Das Opus Dei – Speerspitze des katholischen Fundamentalismus   Leave a comment

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Man sieht wie erzkonservativ Johannes Paul II war, der am 27.04.2014 heilig gesprochen wurde, wenn das reaktionäre und im Geheimen wirkende Opus Dei seine Lieblingsorganisation war. Hier ein Artikel von Gerhard Czermak.

Allgemeine Hinweise

Traditionell verstand man unter Opus Dei das Stundengebet der Benediktiner, seit Ende des 2. Weltkriegs aber zunehmend das ordensähnliche Werk des 2002 heilig gesprochenen Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás. Es war bekanntermaßen die Lieblingsorganisation von Papst Johannes Paul II., die – kirchenrechtlich privilegiert – zunehmend Einfluss insbesondere im Vatikan hat. Das O. gilt allgemein als sehr streitbare Geheimorganisation. Auch innerkatholisch genießt sie den Ruf einer unheimlichen, gefährlichen Organisation, mit der man sich besser nicht anlegt. Mittlerweile gibt es aber eine umfangreiche seriöse Literatur, i. d. R. von Katholiken (oft Theologen), insbesondere auch Aussteigern, und das schlägt sich auch in einer Fülle von Zeitschriftenartikeln wieder. Auch die an sich geheimen und zahlreichen internen Regelwerke des O. sind mittlerweile im Wesentlichen zugänglich. Insb. wird auf die wichtigen Auszüge des Theologen Hertel (1995) verwiesen. Die Öffentlichkeitsarbeit des offiziell nur auf unpolitische Alltagsheiligung zielenden O. (Offiziell: Sancta Crux et Opus Dei) ist stark reduziert und wenig aufschlussreich.

Praktische Bedeutung

Der 1902 in Nordspanien geb. Gründer des O., Escrivá, wurde 1925 zum Priester geweiht und gründete 1928 sein später – wenig bescheiden – O. genanntes Werk, dessen Gründungsauftrag er unmittelbar von Gott erhalten haben will. Die weltweite Ausbreitung des O. erfolgte erst nach 1945. In Franco-Spanien eroberte das O. zahlreiche höchste Führungspositionen in Regierung, Staat und Wirtschaft. 1975 starb Escrivá. Die Mitgliederzahl (kaum aufgeschlüsselt im Päpstl. Jahrbuch angeg.), dürfte (2003) etwa 85 000 Mitglieder in über 80 Ländern betragen (Tendenz leicht steigend), davon an die 2000 Kleriker. Die Zahlenangaben sind nicht exakt nachprüfbar. Hinzu kommen in unbekannter Zahl sog. Mitarbeiter. Das Werk will hauptsächlich begabte, einflussreiche Menschen aus Wirtschaft, Politik und Kirche und den entsprechenden jugendlichen Nachwuchs – an Gymnasien – gewinnen. Für Deutschland wird eine Mitgliederzahl von ca. 1500 genannt (P. Hertel schätzt sie freilich in „Schleichende Übernahme, 2002, S. 74 erheblich niedriger ein), für Österreich ca. 400 und die Schweiz ca. 250. Groß ist der Einfluss des O. mit über 30000 Mitgliedern in Spanien (wo es auch besonders umstritten ist) sowie in Südamerika. Das O. ist dabei, endgültig die Macht im Vatikan zu erobern. In jeder Kongregation ist das O. vertreten. Nach dem Stand von 2002 bekundeten nicht weniger als ca. 55 zur Papstwahl berechtigte Kardinäle mehr oder weniger deutlich ihre Sympathie für das O. (P. Hertel a. a. O. 18 f. mit Namen).

