Archiv für 9. März 2014

Der Säuglingspenis als Kulturträger   Leave a comment

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Hier ein Artikel mit sehr guten Argumenten gegen die Beschneidung. Die Argumente dafür sind zum allergrößten Teil (sofern nicht medizinisch indiziert, zum Beispiel Phimose) einfach nur lächerlich und religiösem, längst überholten Unsinn zuzuschreiben. Religionsfreiheit hat dort aufzuhören wo körperliche Unversehrtheit von Minderjährigen verletzt wird.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass bezüglich der Knabenbeschneidung nicht dasselbe gelten soll, immerhin beinhaltet Religionsfreiheit nicht auch automatisch das Recht darauf, Neugeborene verstümmeln zu dürfen. Das heisst: es ist nachvollziehbar, aber nur dann, wenn man die Angst davor, in die braune Ecke gestellt zu werden, mit berücksichtigt. Aber manchmal sagen eben die Falschen das Richtige; Szenenapplaus aus einer Ecke, die einem nicht genehm ist, muss man aushalten können. Ausserdem ist wenig so einfach als haltlose Diffamierung zu demaskieren als der Vorwurf des Antisemitismus – immerhin wäre ich der weltweit erste Antisemit, der sich um die sexuelle Integrität jüdischer Knaben sorgt.

Der Säuglingspenis als Kulturträger

publiziert: Donnerstag, 20. Feb 2014
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Hallux Valgus: Wer Baby-Penisse beschneidet, müsste auch Baby-Zehen abschneiden...

Hallux Valgus: Wer Baby-Penisse beschneidet, müsste auch Baby-Zehen abschneiden…

Noch immer wird bei uns die Knabenbeschneidung aus religiösen oder traditionellen Gründen praktiziert.
Die Verteidiger dieser Praxis reklamieren, mit dem Verzicht auf die Entfernung von Hautlappen an Säuglingspenissen drohe die Totalzerstörung ihrer Kultur. Höchste Zeit, umzudenken.

Gerne werden, wenn es um die Rechtfertigung der Knabenbeschneidung geht, medizinische Vorzüge angeführt. Die Vorhaut ist dann nichts weiter als ein unnützer Hautlappen, der in erster Linie das Einfallstor für zahlreiche medizinische Probleme darstelle. Zu den medizinischen Vorteilen, die mit einer Beschneidung einhergehen sollen, werden ein geringeres Peniskrebs-Risiko sowie ein kleineres Infektionsrisiko – unter anderem durch HIV – angeführt. Das kann stimmen oder auch nicht; die Faktenlage ist hier trotz zahlreicher Studien widersprüchlich.

Klar ist aber, dass die Probleme, unter denen Unbeschnittene gemäss diesen Studien zu leiden haben, mit gängiger Hygiene lösbar sind. Wenn Mann unter der Dusche seinem Reproduktionsorgan die gleiche Aufmerksamkeit schenkt wie, sagen wir einmal, seinen Achselhöhlen, ist er auf der sicheren Seite. Klar gibt es Phimosen, schmerzhafte Verengungen, wo die schnellste Linderung durch eine – nicht immer zwingend vollständige – Beschneidung erzielt werden kann. Aber das hat denkbar wenig mit Religion oder Tradition zu tun.

An Peniskrebs erkrankt bei uns ein Mann unter 100’000. Im Gegensatz dazu haben 12.5% der Bevölkerung einen Hallux Valgus, eine schmerzhafte Fehlstellung der Grosszehe. Dies betrifft zum Grossteil Frauen: neben genetischen Faktoren spielt vor allem falsches Schuhwerk eine Rolle. Rein statistisch gesehen wird fast jede zehnte Frau irgendwann in ihrem Leben an einem Hallux leiden. Jede zehnte Frau: Das ist ein 10000 Mal höheres Risiko als dasjenige, als Mann an Peniskrebs zu erkranken. Folgerichtig müssten wir deshalb allen neugeborenen Mädchen bei der Geburt die grossen Zehen abtrennen, verhindert man damit doch, dass sie später einmal unter einem äusserst schmerzhaften Hallux leiden werden. Das fehlende Gleichgewichtsgefühl wird spätestens beim Eintritt in den Kindergarten von den acht verbliebenen Zehen ausgeglichen und die Bandbreite an Schuhdesigns, welche die Frau dank schmaleren Füssen einmal wird tragen können, wächst erheblich. Eine reine Win-Situation!

