Neulich bei der christlichen Hitparade   4 comments

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Schlimm, wenn im denkbar ungünstigsten Augenblick die Fernbedienung des Fernsehers nicht mehr funktioniert, wie diese Geschichte zeigt.

Man sollte einfach nicht so oft fernsehen. Oder wenn, dann auf jeden Fall mit einer funktionierenden Fernbedienung. Bedauerlicherweise machte die meine neulich beim Zappen schlapp und ließ mich und den Fernseher ausgerechnet bei einem christlichen Spartensender hängen. Zu meiner Erleichterung lief gerade keine christliche Missionssendung, auch kein Gottesdienst und keine Diskussionsrunde mit gehirngewaschenen jungen Menschen, die es total toll finden, dass sie vor der Heirat nicht pimpern dürfen. Stattdessen Werbung. Ich wähnte das Glück auf meiner Seite: Ein kleines bisschen Werbung, genug Zeit, um den Wackelkontakt in der Fernbedienung zu beheben – aber ich hatte mich getäuscht. Denn was ich in diesem Werbeblock sah und hörte, war schlimmer als jede Missionssendung:

Die Christliche Hitparade vereint christliches Liedgut mit der Heimatver­bundenheit der beliebtesten Stars aus der Volksmusik“ erfuhr ich, während es im Hintergrund jodelte und jaulte. Keine Tonstörung, wie sich herausstellte, sondern: „Die Kastelruther Spatzen, Die Amigos, Hansi Hinterseer oder Florian Silbereisen besingen und feiern ihre Liebe zu Gott, zu Jesus Christus und der heiligen Maria.“ Mit anderen Worten, Interpreten, die sich „durch ihre Boden­ständigkeit und Herzenswärme“ auszeichnen, „Künstler, die extrem erfolgreich sind, aber nie vergessen haben, wem sie diesen Erfolg zu verdanken haben: Ihren Fans und Freunden, aber auch dem lieben Herrgott, der ihnen überhaupt diese Gabe gegeben hat.“

Mit Schweißperlen auf der Stirn und dem Schraubenzieher in der Hand versuchte ich verzweifelt, den Wackelkontakt in der Fernbedienung aufzuspüren, während sich nach dem „Andachtsjodler“ von Maria und Margot Hellwig und einem kurzen Ausschnitt aus „Hörst du die Glocken vom Kirchturm daheim“ von Captain Cook und seinen singenden Saxophonen, Die Priester mit ihrem Smashhit „Spiritus Dei“ auf den Bildschirm drängten – selbstverständlich in der Altöttinger Live-Version.

Es ließ sich einfach kein verdammter Wackelkontakt finden. Vielleicht war die Lösung ja ganz einfach. Ich sprang zur Schublade mit den Batterien und durchwühlte sie mit zitternden Händen, während der Werbeblock bereits das nächste christliche Sammelalbum für mich bereit hielt:

„Die Zeit ist reif für diese Kollektion mit den bekanntesten Lobpreisliedern unserer Tage. Nach dem großen Erfolg von Anbetung Gold präsentiert Anbetung Gold Deluxe eine neue Songauswahl an Klassikern und Highlights.“ Eine CD-Kollektion, bei der „Qualität groß geschrieben“ wird, wie der Sprecher versicherte: „Die Lieder sind allesamt kreativ, kraftvoll und ausgefeilt. Die perfekte Mischung aus dem Besten, was deutschsprachiger Lobpreis zu bieten hat. Das alles in einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Durchgehend deutschsprachig.“

Mit letzter Kraft drückte ich die neuen Batterien in die Fernbedienung und schaltete um. Das Wort „Erlösung“ bekam in diesem Moment wahrlich eine ganz neue Bedeutung für mich …

Neulich bei der christlichen Hitparade

Gruß Hubert

Veröffentlicht 20. September 2015 von hubert wenzl in Medien

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4 Antworten zu “Neulich bei der christlichen Hitparade

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  1. Hi Papa,
    Ich verstehe nicht so recht wie ich den Beitrag deuten soll.
    Der letzte Absatz irritiert mich.

