Der Fuchs und das Jägerlatein   Leave a comment

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Es ist unglaublich mit welchen Lügen Jäger aufwarten, wenn es um die „Bekämpfung“ – oder sollte man lieber sagen um die Ausrottungsabsichten des Fuchses geht und was ihre wahren Beweggründe sind. Alles was Konkurrenten sind wollen sie liquidieren. Es soll möglichst viel übrig bleiben, was die Lusttöter selbst abschießen wollen.
Füchse sind die größten verbliebenen Jagdkonkurrenten im Revier und reißen möglicherweise auch einmal einen der Hasen oder Fasanen, die der eifrige Weidmann lieber selbst getötet hätte.

Kaum ein Tier wird hierzulande so erbarmungslos verfolgt wie der Fuchs. Mehr als 600.000 dieser ebenso schönen wie intelligenten Wildtiere mussten im Jagdjahr 2000/2001 durch jägerische Flinten und Fallen ihr Leben lassen; ein Großteil davon als Welpen am elterlichen Bau. Viele Jäger können ihren Hass dabei kaum verbergen, wenn sie von »dem Fuchs« im Kollektivsingular feindbildbezogener Termini reden – als »Niederwildschädling«, »Wilderer« und »Krankheitsüberträger« diffamiert, wird ihm in Deutschland nicht einmal eine Schonzeit zugestanden. Als Berlin 1995 wagte, wenigstens erwachsene Füchse neun Monate im Jahr unter Schutz zu stellen, kam es in den Jagdmedien zu Proteststürmen was die Jäger im Hinblick auf alle anderen Wildtiere als Ausdruck ihrer ethischen Gesinnung werten, mutiert zum »gefährlichen Werk von Öko-Amateuren« (Wild und Hund), wenn es auch für Füchse Geltung erlangen soll. Nein, viel lieber schreibt man Fuchsjagd-Wettbewerbe aus, fordert hohe Abschussprämien und zeichnet die erfolgreichsten Fuchskiller mit Preisen, Urkunden und Anstecknadeln aus.
Die Argumente, die die Jägerschaft zur Rechtfertigung ihrer rücksichtslosen Hatz auf Meister Reineke anführt, sind dabei vollkommen hanebüchen und werden auch dadurch nicht glaubwürdiger, dass die großen deutschen Jagdzeitschriften sie mit gebetsmühlenhafter Regelmäßigkeit wiederholen. Auf besondere Tradition kann in diesem Zusammenhang vor allem die These zurückblicken, der Fuchs als Hauptüberträger der Tollwut müsse intensiv »bejagt« werden, um der Ausbreitung dieser Seuche Einhalt zu gebieten.

Grausame Tollwutbekämpfung

Bereits ein kurzer Rückblick auf die jahrzehntelange Geschichte gewaltsamer Tollwutbekämpfung, von Landwirtschaftsminister Ertl im Jahre 1970 mit der Anordnung des »Gastodes aller erreichbaren Füchse« initiiert, sollte dabei genügen, um selbst dem begriffsstutzigsten Fürsprecher der Fuchsjagd die Sinnlosigkeit derartiger Aktionen vor Augen zu führen. Trotz einer beispiellosen Vernichtungsschlacht war damals kein nennenswerter Einfluss auf die Tollwutausbreitung festzustellen; ebenso blieb die angestrebte Dezimierung der Füchse aus. In der Schweizerischen Tollwutzentrale konstatierte man schließlich, Fuchsjagd sei kein adäquates Mittel zur Tollwutbekämpfung, da die großflächige Dezimierung dieser Tiere nicht möglich sei.
Werden Füchse nämlich nicht bejagt, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften von bis zu zehn Tieren zusammen, in denen nur die älteste Füchsin Kinder zur Welt bringt. Greift jedoch der Mensch mit Flinte und Falle nachhaltig in die Fuchspopulation ein, so brechen diese stabilen Strukturen durch die ständige Umschichtung der sozialen Verhältnisse auf. »Die Füchse haben kaum feste Reviere und keine feste Paarbindungen«, so der als Fuchsexperte geltende Biologe Dr. Erik Zimen, »Jede läufige Fähe findet ihren eher zufälligen Partner, der, einmal erfolgreich, gleich weiterzieht, um bei der nächsten sein Glück zu versuchen.«

