Die Fleisch-Mafia   1 comment

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Ich kann in solchen Schlachthof-Unternehmern nur viel kriminelle Energie erkennen. Nicht umsonst heißt die Reportage vom NDR auch „Die Fleisch-Mafia“. Man „importiert“ osteuropäische billige Arbeitskräfte und beutet sie schamlos aus und sie müssen in menschenunwürdigen Unterkünften „hausen“.
Man kann sich ungefähr vorstellen wie ungebildete, billige Arbeitskräfte mit Tieren in Schlachthöfen umgehen – abgesehen davon, dass es da ja nie schön zugeht. Auf Tierleid wird da gepfiffen. Da wird nur Ware gesehen und keine leidensfähige Lebewesen.
Es wäre schon viel getan, wenn man den Fleischkonsum stark einschränken würde. Man würde so sogar noch etwas für die eigenen Gesundheit tun. Fleisch ist ja vollgepumpt mit Antibiotika (daraus resultierende Antibiotika-Resistenzen) und Wachstumshormonen… wer weiß mit was noch allem. Ganz zu schweigen was man so gegen Tierqual bewirken könnte.

Reportage vom NDR

Das geheime Netzwerk der Schlachthöfe

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Das Fleisch soll möglichst billig sein, der Gewinn groß: Um diese Ziele zu erreichen, scheint vielen deutschen Schlachthöfen inzwischen fast jedes Mittel recht zu sein. So arbeiten in etlichen Betrieben fast nur noch rumänische Arbeiter unter miserablen Bedingungen.

Perfektioniert wird diese Lohn-Sklaverei von dubiosen Geschäftsmännern, die den Markt für sich entdeckt haben. In großem Stil werben sie in Osteuropa billige Arbeitskräfte an und bringen sie in deutsche Schlachthöfe. Dort angekommen, werden die Arbeiter oft nicht nur ausgebeutet, sondern nach getaner Arbeit auch von ihren Auftraggebern in menschenunwürdigen Quartieren eingepfercht.

Netzwerk erstreckt sich über die ganze Republik

Derweil schaffen die Drahtzieher Millionenbeträge beiseite.

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Die Grafik zeigt das Firmengeflecht der ACO, in dessen Mitte Ralf Rösken steht. © NDR

Das Firmengeflecht um Ralf Rösken

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Möglich macht dies ein dubioses Netzwerk aus Unternehmen und Sub-Unternehmen, das sich über die gesamte Bundesrepublik erstreckt.

Wie das System funktioniert, haben NDR Autoren in monatelangen Recherchen herausgearbeitet. Sie haben mit hochrangigen Mitarbeitern der Fleisch-Mafia gesprochen und deren Aussagen mit Akten und Dokumenten untermauert.

Verdacht auf Steuerhinterziehung

Im Zentrum der Recherchen steht die Kapitalgesellschaft ACO, die von Ralf Rösken beherrscht wird. Die Unterlagen, die dem NDR vorliegen, zeigen, dass nahezu alle namhaften Schlacht- und Fleischbetriebe in Deutschland zu seinem Firmenimperium Kontakt haben.

Weitere Informationen
Porträt von Matthias Brümmer © dpa

Norddeutschland ist Hochburg der Fleisch-Mafia

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Der Gewerkschafter Matthias Brümmer beschäftigt sich seit Jahren mit den Praktiken der Fleisch-Mafia. Im Gespräch erklärt er, wie das System funktioniert. mehr

Die Informationen begründen zudem den Verdacht, dass durch die Fleisch-Mafia seit Jahren systematisch Millionen an Steuern und Sozialabgaben hinterzogen werden.

Aussteiger, mit denen der NDR gesprochen hat, liefern in diesem Film erstmals skandalöse Einblicke in diese schmutzigen Geschäfte. Sie erzählen auch, mit welchen Methoden die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaften immer wieder torpediert werden. Seit Jahren ermitteln sie in dieser Angelegenheit, bislang ohne großen Erfolg.

Die Fleisch-Mafia

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Gruß Hubert

Eine Antwort zu “Die Fleisch-Mafia

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  1. Hier noch ein Interview mit dem erfahrenen Gewerkschafter Matthias Brümmer, der die kriminellen Machenschaften seit Jahren untersucht.

    Norddeutschland ist Hochburg der Fleisch-Mafia

    NGG-Gewerkschafter Matthias Brümmer, 55, kennt die Praktiken der Fleisch-Mafia

    In vielen deutschen Schlachthöfen arbeiten inzwischen fast nur noch Osteuropäer, die für Hungerlöhne schuften. Rekrutiert werden viele dieser Arbeiter von einem Firmen-Netzwerk, dessen Vorgehen an die Mafia erinnert. Der Gewerkschafter Matthias Brümmer beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Praktiken und geht auch juristisch dagegen vor. Im Gespräch erklärt er, wie das System funktioniert.

    Herr Brümmer, ist der Begriff der Fleisch-Mafia übertrieben?

    Matthias Brümmer: -Nein, das ist er keinesfalls. Dieses Netzwerk kann mit Fug und Recht als Mafia bezeichnet werden. Sein ausbeuterisches System zeichnet sich durch klar organisierte Strukturen aus, die es den Verantwortlichen überhaupt erst ermöglichen, dass das alles so funktioniert. Da werden in kürzester Zeit Unternehmen gegründet und wieder eingestampft, riesige Arbeiter-Kolonnen verschoben, die Aufsichtsbehörden an der Nase herumgeführt. Das könnte ein kleines Netzwerk einzelner Unternehmer in dieser Form gar nicht. Was da im Dunstkreis von deutschen Schlachthöfen abläuft, das ist organisierte Kriminalität.

