Archiv für 11. April 2014

Kirchenkritiker Karlheinz Deschner ist tot   1 comment

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Ich habe Karlheinz Deschner viel zu verdanken. Durch ihn nahm ich endgültig Abschied von der kath. Kirche… und nicht nur von der Kirche. Er öffnete mir die Augen. Das war für mich eine richtige Befreiung.
Erstaunlich, dass ihn so wenige in meiner Umgebung kennen, auch gebildetere Leute nicht. Aber das Land ist eben viel zu sehr klerikal geprägt. Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich kann nur sagen Südtirol ist ein richtiges, dunkel-schwarzes Pfaffenland.

Einen guten Nachruf auf Karlheinz Deschner, der am 8. April an seinem Wohnort Haßfurt verstarb, ist in der Mainpost erschienen.
Hier der Artikel.

Bissig, bisweilen gnadenlos sprang er mit Kirche und Klerus um. Doch im Gespräch entpuppte sich Karlheinz Deschner als stiller, nachdenklicher Mensch. Am Morgen des 8. April ist der „warmherzige Melancholiker“, wie ihn sein Lektor genannt hatte, der Autor der „Kriminalgeschichte des Christentums“, im Alter von 89 Jahren in einer Klinik seines Wohnortes Haßfurt gestorben. Dies teilte seine Mitarbeiterin Gabriele Röwer am Mittwoch mit.

Regale an allen Wänden, Tausende Bücher bis unter die Decke: Das Zimmer, in das Karlheinz Deschner den Besucher bat, verriet den Intellektuellen. Reden, erklärte er beinahe entschuldigend, liege ihm nicht. Ganz präzise, wie das eben nur schriftlich geht, wollte er seine Gedanken immer fassen. Konsequent (manche sagten: stur) dachte er sie zu Ende und zog seine Schlüsse. So einer – gleich gar, wenn er gegen die Kirche wettert – ruft Widerstand hervor. Man schrieb gegen Deschner an, gab ein dickes Buch heraus. 1971 stand er wegen „Kirchenbeschimpfung“ in Nürnberg vor Gericht. Der Fall wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Der letzte Band seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ erschien 2013, wurde von den Feuilletons wahrgenommen – doch der Sturm der Entrüstung, den die ersten Bände hervorgerufen hatten, blieb aus. Kirchenkritisch war der gebürtige Bamberger schon in jungen Jahren. Auch seine Dissertation bei den Germanisten an der Würzburger Uni über Lenaus Lyrik war ihm in diese Richtung geraten.

Eher traurig als bösartig

Jahrzehntelang bewältigte der Frühaufsteher ein Zwölf-Stunden-Arbeitspensum, tippte eisern auf der Olympia-Schreibmaschine, werktags, sonntags, feiertags. Jahrelang balancierte er an der Armutsgrenze. Mit 43 wehrte sich der Körper – Herzinfarkt.

1970 hatte er mit dem Rowohlt-Verlag einen einzigen Band „Kriminalgeschichte“ vereinbart. Des Autors Perfektionismus bei der Recherche ließ daraus zehn werden, aus geplanten 350 Seiten 5820, auf denen er, vielleicht ein bisschen wie Don Quichotte gegen Windmühlen, gegen die Kirche anrannte. Deschner war sich dessen durchaus bewusst: „Ich kann die Welt nicht ändern.“ Missionarischer Eifer sei ihm fremd, aber: „Manche Dinge müssen einfach gesagt werden.“
Karlheinz Deschner wirkte eher traurig als bösartig, wenn er über Religion und ihre Folgen sprach. Wie auch anders, wo doch – so meinte er – über Jahrhunderte hinweg unter dem Deckmantel des Christentums Gräueltaten verübt worden seien: „Der Glaube hat die Menschen auf die Schlachtfelder getrieben.“ Deschner war indes nicht so kurzsichtig, Derartiges nur dem Christentum anzulasten, wenn er sich in seiner Kritik auch darauf konzentrierte. Alle großen monotheistischen Religionen und auch manche politische Ideologie hätten die gleiche Wirkung: Sie gaukeln ein geschlossenes Weltbild vor. Mit der fatalen Folge, dass sich ihre Anhänger im Besitz der Wahrheit wähnen und sie anderen aufdrängen wollen. Wenn nötig mit Gewalt. Verzicht auf Religion hielt er folgerichtig für eine Voraussetzung zum toleranten Miteinander.

