Archiv für 22. September 2015

Hamed Abdel-Samad: Der Weckrufer   Leave a comment

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Abdel-Samad sieht das Problem in einer Religion, die vorgebe, im Besitzen der allein seligmachenden Wahrheit zu sein und dazu ermuntere, Andersdenkende zu bekämpfen. Der Dschihad sei im Islamismus tief verankert, auch wenn er sich aus taktischen Gründen oft genug bis zur Unkenntlichkeit tarne.

Für ihn sind alle Relgionen mit Totalitätsanspruch – wozu er auch das Christentum und das Judentum zählt – eine Gefahr, wenn sie nicht Privatsache bleiben.  Wo Staat und Religion nicht strikt getrennt sind, kann keine echte Demokratie entstehen, keine Gesellschaft, die auch die Rechte von Minderheiten schützt und Andersdenkende nicht ausgrenzt. So lange es an staatlichen Schulen christlichen Religionsunterricht gibt statt Unterricht in Religionskunde, werden auch die Muslime und mit ihnen die Islamisten nicht müde, die gleichen Rechte einzufordern.

Aus der ZEIT

Irgendwann standen sie auch vor dem Haus seiner Eltern in der kleinen Siedlung vor Kairo und wünschten dem mittleren Sohn des Dorf-Imams den Tod. „Mit deinem Blut rächen wir den Propheten“, skandierten aus der Hauptstadt angereiste Demonstranten zusammen mit ehemaligen Nachbarn, die Hamed Abdel-Samad als Kind oft geneckt hatten, weil er so gern allein durch die Wüste stromerte, die gleich hinter dem Dorf beginnt.

Im letzten Sommer war das. Der seit Langem in Deutschland lebende Politologe hatte während eines Vortrags in Kairo die These gewagt, dass im Islam nicht erst seit dem Erstarken von Muslimbruderschaft und Al-Kaida, sondern von Anbeginn faschistische Tendenzen zu finden seien. Ägyptische Religionswächter hatten daraufhin zur Fatwa aufgerufen, sein Foto kursierte mit der Aufschrift „Wanted dead“ im Internet und Abdel-Samads Vater, der Imam, wurde bedrängt, sich im Staatsfernsehen vom häretischen Sohn zu distanzieren. Der Vater lehnte ab, was Abdel-Samad ihm hoch anrechnet. Die Mutter bat ihn inständig, sich nie mehr öffentlich über den Islam zu äußern, auch im Namen seiner Geschwister, Neffen und Nichten. Doch diesen Wunsch konnte er ihr nicht erfüllen. „Ich hätte mir die Logik des Dschihad zu eigen gemacht.“ Denn wer gefährdete das Leben seiner Familie – er oder die Fanatiker?

Also schrieb er das Buch fertig. Unter dem Titel Der islamische Faschismus erscheint es jetzt in Deutschland. Gut 200 Seiten, in denen er einen Bogen schlägt von den Schriften des Propheten über die Entstehung der Muslimbruderschaft in den zwanziger Jahren bis zur Radikalisierung der muslimischen Jugend in der deutschen Diaspora. Manche Leser werden empört sein, dass er Hunderte Regalmeter Faschismusforschung ignoriert und sich in seiner Analyse des „Islamofaschismus“ allein auf die umstrittenen Thesen Ernst Noltes aus den achtziger Jahren beruft. Wenn schon! Am Vorabend der Buchpremiere sitzt er in einem Touristencafé in Berlin-Mitte, ein 42-Jähriger mit jungem Gesicht und gebeugter Haltung.

Sein Buch sei keine wohltemperierte Wissenschaft. Er habe keine neue Faschismustheorie aufstellen wollen: „Das hier ist ein Weckruf.“

