Archiv für 21. März 2014

Die Intelligenz der Tiere   Leave a comment

Tiere wurden in Vergangenheit systematisch als mit wenig Intelligenz ausgestattet, vor allem aus religiösen Kreisen, dargestellt. Man wollte eine künstliche Kluft zwischen Mensch und Tier setzen und diese möglichst groß halten. So konnte man den sehr oft barbarischen Umgang mit Tieren leichter verdrängen oder kleinreden. Gefühle wurden den Tieren in den allerseltensten Fällen zugestanden. Religionen versagen da fast ausnahmslos alle, wenn es um eine humanen Umgang mit Tieren geht. Das kann jeder selbst nachrecherchieren. Deshalb fallen sie alleine aus diesem Grund für mich als moralische Intanz schon aus. Kein Wunder, dass es viele Abhandlungen gibt, die den Kirchen den Verrat an den Tieren vorwirft. Die Lügen und Halbwahrheiten die über Tiere verbreitet werden, sind weitest verbreitet und halten leider Einzug in vielen Köpfen.

Staunen über die Intelligenz der Tiere

Von Julia Brunke

Wissenschaftler staunen, wenn Tiere Dinge beherrschen, die wir Menschen für uns beanspruchen: sich im Spiegel erkennen, logisch denken oder planvoll handeln. Und dann reden wir davon, dass diese Tiere intelligent sind. Dabei können Tiere doch oft viel mehr als wir: Welcher Mensch kann ohne technische Hilfsmittel mittels Infraschall mit anderen Menschen kommunizieren, die viele Kilometer entfernt sind? – Elefanten können es. Welcher Mensch kann mit seiner Nase kostbare Pilze finden? – Schweine können es. Welcher Mensch hat ein eingebautes Navigationssytem? – Zugvögel haben es.

Als vor fast hundert Jahren

erstmals nachgewiesen wurde, dass Schimpansen Werkzeuge verwenden, geriet ein ganzes Weltbild ins Schwanken… Bild: © Ronnie Howard – Fotolia.com

Nicht nur der Mensch benutzt Werkzeug

Wer denken und planmäßig vorgehen kann, nutzt Werkzeug. Jahrhundertelang galten die Verwendung und erst recht der Bau von Werkzeugen als Erfindung des Menschen – und als DIE Eigenschaft, die das Denkvermögen des Menschen über das der Tiere heraushebt. Als der Psychologe Wolfgang Köhler Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Versuch nachwies, dass Schimpansen Werkzeuge verwenden, um an eine Banane zu gelangen, wurde ein ganzes Weltbild erschüttert – nicht nur das der Wissenschaftler. Inzwischen gilt als bewiesen, dass nicht nur viele Affenarten wie Schimpansen, Bonobos, Orang-Utans oder Kapuzineräffchen, sondern auch Elefanten, Delphine, Krähen oder Kakadus Werkzeuge verwenden und sogar selbst herstellen. Und dass sie dabei komplexe Transferleistungen unter Beweis stellen.

Im Tai-Nationalpark an der Elfenbeinküste beobachten Forscher einen besonders ausgefeilten Werkzeuggebrauch bei Schimpansen: Sie verwenden einen Ast als Hammer und einen Stein als Amboss, um Palmfrüchte aufzuschlagen. Junge Schimpansen lernen von den älteren – und es gelingt ihnen schon im Alter von etwa dreieinhalb Jahren, Palmfrüchte aufzuknacken und an das Fruchtfleisch zu gelangen. Im Verlauf ihres Lebens perfektionieren die Schimpansen ihre Technik immer weiter. Forscher sehen darin einen weiteren Beweis für das kulturelle Verhalten der Menschenaffen. (Evidence for Cultural Differences between Neighboring Chimpanzee Communities. In: Fachmagazin Current Biology, Mai, 2012)

Auch bei Elefanten haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass sie Werkzeuge benutzen. Die grauen Riesen schwenken Zweige mit ihrem Rüssel, um Fliegen zu vertreiben. Die Forscherin Joyce Poole beobachtete bei afrikanischen Elefanten, wie sie große Steine auf einen elektrischen Zaun warfen und auf diese Weise den Strom unterbrachen.

Als Denkmeister unter den Vögeln gelten Neukaledonische Krähen: In einem Versuch sollte eine Krähe einen Korb mit Hilfe eines Drahtes aus einer Röhre fischen. Ohne jemals einen Draht gesehen zu haben, bog sie sich einen Haken.