Die Publicity um die „Kriminalgeschichte“ hat eines immer verdeckt: Deschner war auch ein wortmächtiger Autor von Kurzgeschichten. Seine plastischen Schilderungen, etwa von Spaziergängen in der fränkischen Heimat, sind ein Lese-Erlebnis. Auch für jene, die mit seiner Religionskritik nichts anfangen können.

Von Ralph Heringlehner

Quelle: Mainpost.de

 

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Die herrschende Politik und die gesellschaftlichen Verhältnisse verlangten eigentlich danach, „dass man jeden Tag und jede Stunde auf die Barrikaden springen müsste, um etwas zu verändern“, sagte Karlheinz Deschner einmal. Doch seine Aufgabe als Schriftsteller sei es „eben nicht, auf die Barrikaden zu springen, sondern zu schreiben“.

http://www.taz.de/Zum-Tode-Karlheinz-Deschners/!136565/

 

Gruß Hubert

Karlheinz Deschner – Kriminalgeschichte des Christentums – Teil 2   1 comment

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Sehen Sie über die Jahrhunderte hinweg eine Entwicklung zum Besseren? Zu mehr Toleranz, zu mehr Friedfertigkeit bei den christlichen Kirchen? Schließlich führt der Papst keine Kriege mehr gegen Heiden . . .

Deschner: Nein, Kriege, Kriege in eigener Regie, führt der Papst inzwischen keine mehr, nicht mehr gegen Heiden und nicht mehr gegen Christen, weil man ihm alles, womit er jahrhundertelang Kriege geführt, weggenommen hat – Truppen, Generäle, Schlachtschiffe, Kanonen, Festungen, Waffenfabriken. Doch gibt es Möglichkeiten, die Menschheit auf andere Weise, gleichsam friedlicher, zu bekämpfen.

Ideologisch, durch dogmatischen Wahnsinn, der sich ja nie mit dem bloßen Glauben begnügt, der „missionieren“, ausgreifen will; durch Unterstützung einer desaströsen Gesellschaftsmoral, die die Armen zugunsten der Reichen betrügt; durch eine desaströse Sexualmoral, die im Mutterschoß schützt, was sie preisgibt im Krieg; durch das Verbot der Empfängnisverhütung, das noch Opfer fordern könnte, wenn es gar kein Papsttum mehr gibt, aber Opfer solange Menschen leben werden und sterben. Im Übrigen ist das Papsttum, seine ganze Geschichte beweist es, intolerant durch und durch, ist tolerant nur, wenn es die Opportunität erheischt, wenn es zweckdienlich ist, wenn es einfach nicht mehr anders geht, aber nur dann!

Dass Bücher wie die Ihren erscheinen können – ist das nicht Zeichen einer Verbesserung?

Deschner: Ach ja, so fragt man häufiger. Auch ich selbst soll der leibhaftige Gegenbeweis meiner kirchenfeindlichen Haltung sein. Denn wären, sagt man, meine Gegner wirklich so schlecht, wie sie bei mir erscheinen, würde ich dann noch leben? Aber könnte ich nicht, frage ich zurück, vielleicht gerade diesem Gedankengang mein Leben verdanken?

Die Verbesserung ist also nur eine vermeintliche – ist sie einfach nur der Tatsache geschuldet, dass die Kirche an Macht eingebüßt hat?

Deschner: Natürlich ist die „Verbesserung“ bloß scheinbar, ist sie erzwungen. Seit Paulus, das heißt von Anbeginn, und gerade von Anbeginn an, lebt das Christentum von der Anpassung. Und gar keine Frage: Man hat nicht erst heute weniger Macht. Aber man hat noch Macht, teilweise enorme Macht. Doch man operiert subtiler, ja. Man täte wenig lieber, als unsereinen zu foltern und zu verbrennen, „schön von unten herauf“, hätte man die Macht dazu.
Kein Geringerer aber als der englische Schriftsteller und Konvertit Gilbert Keith Chesterton konnte sich gut eine Zukunft denken mit dem ganzen Apparat der Inquisition, mit Tortur und Scheiterhaufen.

Wer Ihre „Kriminalgeschichte“ liest, kommt zu der Erkenntnis, dass das Christentum nicht mehr viel mit der Lehre Jesu zu tun hat. Wie konnten die Ursprünge in Vergessenheit geraten?

