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„Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ (Levitikus 20,13)
Mit diesen Worten hat Vitus Huonder, Bischof von Chur, an einer Konferenz zum Thema Familie in Fulda (Deutschland) seine Position zu Homosexualität zum Ausdruck gebracht.

Wir hoffen, Sie erinnern sich an dasselbe Buch Levitikus, in dem geschrieben steht: „Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“ (Levitikus 19,18), hält jemand in einem Kommentar diesem erz-konservativen Bischof entgegen.

Es ist ziemlich arrogant als Vertreter einer Institution die viele Pädophile in ihren Reihen hat (von den Missbrauchsfällen hört man nichts mehr, ich glaube aber nicht dass es deswegen keine mehr gibt) über Homosexuelle solchen Hass auszuschütten und gegen sie zu hetzen.

Diese Worte, deren gewaltvoller Inhalt niemand absprechen kann, sind genau jene Worte, die ein religiöser Fanatiker skandiert hat, als er sechs Personen mit einem Messer an der Gay Pride in Jerusalem angegriffen hat, unter denen eine 17-jährige junge Frau vor einigen Stunden ihren Verletzungen erlegen ist.

Diese Worte sind nichts anderes als eine Aufhetzung zur Tötung selbst, eine Legitimierung für homophobes Verhalten.
Diese Worte im Mund eines bedeutenden katholischen Würdeträgers sind hasserfülltes Gift, die Quelle für homophobe Schandtaten.

Diese Worte können nur den Boden für Ablehnung und Hass sein. Jene Ablehnung und jener Hass, die jedes Jahr bei einer beträchtlichen Anzahl von LGBT+-Menschen zu einer erhöhten Suizidalität führen.
Diese Ablehnung und dieser Hass führen dazu, dass jeden Tag irgendwo auf der Welt Homosexuelle, Bisexuelle oder Transmenschen niedergemacht werden.
Dieser ultrakonservative Bischof bekommt auch Gegenwind aus den eigenen Reihen. Der Mediensprecher des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, kritisiert ihn scharf.

Wer aber ist dieser Mann, der selbst in Kirchenkreisen immer mehr an Zuspruch verliert?

Das wissen nicht einmal Leute, die jahrelang an seiner Seite waren. Sie wissen nicht, ob Huonder Freunde hat. Geschwister. Ob seine Kindheit glücklich war. Sie zeichnen ein Bild von einem 73-Jährigen, der nichts so sehr scheut wie den Dialog und den Austausch. Ein Mensch, der pedantisch ist, maskenhaft. Der introvertiert ist und gehemmt. Der mit leiser Stimme spricht und bloß einzelne Sätze sagt. Ein Bischof, der sich in seinem Amt zunehmend isoliert.

Getrieben vom rechten Glauben: Der Churer Bischof Vitus Huonder

Getrieben vom rechten Glauben: Der Churer Bischof Vitus Huonder  |  © CES

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Aus der Neuen Zürcher Zeitung.

Umstrittener Bischof von Chur

Die Einsamkeit des Vitus Huonder

Nun wird Bischof Huonder sogar vom eigenen Mediensprecher kritisiert: Die Äusserungen zur Homosexualität seien gefährlich, sagt Giuseppe Gracia. Sein Statement wirft Fragen auf.

Kirchliche Würdenträger, die Zürcher Kantonalkirche und sogar engste Mitarbeiter gehen auf Distanz zum Churer Bischof Huonder.

Der Papst hat sich noch nicht gemeldet. Aber sonst kann sich Vitus Huonder nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. Die umstrittenen Äusserungen des Churer Bischofs zur Homosexualität haben in den letzten Wochen eine Flut von Stellungnahmen provoziert, und zwar weit über das sonst übliche Mass hinaus. Homosexuellen-Organisationen haben Strafanzeige eingereicht, der Generalvikar und der Präsident des Zürcher Synodalrats bitten in einem gemeinsamen Schreiben für ihren Bischof um Entschuldigung, mehrere Bischofskollegen melden sich mit kritischen Voten zu Wort. Und nun geht sogar einer von Huonders engsten Mitarbeitern auf Distanz zu seinem Chef.