Seit er vor 23 Jahren nach Deutschland kam, um sein Studium fortzusetzen, frage er sich, was schieflaufe in der muslimischen Welt. Warum gebe es dort bis heute keine einzige funktionierende Demokratie, sondern stattdessen: alte Diktaturen, bis an die Zähne bewaffnet, neue Diktaturen, die gerade auf den Trümmern von Arabellion und Kemalismus errichtet würden, Blutrache, Bürgerkrieg, Stammesfehden und von „Scharia-Enklaven“ durchzogene failed states. Ist dafür allein der Kolonialismus verantwortlich? Abdel-Samad gibt zu, dass die westeuropäischen Imperien nach ihrem Abzug kaputte, ausgebeutete Gesellschaften hinterlassen hätten, anfällig für Heilsversprechen.“ Aber welchen Anteil haben diese Gesellschaften selbst an der Misere?“ Sie seien durchdrungen von einer Religion, die bis heute die Menschen zur Unmündigkeit erziehe, keine abweichenden Haltungen dulde und offen zur Vernichtung Andersgläubiger aufrufe. „Für mich ist das Faschismus“, sagt er, wohl wissend, dass vor zehn Jahren die Falken im Weißen Haus ihren „War on Terror“ als antifaschistischen Feldzug legitimierten. Doch Abdel-Samad kennt den radikalen Islam nicht erst seit dem 11. September.

Als Student der Kairoer Universität war er drei Jahre Mitglied der Muslimbruderschaft. Im Nachhinein erklärt er das so: Ein orientierungsloses Dorfkind in der Stadt, genervt vom Konservatismus des eigenen Elternhauses und frustriert vom korrupten Mubarak-Regime, fand bei den Muslimbrüdern eine soziale und geistige Alternative; eine Gemeinschaft, die ihm Halt gab; eine Religion, die größer, reiner und revolutionärer wirkte als das, was sein Vater predigte. Das Versprechen: „Wenn du es ernst meinst, kannst du nicht nur dein Land, sondern die ganze Welt vor den Ungläubigen retten.“

Abdel-Samad erinnert sich an Momente „spiritueller Katharsis“ während der illegalen Gebetswochenenden in der Wüste. Und an das gute Gefühl, das sich einstellt, wenn man glaubt, seinen Weg gefunden zu haben. Es dauerte eine Weile, bis er merkte, dass er sich einer Gruppe angeschlossen hatte, die bedingungslosen Gehorsam verlangte. In seinem Buch Mein Abschied vom Himmel beschrieb er eine Wüstenwanderung mit den Brüdern. Sie hatten jeder eine Orange dabei und liefen, bis ihnen schwindelig wurde. Da befahl der Anführer, Platz zu nehmen und endlich die Orangen zu schälen. Doch sie durften das Fleisch nicht essen, nur die Schale. „In dem Moment verstand ich: Ich soll gebrochen werden. Der nächste Schritt ist die Gehirnwäsche.“

Jahre später, da hatte er sein Politologiestudium in Berlin abgeschlossen und in München über das Judenbild in ägyptischen Schulbüchern promoviert, quälte er sich mit der Frage: Ist der Islam reformierbar? Als wäre er selbst nicht das beste Beispiel dafür, dass es auch liberal geht. Dass man nicht als Muslimbruder sterben muss. Und hat der Arabische Frühling nicht gezeigt, dass es eine junge Internetgeneration gibt, die sich über alte Doktrinen hinwegsetzen kann? Vor drei Jahren hätte Abdel-Samad das vehement bejaht. Damals war er so etwas wie das deutsche Sprachrohr des Arabischen Frühlings. Seine Kommentare zum Tahrir-Platz verbreiteten Optimismus. Heute sagt er: „Die Ägypter haben in drei Jahren zwei Diktatoren gestürzt, aber gleich wieder nach dem Führer gerufen.“ Vor ein paar Tagen hat das Militärregime, das im vergangenen Oktober den Präsidenten Mursi stürzte, 529 Muslimbrüder zum Tode verurteilt. „Justizmassaker“ nennt Abdel-Samad das.

Ist dafür der Islam verantwortlich? „Solange die Mehrheit der Bürger einen Gott verehrt, dem man keine Fragen stellen darf – ja“, sagt er. Und dann, nach einem sehr langem Schweigen: „Ich will die Religion nicht abschaffen.“ Er wisse, dass sie Menschen Geborgenheit gibt, er schätze ihre sozialen Seiten, die Spendenpraxis, das Zinsverbot. Man merkt, dass dieser Autor gern unrecht hätte mit seinen Büchern. Dass er den Dialog führen will, den er für aussichtslos erklärt.

