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Der 8. Mai als Befreiung stellte sich erst viel später heraus. Deutschland wurde damals okkupiert und die Bürgerrechte wurden Deutschen entzogen. Außerdem gab es Hunger und Vertreibung. Und die USA hat auch heute noch kaum vorstellbare Privilegien in Deutschland, Stichwort Geheimdienste, Militärbasen usw.

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70 Jahre sind vergangen, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Ein historisches Ereignis das in diesen Tagen die Leitartikel der Republik prägt. Minutiös lässt sich nochmal verfolgen was damals geschah, als sich das Deutsche Reich auflöste und letztendlich kapitulierte.

Alle Fakten sind bekannt und auch der Tenor der Deutung der Geschehnisse ist unzweifelhaft. Ein verbrecherisches Regime zerbrach am Willen der freien Welt und das deutsche Volk wurde befreit. So sieht es heute die Mehrheit der Deutschen und so will es die Politik sehen.

Eine genauere Betrachtung der geschichtlichen Fakten offenbart jedoch, dass diese Deutung der Geschichte die Realität verzerrt. Aus heutiger Sicht ist das Kriegende ein Tag der Befreiung, weil die Befreier auch die Stifter des Wertesystems der Nachfolgestaaten BRD un DDR wurden. Damals jedoch gelang es nur wenigen, in der alliierten Invasion eine Befreiung zu erkennen. Deutschland wurde im Frühjahr 1945 okkupiert, allen Bewohner gleichsam und von einem auf den anderen Tag, die Bürger- und Menschenrechte entzogen und an demokratische Rechte für Deutsche war für Jahre nicht zu denken. Wer bis 1945 in Deutschland noch nicht hungerte, lernte es in den darauf folgenden Jahren. Millionen von Flüchtlingen irrten durch das Land, zumeist vertrieben und auf der Flucht vor den Befreiern. Noch bis Mitte der 1950er Jahre, war eine Mehrheit der Deutschen pro-nationalsozialistisch eingestellt und trauerte dem III. Reich nach. Wer schon den Anspruch der Ehrlichkeit für die Deutung der Geschehnisse 1945 für sich einnimmt, muss auch den Mut finden zu sagen. Das Kriegsende und die Kapitulation des Deutschen Reiches 1945, waren damals für die Deutschen keine Befreiung, die wenigsten fühlten sich befreit. Erst im Laufe der politischen Entwicklung der folgenden Jahrzehnte wurde es zu einer.

Alle Interpretationen historischer Ereignisse, sind von der politischen und sozialen Prägung des Interpreten abhängig und jene die heute die politische Lesart der Geschichte diktieren, sind sich vor allem in einem einig. Das Böse hatte sich personifiziert. Schon Hitler wählte die Formulierung gegen die Putschisten des Widerstands. Er sprach von einer ganz kleinen Clique, machthungriger und ehrverlassener Verräter am Volk. Er ahnte wohl damals nicht, das diese Umschreibung schon bald sein Regime definieren würde.

So wird der Nationalsozialismus heute gesehen. Als ein Drama welches diesem Volk, beinahe ohne eigenes zutun widerfuhr, angestiftet von ein paar Demagogen, die alleinig die Schuld dafür tragen. Ausgeblendet wird der Fanatismus und die ehrliche Begeisterung die Hitler und seinen Idealen entgegen gebracht wurden. Vergessen die überall vorhandene Bereitschaft die Ideen des Nationalsozialismus leben zu wollen.

Zu Wegmarken der nationalsozialistischen Diktatur, gehören heute die sogenannte Machtergreifung Hitlers und die anschließenden Ermächtigungsgesetze, die ihn mit einer absoluten Machtfülle ausstatteten. Doch diese waren nicht diktatorisch sondern demokratisch legitimiert. Eine Mehrheit der Deutschen hatte seinen Führer frei gewählt und der Reichstag verabschiedete mehrheitlich die Ermächtigungsgesetze. Das geschah nicht gegen, sondern mit dem Willen des Volkes. Es ist ein Fehler diese Gefahren innerhalb einer Demokratie zu ignorieren und es ist ein Irrglaube, das eine Demokratie nicht durch und durch demokratisch, zu einer Diktatur werden kann.

Auch das was dem Untergang des Deutschen Reiches folgte, der eigentliche Akt der Befreiung, hat wenig mit dem heroischen Bild der heutigen Geschichtsschreibung zu tun. Deutschland hatte gemäß den Befehlen der alliierten Sieger, seine Vergangenheit zu verantworten. Doch es wurde nicht freigesprochen, wer keine Schuld trug. Im Gegenteil wurden Millionen von aktiv am Nationalsozialmus Beteiligte, sogar an Verbrechen Beteiligte mit Persilscheinen die Absolution erteilt, weil sie den neuen Machthabern und ihrer neuen Ideologie dienlich zu sein versprachen. Opfern hingegen wurde noch über Jahrzehnte die Rehabilitierung verweigert. Die offiziellen Aufarbeitung der Kriegsschuldfrage geriet dann in den Nürnberger Prozessen zu einem völkerrechtlichen Schmierentheater und hinterlässt bis heute den Beigeschmack der Siegerjustiz. Natürlich trugen die Angeklagten persönlich Schuld an vielen Verbrechen. Aber es gab auch damals schon Rechtsgrundsätze die in allen Ländern der Siegermächte als auch dem damaligen Völkerbund galten. Keine Strafe ohne Gesetz, ist ein solcher Rechtsgrundsatz und keiner der Angeklagten hatte ein Gesetz gebrochen. Was sie taten war zweifelsohne verbrecherisch, aber eben nicht ungesetzlich, da ihre Taten mit den deutschen Gesetzen im Einklang standen. Auch die Führung von Kriegen war und ist bis heute nicht verboten. Hier wurde die Befreiung zur Rechtsbeugung, gegenüber denen, denen es vorgeworfen wurde.

Ebenfalls entgegen allen völkerrechtlichen Bestimmungen wurde Deutschland geteilt, in zwei konträre Ideologien und selbst nach der Wiedervereinigung und sieben Jahrzehnten nach Kriegsende, sind es immer noch die politischen Freunde und Verbündeten, die diesem Land einen Friedensvertrag verweigern. Auch das ist ein Erbe der Befreiung.

Es wird so getan als ob alles Leid und Unrecht welches in der Kapitulation ein Ende fand, das der Nazis und Nazi-Deutschlands gewesen sei. Diese Formulierungen nutzten die Siegermächte und wir übernahmen sie, um uns zumindest moralisch von den Geschehnissen zwischen 1933 und 1945 zu distanzieren. Doch es war Deutschland und es waren Deutsche und nur ganz wenige können für sich geltend machen, das sie keine Nazis waren.

Sieben Jahrzehnte nach Kriegsende sollte die Zeit nun reif sein, sich mit den Fakten zu beschäftigen. Deutschland wurde nicht befreit, es rief nicht um Hilfe. Es wurde geschlagen, besetzt und in die angelsächsische Interpretation der Demokratie gezwungen, gegen seinen Willen. Für die meisten Deutschen ist das heute ein Glück, aber kein Grund weiter die Geschichte zu verfälschen.

Von Heinz Sauren

8. Mai 1945 – wurde Deutschland befreit?

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Gruß Hubert