überleben.

Es ist ein ziemlich einzigartiger Weihnachtsbrauch: In Frankreich schüttet Père Noël, der Weihnachtsmann, sein Füllhorn auch im Auftrag des Staates aus. Rund 2,2 Millionen Franzosen erhalten dieser Tage eine „Weihnachtsprämie“. Sie beträgt 152,45 Euro für eine alleinstehende Person oder 381,13 Euro für eine fünfköpfige Familie. Nutznießer sind unter anderem ausgesteuerte Arbeitslose, mittellose Pensionisten und oft auch alleinerziehende Mütter mit niedrigem Einkommen.

Eingeführt hatte diese „prime de Noël“ der sozialistische Premier Lionel Jospin 1998 auf Druck der Arbeitslosenverbände. Mit dem hierzulande oder auch in Deutschland vom Arbeitgeber bezahlten Weihnachtsgeld hat diese staatliche Prämie nicht zu tun. Heute, fünfzehn Jahre nach ihrer Einführung, ist diese Prämie eine von vielen, mit der die Nation für ihre Bürger sorgt; ja sorgen muss.

Prämien für viele Situationen

Wer in Frankreich lebt, erhält mehrere solcher Zulagen, zum Teil sogar unabhängig vom Einkommen. Bei der Geburt gibt es zum ersten Mal Geld, danach auch für die Kinderkrippe und später für den Kindergarten und die Schule. Jeden Herbst erhalten bedürftige Eltern eine „Schulbeginn-Prämie“, um die Sprösslinge mit Schulsachen auszustatten.

Der Staat denkt an alles: Wer die Wohnung wechselt, erhält je nach Einkommen eine „Umzugsprämie“, wer sein Haus heizt, eine „Tankprämie“, und wer verreist, sogar eine „Urlaubsprämie“. Pensionisten haben Anspruch auf bis zu zehn „primes“. Bloß fürs Sterben gibt es keine Prämie mehr.

Frankreich gilt als größter Sozialstaat weltweit. Ein Drittel seiner Wirtschaftsleistung – Europa-Schnitt: 29 Prozent – fließt in die Kinderhilfe, die Pensionen, die Arbeitslosenversicherung oder eben diese Sozialprämien. Auch in der Familienpolitik ist das Land führend: Um die Bevölkerungszahl und die Wirtschaftskraft zu erhöhen, fördert der französische Staat seit bald einem Jahrhundert bewusst Kindergärten, Horte und Tagesschulen, sodass in der Theorie jede Mutter arbeiten kann.

Der Glauben an den Staat

Eine solche Politik – die als Kehrseite eine zumindest im Euroraum unerreichte Steuerlast zur Folge hat – wird von der Bevölkerung nur akzeptiert, wenn der Glaube an die tragende Rolle des Staates da ist. In Frankreich ist er vollkommen. In Paris ist es normal, dass ein wichtiger Konzernchef (unlängst etwa jener von Peugeot-Citroën) bei der Regierung vorsprechen muss, wenn diese an der Strategie der Privatfirma etwas auszusetzen hat. Franzosen erwarten alles vom Staat – sogar ihr Glück: So beauftragte etwa Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012) Nobelpreisträger Joseph Stiglitz mit der Überlegung, ob bei der Berechnung des Bruttoinlandproduktes nicht auch ein „Zufriedenheitsfaktor“ mitspielen sollte.

Dass der Staat die Bürger aushorcht und überwacht, schockiert diese keineswegs: Während Paris jüngst den US-Botschafter vorlud, um gegen die NSA-Bespitzelung zu protestieren, regt sich kaum jemand darüber auf, dass der französische Geheimdienst erst kürzlich genau die gleichen Kompetenzen erhalten hat.

Nach französischem Selbstverständnis ist der „État“ jenes Ganze, das die Ansichten des Individuums vereinigt. Er verkörpert Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und vermittelt ein Gefühl des Aufgehobenseins. Deshalb kümmert sich der französische Staat um alles – und deshalb verteilt er Prämien für alle Lebenslagen.

Mit wenig Geld leben müssen

Heutzutage verstärkt sich zwar die Kritik an dieser „republikanischen“ Großzügigkeit. Aber in Krisenzeiten wie jetzt zeigt sich, dass etwa die Weihnachtsprämie keinerlei Luxus ist. In einem Internetforum rechnete kürzlich eine junge Frau auf Euro und Cent genau vor, wie sie mit ihren zwei Kleinkindern über die Runden kommen muss, nachdem ihr Mann sie verlassen hat: Aus Teilzeitarbeit und Sozialprämien bezieht sie 767 Euro. Davon entfallen 583 Euro auf Miete, Rechnungen, Steuern und Telefon. Es verbleiben 184 Euro für den Alltag, Essen inklusive. Dank der „prime de Noël“ erhält die Kleinfamilie 274 Euro. „Sonst gäbe es für die Kleinen keine Weihnachtsgeschenke“, meint die Französin.

Ein Einzelfall ist das nicht: Laut der Armutskonferenz in Paris zählt das Land mit seinen 65 Millionen Einwohnern heute 8,6 Millionen Erwachsene, die mit weniger als tausend Euro im Monat überleben müssen. Nur ein Viertel erhält die Weihnachtsprämie. Fast 6,5 Millionen gehen hingegen leer aus. Und ihre Kinder zu Weihnachten dann wohl auch. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 23.12.2013)

http://derstandard.at/1385171971689/Wenn-der-Staat-Weihnachtsmann-spielen-muss?ref=nl

Gruß Hubert

Veröffentlicht 24. Dezember 2013 von hubert wenzl in Politik

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