Innere Strukturen

Das O. hält die Kirche nach dem 2. Vatikanum für verschmutzt und vom Teufel befallen, weshalb sie gereinigt und zur Wahrheit zurückgeführt werden müsse. Dem O. werden, auch durch interne Dokumente und umfangreiche Insiderberichte vielfach untermauert, vorgeworfen: Indoktrination von Beginn an; totale Abschottung zwischen den inneren hierarchischen Kreisen; strikte Schweigepflicht nach außen, auch über Mitgliedschaft; rückhaltlose Offenheit gegenüber den Vorgesetzten; sklavischer Gehorsam; totale Trennung von Männern und Frauen; Behandlung der Frauen als minderwertig; ständige Kontrollen, u. a. durch wöchentliche Beichte nur bei O.-Priestern, häufige Klausuren, wöchentliche Aussprachen, ständige Brüderliche Zurechtweisung; umfangreiche Gebete; tägliche Messe mit Kommunionempfang; dreimal tägliche Gewissenserforschung. Askese ist ein zentraler Punkt: Demutsgesten, ständige „Abtötungen“ durch kleine Entsagungen, täglich mindestens zweistündiges Tragen eines stachelbewehrten Bußgürtels am Oberschenkel, wöchentliche Geißelung u. a. („Gesegnet sei der Schmerz“). Das O. versteht sich nicht nur als Familie, sondern auch als Kampftruppe. Die Hierarchie ist stark gegliedert, Kleriker haben das Sagen. Besonders typisch ist auch die starke Marienfrömmigkeit. Der bekannte Theologe Peter Eicher hat das O. (in: Hertel, 1995, S. 166-188) psychologisch und kirchensoziologisch kritisch analysiert. Darin S. 183: „Das Opus Dei bildet hinfort den härtesten Kern der klerikalen Restauration.“

Vorzugsstellung in der katholischen Kirche

Der Aufstieg des O. ist unter der wesentlichen Protektion des Papstes Johannes Paul II. seit Beginn seines Pontifikats 1978 zumindest innerkirchlich stetig erfolgt. Ein Signal war schon die Ernennung eines O. – Mitglieds zum päpstlichen Pressesprecher. 1982 erhielt das O. die Rechtsform der (bisher einzigen) „Personalprälatur“ (can. 294-297 CIC 1983). Der Prälat (Sitz Rom) ist formal Bischof, jedoch ohne Bistum. Die Statuten ermöglichen weiterhin die Geheimhaltung, die Bildung einer Kleruskirche innerhalb der Kirche. Der Kontrolle der Ortsbischöfe ist das O., anders als die Orden, entzogen. Bereits sechs Jahre nach Escrivás Tod wurde sein Seligsprechungsprozess eingeleitet (!) und 1992 – nach irregulär kurzem Verfahren und anderen schweren Regelverstößen, s. P. Hertel 2002, 57 ff. – durch Seligsprechung abgeschlossen. Joh. XXIII. musste auf letztere bezeichnenderweise bis 2000 warten. Trotz charakterlicher Mängel (z. B. Eitelkeit; Liebe zum Luxus; vgl. etwa seine langjährige Mitstreiterin Tapia, s. u.) erfolgte am 6. 10. 2002 sogar die groß inszenierte Heiligsprechung Escrivás, den Papst Johannes Paul II. entsprechend als Vorbild pries. Schon kurz nach dem Tod dieses Papstes, im Mai 2005, erklärte sein Nachfolger, er solle schnellstmöglich seliggesprochen werden.

Unterstützung aus Deutschland

Nicht weniger als 23 deutsche Kardinäle und Bischöfe meinten, für die Heiligsprechung votieren zu sollen. Damit ist der staatspolitische Aspekt angesprochen. Wie vertrauenswürdig sind Kirchenführer, wenn sie derart freiheitsfeindliche Ansichten und Methoden, wie sie im O. offenbar Standard sind (und die sie bei konkurrierenden kleinen Religionsgemeinschaften heftig bekämpfen), innerkirchlich (und sei es aus taktischen Gründen) nicht konsequent kritisieren ? Auch in der Bundesrepublik haben bis heute stets einige Kirchenführer das O. zumindest gefördert. Prominente Beispiele: die Kardinäle … Höffner, Meisner, Wetter und Scheffczyk, … Ruhrbischof Hengsbach. Dazu mit auch finanziellen Beispielen Theologe Hertel (1995, S. 194): „Deutsche Ordinariate tolerieren bzw. unterstützen dubiose korporative Arbeitsmethoden von Opus-Dei-Mitgliedern.“ Zunehmend werden Priester des O. Diözesanpriester. In vielen deutschen Städten hat das O. Zentren bzw. Stützpunkte. Zahlreiche durch Mitglieder und Sympathisanten des O. dominierte Einrichtungen (Dachverbände, Stiftungen, Institute, Bildungszentren; s. im Einzelnen Hertel, 1995, S. 8 f.) laufen nie unter der formalen Trägerschaft des O., so dass dieses nie direkt „haftbar“ gemacht werden kann. Gegründet werden sie i. d. R. von außerordentlichen Mitgliedern, sog. Supernumerariern, die verheiratet sein können und Führungspositionen in Wirtschaft, Finanzwelt, Staat und Wissenschaft innehaben. Ihre Mitgliedschaft wird nur ausnahmsweise bekannt. So kommt es, dass das O. „als solches“ kaum Vermögen hat, insgesamt aber nicht nur als sehr einflussreich, sondern auch sehr vermögend gilt. Besonders aktiv ist das O. im Bildungsbereich. Welchen Einfluss O. in der Bundesrepublik tatsächlich ausübt, ist schwer zu sagen. Bezeichnenderweise war es wie auch andere kirchliche Sonderbewegungen nicht Gegenstand der Untersuchungen der Enquête-Kommission des Bundestags „So genannte Sekten und Psychogruppen“ und ist daher im Endbericht von 1998 nicht erwähnt.