»Geburtenbeschränkung statt Massenelend«

Hinzu kommt noch, dass bei starkem Jagddruck auch die durchschnittliche Welpenzahl pro Wurf weitaus höher ausfällt als in fuchsjagdfreien Gebieten. Während beispielsweise die hohen Vermehrungsraten bei nordamerikanischen Füchsen in den 70er Jahren auf den hohen Pelzpreis und demensprechend intensive Fuchsjagd zurückgeführt werden können, hat der geringfügig schwächere Jagddruck in Mitteleuropa zur Folge, dass sich zwar alle Füchsinnen fortpflanzen, die Wurfgröße jedoch geringer ist. In traditionell fuchsjagdfreien Gebieten wie jenem um die englische Stadt Oxford ist die Fortpflanzungsrate noch deutlich niedriger – hier bekommen nämlich wesentlich weniger Fuchsfähen überhaupt Kinder.
Infolge dieses Phänomens – von Zimen treffend als »Geburtenbeschränkung statt Massenelend« beschrieben – ist »Fuchskontrolle« also weder notwendig noch – was die meisten Reviere angeht – überhaupt möglich.
Damit ist die Tollwutbekämpfung durch Fuchsjagd ad absurdum geführt – und mehr noch: Fuchsverfolgung forciert die Tollwutausbreitung sogar. Da bei starker Bejagung mehr Jungfüchse zur Welt kommen, gerade diese im Herbst jedoch auf Reviersuche lange Wanderungen zurücklegen, steigt in einer stark bejagten Fuchspopulation die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tollwut signifikant an. Hinzu kommt, dass der durch die Jagd verursachte soziale Stress zu einer größeren Zahl aggressiver Auseinandersetzungen zwischen Füchsen führt und die Ansteckungsgefahr somit ebenfalls erhöht. Als man dagegen bei Grafenau im Bayerischen Wald die Fuchsjagd aussetzte, um die Folgen zu studieren, stieß man auf ein wenig jagdfreundliches Resultat – die tollwütigen Tiere rotteten sich binnen drei Jahren selbst aus und wurden von gesunden Eindringlingen ersetzt.

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Reineke als Beutekonkurrent

Das andere Hauptargument der Jäger für die Fuchsjagd lässt die wahren Motive zur intensiven Bekämpfung von Meister Reineke dagegen bereits durchschimmern: Füchse sind die größten verbliebenen Jagdkonkurrenten im Revier und reißen möglicherweise auch einmal einen der Hasen oder Fasanen, die der eifrige Weidmann lieber selbst getötet hätte. Gemäß Jagdverbandssprecher Spittler ist rigorose Fuchsverfolgung dementsprechend »notwendig, um eine optimale Hasen- und Fasanenstrecke zu erzielen«, und der begeisterte Trophäenjäger Heribert Kalchreuter rechnete vor, dass man beim Fehlen natürlicher Prädatoren wie Fuchs und Habicht ungleich mehr Hasen »abschöpfen« kann als unter normalen Umständen. In Anbetracht derartiger Aussagen konstatiert der bekannte Verhaltensforscher Vitus B. Dröscher ganz richtig:


»Viele Jäger betrachten Reineke als Wilderer, der tunlichst zu erschießen, zu vergasen, mit Hunden zu hetzen und totzuprügeln ist«.

Allein die Tatsache, dass unzählige Füchse und Marder einen grausamen Tod sterben müssen, damit im Herbst mehr Feldhasen auf der Strecke liegen, ist abstoßend genug!
Doch damit nicht genug: Die größtenteils hausgemachte Misere vieler sogenannter Niederwildarten wird von Jägern immer wieder dazu genutzt, Stimmung gegen Beutegreifer zu machen. Kurzerhand behauptet man, ohne die scharfe Bejagung der Beutegreifer würden diese Hase, Reb- und Birkhuhn ausrotten. Gutachter wie Dr. Heribert Kalchreuter, der sich in Interviews wiederholt als »Jagd-Missionar« bezeichnete, gehen dabei so weit, Kopfprämien für Füchse zu fordern ? als Kompensation für sinkende Pelzpreise.
Wissenschaftler, deren Glaubwürdigkeit nicht durch den Besitz eines Jagdscheins relativiert wird, sind sich jedoch darin einig, daß es nur einen einzigen Weg gibt, um gefährdeten Tierarten zu helfen: Die Rücknahme der Gefährdungsursache selbst. Der Einfluss von Beutegreifern dagegen beeinflusst die Populationsdichte von Hase, Reb- und Birkhuhn nicht entscheidend und ist allenfalls »in Konkurrenz zur jagdlichen Nutzung relevant«, wie die Biologen Döring und Helfrich konstatierten. In ganz Europa sind die Anteile beispielsweise von Hasenresten in Fuchslosungen verschwindend gering – selbst dort, wo Hasen noch in großer Zahl vorhanden sind – und Untersuchungen zeigten, daß Füchse insbesondere dann beispielsweise Entenvögel reißen, wenn diese durch die Jagd angeschossen oder geschwächt sind. Die realen Gründe für den Bestandsrückgang vieler sogenannter »Niederwildarten« sind also keineswegs bei deren »natürlichen Feinden« zu suchen, sondern vielmehr im anthropogenen Bereich.