    Musik ist etwas wunderbares, weil es die Gefühle unmittelbar anspricht. Was man in dieser Intensität niemals mit Worten erreichen kann.
    Gerade kirchliche Musik ist da besonders schön.

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    http://www.4shared.com/video/HBEN6XNhce/Amazing_Grace_-_Betti__ihr_Tyr.html
    http://www.4shared.com/web/embed/file/HBEN6XNhce


    “Stille Nacht“, das wohl berühmteste Lied aller Zeiten.
    http://www.4shared.com/video/43V1Wpob/Stille_Nacht__S_.html
    http://www.4shared.com/web/embed/file/43V1Wpob

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    Für mich ist die Musik, der Klang das entscheidende, nicht der Text eines Liedes, den ich oftmals gar nicht kenne oder verstehe.
    Amazin Grace z. B. Ich weiß nur dass es eine Lobpreisung ist.
    Und trotzdem haben die Menschen Tränen in den Augen wenn ich diesen Titel solo auf meinem Tyros spiele. In Berlin, aber auch in Shanghai. Es ist dann ganz still und ganz dunkel im Saal, nur ich mit meinem Tyros bin da angestrahlt. Und ich spiele dann diesen Titel ohne jede weitere Begleitung. Das geht allen ans Herz. Mir aber auch so wie ich die Reaktion der Menschen darauf erlebe.
    Es ist nun mal vorwiegend sakrale Musik die das bewirkt und nicht Techno oder Rab.
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    Jeder Mensch ist ein Individuum mit eigenem Geschmack und Gefühlen. Einer leibt Klassik, ein anderer Beat und wieder ein anderer deutsche Schlager. Es gibt da ja unzählige Stielrichtungen. Die alle gleichberechtigt sein sollten. Wenn dann sind es die Texte von Liedern oder Schlagern die oftmals niveaulos sind. Da ist es gut wenn man die nicht versteht.
    Während die Musik ein Ohrwurm sein kann.

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    glG Betti

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  2. Hi Betti,
    es stimmt, nichts kann die Gefühle, ja die Seele so direkt und tief ansprechen wie Musik. Die Musik ist eine Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht.
    Was der Autor des Beitrages (habe ihn ja übernommen) als Erlösung meinte, dass er endlich neue Batterien in die Fernbedienung einlegen konnte, und damit auf einen anderen Sender umschalten konnte. Natürlich ist klar, dass der Hörer dieser für ihn ungeliebten Lieder einfach den Abschaltknopf des Fernsehers drücken hätte können. Da verstehe ich auch nicht warum er die Geschichte mit der Fernbedienung aufgebaut hat (vielleicht dachte er es wird damit „lustiger“).

    Was ich aber auch nicht mag, wenn man in Volksmusik, (ich glaube es gibt da auch noch die Unterscheidung in volkstümliche Musik, die weniger wertvoll sein soll), in unehrlicher Weise, also nur aus Berechnung Texte einfließen lassen, wie: „ihre Liebe zu Gott, zu Jesus Christus und der heiligen Maria“, die sie in berechnender Weise mit dem Blick auf eine bestimmte Klientel benützen. Ich nehme ihnen in keiner Weise ab, dass sie so heilig und so fromm sind.
    Wenn solche Sänger diese Texte singen wirkt das auf mich nur aufgesetzt, schmalzig und heuchlerisch.

    Wenn man solche Texte in geistlichen Liedern hat, habe ich nichts dagegen einzuwenden, die hört man ja im Normalfall ja nur in der Kirche und dort bin ich ja schon lange nicht mehr anzutreffen.
    Was Kirchen betrifft, muss bei mir in frühen Jahres etwas Tiefgehendes gründlich zerstört worden sein. Ich mag nichts was mit Priestern und ähnlichen Leuten zu tun hat. Ich will aber niemand das Recht absprechen das zu hören was ihm gefällt.
    Der Text ist für mich untrennbar mit einem Lied verbunden. Wenn der Text in meinen Augen schlecht oder unehrlich ist, dann könnte ich das Lied höchstens noch instrumental gut finden. Sonst könnte ich nicht einfach weghören beim Text und es würde mich zu sehr stören um noch die Musik genießen zu können.
    Ich mag aber durchaus auch religiöse Musik. Zum Beispiel gehört diesbezüglich folgendes Musikwerk von Johann Sebastian Bach zu meinen Lieblingsstücken. Das bewegt meine Gefühle sehr tief.