In scharfen Worten hat der Mediensprecher des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, gegenüber Radio SRF Huonders Äusserungen kritisiert. Er sei schockiert gewesen über das Zitat aus der Rede, sagte er. Huonder hatte eine Stelle aus dem Alten Testament, wonach Beischlaf unter Männern mit dem Tod bestraft gehöre, dahingehend kommentiert, diese Vorschrift würde schon genügen, «um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben». Das sei äusserst problematisch, sagte Gracia. Er habe das Referat vorher nicht gesehen und deshalb keinen Einfluss auf den Wortlaut gehabt. Bischof Huonder habe den Text in den Ferien verfasst, ohne ihn jemandem zum Gegenlesen zu geben.

«Eine Grenze überschritten»

Mit der Einordnung des Zitats habe Huonder eine Grenze überschritten, so Gracia. Der Satz sei nicht nur missverständlich, sondern gefährde sogar den Frieden. Rein fachtheologisch sei die Äusserung wohl gerechtfertigt, räumte Gracia ein. Von einer öffentlichen Person ausgesprochen, werde sie aber politisch verstanden. Sie verletze Menschen und könne politisch missbraucht werden, um Aggressionen zu schüren. Dafür müsse ein Bischof Verantwortung übernehmen. «Jetzt können wir nur noch Schadensbegrenzung betreiben», sagte Gracia. Er sage das nicht als Sprecher des Bistums, betonte er, sondern als Medienberater – der im betreffenden Fall allerdings nicht gefragt wurde.

Schweizer Bischof Vitus Huonder hetzt gegen Homosexuelle

Hier noch ein Auszug aus der ZEIT

Er habe schon mit vier Jahren gewusst, dass er Priester werden wollte, sagt Huonder. Wenn er davon am Fernsehen erzählt, entspannt sich sein Gesicht. Dann wirkt er kindlich, heiter, gelöst. Gegenüber Journalisten sagte er einmal, er liebe lange Spaziergänge in der Natur, klassische Musik von Händel und Bach, heiße Fußbäder – und: Lokomotiven.

Umso irritierender, wie schrill seine Stimme ist, wenn es um kontroverse Kirchenthemen geht. Sein Vortrag vor rund 1.000 Rechtskatholiken, den er im Juli in Fulda zum Thema „Die Ehe – Geschenk, Sakrament und Auftrag“ hält, ist nur die Krönung in einer langen, beharrlichen Predigt gegen die zunehmende Unsittlichkeit in dieser Welt und gegen die Unsitten in der Kirche. Dazu gehört für ihn die in der Schweiz übliche Praxis, dass Theologen ohne Priesterweihe in einer Messe predigen. 2012 nimmt er sich die Geschiedenen vor, die wieder geheiratet haben. Die Weisung aus Rom ist strikt: Sie dürfen die Sakramente nicht empfangen, sollen auf eine zweite Ehe verzichten oder enthaltsam leben. Aber auch da machen manche Bischöfe eine Ausnahme. Vitus Huonder nicht. Er schlägt vor: Wiederverheiratete Geschiedene sollen statt der Kommunion den Segen erhalten und dabei sichtbar die Arme verschränken – ein Coming-out vor versammelter Gemeinde.

Hier noch einige Aussagen von einer katholischen Seite.

Generalvikar und Synodalrat nehmen Stellung

Nachdem in den letzten Wochen im Generalvikariat wie beim Synodalrat zahlreiche besorgte und wütende Reaktionen zu den Aussagen von Bischof Dr. Vitus Huonder eingetroffen sind, nehmen Generalvikar Josef Annen und Synodalratspräsident Benno Schnüriger gemeinsam Stellung. Sie drücken ihre Sorge aus, dass das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche grossen Schaden nehmen. Sie bitten Homosexuelle und alle anderen, die skandalisiert sind um Entschuldigung, insbesondere auch die Schwestern und Brüder der evangelisch-reformierten Kirche.
http://www.zh.kath.ch/news/news-1

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„Und der Grund, aus dem der Kirche täglich mehr und mehr Leute fortlaufen, was nur zu begrüßen ist, liegt eben hierin: daß viele Diener dieser Kirche nur noch viel zu reden, aber wenig zu sagen haben.“
Kurt Tucholsky

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Gruß Hubert