In Japan, aber auch in München, haben Rabenkrähen eine neue Art des »Nuss-Knackens« erfunden: Sie legen die Nüsse an Ampeln oder Zebrastreifen auf die Straße und warten, bis sie von einem Auto »aufgeknackt« werden. Wenn der Verkehr an der roten Ampel oder am Fußgängerüberweg hält, sammeln sie die geknackten Nüsse ein. (Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz – Was wir von Krähen lernen können . 4. Aufl. 2011)

Krähen

überraschen Forscher immer wieder aufs Neue mit ihrer großen Intelligenz. Bild: © Alena Yakusheva Fotolia.com

Tiere nutzen Pflanzen als Medizin

Wild lebende Tiere geben erlerntes Wissen über den Nutzen bestimmter Wildkräuter und das Meiden von giftigen Pflanzen von Generation zu Generation weiter. Sie essen bestimmte Pflanzen gegen Würmer oder Tonmineralien gegen Durchfall.

Die Biologin Holly Dublin beobachtete in der kenianischen Grassavanne eine Herde Elefanten. Ein trächtiges Weibchen rannte eines Tages unvermittelt zu einem Baum außerhalb ihres Reviers und fraß alle Blätter. Am nächsten Tag brachte sie ein Junges zur Welt. Von den Massai-Frauen erfuhr die Biologin, dass Schwangere einen Extrakt dieser Blätter einnehmen, um bei überfälligen Geburtsterminen die Wehen einzuleiten. (Beobachter Natur 6/2012)

Bei den Massai-Frauen handelte es sich um ein traditionelles naturheilkundliches Wissen. Doch woher wusste die trächtige Elefantenkuh, dass die Blätter ihr helfen würden, ihr Junges zur Welt zu bringen? Hatte sie es von anderen Elefantenmüttern gelernt und dieses Wissen dann planmäßig angewendet? Oder tat sie intuitiv das Richtige?

Elefanten

nutzen die medizinische Wirkung von Pflanzen. Bild: © Kitch Bain Fotolia.com

Auch von Affen und Menschenaffen ist bekannt, dass sie die medizinische Wirkung von Pflanzen nutzen. Eine Studie, die in der Fachzeitschrift American Journal of Primatology veröffentlicht wurde, belegt, dass Schimpansen recht genau wissen, in welcher Situation ein bestimmtes Medikament helfen kann. Sie verwenden beispielsweise die Blätter von Korbblütlern der Gattung Aspilia für Wurmkuren. Die in Süd- und Mittelamerika lebenden Kapuzineraffen behandeln ihr Fell mit dem Fruchtfleisch und dem Saft bestimmter Zitrusgewächse, mit Zwiebeln, Knoblauch oder Pfeffer, um lästige Insekten loszuwerden. (Frankfurter Rundschau, 18.9.2012)

Als ich ein Kind war, lebte bei uns eine weiße Ziege namens »Hippie« – und wie Pippi Langstrumpf ihr Pferd in die Wohnung nahm, so war auch Hippie immer wieder Gast im Wohnzimmer. Als die Ziege alt wurde, bekam sie Gelenkschmerzen und konnte nicht mehr so gut laufen. Wir beobachteten, wie Hippie nun täglich an Brennnesseln knabberte. Der ganzen Familie war klar: Sie therapiert damit ihr »Rheuma«! Die Brennnessel ist bekanntlich ein Heilkraut, das in der Naturmedizin zur Linderung von Entzündungen und Gelenkschmerzen verwendet wird. In einer wissenschaftlichen Studie, die 1999 an der Plymouth Postgraduate Medical School, England, durchgeführt wurde, waren sich alle Probanden sicher, dass Brennnesseln zur Behandlung von Gelenkschmerzen sehr hilfreich waren.

Doch woher wusste Hippie, dass ihr Brennnesseln helfen würden? – Tiere scheinen über eine Intuition zu verfügen, über die wir Menschen nur staunen können!

Woher wusste Ziege Hippie,

dass Brennnesseln gegen ihre Gelenkschmerzen helfen? – Bild: privat

Tiere sind soziale Superhirne

Tiere sind wahre Kommunikationstalente, die sich wahlweise über Laute, Farben und Körpersprache mitteilen. Und: Gefühle sind unter Tieren weit verbreiteter, als bisher angenommen.

In aufsehenerregenden neurobiologischen Scans konnten Forscher bei Krähen in Gefahrensituationen eine erhöhte Aktivität der Amygdala, jener mandelförmigen Gehirnregion feststellen, die auch beim Menschen für das Empfinden von Angst zuständig ist. Die Krähen waren in der Lage, den Mann, der sie gefangen hatte, noch zehn Jahre später wiederzuerkennen und die ganze Krähenpopulation der Stadt vor ihm zu warnen. (BBC-Dokumentation »Tierische Genies«, ORF, 31.7.2012)

Hier weiterlesen:

http://www.freiheitfuertiere.de/artikel/staunen-ueber-die-intelligenz-der-tiere.html

Gruß Hubert