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Eine Dokumentation von Frontal 21

Tierfabrik Deutschland

Von Billigfleisch und Wegwerfküken

Massentierhaltung ist beim Verbraucher verpönt. Bauern versprechen mehr Tierschutz im Stall. Doch Glücksschweine zu Discount-Preisen sind nicht zu produzieren. Seit Jahren streiten die Deutschen, was sich in der industriellen Nutztierhaltung ändern muss. 80 Prozent der Verbraucher wollen angeblich mehr zahlen für tierschutzgerechte Lebensmittel. Doch an Ladentheken ist billig König und das Leiden der Tiere kaum Thema.

von Jörg Göbel und Christian Rohde

59 Kilogramm Fleisch, dazu 218 Eier und rund 84 Liter Milch – das ist der Jahresverbrauch der Deutschen, vom Baby bis zum Greis. Jeder verspeist in seinem Leben vier Rinder, 46 Schweine und 945 Hühner. Eine ganze Menge und das so preiswert wie nie. Die Deutschen geben im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn ziemlich wenig für Lebensmittel aus, es sind gerade zehn Prozent des Pro-Kopf-Einkommens. Dafür fordern sie sehr lautstark mehr Tierschutz. Am besten: Schweine im Stroh, freilaufende Hühner mit Hahn auf dem Mist oder Mutterkühe auf der Weide mit niedlichen Kälbchen. Doch zwischen Verbraucherwunsch und landwirtschaftlicher Produktionsrealität liegen Welten.

Millionenfacher Mord an Eintagsküken

Seit der Industrialisierung der Eierproduktion werden Hühner entweder auf Legeleistung oder auf Fleischansatz gezüchtet. Die Folge: Männliche Küken der Legelinien werden direkt nach dem Schlupf getötet, millionenfach vergast. Seit Jahren ist das Problem ungelöst. Der Chef der weltweit größten Brüterei etwa setzt auf großtechnische Lösungen – die Erkennung des Geschlechts im Ei.

Ein anderer Geflügelhof wiederum zieht die männlichen Küken mit groß und vermarktet sie als Bruderhähne, aufwendig und mit mäßigem wirtschaftlichen Erfolg, dafür mit besserem Gewissen. Einige Züchter wollen zurück zu einer Hühnerzucht, wie sie früher üblich war, ohne dass die Hälfte der Tiere einfach in der Abfalltonne landet.

Billiges Schweinefleisch

Die Hochleistungszucht bei Sauen hat viele Auswirkungen. Die Tiere gebären mehr Ferkel als die Sauen Zitzen haben. Sie sind weitaus größer, breiter und schwerer als noch vor 20 Jahren. Die Folge: Es gehört auch zum Geschäft, dass überzählige Ferkel einfach an der Stallwand totgeschlagen werden. Sogenannte Kümmerlinge – schwache, kleine Ferkel – kann sich kaum ein Landwirt leisten, zu Zehntausenden landen sie in Kadavertonnen. Und die immer größeren Sauen müssen ihr halbes Leben in viel zu engen Kastenständen verbringen, eingepfercht hinter Gittern. Frontal21 begleitet Schweinemäster bei der Arbeit, zeigt, in welchen ökonomischen Zwängen die Landwirte stecken und fragt, ob mehr Tierschutz möglich ist und was das kostet. Derzeit steht einer der größten Schweinezüchter Europas vor Gericht, aber eine Verurteilung fürchtet er nicht. Frontal21 deckt auf, wie die Agrarlobby es bis heute schafft, Tierschutzgesetze aufzuweichen und zu umgehen.

Schlachtung trächtiger Hochleistungsrinder

Eigentlich sollte die Geburt eines Kälbchens ein freudiges Ereignis sein. Doch wenn das Neugeborene ein männliches Tier, ein Stierkalb ist, haben manche Milchbauern ein Problem. Stierkälber geben keine Milch und sind für die Mast ungeeignet. Viehhändler zahlen mancherorts nur noch Ramschpreise. Lohnt da die Aufzucht noch? In Großbritannien und Neuseeland werden viele Stierkälber nach der Geburt erschossen. Droht in Deutschland Ähnliches? (Anmerkung: da hätten sie zumindest einen schnellen Tod und würden nicht massakriert und unsäglich gequält. Ich möchte jedenfalls als Tier nicht auf die Welt kommen).

