Archiv für 5. Mai 2014

Die sedierte Gesellschaft   Leave a comment

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Es werden von Hausärzten und Psychiatern viel zu leichtfertig Psychopharmaka verschrieben, zum Beispiel an Kinder Ritalin (Zappelphilipp-Syndrom) Antidepressiva an Erwachsene. Es besteht eine unheilige Allianz zwischen Pharmaindustrie, Hausärzten und Psychiatern.

Hier eine gute Buchrezension

Buchrezension: Die sedierte Gesellschaft von Lena Kornyeyeva

 

Die sedierte Gesellschaft von Lena Kornyeyeva

Immer mehr Menschen weltweit nehmen Psychopharmaka, schon Dreijährigen wird Ritalin verschrieben, immer neue psychische Krankheiten werden erfunden, um den Absatzmarkt für Psychopharmaka zu erhöhen, legale Drogen auf Rezept, mit gravierenden Nebenwirkungen und Suchtpotenzial. In „Die sedierte Gesellschaft – wie Ritalin, Antidepressiva und Aufputschmittel uns zu Sklaven der Leistungsgesellschaft machen“ zeichnet die Autorin und Diplom-Psychologin Lena Kornyeyeva das düstere Bild einer Gesellschaft, die zunehmend durch Psychopillen beeinflusst wird.

Mein Buch liefert die Beschreibung einer sedierten, stimulierten und bewusstseinsveränderten Gesellschaft,

erklärt die Autorin in der Einleitung und macht die paradoxe Situation aufmerksam, dass sogenannte illegale Drogen wie Cannabis und Heroin vom Staat bekämpft werden, dass die Verschreibungen legaler Drogen wie Psychopharmaka aber seit Jahren zunehmen.
Dabei waren viele heute illegale Drogen einst ebenfalls Medikamente. Heroin war einst ein Hustensaft, Methamphetamin gehörte Ende des 19. Jh. zu den ersten synthetisch hergestellten Drogen und wurde als Pervitin massenhaft verabreicht. Im Zweiten Weltkrieg marschierten die Soldaten unter seiner Wirkung und auch Adolf Hitler soll sich jeden Tag eine Spritze mit dem „Wunderwachmacher“ geben lassen haben.

 

Der Zweite Weltkrieg war ein Krieg unter Amphetaminen und Methamphetaminen,

schreibt Lena Kornyeyeva, später vom Doping entdeckt. Ritalin, das „Kinder-Kokain“ erfreut sich heute besonderer Beliebtheit unter den Studenten, die seine konzentrationsfördernde Wirkung für sich entdeckt haben. Dabei ist die Diagnose ADHS, für die es verschrieben wird, mehr als umstritten. Angeblich sollen bis zu 8 Prozent aller deutschen Schüler unter dem „Zappelphilipp-Syndrom“ leiden, mit Ritalin werden sie ruhigstellt, verlieren Neugier, Entdeckungslust und werden zu braven Klassenkameraden.

Was für die Kinder gilt, gilt auch für Erwachsene. Lena Kornyeyeva berichtet aus ihrer Praxis, wie viele Patienten mit dem wachsenden Leistungsdruck der Gesellschaft zu kämpfen haben. Sie leiden unter Angst, innerer Leere, Antriebslosigkeit. Statt die Probleme in der Familie oder im Job zu lösen, werden ihnen aufgrund einiger weniger Symptome Psychopharmaka verschrieben – deren Nebenwirkungen es in sich haben: Suizidgedanken, Nierenversagen, selbstverletzendes Verhalten, epileptische Anfälle, Hirnblutungen. Doch Psychopharmaka helfen nicht, sie unterdrücken Gefühle wie Angst oder Trauer nur. Schlimmer noch: Sie verändern das Gefühlsleben und die Wahrnehmung der Menschen, die sie einnehmen, ohne dass diesen dieser schleichende Prozess bewusst wird. Welche drastischen Auswirkungen diese innere Entfremdung haben kann, wird bisher in der öffentlichen Wahrnehmung kaum diskutiert – so listet die Seite www.ssristories.com zahlreiche Fallbeispiele von Suiziden und Amokläufen auf, die mit der Einnahme von Antidepressiva in Zusammenhang stehen. Antidepressive werden zunehmend zur „Volksdroge“ – dank der erfolgreichen PR-Strategie der Pharmaunternehmen. Diese haben zum Beispiel auch die Geschichte vom angeblichen Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn in Umlauf gebracht – ein Ungleichgewicht, das durch Psychopharmaka korrigiert würde. Tatsächlich sind die Kreisläufe im Gehirn so komplex, das jeder Eingriff von außen bisher noch ungeahnte Folgen haben kann.

Lena Kornyeyevas Buch will wachrütteln – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie fordert, den Blick weg von der vermeintlichen schnellen Lösung durch Psychopharmaka zu nehmen, hin zu den Problemen unserer Leistungsgesellschaft, in der alte Menschen vorm Fernseher vereinsamen und junge schon mit Mitte zwanzig einen Burn-Out haben. Was „normal“ und was „krank“ ist, wird immer wieder neu definiert. Kann es Ziel unserer Gesellschaft sein, schon Erstklässler mit Ritalin ruhigzustellen und allen Konflikten mit Antidepressiva und Beruhigungsmitteln aus dem Weg zu gehen?

http://diefreiheitsliebe.de/allgemein/buchrezension-die-sedierte-gesellschaft-von-lena-kornyeyeva#more-26271

 

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Damit die Leistung stimmt, schlucken Kinder Ritalin; Studenten betreiben Hirndoping, und wer im Job überfordert ist, nimmt Antidepressiva. Inzwischen sind in Deutschland mehr als achtmal so viele Menschen von verschreibungspflichtigen Medikamenten abhängig wie von illegalen Drogen. Lena Kornyeyeva erklärt, warum Wirtschaft und Politik gleichermaßen davon profitieren, und schildert erschreckende Fallbeispiele aus ihrem Alltag als Psychologin. Sind wir dabei, das Beste und Wertvollste aufzugeben, was wir besitzen: unseren Verstand?
 
http://www.randomhouse.de/Presse/Paperback/Die-sedierte-Gesellschaft/Lena-Kornyeyeva/pr446231.rhd?mid=2&showpdf=false&per=528975&men=792&pub=30000#tabbox

 
Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 5. Mai 2014 von hubert wenzl in Medizin, Psychiatrie, Psychologe

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