Schlussbemerkungen

Auf problematische Verwicklungen in die große Politik (z. B. Pinochet-Regime), Bank- und Industrieskandale (Italien, Spanien) sowie die Infiltration vieler gesellschaftlicher Bereiche in mehreren Ländern kann abschließend nur hingewiesen werden (s. ausf. der Theologe Mettner 147-168). Bemerkenswerterweise wurde im Sendeportal „Bayern 5 aktuell“ des Bayerischen Rundfunks darauf hingewiesen, nicht nur der Münchener Kardinal Wetter, sondern auch der neue Papst und Bayer Benedikt XVI. gelte als Förderer des Opus Dei. Dazu passt, dass Benedikt XVI. den Opus-Dei Pressesprecher des Vatikan, Navarro-Vals, in seinem Amt bestätigte. Nicht ohne Grund auch wird Joseph Ratzinger Ehrendoktor der Opus-Dei-Universität Pamplona geworden sein.


 

Internetadressen (kleiner Auszug):

www.opusdei.org (offiziell)
www.bornpower.de/opus/start1.htm (Die Webseiten eines Politologen bieten eine Fülle krit. Informationen unter Nennung zahlreicher Namen)
www.Mond.at/opus.dei (Verf. Katholik)
www.Relinfo.ch/opusdei (Ev. Informationsstelle zu Kirchen, Sekten, Religionen)
http://www.br-online.de/topthema/thema/konklave/opus-dei.xml (Bayer. Rundfunk, Stand 28.7. 2005)

 

 

Quelle:

http://members.aon.at/gstremin/index2.htm
(unter: 02.08.2005 GERHARD CZERMAK: Das Opus Dei – Speerspitze des katholischen Fundamentalismus)

 

 

 

Methoden des Opus Dei

 

 

  • psychische Methoden zur Unterwerfung
    – Kadavergehorsam
    – Einhämmerung schwerer Sünden- und Schuldkomplexe (Selbstmarterung)
     
  • totalitäre Kontrolle
    – Entfremdung von Eltern und sozialen Bindungen
    – Abschottung untereinander (nur die Spitze weiß alles)
    – Isolierung/Ghettoisierung
    – streng minutiös normierter und reglementierter Alltag ohne individuelle und private Bedürfnisse : “ Müßiggang ist aller Laster Anfang “
    – völlige Kontrolle und Zensur (u.a. Bücherindex)
     
  • Sexualitätsfeindlich
    – Abtötung von allem Geschlechtlichen und Körperlichen (wg. der Gefahr der Fleischeslust)
     
  • sexistischer Patriarchismus
    – Strikte Geschlechtertrennung
    – “ Frauen sind minderwertig “
    – Tätigkeitsfelder für Frauen im Opus Dei: Waschen, Kochen, Putzen, Pförtner- und Telefondienste
    – Begegnungen zwischen Frauen und Männern werden mit allen Mitteln verhindert

 

 

Masochistische Züchtigungen
– Erflehung der Vergebung begangener Schuld
– lustbetonte Freude am Dulden körperlicher Schmerzen, wodurch eine Identifikation mit Jesus stattfinden soll, der auch am Kreuz gelitten hat.

„fromme Gewohnheiten“


täglich:
 Gebete,
2-stündiges Tragen des Bußgürtels (Metallband mit nach innen gerichteten Dornen am Oberschenkel)

 

  • wöchentlich
    – Beichte
    – Selbstgeißelung mit einer 5-schwänzigen Peitsche
    – Gewissenserforschung im großen Kreise (Selbstverleugnung, Demütigung, permanente Schuldgefühle)
  • starkes Elitebewußtsein
    – Identifikation durch ein übersteigertes Gruppengefühl

 
http://www.bornpower.de/opus/interne.htm

 

Gruß Hubert

 

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