Trotz der Angriffe auf seine Person spricht er regelmäßig in Schulen mit hohem Migrantenanteil. Ende der Woche trifft er in Neukölln Schüler, die einer salafistischen Gruppe nahestehen. Er wird ihnen sagen, dass er weiß, wie es einem geht als muslimischer Migrant in Deutschland. Man werde ständig mit demütigenden Fragen traktiert: Wie oft betest du? Isst du Schweinefleisch? Trinkst du Alkohol? Was ist mit den vielen Jungfrauen? Darfst du überhaupt Sex haben? Viele Jugendliche sähen in der Radikalisierung die einzige Antwort auf die Schizophrenie ihrer Existenz und landeten knietief im „islamischen Faschismus“. Glaubt er, dass das harte Wort bei den Jugendlichen verfängt?

„Ich glaube jedenfalls nicht, dass es etwas bringt, wenn man sich schwammig ausdrückt.“ Es ärgert ihn, dass auf den Plakaten zur Buchpremiere der Titel des Buches verschwiegen wird. Der Moderator Jakob Augstein gab der Veranstaltung den Titel: „Welchen Islam wollen wir“. Das, sagt Abdel-Samad, sei leider die falsche Frage. Letztlich handele sein Buch davon, dass „wir“ beim radikalen Islam gerade wenig zu wollen haben.

Von

Hamed Abdel-Samad

wurde schon im Jahr 2009 für seine Kritik am radikalen Islam mit einer Fatwa belegt. Der Sohn eines ägyptischen Imams lebt seit 1995 in Deutschland. Während seines Studiums in Kairo war er Mitglied der Muslimbruderschaft . Im vergangenen Sommer warf der Politologe, 42, den Muslimbrüdern vor, faschistisch zu sein. Danach gab es in Ägypten mehrere öffentliche Mordaufrufe gegen ihn. Dennoch erscheint jetzt sein Buch Islamischer Faschismus (Droemer).

Hamed Abdel-Samad: Der Weckrufer

Gruß Hubert

Syrischer Flüchtlingsjunge trägt Hundewelpen 500 Kilometer zu Fuß   Leave a comment

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Hier einmal eine positive Geschichte zum Thema Flüchtlinge. Wenn man von vornherein negativ gegen Flüchtlinge eingestellt ist findet man immer das berühmte Haar in der Suppe. Das Problem mit den Flüchtlingen ist auf keinem Fall kleinzureden und es braucht außer dem Herz auch Verstand. Vor allem muss die Politik auch darauf achten die soziale Balance einzuhalten, denn sonst könnte sozialer Sprengstoff entstehen.
Hier aber zur positiven Geschichte wo ein 17-jähriger Syrien-Flüchtling seinen Husky-Welpen 500 km im Handgepäck trägt – und er ist ja noch nicht angekommen. Ich würde es auch nicht über’s Herz bringen ein Haustier einfach seinem Schicksal zu überlassen. Man kann sich vorstellen wie viele Haustiere von ihren Besitzern zurück gelassen werden. Dieser Junge samt Husky-Welpen haben jedenfalls meine besten Wünsche und ich wünsche ihnen alles Gute. Allzu leicht werden bei den Flüchtlingsproblemen die Tiere vergessen.

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Unzertrennlich: Aslan und sein Hund Rose.

CF – Unzertrennlich: Aslan und sein Hund Rose.

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Eine wirklich herzergreifende Geschichte: Der 17-jährige Syrien-Flüchtling Aslan wollte seine Heimat nicht ohne seinen geliebten Hund Rose verlassen. Deshalb transportierte er den Vierbeiner kurzerhand 500 Kilometer weit im Handgepäck von Damaskus bis nach Griechenland – größtenteils zu Fuß.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichtet auf seiner Facebook-Seite von einer außergewöhnlichen Freundschaft, die es nicht nur Tierfreunden warm ums Herz werden lässt.

Aslan war gezwungen, seine syrische Heimat wegen des Kriegs zu verlassen. Doch allein trat er die Reise über das Mittelmeer in eine ungewisse Zukunft in Europa nicht an: Er nahm seinen kleinen Husky mit und ist inzwischen in Griechenland auf der Insel Lesbos eingetroffen.

In einem Video wird der 17-Jährige gefragt, warum er seinen Hund mitnimmt, obwohl er weiß, dass er ihn den ganzen Weg lang tragen muss. Die einfache Antwort: Er liebt seinen tierischen Begleiter einfach. Er habe alles Nötige dabei, etwas Wasser, Hundefutter und sogar einen eigenen Pass für den Welpen. Anscheinend kann nichts die beiden Freunde trennen.