Die Milchpreise sind im freien Fall und Bauern unter Druck. Dazu kommt: Jahrzehntelange Hochleistungszucht hat nicht nur die jährliche Milchleistung auf mehr als 10.000 Liter gesteigert, sie hat die Kühe auch anfälliger gemacht für Krankheiten. Sie landen immer schneller im Schlachthof – darunter häufig auch trächtige Rinder. Die Kälberembryonen sterben einen qualvollen Erstickungstod.Frontal21 trifft Milchbauern, ist bei der Geburt eines Kälbchens dabei und beim Feilschen um den Wert des Tierlebens, redet mit Tierärzten über die Schlachtung trächtiger Rinder und befragt Politiker, warum Hochleistungszucht mit Todesfolge nicht längst verboten ist.

Von Billigfleisch und Wegwerfküken

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Hier noch ein kurzer Beitrag aus animal-spirit.at

„Die jüngsten Opfer“: Petition gegen EU-Kälberexporte

"Die jüngsten Opfer": Petition gegen EU-Kälberexporte
EU-Kälbertransporte – bis zu 4000 km!
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Unsere englische Partner-Organisation CIWF hat jetzt neues Videomaterial über Lebendtier-Exporte aus der EU gesammelt und veröffentlicht. Darin wird aufgezeigt, daß viele der schwächsten Tiere unter entsetzlichen Bedingungen Tausende von Kilometern bis nach Israel und Gaza exportiert werden! Hungrig und erschöpft, werden nur wenige Wochen alte Kälber durch die ganze EU gekarrt, um dann auf rostige Tiertransportschiffe geprügelt zu werden. Diejenigen, die auf dem Meer sterben, werden oft achtlos über Bord geworfen. Andere wiederum sind von dem Horrortrip derartig geschwächt, daß sie kurz danach in der Quarantäne sterben.

„Wir sind von den Ergebnissen unserer aktuellen Recherche über Lebendtier-Exporte aus der EU entsetzt. 4.000 Kilometer sind eine lange Reise für jeden. Aber was wäre, wenn Sie – als ein noch säugendes Kalb – so weit verschickt würden, nur um am Zielort gemästet und geschlachtet zu werden? Dies ist eine Reise unermeßlichen Leids“, so ein Mitglied des Recherche-Teams.

Die jungen Tiere leiden an Hunger, Erschöpfung, brutalen Schlägen sowie schrecklichen Lebens- und Schlachtbedingungen, die allesamt in der EU illegal wären. Die „Reise“ vieler Kälber beginnt oft bereits in Ungarn, Rumänien oder Litauen. „In Litauen haben wir Export-Kälber gesehen, die viel zu schwach für einen Transport waren oder gerade starben. Solche Kälber wurden aber auf Vieh-LKWs verladen, um ihre lange Reise durch Europa erst zu beginnen. Viel zu oft mußten wir fundamentale Verstöße gegen die EU-Tiertransport-Richtlinien mitansehen – nicht einmal Futter und Wasser bekamen sie. Den Fahrern war das Leiden ihrer „Passagiere“ schlichtweg egal.“

Kälber, welche diese schreckliche Reise überleben, stehen außerhalb des ohnehin mehr als schwachen EU-Rechts. Sie werden in dreckigen Höfen gemästet und schließlich grausam in Israel oder sogar im Gazastreifen geschlachtet. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen brutalen Handel und die einzige Lösung ist ein Verbot der Lebendtierexporte aus der EU! Unterschreiben Sie HIER die (englische) Petition gegen Kälbertransporte in- und außerhalb der EU.

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Zum Abschluß was rührend-Berührendes: Ganz fest klammert sich das junge Känguru „Doodlebug“ an seinen Teddybären. Seit es seine Mama verloren hat, scheint das große Plüschtier sein bester Freund zu sein. Das herzzerreißende Foto aus Australien hat mittlerweile das Internet erobert.

Mama verloren: Känguru tröstet sich mit Teddybär

Mama verloren: Känguru tröstet sich mit Teddybär
Waisen-Känguru tröstet sich mit Teddybären
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Tim Beshara, der den niedlichen Schnappschuß auf Twitter veröffentlicht hat, ist von dem Echo erstaunt. „Ich hätte nicht gedacht, daß mein Foto sogar in Rußland, den USA und in Brasilien so viel Aufmerksamkeit erregt“, erklärte der Australier gegenüber der britischen „Daily Mail“. Das kleine Känguru dürfte aus dem Beutel gefallen sein oder seine Mutter verstarb. Deshalb kam Doodlebug in das Känguru-Waisenhaus von Tim Besharas Mutter, wo man versuchte, das Jungtier aufzumuntern.

Und hier noch ein nettes Amateur-Video: „Baby-Elefant tollt mit Vögeln herum

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Gruß Hubert