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    J.S. Bach – Toccata and Fugue in D minor BWV 565
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    Amazing Grace heißt erstaunliche Gnade (ich glaube man könnte es in diesem Fall besser mit wunderbare Gnade übersetzen).
    Hier nur die erste Strophe.
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    Amazing Grace

    Erstaunliche Gnade, wie süss ist der Klang
    der ein Verlorener wie mich gerettet hat
    Früher war ich verloren, jetzt weiss ich, wo ich bin,
    ich war blind, aber jetzt kann ich sehen.
    http://www.songtexte.com/uebersetzung/jeanette/amazing-grace-deutsch-bd6b95a.html
    .
    Dieser Text gefällt mir sehr gut, auch wenn er geistlich ist. Wenn jemand seinen Weg, vielleicht seinen Weg zu sich selbst findet, ist es immer etwas Schönes, Tröstliches. Es ist wie die Rettung vor einem Untergang, vor einem Schiffbruch, wenn man vielleicht in die falsche Richtung ginge oder gar auf die schiebe Bahn geriete.

    .
    glG Papa

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  3. Hi Papa,
    – es gibt natürlich auch den entgegengesetzte Fall.
    Sehr nahe gehende Texte wo mir die Musik gar nicht zusagt. Von den Toten Hosen z.B. “Noch 100 Tage bis zum Untergang“ um nur ein Beispiel zu nennen.

    Da aber die Musik das Primat für mich hat, höre ich mir Titel wo mir die Musik nicht gefällt gar nicht erst an. Wodurch mich diese Texte dann auch nicht erreichen.

    Es ist die Musik die sich im Gehirn einbrennt. Mann braucht von einem Titel oftmals nur die ersten Takte zu hören und schon kommt es einem bekannt vor. Dabei muss es noch nicht einmal Emotionen erzeugen. Man erinnert sich einfach. So dass Musik viele nachhaltiger ist als ein Text. Bzw. man über die Musik zum Text kommt. Was aber voraussetzt dass die Musik im Gedächtnis haften geblieben ist.

    Ich kenn z. B. keinen Liedertext auswendig, dessen Melodie ich nicht kenne, aber umgedreht,, Melodien deren Text mir nicht bekannt ist.


    glG Betti

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  4. Hi Betti,
    natürlich kann es auch den entgegengesetzten Fall geben. Was „Noch 100 Tage bis zum Untergang“ betrifft, gefällt mir da beides, sowohl Text als auch die Musik. Da darf es bei mir ruhig ein wenig rockig sein. Was das betrifft fühle ich mich noch blutjung. Aber wie man weiß sind Geschmäcker verschieden. Ich habe wohl auch eine „Schwäche“ für Texte, weil ich eine Vorliebe für Literatur und Poetik habe.
    Das von den Melodien, die sich ins Gehirn „verewigen“, wenn man nur die erste Takte hört, kenne ich auch. Für mich ist aber beides wichtig. Mir ist auch wichtig welche Botschaft der Autor, Sänger rüberbringen will. Wenn der Text für mich blöd, unecht, heuchlerisch und schnulzig ist, dann höre ich die Musik gar nicht an. Aber meist ist dann für mich eh beides schlecht.
    Es gibt auch eine volktümliche Musik, bei denen Spötter sagen sie sei volksdümmlich.

    So eine Musik mag ich halt nicht – ich glaube selbst nicht, wenn ich an Alzheimer erkranken würde 😉 Aber das Lied hat ja keinen Text. Jo di ri kann man ja nicht als solchen bezeichnen. Aber wem’s gefällt, der soll es sich anhören. Hier eine Version des im Ursprungs-Beitrag zitierten „Andachtsjodler“.
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    Andachtsjodler, Segen des Pabstes & Bayernhymne 2012 (Übrigens Papst mit „b“ geschrieben, ist auch lustig, aber auch schon wieder egal, bei dem Unsinn – ist eben dem Niveau angepasst).

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    glg Papa

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