Deschner: Mit der überlieferten Lehre Jesu hatte das Christentum nie viel zu tun. Wir wissen ja nicht einmal annähernd, was Jesus gelehrt hat. Die Evangelisten, das betont die gesamte kritische Bibelwissenschaft, hatten an historischer Realität überhaupt kein Interesse. Ihre von Ungereimtheiten und Widersprüchen nur so strotzenden Schriften sind mythologische Literaturprodukte, Erzeugnisse der gläubigen Gemeindefantasie, sind nur, wörtlich, mit äußerster Vorsicht zu benutzende „Anekdotensammlungen“.
Einmütig ferner erklärt die moderne historisch kritische christliche Theologie, dass sich auch von Jesu Leben so gut wie nichts mehr erkennen lasse. Zwar hält sie an seiner Existenz als solcher fest. Doch sicher ist auch dies nicht. Es spricht eben so viel dafür wie dagegen – die Profangeschichte jener Zeit ist unergiebig. Ob aber historisch oder nicht, fest steht: Der Gründer des Christentums ist nicht Jesus, sondern Paulus. Und weit wichtiger noch: Nichts im Christentum ist originell. Vom zentralsten Dogma bis zum periphersten Brauch ist alles, restlos alles, schon vorher da gewesen, im Judentum, im Hellenismus, in der indischen Geisteswelt.

Können Sie Beispiele nennen?

Deschner: Trinitäten, die Messias-Idee, die Naherwartung des Endes, vom Himmel kommende Gottessöhne, vom „Vater“ gesandte Erlöser, Jungfrauensöhne, die Geburt in der Krippe, die Geschichte vom leeren Grab, Himmelfahrten lebendigen Leibes. Natürlich gab es Wunder massenweise. Man lebte, schreibt der Theologe Trede, denkend und glaubend in einer Wunderwelt wie der Fisch im Wasser. So gibt es auch kein Wunder in den Evangelien, das nicht schon vorher gewirkt worden wäre, ob Geisteraustreibungen, wunderbare Speisevermehrungen, ob Wandel auf dem Wasser oder Totenerweckungen. Es gab Wallfahrtsstätten wie heute Lourdes, gab eine sakramentale Taufe, ein sakramentales Mahl, überhaupt die Siebenzahl der Sakramente, die Zwölfzahl der Apostel, den Verräter. Es gab leidende, sterbende und wieder auferstehende Gottessöhne, auch nach drei Tagen oder am dritten Tag wieder auferstehende, es gab gekreuzigte Götter. Die Dionysos-Gemeinden haben ihren Gott über einem Altartisch mit Weingefäßen am Kreuz verehrt. Genug – man könnte, ich übertreibe nicht, stundenlang oft bis in die kleinsten Gemeinsamkeiten gehende Details aufzählen, und gläubige Zweifler finden all dies und mehr auch und gerade in den Forschungen kritischer christlicher Theologen belegt –
denn nichts im Christentum ist neu auch nicht sein sogenanntes „Proprium“, die Nächsten –, die Feindesliebe, worum man sich ohnehin am wenigsten gekümmert, kurz, vom Weihnachtsfest zur Himmelfahrt: lauter Plagiate!

Das Gespräch führte Ralph Heringlehner

http://www.mainpost.de/ueberregional/kulturwelt/kultur/Religionskritiker-Karlheinz-Deschner-ueber-die-Kriminalgeschichte-des-Christentums;art3809,4726314

 

Gruß Hubert

Karlheinz Deschner – Kriminalgeschichte des Christentums – Teil 1   Leave a comment

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Hier ein interessantes Interview der Mainpost mit Religionskritiker Karlheinz Deschner über die Kriminalgeschichte des Christentums. Deschner schrieb darüber ein 10-bändiges Werk.

Religionskritiker Karlheinz Deschner über die Kriminalgeschichte des Christentums

Karlheinz Deschner über Religionen als Problem und die noch immer sehr große Macht der Kirche.

Sie hat sich zum Lebenswerk ausgewachsen: Seit 1986 arbeitet Karlheinz Deschner an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Der soeben bei Rowohlt erschienene Band 9 behandelt die Zeit von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts. Das auf zehn Bände angelegte Werk macht den in Haßfurt lebenden Schriftsteller zu Deutschlands profiliertestem Kirchenkritiker. Ein Gespräch mit dem 84-Jährigen studierten Theologen und promovierten Germanisten über die Kirche, ihre Macht, deren Missbrauch und die Lehre Jesu.

Frage: Herr Deschner, Sie arbeiten nun seit über 20 Jahren an der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Erste kirchenkritische Schriften von Ihnen erschienen vor über 50 Jahren. Was hat Sie über diesen langen Zeitraum hinweg motiviert?