[…]
Einen stichhaltigen ökologischen Grund für die Verfolgung des Fuchses gibt es schlichtweg nicht.
Vielmehr nehmen sich die krampfhaften Versuche von Jagdmedien und -funktionären, die Fuchsjagd als einen Akt ökologischer Notwendigkeit darzustellen, eher als Verschleierungstaktik aus, mit der von realen Motiven zur Fuchsjagd – Beuteneid und Jagdlust – abgelenkt werden soll. Wirft man jedoch einen eingehenderen Blick in die prosaischen Ergüsse schreibender Jäger, die in den gängigen Jagdzeitschriften nach wie vor publiziert werden, so wird man nichtsdestoweniger rasch feststellen, worum es den Grünröcken wirklich geht. Wer das winterliche Nachstellen und Töten eines liebestollen Fuchspärchens zum unglaublich erregenden, nur mit sexuellen Handlungen zu vergleichenden Ereignis emporstilisiert, ist nach heute gültigen Maßstäben nur in psychopathologischen Kategorien angemessen zu bewerten.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich bei jedem in einer angeblich »sofort tötenden« Falle langsam zu Tode gequetschten, bei jedem im fahlen Mondlicht angeschossenen, bei jedem blutüberströmt vom Jagdhund aus dem vermeintlich sicheren Bau »gesprengten« – und auch bei jedem »sauber gestreckten« – Fuchs um ein fühlendes, denkendes Individuum mit einem Recht auf Leben handelt!

[…]
Fuchsjagd: ökologischer Nonsens

Prädatoren, also Beutegreifer, zu bejagen, ist aus ökologischer Sicht so ziemlich das Unsinnigste, was die grünberockten Naturnutzer tun können; aus ethischer Sicht ist es verurteilenswert und anachronistisch. Es wird Zeit, dass wir uns als mündige Bürger endlich gegen all diejenigen wehren, die jeden vor den Augen seiner entsetzten Eltern vom »raubzeugscharfen« Jagdhund zerfleischten Jungfuchs zum Anlass nehmen, sich als Diener an Volksgesundheit und Artenvielfalt zu fühlen.
Es ist ein gefährlicher und ethisch indiskutabler Zustand, dass die letzten größeren Beutegreifer Mitteleuropas der Willkür einer Bevölkerungsgruppe unterstellt sind, die in ihnen nichts als lästige Beutekonkurrenten sehen und ihnen demensprechend permanent nach dem Leben trachten.
Die vollständige Unterschutzstellung aller einheimischen Prädatoren, allen voran die des seit Jahrzehnten beispiellos verfolgten Fuchses, ist längst überfällig. Davon könnten auch wir Menschen profitieren – wo Füchse ihre zweibeinigen Mitgeschöpfe nicht fürchten müssen, beispielsweise auf der nördlichen japanischen Hauptinsel Hokkaido, in Israel oder dem kanadischen Prince-Albert-Nationalpark, sind die hierzulande so misstrauischen Rotröcke überaus zutraulich und lassen sich problemlos über Stunden in ihrem bezaubernden Sozialverhalten beobachten.
Von Dag Frommhold

Der Fuchs und das Jägerlatein

 

 

»Jagd ist doch immer eine Form von Krieg.«
Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter (1749 – 1832)

»Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein Schritt.«
Leo Tolstoi, russischer Dichter(1828-1910)

»Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben, hundert Ackerbauern und tausend Gärtner. Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes.«
Alexander v. Humbolt, deutscher Naturforscher (1769-1859)

»Die Jagd ist eines der sichersten Mittel, das Gefühl der Menschen für ihre Mitgeschöpfe abzutöten.«
François Voltaire, frz. Schriftsteller und Philosoph (1694 – 1778)

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Gruß Hubert

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