Aslan ist einer von mehr als vier Millionen Flüchtlingen aus Syrien, die seit dem Kriegsbeginn 2011 das Land verlassen haben. Viele dieser Menschen zieht es nach Deutschland.
Quelle: CF/Yahoo

Syrischer Flüchtlingsjunge trägt Hundewelpen 500 Kilometer zu Fuß

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Vor einigen Tagen war zu lesen, dass ein syrischer Flüchtling sein junges Kätzchen auf der Flucht mitgenommen hat.

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Gruß Hubert

Die Islam-Kritik des Hamed Abdel-Samad   1 comment

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Hamed Abdel-Samad ist ein deutsch-ägyptischer Politologe und Autor, der auch bekannt ist wegen seiner Islamkritik.

In seinem Buch „Der islamische Faschismus“ legt Hamed Abdel-Samad dar, dass der Islam voller faschistoider Bezüge ist. Das Buch war ein Bestseller.

„Der Islamismus entstand parallel zum italienischen Faschismus und zum Nationalsozialismus. Sein faschistoides Gedankengut reicht allerdings weit zurück – es ist bereits im Ur-Islam angelegt. Hamed Abdel-Samad schlägt in seiner Analyse einen Bogen von den Ursprüngen des Islam bis hin zur Gegenwart. Ein provokantes Buch, dessen Thesen Hamed Abdel-Samad eine Mord-Fatwa einbrachten.“

Hier eine Rezension
Von drcnussbaumer am 14. Januar 2015
Angesichts des islamistischen Terrorangriffs in Paris ist die Lektüre dieser Analyse des Ägypters Hamed Abdel-Samad wie ein Blick hinter den Vorhang der geheimnisvollen Wirkkräfte des politischen Islams. Ein verblüffender Erklärungsrahmen öffnet sich durch die Sicht eines hochgebildeten Menschen, der ein ausgewiesener Kenner dieser Religion ist. Die kritische Analyse ist entlarvend und erschreckend zugleich. Dennoch zeigt er Möglichkeiten auf, wie die bestehenden Probleme angegangen werden könnten. Seine Prognose ist nicht gerade hoffnungsvoll, wenn er schreibt: „Es fällt vielen Muslimen schwer zu erkennen, dass Freiheit und Demokratie sich nicht vertragen mit dem Gedanken, dass der Mensch durch ein himmlisches Wesen ferngesteuert wird. Es fällt schwer zu erkennen, dass nicht der Glaube eines Menschen, sondern seine Taten entscheidend sind und dass keine Ideologie es wert ist, dafür zu töten oder das eigene Leben hinzugeben.“ Dieses Buch ist ausgesprochen hilfreich zum besseren Verständnis der aktuellen Situation.

Hier noch eine zweite Rezension.

Von Falk Müller TOP 50 REZENSENT am 1. April 2014

Auch wenn der Titel etwas anderes erwarten lässt: das Buch ist eine sachliche Analyse und keine Anklageschrift. Der Autor schreibt und argumentiert ohne Zorn und Eifer in einem unaufgeregtem Ton. Und so stellt er auch seine These, dass der Islam faschistoide Züge trägt, nicht einfach so in den Raum, sondern benennt klar die offensichtlichen Gemeinsamkeiten zwischen Faschismus und Islam. Hier nur ein paar Beispiele:

– Der Faschismus will die Welt beherrschen – das will der Islam auch
– Der Faschismus hat seine charismatischen Führer, die unbedingten Gehorsam von ihren Anhängern fordern – die hat der Islam auch
(auch wenn sie nicht mehr Hitler heißen, sondern muslimische Namen haben)
– Der Faschismus hält sich für auserwählt und teilt die Welt in Gut und Böse – das macht der Islam auch
– Die Juden zählen für den Faschismus zu den Bösen – das tun sie für den Islam auch. Auch dort ist Antisemitismus vorherrschende Staatsideologie

Der Autor benennt aber nicht nur diese Gemeinsamkeiten, sondern auch die eigentlichen Wurzeln des aggressiven Islamismus. Und die liegen für ihn , trotz mancher wohlklingender Passagen über das Zusammenleben und den Frieden, eindeutig im Koran, also in der Jahrhunderte alten Geschichte und Lehre des Ur-Islam. Zitat: „Es waren nicht die Islamisten, die den Dschihad erfunden haben. Das war der Islam. Es waren nicht die Islamisten, die damit angefangen haben, die Welt in Gläubige und Ungläubige einzuteilen – das war der Islam.“