Macht Sinn? Nein, macht überhaupt keinen Sinn. Denn erstens können wir bei der Geburt eines Mädchens nicht beurteilen, ob sie tatsächlich irgendwann einmal unter einem Hallux leiden wird und zweitens ist es nicht an uns, über den Körper des Mädchens, über Erhalt oder Amputation ihrer Körperteile zu entscheiden, solange keine Lebensgefahr besteht. Diese Verdinglichung entspräche keinem ethischen Handeln, selbst wenn die Verdinglichung zu einem vermeintlich höheren Zweck wie dem potentiellen Verhindern künftiger Schmerzen geschieht.

Selbstverständlich bringt die Beschneidung an Orten, wo regelmässiges Waschen nicht möglich ist, oder Vorurteile und Aberglauben die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten begünstigen, gewisse positiven Auswirkungen. Hierzulande überwiegen aber bei einer nicht-medizinischen Indikation die Risiken einer Beschneidung deren mutmassliche Vorteile bei Weitem. Es ist grundsätzlich heikel, einen Säugling einer unnötigen Operation zu unterziehen, insbesondere dann, wenn es sich um eine Operation an den Sexualorganen handelt.

Die Komplikationsrate wird auf immerhin 2-10% geschätzt und zu den möglichen Komplikationen gehören, nebst vielen weiteren, Blutungen, Infektionen und die sogenannte Postzirkumsionsphimose, bei der genau der Verengungs-Fall eintritt, der mit der Beschneidung eigentlich hätte verhindert werden sollen. Auch Todesfälle kommen vor, da bei Neugeborenen ein auch nur geringer Blutverlust Lebensgefahr bedeuten kann. Wäre ich Vater eines Sohnes, würde ich es mir gut überlegen, ob ich ihm – auch im Wissen um mutmassliche Risiken, wenn er dann einmal sexuell aktiv wird – die höchst realen Risiken einer Beschneidung zumuten wollte. Als Prävention vor einer Ansteckung mit HIV ist Safer Sex sowieso die weitaus wirksamere Alternative – und erst noch billiger und zu 100 Prozent nebenwirkungsfrei.

Oft hört man, auch von beschnittenen Männern, dass die Vorhaut völlig überbewertet und die sexuelle Reizempfindung dort auch vor der Beschneidung kaum vorhanden sei. Das, obwohl die Vorhaut ungefähr gleich viele Nervenenden wie eine Fingerkuppe hat. Die Behauptung, dass nach einer Beschneidung dasselbe Gefühl vorhanden sei wie davor, mögen mir Unverzagte deshalb bitte unter Zuhilfenahme ihrer Finger und einem scharfen Küchenmesser beweisen. Ausserdem geschieht die Beschneidung, egal ob aus religiösen oder medizinischen Gründen durchgeführt, meist im Kleinkindes- oder Vorschulalter. Ich habe etwas Mühe damit, einem 40jährigen Mann zu glauben, dass er sich an die Empfindsamkeit eines Stück Hauts erinnert, das ihm vor 30 Jahren oder mehr abgenommen wurde. Ich zweifle ebenso daran, dass er als Neugeborener sexuell bereits derart aktiv war, so dass ein Vergleich zum Jetzt herstellbar wäre. Es sei denn natürlich, er habe heute genauso wenig Sex wie damals.

Immer wieder kommt der Einwand, dass die Eltern erziehungsberechtigt seien und es ihnen nicht verboten werden dürfe, ihre – auch religiösen – Werte an ihren Nachwuchs weiterzugeben. Dem ist grundsätzlich nicht zu widersprechen. Es liegt aber auch auf der Hand, dass dieses Recht der Eltern nicht absolut gilt, sondern dass das Primat des Kindswohls überwiegt.
So ist es beispielsweise im Glaubenssystem der Zeugen Jehowas nicht erlaubt, Bluttransfusionen anzunehmen, auch nicht dann, wenn es sich um die eigenen Kinder handelt, denen in einer Notsituation Blut verabreicht werden soll. Trotzdem würde eine Mutter, die mit Verweis auf ihren Glauben die lebensrettende Bluttransfusion an ihrem Kind verhindern will, hierzulande sowohl von Kinderschutzbehörden als auch von den behandelnden Ärzten in ihre Schranken gewiesen werden: Das Überleben des Kindes wird als wichtiger angesehen als das Recht der Mutter, ihre Religion unverfälscht und ohne Abstriche weitergeben zu können.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass bezüglich der Knabenbeschneidung nicht dasselbe gelten soll, immerhin beinhaltet Religionsfreiheit nicht auch automatisch das Recht darauf, Neugeborene verstümmeln zu dürfen. Das heisst: es ist nachvollziehbar, aber nur dann, wenn man die Angst davor, in die braune Ecke gestellt zu werden, mit berücksichtigt. Aber manchmal sagen eben die Falschen das Richtige; Szenenapplaus aus einer Ecke, die einem nicht genehm ist, muss man aushalten können. Ausserdem ist wenig so einfach als haltlose Diffamierung zu demaskieren als der Vorwurf des Antisemitismus – immerhin wäre ich der weltweit erste Antisemit, der sich um die sexuelle Integrität jüdischer Knaben sorgt.