Karlheinz Deschner: Schlicht die Tatsache, dass ich Unrecht nicht leiden kann, dito Heuchelei. Zumal wenn man beide in welthistorischen Dimensionen praktiziert; wenn man, ganz systematisch, das Geschehene umfälscht; aus Massenmördern Heroen, Vorbilder, „die Großen“ macht, aus Gaunerchen und Gaunern „Heilige“; wenn man das himmelschreiende Unrecht der „Heilsgeschichte“ von Jahrhundert zu Jahrhundert in lammfromme Sprüche verpackt, in unverschämte Lügen. Oder rief nicht schon Helvétius: Wenn man ihre Heiligenlegenden liest, findet man die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern?

Sie haben akribisch Gräueltaten, Völkermorde, Folterungen aufgezeigt, die über die Jahrhunderte hinweg von Menschen an Menschen verübt wurden – die Schuld daran suchen Sie im christlichen Glauben. Aber ist tatsächlich der Glaube, die Religion daran schuld – oder ist nicht der Mensch von vorneherein böse und zum Frieden unfähig? Gräueltaten werden auch im Namen anderer Religionen verübt. . . man denke nur an den 11. September 2001.

Deschner: Aber entlastet es denn das Christentum, dass auch andere Religionen kriminell sind? Voran die monotheistischen, die kraft des Auserwähltheitsanspruchs ihrer „Offenbarungen“ etwas besonders Chauvinistisches haben, die extrem gewalttätig sind? Entlastet es denn einen Verbrecher, dass auch andere Leute Verbrecher sind?
Und wenn der Mensch von vornherein böse war, ich weiß es nicht, entbürdet dies das Christentum, das gerade seine größten Scheußlichkeiten stets im Namen Gottes und der Religion begangen hat? Sklaverei, Inquisition, Indianerausrottung, Kreuzzüge, Kreuzzüge in alle Himmelsrichtungen, überhaupt ungezählte Gemetzel (im 17. Jahrhundert führten christliche Staaten nur in einem einzigen Jahr keinen Krieg!) bis hin zu den von allen Kirchen fanatisch geförderten Weltkriegen des 20. Jahrhunderts.

Was den“11. September“ betrifft, bleibt erst noch abzuwarten, ob ein islamisches Monsterdelikt dahintersteckt oder ein christlicher Staatsakt sozusagen, der übrigens sehr an Pearl Harbor denken lässt auf der Hawaii-Insel Oahu, wo am 7. Dezember 1941 Franklin Delano Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten, einen Großteil der US-Pazifikflotte kühl kalkuliert in den Meeresgrund bomben ließ und fast zweieinhalb Tausend amerikanische Soldaten dazu, um einen Kriegsgrund gegen Japan zu bekommen.

Ob die Welt wohl friedlicher wäre, wenn man die Religion aus den Köpfen herausbringen könnte? Ich fürchte, dann würden die Machtgierigen andere Vorwände finden, um ihre Macht gewaltsam auszuweiten oder zu zementieren.

Deschner: Ohne Religion, ohne institutionalisierte Religion, wäre ein gewaltiger Faktor des Unfriedens beseitigt, aber gewiss nicht der Unfrieden an sich. Die Mächtigen, Sie haben recht, fänden andere Vorwände für die Ausübung ihrer Macht. Denn Macht ist da alles. Ohne Macht sind Machthaber nichts und vermögen sie nichts. Das ganze große Welttheater hat sich immer zuerst und zuletzt um Macht gedreht. Macht aber führt früher oder später zu Gewalt. Und Gewalt führt zu Verbrechen. Jede Weltmacht wurde Weltmacht durch Verbrechen, neben denen alle Werke der Unterwelt verblassen.

Fortsetzung folgt.


http://www.mainpost.de/ueberregional/kulturwelt/kultur/Religionskritiker-Karlheinz-Deschner-ueber-die-Kriminalgeschichte-des-Christentums;art3809,4726314


Gruß Hubert

Sybille Lewitscharoff’s unsägliche Entgleisung   Leave a comment

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Ich kann diese klerikale Denke nicht ausstehen und erst recht nicht diese pietistische Geisteshaltung. Eine Denke wie bei dieser Pietistin Sybille Lewitscharoff. Der Klerikalismus ist mir ja aus Südtirol sattsam bekannt und hängt mir zum Hals heraus. Diese Schriftstellerin bekam auch noch den Georg Büchner-Preis. Sehr sozial kann ich mir diese fromme Sybille nicht vorstellen – wenn dann nur christlich sozial – also Almosen verteilend. Es ist mir unverständlich wie man ihr so einen Preis geben konnte. Was mich an Christen immer so abstoßt ist diese anmaßende Haltung, diese Wertungen, diese Sicherheit, dass sie glauben sie wissen was richtig oder falsch, gut oder böse ist. Wer gibt ihnen das Recht für diese Urteile – und vor allem das Wissen?