Addel-Samed warnt den Westen davor, eine Art Appeasement-Politik gegenüber der islamischen Welt zu betreiben. Denn wenn ein Islamist an die Macht kommt, will er die islamische Gesellschaftsordnung verwirklichen, die Scharia durchsetzen. Beispiel Türkei: Erdogan hat seine Ziele und Motivation eine Weile geschickt versteckt und den Westen ausgetrickst, um zunächst seine Gegner in der Türkei auszuschalten. Als er dann alle Zügel in der Hand hielt, hat er sein anderes Gesicht gezeigt. So wie das Osmanische Reich damals den Buchdruck abgelehnt hat, verbietet Erdogan heute Twitter und YouTube.

Fazit: Eine Streitschrift, die frei von Häme und Polemik ist. Der Autor beschreibt den Islam wie er ist, und warum er so ist, wie er ist.

Pressestimmen
„Hamed Abdel-Samad war einst ein Islamist. Inzwischen bekämpft der Publizist jedoch mit heiligem Furor das, wofür er einst stand. Er ist ein ägyptischer Salman Rushdie“. Süddeutsche.de, 26.11.2013

„Abdel-Samed ist nicht nur gebildet, sondern er kennt seine Religion auch sehr gut. Dieses Buch, diese Analyse ist wie ein Blick hinter den Vorhang der geheimnisvollen Wirkkräfte des Politischen Islams. Sie ist kritisch und dabei zugleich entlarvend und erschreckend.“ RTF1 – Fernsehen für die Region Neckar-Alb (online), 14.04.2015

„Es entdeckt im Islamismus vergleichbare Wesenszüge mit andern Gewaltsystemen. Dass solche Parallelen aufhorchen lassen und Ängste auslösen, ist verständlich und berechtigt. Beklemmend, wie sich die heute im Namen des Islam in Szene setzenden Gewaltaktivisten auf Wurzeln berufen, auf welche sich bereits früher Angst und Schrecken verbreitende Totalitarismen berufen haben. “ Schweizerzeit , 30.01.2015
Quelle: Amazon

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Hier ein Interview aus der ZEIT mit Hamed Abdel-Samad

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Zeit Magazin, Hamed Abdel-Samad, Islam, Faschismus, Ägypten, Mohammed, Fundamentalismus
© Inga Kjer/dpa
Hamed Abdel-Samad
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„Meine Rettung war, das Land schnell zu verlassen“

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Der Autor Hamed Abdel-Samad wurde mit dem Tod bedroht. Deshalb musste er seine Heimat verlassen. Ein Interview von Evelyn Finger

ZEITmagazin Nr. 28/2015 2. August 2015

ZEITmagazin: Herr Abdel-Samad, vor zwei Jahren wurde eine Fatwa über Sie verhängt. Warum?

Hamed Abdel-Samad: Ich hielt in Kairo einen Vortrag. Meine These war, dass die faschistoiden Tendenzen der Muslimbrüder im Handeln des Propheten begründet liegen: im Gefühl des Auserwähltseins, im Führerprinzip, im unbedingten Gehorsam, in der Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige, in der Entmenschlichung der Feinde und im Antisemitismus. Ich verglich auch die Kampfprinzipien von Faschismus und Dschihad: Man kämpft nicht, um zu leben, sondern man lebt, um zu kämpfen.

ZEITmagazin: Wie war die Reaktion der Zuhörer?

Abdel-Samad: Es wurde nur höflich widersprochen, aber danach veröffentlichte jemand den Vortrag auf YouTube. Sofort gab es eine Welle der Empörung, und die salafistischen Fernsehsender behaupteten, ich sei ein Beispiel für die Menschen, die gegen Präsident Mursi demonstrieren, um Unglauben zu verbreiten. Dann kamen drei Gelehrte – ein Professor von der Al-Azhar-Universität, ein Vorsitzender einer salafistischen Partei und ein populärer salafistischer Prediger – und sagten, ich müsse getötet werden, weil ich den Propheten beleidigt hätte.

ZEITmagazin: Da waren Sie noch in Kairo?