Eine seltsame Tradition, die von Amputationen an Säuglingspenissen abhängt.

Ein seltsamer Gott, der uns zwar vollkommen und «in seinem Bilde», aber offenbar an einer Stelle mit zuviel Haut geschaffen hat. Wobei man zugeben muss, dass es auch bei den Anhängern der «beschneidenden» Religionen Fortschritte gibt. Vorreiterin hier ist die Katholische Kirche, die, im Gegensatz beispielsweise zur Koptischen Kirche, schon seit 1442 die Beschneidung offiziell nicht mehr vorschreibt.

Bei den Muslimen ist die Beschneidung, je nach theologischer Präferenz, nicht zwingend vorgeschrieben, sondern immerhin nur empfohlen. Und es gibt auch mehr und mehr Juden, welche die Knabenbeschneidung nicht zu dem zentralen Pfeiler für jüdische Kultur und Identität verklären,

sondern in diesem Brauch das sehen, was er tatsächlich ist: ein barbarisches Ritual aus finsteren Zeiten, das unter Billigung von schwerwiegenden Risiken bis zum heutigen Tage an nicht einwilligungsfähigen Minderjährigen vollzogen wird.

(Claude Fankhauser/news.ch)

http://www.news.ch/Der+Saeuglingspenis+als+Kulturtraeger/617341/detail.htm

Gruß Hubert

Bildung schützt nicht   Leave a comment

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Wenn man zu verliebt ist und zu viel Vertrauen hat, kann das in einer Beziehung manchmal teuflisch in die Hose gehen, wie der folgende Fall lehrt. Weiters ist dieser Fall ein Lehrbeispiel wie das mit der Gleichberechtigung aussieht. Sind Frauen ausschließlich Opfer und Männer immer Täter? Jedenfalls behaupten das felsenfest manche Feministinnen.

Bildung schützt nicht

Von Markus Kempe

Bis zu meinem Master-Abschluss verlief mein Leben sehr geradlinig. Dann traf ich Sie und alles geriet aus den Fugen.

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Mein Leben begann sehr vielversprechend und einfach. Abitur, Wehrdienst, dann mit kurzer Wartezeit ein Studium der Biologie. Und nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass man als Mann diskriminiert werden würde.

Ich verstand zwar nicht genau, warum Frauen keinen Wehrdienst leisten müssen oder warum es soviele Hilfs- und Unterstützungsprogramme für Frauen gab, aber irgendwie schien ja alles gut zu laufen. Mit eben jenen Frauen hatte ich keinen Erfolg. Weder in meiner Schulzeit noch im Großteil meines Studiums hatte ich engen Kontakt mit dem anderen Geschlecht. Ich stellte Frauen auf ein Podest, hielt sie für wunderbare Wesen, die es zu beschützen und retten gilt. Irgendwann verstand ich, dass es genau diese Einstellung war, die Frauen abstieß, also legte ich sie ab und auf einmal lief es. Ich hatte eine Freundin, die mich dann nach drei Jahren darüber informierte, dass sie einen anderen Mann traf. Sie war sich nicht sicher, ob sie ihn oder mich wollte, und in dieser unsicheren Umgebung, dieser Umgebung zwischen Beziehung und Nicht-Beziehung, traf ich Sie.

Sie war anders, wilder, verrückter und sexueller in ihrem Auftreten. Mann konnte Spaß mit ihr haben und tiefe Gedanken austauschen. Auf der anderen Seite spielte sie die „Rette mich!“-Karte. Erzählte sie schon nach wenigen Minuten Kennenlernen, was in ihrem Leben alles schief gelaufen ist, von Psychiatrie, Straftaten und der Wohnungslosigkeit, in der sie sich mehr oder minder befand, hätte sie ein anderer Weißer Ritter nicht bei sich aufgenommen. Hier hätten alle meine Warnglocken schrillen sollen, aber ich ließ mich auf sie ein. Weihnachten war wenige Wochen später und wir feierten zu zweit. Gutes Essen, Party und wilder Sex. Sie nahm die Pille und erzählte mir, dass Kondom keine Option sei, da sie kein Latex vertragen würde. Hier hätten wieder meine Alarmglocken schrillen sollen, aber wenn man liebt, neigt man zum Vertrauen.