Ungeheuerlich aber wie Sybille Lewitscharoff –  in der nun ja berüchtigten Dresdner Rede – Kinder, die aus einer künstlichen Befruchtung entstehen als „Halbwesen“ bezeichnet.

Hier ein Artikel der Berliner Morgenpost

Sybille Lewitscharoff verteidigt in Berlin „würzige“ Rede

Die Schriftstellerin hatte Kinder, die aus künstlicher Befruchtung entstehen, als „Halbwesen“ bezeichnet. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in Berlin pflichtet das Publikum ihr nun bei.

 

 

Am Dienstagabend fand ihr erster Auftritt in Berlin nach ihrer skandalumwitterten Dresdner Rede statt. Sybille Lewitscharoff wurde von Denis Scheck gemeinsam mit dem österreichischen Kollegen Heinrich Steinfest und dem Hamburger Literaturhausleiter, Literaturkritiker und Schriftsteller Rainer Moritz ins „Studio LCB“ nach Wannsee eingeladen.

Denis Scheck sprach die Autorin sofort auf die vielen negativen Reaktionen an, die sie nach ihrer am 2. März 2014 gehaltenen Rede „Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod“, erhalten habe.

In dieser Rede äußert sie sich abfällig über Kinder, die mittels Künstlicher Befruchtung entstanden sind. Als „Halbwesen“ werden diese Kinder von ihr bezeichnet; Reproduktionsmediziner sind „Frau Doktor und Herr Doktor Frankenstein“.

Es bleibt lau – kein beherzter Widerspruch

Im LCB nun grenzen sich die Gesprächsteilnehmer Rainer Moritz und Heinrich Steinfels zwar ein wenig von Lewitscharoffs religiös geprägtem Weltbild ab, verurteilen aber vielmehr den medialen Gegenwind, den sie erfahren hat.

Es bleibt lau. Kein beherzter Widerspruch gegen Sybille Lewitscharoff, keine flammende Zustimmung. Dabei hat Sybille Lewitscharoff doch die Gemüter erhitzt wie seit Grass‘ misslungenen Israel-Gedicht kein Schriftsteller mehr.

Man hätte sie viel fragen können, zum Beispiel, warum es angeblich sträflich ist, wenn der Mensch sich beim Gebären und Sterben zunehmend in sein Schicksal einmische, nicht aber, wenn Herztransplantationen und andere große Eingriffe vorgenommen werden. Warum darf moderne Medizin nicht für Kinderlose gelten, aber für Herzkranke? Ist das Herz nicht, wenn man schon romantisch argumentiert wie Lewitscharoff, der Sitz der Seele? Und was ist von Hirn-OPs zu halten?

Lewitscharoff setzt die Begriffe Gott und Natur in eins, aber die Natur ist ständigen Wandlungsprozessen unterworfen. Wo bleibt bei ihr ein ebenso lebendiger, fluider Gott? Unsere Vorstellungen von Gott und seiner Macht stehen in direkter Beziehung zu unserer Zivilisations- und Kulturgeschichte.

Warum sollten unsere Lebens- und Sterbenswege ein für alle Male festgelegt sein? Wer kann sich anmaßen, über „richtig“ und „falsch“ zu urteilen? Wo bleibt das christliche Mitleid mit denen, die gern Nachwuchs hätten, aber nicht zu zeugen imstande sind? Zu solchen Fragen kam es leider nicht.

Sie spricht letztendlich nur von sich

Auch das Publikum blieb weitgehend stumm. Als Denis Scheck fragt, ob man nun von ihr in den kommenden Jahren nur noch laue Reden à la Angela Merkel oder Joachim Gauck zu hören bekommen werde, gibt es etwas Gelächter im Publikum.

Lewitscharoff erklärt, dass ein Schriftsteller kein Politiker sei und sich mit einer anderen „Würze“ äußern könne. Damit hat sie recht: Ein Autor muss nicht Friedensstifter sein, braucht sich nicht ausgleichend verschiedenen Wählergruppen anzubiedern. Schon in ihrer Dresdner Rede hat die Schriftstellerin klar darauf hingewiesen, dass sie übertreiben würde.