Abdel-Samad: Ja. Ein Freund rief an und sagte, verlass sofort das Land, sie haben deine Adresse ins Netz gestellt und Plakate mit deinem Bild: „Wanted dead“. Das stand auf einer Facebook-Seite der Muslimbrüder mit einer Million Followern. Meine Rettung war, das Land schnell zu verlassen. Ich lebte damals noch die Hälfte des Jahres in Kairo. Danach war klar, dass ich dort nicht mehr hinkann.

ZEITmagazin: Sie kommen aus einer sehr frommen ägyptischen Familie.

Abdel-Samad: Mein Vater ist Imam in einem Dorf bei Kairo, und natürlich las ich als Kind auch all seine Bücher über den Propheten. Das prägt mich bis heute.

ZEITmagazin: Predigte Ihr Vater einen fundamentalistischen Glauben?

Abdel-Samad: Nein. Islamischen Mainstream, traditionell und staatstragend. Fundamentalismus lernte ich erst bei den Muslimbrüdern kennen. Mich faszinierte ihr revolutionärer Islam, der das Land und die Welt verändern will – bis ich merkte, dass dort mein Wille gebrochen werden sollte. Dieser Gruppenzwang war erniedrigend: Befehle befolgen, nichts hinterfragen.

ZEITmagazin: Fühlte Ihr Vater sich als Imam von Ihnen provoziert?

Abdel-Samad: Nein, er machte sich Sorgen um mich. Die Fatwa traf übrigens auch ihn. Er wurde unter Druck gesetzt, im Fernsehen meine Thesen zu verteufeln. Er hat abgelehnt. Daraufhin versammelten sich Leute in unserem Dorf und protestierten gegen ihn.

ZEITmagazin: Was tun Sie gegen den Heimatverlust?

Abdel-Samad: Ich veröffentliche alle meine Bücher zuerst auf Arabisch, dann auf Deutsch. Aber mein nächstes Buch wagt bisher niemand auf Arabisch zu drucken.

ZEITmagazin: Es erscheint im Herbst auf Deutsch unter dem Titel Mohammed. Eine Abrechnung. Worum geht es?

Abdel-Samad: Der Prophet war ein gewalttätiger Eroberer und dient deshalb heute Terroristen als Vorbild. Aber die meisten Muslime verteidigen ihn als unfehlbaren Verkünder des Wortes Gottes. Bei jeder anderen historischen Person, die an einem einzigen Tag 600 Juden enthaupten ließ, hätten wir kein Problem, sie als Verbrecher zu bezeichnen. Aber bei Mohammed sagt man: Das war damals eben normal. Ich sage: Nein, war es nicht. Mir ist kein anderer Fall von Massenenthauptungen bekannt im Arabien jener Zeit, und ich kenne mich in der islamischen Geschichte wirklich aus.

ZEITmagazin: Sind Sie mittlerweile in Deutschland heimisch geworden?

Abdel-Samad: Ich werde auch hier auf der Straße bedroht und beschimpft, seit der Fatwa lebe ich mit Personenschutz. Aber ich stehe zu meiner Entscheidung, den Islam öffentlich zu kritisieren. Ich bin nach Europa gekommen, um zu sagen, was ich denke. Das ist mir sehr viel wert.

ZEITmagazin: Woher nehmen Sie die Kraft?

Abdel-Samad: Ich könnte auch Politikberatung machen und der Kanzlerin einreden, dass der Islam zu Deutschland gehört. Wer beschwichtigt, der macht Karriere. Ich kann das aber nicht. Ich nehme die Freiheit sehr ernst. Manche schreiben mir, ich sei ein Islamfeind und eine umgekehrte Version von IS-Chef Al-Bagdadi. Da schreibe ich ganz lässig zurück: „Wäre das wahr, würden Sie es nicht wagen, mich zu kritisieren. Denn dann würde ich Sie töten. Ich sage aber nur meine Meinung.“ Manchmal entschuldigt sich einer.

Hamed Abdel-Samad, 43, ist in der Nähe von Kairo geboren, 1995 kam er nach Deutschland. Bekannt wurde er mit der Autobiografie „Mein Abschied vom Himmel“. 2013 erschien „Der islamische Faschismus: Eine Analyse„, das Buch war ein Bestseller

Die Islam-Kritik des Hamed Abdel-Samad

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 22. September 2015 von hubert wenzl in Politik, Religionskritik

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