    Bei Mafia denken viele auch gleich an Kriminelle, die versuchen, ihre Kritiker mundtot zu machen. Ist das bei der Fleisch-Mafia auch so?

    Brümmer: Ja, das erleben wir seit Jahren. Viele, die öffentlich Kritik an dem System äußern, werden mit Strafanzeigen überhäuft. Ich selbst habe das auch schon erlebt. In einigen Fällen geht es sogar so weit, dass Kritikern mit körperlicher Gewalt gedroht wird. Die Menschen sollen einfach zum Schweigen gebracht werden.

    Was ist das Markenzeichen der Fleisch-Mafia?

    Brümmer: Die Fleisch-Mafia zeichnet sich durch massivste Ausbeutung von Arbeitskräften aus. Mit allen Tricks und allen Mitteln gelingt es ihr, sowohl den Brutto- als auch den Nettolohn zu drücken – und den Mindestlohn zu umgehen. So werden etwa Stundenzettel systematisch gefälscht. Auf dem Papier steht dann, dass jemand nur acht Stunden gearbeitet hat – in Wirklichkeit waren es aber zwischen 12 und 18 Stunden. Dann müssen die Arbeiter oft auch ihre Arbeitskleidung und ihr Werkzeug selber zahlen. Und wenn während der Schicht etwas schiefläuft, werden den Betroffenen oft horrende Strafen aufgedrückt.

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    Können Sie da Beispiele nennen?

    Brümmer: Wenn einer der Arbeiter beispielsweise einen Schnitt falsch in das Fleisch setzt, dann muss er dafür Strafe bezahlen. Auch, wenn ihm etwas herunterfällt. Pro Kilogramm Fleisch, das nicht mehr verwendet wird, werden 20 bis 30 Euro fällig. Manche Arbeiter kommen so auf weit mehr als 100 Euro Strafe im Monat. In manchen Betrieben werden die Arbeiter sogar für ungebührliches Verhalten in der Freizeit bestraft.
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    Was habe ich mir unter „ungebührlichem Verhalten in der Freizeit“ vorzustellen?

    Brümmer: Beispielsweise, wenn der Arbeiter den Chef nicht auf der Straße grüßt.

    Die Arbeiter, die durch die Fleisch-Mafia nach Deutschland geholt werden, kommen ja aus Osteuropa. Wie schaffen es die Mittelsmänner, die Leute in hiesige Schlachthöfe zu locken?
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    Brümmer: Die versprechen den Menschen 2.000 Euro netto im Monat bei geregelten Arbeitszeiten und einer 5-Tage-Woche. Das klingt für die Menschen aus Osteuropa traumhaft, denn sie leben in ihrer Heimat in bitterster Armut. Aber dann kommen sie nach Deutschland und werden aufs Schlimmste ausgebeutet. Sie arbeiten quasi rund um die Uhr und erhalten dafür 600 bis 1.000 Euro im Monat. Davon gehen dann noch Kosten für die Unterbringung ab. Viele Arbeiter werden von ihren Auftraggebern auf engstem Raum zusammengepfercht, wo diese in ihrer wenigen Freizeit nur noch vor sich hin vegetieren. Für ein einfaches Feldbett in einer umfunktionierten Kaserne zahlen die Arbeiter neun Euro am Tag. Kurz: Die Fleisch-Mafia nutzt das soziale Elend in einigen Gebieten Osteuropas aufs Übelste aus.

    Wie viele Schlachthöfe in Deutschland sind von diesem System, der Fleisch-Mafia, untergraben?

    Brümmer: Nach unseren Schätzungen wird in 80 bis 90 Prozent aller Schlachthöfe in Deutschland mit dem Fleisch-Mafia-System gearbeitet. In Norddeutschland ist es besonders schlimm, da es hier besonders viele Verarbeitungsbetriebe gibt. Mir fällt hier kein einziges größeres Unternehmen ein, das nicht von dieser Fleisch-Mafia betroffen sein könnte.
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    Aber warum lassen sich die Betriebe darauf ein? Was steht dahinter?

    Brümmer: Es geht darum, den eigenen Gewinn zu maximieren. Das Geld, das die Schlachthöfe einsparen, wird nicht an den Verbraucher weitergegeben, sondern wandert in die Taschen der Besitzer. Was glauben Sie, was es einen größeren Schlachthof kostet, ein ganzes Schwein zu schlachten, zu teilen und aufzuhängen?
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    Puh, das ist schwer zu schätzen.

    Brümmer: 1,03 Euro. Für ein ganzes Schwein! Betrachten wir diesen Aspekt, bezahlen wir Verbraucher noch viel zu viel für unser Fleisch.
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    Was kann der Verbraucher tun, um die Ausbeutung zu verhindern?

    Brümmer: Der Verbraucher ist in einer sehr schlechten Position. Denn er sieht auf seinen Produkten nicht, wer hinter den ganzen Firmen steht. Aber er kann der Politik klarmachen, dass er dieses asoziale System nicht toleriert, dass er das nicht haben will. Der Schlüssel für eine Verbesserung der Situation liegt in Berlin. Denn dort könnten Gesetze gemacht werden, die es den Unternehmen verbieten, ihre Arbeiter mehrheitlich über Sub-Unternehmen anzuheuern.

    Das Gespräch führte Julia Becker, NDR.de

    http://www.ndr.de/nachrichten/Interview-mit-Matthias-Bruemmer-zur-Fleischmafia,interview2844.html
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    Gruß Hubert

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