Sie übertreibt nicht nur, sie tut noch etwas, was für Schriftsteller typisch ist: Sie geht vom Persönlichen aus. In ihrer Rede sprach sie eingangs über tragische Todesfälle in ihrer Familie und darüber, warum sie aufgrund ihrer Biographie selber keine Kinder haben wollte. Auch wenn man ihre aus der eigenen Lebenserfahrung destillierten, religiös fundierten Ansichten nicht teilt, auch wenn man ihr mühelos Unkenntnis in Bezug auf das Prozedere in Kinderwunschpraxen nachweisen könnte, so muss man fairerweise einräumen, dass sie stets in der Ich-Person gesprochen hat: Sie findet es widerwärtig, wenn Geburt und Tod nicht mehr in Gottes Hand liegen, (Anmerkung Hubert: zumindest die Geburt eines Kindes liegt durch die Verhütungsmöglichkeiten schon lange nicht mehr in „Gottes“ Hand – man erkennt die reaktionäre, frömmelnde Haltung… guten Morgen sage ich da nur…)

sie empfindet künstliche Befruchtung als etwas Teuflisches. Es ist ihr vorgeworfen worden, ins Dekrethafte, ins Allgemeine überzugehen, aber sie spricht letztendlich nur von sich. Das ist ihr gutes Recht.

Eine „Zwangsneurotikerin“ sei sie, sagt sie über sich selbst

Dennoch: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Dass Sybille Lewitscharoff im LCB wie ein Opfer behandelt wird, steht ihr nicht gut zu Gesicht. Die Aussagen in ihrer Rede waren keine spontanen Äußerungen. Sybille Lewitscharoff, eine „Zwangsneurotikerin“, wie sich über sich selbst sagt, ist niemand, der quatscht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

Sie musste wissen, dass ihre drastischen Worte viel Widerspruch erzeugen würden. Sie hat durchaus das Recht, sich so zu äußern. Aber andere haben ebenso das Recht dazu. Die Reaktionen von Sybille Berg und Georg Diez hatten genau die gleiche Würze, die Sybille Lewitscharoff für sich beansprucht.
Von Tanja Dückers

http://www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article126481975/Sybille-Lewitscharoff-verteidigt-in-Berlin-wuerzige-Rede.html

Hier noch ein geistreicher und erfrischender Link zum Thema (fromme Erektion)

http://morgenblatt.blog.de/2014/04/06/fromme-erektion-18172361/

 

Gruß Hubert

Queen – The Show Must Go On   Leave a comment

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Queen – The Show Must Go On

 

Leere Räume,
wofür leben wir?
Verlasse Orte/Plätze
Ich denke wir kennen die Rechnung
Weiter und weiter, weiß irgendjemand wofür wir leben?

Ein weiterer Held, ein weiteres unbedachtes Verbrechen
hinter dem Vorhang in der Pantomime
Halte den Kurs,
will irgendjemand dies noch weiter so ertragen/hinnehmen?

Die Show muss weitergehen
Die Show muss weitergehen
Innerlich zerbricht mein Herz, mein Make-up täuscht vielleicht darüber hinweg, aber mein Lächeln hält an.

Was auch immer geschieht
ich überlasse es alles dem Zufall
Weiterer Kummer
Eine weitere gescheiterte Romanze
Weiter und weiter, weiß irgend jemand wofür wir leben?
Ich denke ich lerne
Ich muss jetzt wärmer werden
Ich sollte jetzt um die Ecke biegen, draußen bricht die Dämmerung herein
Aber in der Dunkelheit erleide ich Schmerzen um frei zu sein
Die Show muss weitergehen
Die Show muss weitergehen
Innerlich zerbricht mein Herz, mein Make-up täuscht vielleicht darüber hinweg, aber mein Lächeln hält an.

Meine Seele ist bemalt wie die Flügel eines Schmetterlings
Märchen von gestern werden erwachsen aber sterben niemals
Ich kann fliegen, mein Freund
Die Show muss weitergehen
Die Show muss weitergehen

Ich begegne ihr (i.e. der Show…) mit einem Grinsen, ich gebe niemals auf, weiter mit der Show
Oh, ich werde die Rechnung übersteigen, ich werde alles übertreffen/ich habe genug,
ich muss den Willen finden, um weiterzumachen, weiter mit der Show
Die Show muss weitergehen.

 

http://www.golyr.de/queen/songtext-the-show-must-go-on-286589.html

 

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. April 2014 von hubwen in Musik

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