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Der angebliche „Widerständler“ Bischof von Galen:

Kurz nach Kriegsende machte Bischof von Galen den Weg für die Legende der „sauberen Wehrmacht“ frei, indem er den deutschen Soldaten einen Persilschein ausstellte, der sie von der Verantwortung an Kriegsverbrechen freisprach.

Gewünscht wurde von der neuen Staatsführung ausdrücklich der Aufbau eines Militärklerus. Feldbischof wurde Franz Justus Rarkowski, der bereits im ersten Weltkrieg Divisionspfarrer war. Am 7. Januar 1938 weihte ihn Pius XI. zum Titularbischof der Diözese von Hierocaesarea. Im darauffolgenden Monat, am 20. Februar wurde Rarkowski in Berlin dann offiziell zum Feldbischof geweiht, wobei ihm Orsenigo, von Galen und Preysing beiwohnten.

Rarkowski hielt einige Wochen nach Kriegsausbruch fest, „Welt- und Ordensgeistliche aus allen Diözesen des Reichsgebiets“ hätten sich sogar „ohne Genehmigung der zuständigen kirchlichen Vorgesetzten für den Seelsorgedienst im Feldheere“ gemeldet. Die Zahl der Freiwilligen übertraf dabei weit die zu besetzenden Posten.

Ein Pfarrer hielt über seine Aufgabe 1941 fest:

„Wir alle, die wir den schwarzen Rock des Theologen vertauscht haben mit dem Soldatenkleid, wir sind ja so froh, daß auch wir dabei sein dürfen. Mehr als manches Studiensemester macht uns diese Zeit reif und weit . . . “

Im „Gebet- und Gesangbuch“ für die katholischen Soldaten Deutschlands hieß es:

„O segne uns im Streite, Maria, unsre Königin, Du Hochgebenedeite, Maria, unsre Königin! Du thronest in des Sieges Glanz, erbitt’ uns Sieg im Streit! Das Leben einen Lorbeerkranz, im Tod die Seligkeit! Im Donner der Kanonen, Maria unsre Königin, erbitt’ uns Siegeskronen.“

Angesichts des Überfalls auf die Sowjetunion verkündete Rarkowski folgendes:

„So ist es keine Übertreibung, wenn ich sage, daß ihr im Osten gleich den deutschen Ordensrittern einer Zeit, die weit hinter uns liegt, eine Aufgabe zu erfüllen habt, die von einmaliger Bedeutung ist und deren Auswirkung für unser Volk, ja für Europa und die ganze Menschheit, heute noch nicht überblickt werden kann.
Der bolschewistische Moloch hat immer wieder versucht, sein Haupt zu erheben, um mit einem Massenaufgebot an Menschen und Maschinen der Kulturwelt zu trotzen. Zwar schwebt über diesen Massen ein Idol, genährt von dem bolschewistischen Weltzerstörungstrieb, aber in ihnen lebt kein Glaube.“

Wann immer ein Land von deutschen Truppen niedergerungen wurde, läuteten die Kirchenglocken. Für die deutschen Bischöfe galt es den Krieg zu unterstützen, weil Katholiken laut Römerbrief der staatlichen Obrigkeit Gehorsam schuldeten. Doch tauchen in den Hirtenbriefen nicht nur Begriffe wie Pflicht und Vaterland auf, manche der Kirchenfürsten, wie Bischof Jaeger von Paderborn näherten sich in ihren Predigten über die Russen sogar der Terminologie der „Untermenschen“ an:

„Ist jenes arme unglückliche Land nicht der Tummelplatz von Menschen, die durch ihre Gottfeindlichkeit und durch ihren Christushaß fast zu Tieren entartet sind? Erleben unsere Soldaten dort nicht ein Elend und ein Unglück sondergleichen? Und warum? Weil man die Ordnung des menschlichen Lebens dort nicht auf Christus, sondern auf Judas aufgebaut hat.“

Wieder andere, wie der Augsburger Bischof Kumpfmüller, zogen Parallelen zu längst vergangenen Zeiten:

„Heute bedroht eine andere, nicht minder schreckliche Gefahr die ganze menschliche Gesellschaft, der sogenannte Bolschewismus. Dagegen kämpfen unserer tapferen Soldaten im Osten unter unsäglichen Strapazen und Opfern, wofür wir ihnen nicht dankbar genug sein können. Wir alle wünschen nichts sehnlicher, als ihren baldigen, endgültigen Sieg über die Feinde unseres Glaubens.
Ahmt daher das Beispiel unserer christlichen Vorfahren nach, die mit dem Rosenkranz in der Hand die Türkengefahr siegreich abwehrten! Unterstützt die Waffen unserer Soldaten mit Euren gemeinsamen Gebeten!“

Im Gegensatz zu kleineren Religionsgemeinschaften wie beispielsweise den Zeugen Jehovas, riefen die deutschen Bischöfe nie zur Wehrdienstverweigerung auf. Der Krieg war für sie nationale Pflichterfüllung. Wer sich ihr entzog, durfte nicht mit viel Verständnis rechnen. Der Kriegsdiensverweigerer Josef Fleischer wurde im Gefängnis vom Pfarrer beschimpft und bekam zu hören, dass er einen „Kopf kürzer“ gehöre. Der Pallotinerpater Franz Reinisch, der sich ebenfalls dem Griff zur Waffe widersetzte, empfing vom Gefängnisgeistlichen keine Kommunion. Franz Jägerstätter, der aus Glaubensgründen höchstens Sanitäter, aber keinesfalls Soldat werden wollte, erhielt nur wenig Rückhalt von seinem Bischof. Monsigore Fließer empfing ihn zum Zwiegespräch und verdeutlichte ihm, dass es Pflicht sei in der Armee zu dienen. Etwas anderes hätte der Bischof von Linz Franz Jägerstätter auch nicht nahelegen können, da die Desertation fast immer das Todesurteil nach sich zog. Doch nach dem Krieg zeigte sich, dass es ihm mehr um die nationale Pflichterfüllung, als um das Wohl seines Schäfchens ging. Als 1946 ein Geistlicher den Hingerichteten in der Kirchenzeitung positiv hervorheben wollte, untersagte Fließer die Veröffentlichung des Artikels. Mit Blick auf Jägerstätter erklärte der Bischof:

„Ich kenne Jägerstätter persönlich, da er vor seinem Einrücken über eine Stunde bei mir war. Ich habe umsonst ihm die Grundsätze der Moral über den Grad der Verantwortlichkeit des Bürgers und Privatmannes für die Taten der Obrigkeit auseinandergesetzt und ihn an seine viel höhere Verantwortung für seinen privaten Lebenskreis, besonders für seine Familie erinnert. [. . . ] Ich halte jene idealen katholischen Jungen und Theologen und Priester und Väter für die größeren Helden, die in heroischer Pflichterfüllung und in der tiefgläubigen Auffassung, den Willen Gottes auf ihrem Platz zu erfüllen, wie einst christliche Soldaten im Heer des heidnischen Imperators, gekämpft haben und gefallen sind.“

Konsequenzen hatten die Bejubelungen der Angriffskriege für den deutschen Militärbischof und seinen Stellvertreter nicht. Weder während des Krieges noch danach wurden die beiden Oberhirten ihrer Diözese enthoben. Ihre spezielle Stellung unter Hitler war auch im Nachkriegsdeutschland nichts anstößiges. Wäre Rarkowski nicht im Jahre 1950 gestorben, hätte er vermutlich auch in der Bundeswehr als Militärbischof dienen können. Sein Stellvertreter Werthmann zumindest übte in der BRD die gleiche Position aus, die er auch in der Wehrmacht innehatte.

Kurz nach Kriegsende machte Bischof von Galen den Weg für die Legende der „sauberen Wehrmacht“ frei, indem er den deutschen Soldaten einen Persilschein ausstellte, der sie von der Verantwortung an Kriegsverbrechen freisprach. Am 5. Juni 1945 verkündete er:

„Wir wollen auch innig danken unseren christlichen Soldaten, jenen, die in gutem Glauben, das Rechte zu tun, ihr Leben eingesetzt haben für Volk und Vaterland und auch im Kriegsgetümmel Herz und Hand rein bewahrt haben von Hass, Plünderungen und ungerechter Gewalttat.“

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Wehrmachts-Koppelschloss: Gott mit uns

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Von Lukas Mihr

Kirche im Krieg

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Gruß Hubert