Als ich sie nach einer Woche Weihnachtsfeiern nach Hause zurückbringen wollte, schloss sie sich auf der Toilette ein und schnitt sich in die Arme. Als sie mir die Wunden mit Tränen in den Augen zeigte und davon berichtete, wie sie sich selbst verletzte, konnte ich sie nicht wegbringen. Und wieder ignorierte ich die Warnsignale.

So lebten wir zusammen in meiner kleinen Studentenwohnung. Ich zahlte das essen und half ihr, wieder auf die Beine zu kommen, was schwieriger war als ich annahm. Sie hatte nicht mal Personalien. Aber irgendwie war da immer die Stimme in mir, die meinte, ich müsste ja helfen. Selbst der Rat eines freundlichen Sozialarbeiters „Du kannst sie nicht retten“ schlug ich in den Wind und dann ließ sie die Bombe platzen.

„Ich bin schwanger! Meine Pille hat versagt! Ich bin nicht schuld, aber will das Baby behalten!“ Ich war hin und hergerissen, redete mit ihr, sprach auch das Thema Abtreibung an. Ihre Freundinnen fuhren mich zornig an, wie ich es überhaupt wagen kann, dieses Thema anzusprechen. Später erst erfuhr ich, dass ich in diesem Belang kein Mitspracherecht hatte. Sie hat mich angelogen in vollem Bewusstsein, auch wenn sie es bis heute leugnet, und ich hatte keinerlei Rechte mehr. Nur die Wahl zwischen „Sich um das Kind und damit leider auch um die Mutter kümmern“ oder „Jeden Monat Geld zahlen und mit dem schlechten Gewissen leben“.

Ich entschied mich für ersteres und damit begann ein jahrelanger Leidensweg. Sie begann, Dinge zu fordern. Eine größere Wohnung, eine Möglichkeit wieder zu reiten, mehr Geld für alles. Sie konnte ja nicht arbeiten, war ja schwanger, also musste ich ran. Ich arbeitete in einer Spielhalle als Aufsicht. Ein Job, den ich nie wieder in meinem Leben tun werde. Nebenbei schrieb ich Bewerbungen und den Haushalt erledigte ich dazu, denn schließlich war sie schwanger. Ich musste neue Möbel ranschaffen, schließlich hätten wir bald ein Kind. Kleidung, Einrichtung, Essen, alles ging von meinem Ersparten ab, bis nichts mehr übrig war. Und sie gab sich nicht mit einfachen, gebrauchten Möbeln zufrieden, nein, es mussten neuwertige Möbel sein. Und dazu ihre ständigen manisch-depressiven Phasen. Und immer noch hatte ich keine Chance rauszukommen, ohne wie das letzte Monster auszusehen.

Nur eine Hoffnung gab es für mich. Eine Stelle in meinem Beruf zu finden, die so gut bezahlt wurde, dass ich ihre Wünsche befriedigen konnte, ohne mich zu verschulden. Hunderte Bewerbungen schrieb ich. Ich war kein Einser-Student, aber immerhin hatte ich einen glatten Zweier-Schnitt. In meinen Master-Kursen damals hatten wir einen Frauen-Anteil von 80%. Zu Zeiten meines Bachelor-Studiums sogar 90%. Aber immer noch sah ich unter allen Stellenausschreibungen einen dieser Sätze, die ich zu hassen gelernt habe: „Frauen werden nachdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben.“ „Bei gleicher Qualifikation werden weibliche Bewerber bevorzugt eingestellt.“ Wie konnte das sein? Und vor allem, wie soll ich mich gegen eine Überzahl von 80% an Frauen durchsetzen, wenn sie bei Gleichstand gewinnen?

Ich erhielt nur wenige Einladungen zu Bewerbungsgesprächen, die erste nach einem Jahr. Hier wurde ich dann auch gefragt, warum ich nicht früher eine Stelle gefunden hatte? Ich antwortete wahrheitsgemäß. Im dritten Bewerbungsgespräch führte mich ein älterer Professor nach draußen. Er gab mir den inoffiziellen Tip, meine Vaterschaft aus meinem Lebenslauf zu streichen und auf die Frage, warum ich nicht früher eine Stelle gefunden habe, eine Krankheit oder ähnliches zu erfinden. Väter wären als Doktoranden nicht erwünscht, da sie nicht flexibel genug wären.

Ich war geschockt. Das ganze Gerede darüber, dass man doch seine Elternzeit als Mann nehmen soll, dass Deutschland mehr Nachwuchs braucht. Alles war nur Gerede. Schlußendlich sollte man nur funktionieren. Ich änderte meine Bewerbungsschreiben.

