Archiv für 16. Februar 2014

Die Untersuchung des Mannes   Leave a comment

.

Es liegt vieles im Argen, wenn es um Männergesundheit geht. So wird für die Brustkrebsforschung zehnmal mehr Geld ausgegeben als für die Erforschung des Prostatacarcinoms…
Hier ein Bericht von Männerarzt Dr. Georg Pfau.

Die Untersuchung des Mannes

Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), körperliche Untersuchung und die abschliessende Befundbesprechung sind im Arzt-Patienten-Verhältnis die wesentlichen Kontakte, ohne die die Tätigkeit des Arztes nicht möglich ist. Alle diese Tätigkeiten müssen laut Ärztegesetz „unmittelbar“ erfolgen, das heisst in einem persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch. Die Behandlung eines Patienten per Telephon, Email oder über sonstige Medien ist im österreichsichen Ärztegesetz ausdrücklich nicht vorgesehen, weil damit die Sorgfaltspflicht verletzt wird. Da man sich für so ein Gespräch Zeit nehmen muss und diese Zeit noch dazu schlechter honoriert wird als ein einfaches kleines „Kreuzchen“ auf einem Laborzuweisungsformular, besteht in den Ländern mit „fortschrittlicher“ Medizin eine bedenkliche Schwachstelle.

Eine von Kopf bis Fuss reichende, eingehende körperliche Untersuchung des entkleideten Patienten ist heutzutage eine der Realität widersprechende Idealvorstellung. Ich versuche allerdings dieser Idealvorstrellung möglichst nahe zu kommen, deshalb ist es mir nicht immer möglich, die Männersprechstunde in die Kassenpraxis zu integrieren.

Die „umfassende“ Untersuchung und das sie begleitende Gespräch dauert eher 60 als 30 Minuten, vor allem wenn es sich um einen Erstkontakt handelt.

Es ist daher verständlich, dass es meiner Intention entspricht, diese Art von Medizin ausserhalb die Ordinationszeiten zu verlegen.

*

Zweifelsohne hat die Medizin größeres Interesse an den Frauen und deren Belange als an den Männern. Dies wird wahrscheinlich damit zusammenhängen, daß in der Vergangenheit die Mehrheit der Ärzte Männer waren…und deren Interesse gilt eben den Frauen.

So wird für die Brustkrebsforschung zehnmal mehr Geld ausgegeben als für die Erforschung des Prostatacarcinoms…und das sollte zu denken geben.

Es ist die Aufgabe von Männerärzten auch in solchen Kategorien zu denken und Mißstände aufzuzeigen, denn Männerärzte sind die Anwälte der Männer im Gesundheitssystem, sie machen Gendermedizin für Männer.

Falsche Scheu von Seiten der Patienten, aber auch der Ärzte kann fatale Folgen haben. Es ist bekannt, daß das Hodencarcinom der häufigste Krebs des jungen Mannes ist, dennoch ist die Begutachtung des Genitales der Männern nicht einmal Bestandteil der Gesundenuntersuchung, ein sehr bemerkenswerter Umstand.

Daher gehört zu jeder umfassenden Untersuchung eines Mannes die Begutachtung und die Palpation (Betastung) der Geschlechtsorgane inclusive der Prostata. Selbst ein zufällig entdeckter Leistenbruch rechtfertigt diese einfache Prozedur.

Weil aber eine solche Untersuchung einen Eingriff in die Intimsphäre eines Mannes darstellt, muss man natürlich vorher das Einverständnis einholen. Ein routinierter Arzt frägt etwa so: wie weit soll ich Sie denn untersuchen? Oder: ist es in Ihrem Interesse, wenn ich mir die Geschlechtsorgane ansehe?

Willigt der Patient ein, ist es gut, willigt er nicht ein, so ist das sein gutes Recht. Der Arzt wird einen Vermerk in der Kartei machen…und man geht zum nächsten Tagesordnungspunkt.

Die meisten Männer kommen zum Männerarzt und haben nicht einmal Beschwerden, sondern wollen sich nur anschauen lassen. Sie wollen einfach nur wissen, dass sie gesund sind; auch das ist ein ausreichendes Motiv zum Männerarzt zu gehen.

Der komplette Untersuchungsvorgang eines Mannes sollte oder kann folgende Schritte umfassen, das vorher erteilte Einverständnis des Untersuchten vorausgesetzt:

 

Routinemäßige Untersuchungen:

ein Laborbefund mit den relevanten Parametern, die natürlich von Mann zu Mann verschieden sind (z.B. HIV, PSA, AFP, HCG, Testo, LH, FSH….)

die Bestimmung der Körpermaße (Größe, Gewicht, Bauchumfang)

die Erhebung von Routineparameter (Blutdruck, Puls..)

die physiaklische Krankenuntersuchung gemäß der ärztlichen Kunst (Abhorchen von Lunge, Herz, Abtasten der Bauchorgane, Prüfen der Reflexe etc….)

 

Je nach Beschwerden oder auf Wunsch des Patienten:

das Abtasten der Hoden (bei Verdacht auf Entzündung, Schwellung, Größe, Schmerzen, Krebs?),

die Ultraschalluntersuchung der Hoden zur Bestimmung der Größe und der Organbeschaffenheit,

die Inspektion (Ansehen) des Penis (wegen Ausschlägen, Feigwarzen, Ausfluß…),

das Reponieren (Zurückschieben) der Vorhaut (wegen Vorhautverengung, zu kurzem Vorhautbändchen, Hygiene, Ausschläge…),

das Tasten der Leisten (wegen Lymphknoten, Leistenbruch),

das rectale Abtasten der Prostata (bei jungen Männern nur in manchen Fällen bei Verdacht auf Entzündung, bei älteren Männern in jedem Fall wegen Hyperplasie und Krebs),

die Ultraschalluntersuchung der Prostata (in begründeteten Fällen bei Verdacht auf Entzündung…),

das Spermiogramm (bei Verdacht auf Störungen der Fruchtbarkeit),

die Spermakultur (bei Verdacht auf Infektionen),

der Harnröhrenabstrich (bei Verdacht auf bestimmte Infektionen),

die Inspektion und Palpation der männlichen Brust (wegen Brustkrebs oder Gynäkomastie),

die Inspektion des Körperbaues auf Fettmasse und Muskelmasse (wegen möglicher hormoneller Defizite).

 

Selbstverständlich gibt es noch weiterführende Untersuchungen, die je nach Bedarf in Anspruch genommen werden können oder müssen.

 

http://www.maennerarzt-linz.at/startseite_maennerarzt/untersuchung-des-mannes/

 

Gruß Hubert

Veröffentlicht 16. Februar 2014 von hubert wenzl in Medizin

Getaggt mit , , , ,