Ein Jahr später hatte ich wieder zahlreiche Bewerbungen hinter mir, versuchte es mit der Selbstständigkeit. Ohne Erfolg. Die Beziehung mit der Mutter meiner Tochter wurde unerträglich. Sie rührte kaum einen Finger im Haushalt, kümmerte sich nur sporadisch um eine Arbeitsstelle und nur einer von uns beiden wurde regelmäßig vom Arbeitsamt unter Druck gesetzt. Sie dürfen raten, wer das war.

Schließlich fand sie eine Stelle als Kellnerin in einem nahegelegenen Restaurant. Diese Stelle war so gut bezahlt, dass ich Elternzeit nahm und den miesen Job kündigte. Endlich konnte ich mich völlig auf die Bewerbungen konzentrieren und ich war erst etwa anderthalb Jahre aus dem Studium raus. Es ging bergauf, so dachte ich. Sie hatte die Stelle ganze zwei Monate, bevor das Restaurant schloss und sich der Betreiber, ohne die ausstehenden Gehälter auszuzahlen, aus dem Staub machte. Wieder saß sie nur Zuhause auf dem Sofa, wieder erhielt ich die Briefe vom Arbeitsamt und noch schlimmer: Dieses mal musste ich ihr beim rumsitzen zusehen, konnte nicht aus dem Haus zur Arbeit flüchten. Wir stritten uns ständig.

Zu meinem Glück hatten wir noch vor der Geburt einen Amtstermin gehabt, in dem ich das halbe Sorgerecht erhalten hatte. Erst später erfuhr ich, dass ich ohne diesen Termin damals noch rechtlos gewesen wäre.

Ich hätte meine Tochter weder sehen, noch sie erziehen oder mit ihr Zeit verbringen dürfen, ohne Zustimmung der Mutter. Ich hätte aber die Pflicht gehabt zu zahlen.

Wie konnte dieser Umstand bis Mitte 2013 bestehen? Wie kann es sein, dass in einem modernen Staat erst auf Druck der EU eine Änderung entsteht, die auch Männern, wenn auch über Umwege, das Recht einräumt, ein Kind zu haben?

Die Beziehung hielt knapp drei Jahre, bis ich es nicht mehr aushielt. Vor der Trennung informierte ich mich über das Thema Sorgerecht. Ich wollte in keine Falle laufen, so dass ich plötzlich jeden Monat tiefer in die Schulden absacke, nur um ihren Lebenstil zu finanzieren. Ich erinnere mich noch an ihren Kommentar, als sie überlegt, was sie aus der gemeinsamen Wohnung, die ich immer noch bewohne, mitnehmen sollte: „Ich nehm´ einfach alles mit, du kannst dann ja was wieder holen.“ Ich hatte meine gesamten Ersparnisse geopfert, um die Einrichtung zu zahlen. Diese Kaltschnäuzigkeit wiederte mich an.

Eine Stelle in meinem Beruf hab ich nun immer noch nicht gefunden, selbst in ähnlichen Berufen scheint es unmöglich zu sein. Durch Kind und zerstörerische Beziehung habe ich drei Jahre meines Lebens verloren. Drei wichtige Jahre, in denen ich eigentlich meine berufliche Situation hätte festigen müssen. Erwartungen und Gesetzlage ließen mich wählen zwischen Schulden und schlechtem Gewissen auf der einen und Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite. Mittlerweile arbeite ich wieder. Ich bin Nachhilfelehrer. Gut bezahlt werde ich nicht, aber ich bringe jungen Menschen gerne etwas bei. Auch dass sie sich nicht alles gefallen lassen müssen und das Vertrauen einem manchmal eine Menge kosten kann. Meine Tochter sieht sowohl Mutter als auch Vater täglich, wir wohnen nur ein Haus auseinander und kommen miteinander klar. Eine neue Freundin hab ich auch, eine, die meine Situation sehr genau kennt und mir durch die härtesten Zeiten meiner Arbeitslosigkeit geholfen hat.

Heute habe ich erst wieder gelesen, dass ein abgeschlossenes Studium der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist. Gleichermaßen habe ich auch wieder gelesen, dass „Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt werden.“ Vielleicht schützt das Studium nur Frauen vor der Arbeitslosigkeit, auf alle Fälle wirkt es bei ihnen besser. Aber ich habe auch gelesen, dass wegen der Gleichstellungsgrundsätze auch Männer aufgefordert werden, sich zu bewerben. Vielleicht bewegt sich ja doch etwas…

http://www.cuncti.net/lebbar/648-bildung-schuetzt-nicht

Gruß Hubert