Archiv für 19. November 2015

Der Mann hinter den Mördern   Leave a comment

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Heute wurde bekannt gegeben, dass Abdelhamid Abaaoud tot ist. Jetzt kann er keine Leichen mehr von „Ungläubigen“  hinter seinem Pick-up nachschleifen, und all die anderen Schandtaten, die er begangen hat.

Abdelhamid Abaaoud : Der Mann hinter den Mördern

Abdelhamid Abaaoud war schon vor den Anschlägen vom 13. November der meistgesuchte Islamist Belgiens. Nun soll er der Drahtzieher der Attentate sein. Wer ist er?

Ein undatiertes Bild von Abdelhamid Abaaoud, veröffentlicht vom Islamischen Staat

Ein undatiertes Bild von Abdelhamid Abaaoud, veröffentlicht vom Islamischen Staat © Balkis Press/Abacapress/dpa

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Ein Mann mit Vollbart sitzt am Steuer eines Pickup-Trucks. Er schaut lachend aus dem Seitenfenster. An die Ladefläche des Trucks hat jemand ein Seil gebunden, an dem Seil hängen verstümmelte Leichen. „Früher“, sagt der Mann in die Kamera, „habe ich einen Jetski transportiert oder ein Motorcrossrad. Nun aber, auf Allahs Wegen, schleppe ich Leichen von Ungläubigen hinter mir her.“ Dann gibt der Mann Gas. Die toten Körper schleifen über den Boden.

, veröffentlicht imDie Szene stammt aus einem Propaganda-Video des „Islamischen Staates“ (IS) März 2014, gedreht an einem Ort namens Hraytan in der Nähe von Aleppo im Norden Syriens. Der Mann in dem Video ist einer der meistgesuchten islamistischen Terroristen Europas: Abdelhamid Abaaoud, ein 28 Jahre Jahre alter Belgier, von dem die Ermittler vermuten, er sei der Drahtzieher der jüngsten Anschläge von Paris gewesen. Nach Angaben der Washington Post ist Abaaoud bei der Razzia im Pariser Stadtteil Saint Denis getötet worden. Der Pariser Staatsanwalt hat dies nicht bestätigt (Anmerkung: jetzt ist es bestätigt). Sicher ist aber schon jetzt, dass Abaaouds Biographie Antworten auf die Fragen liefern könnte, was die Täter antrieb.

 

Wer ist Abdelhamid Abaaoud?

Wer das herausfinden will, der kann in den Westen von Brüssel schauen, in den Stadtteil Sint-Jans-Molenbeek. Dort wuchs Abaaoud auf, wie viele andere Islamisten. Hier fand er Freunde, darunter Bahim Abdeslam, der sich im Pariser Café Comptoir Voltaire in die Luft sprengte. Man kann sich IS-Propaganda-Videos anschauen, in denen Abaaoud als Kämpfer auftritt, hinter Sandsäcken liegend, im Hintergrund hört man Schüsse. Mit ruhiger Stimme sagt er da: „Ich bete, dass Allah diejenigen vernichtet, die sich im widersetzen.“ Man kann auch die Interviews lesen, die er englisch- und französischsprachigen Magazinen des IS gab und in denen Abaaoud die europäischen Sicherheitsbehörden verhöhnt, die ihn bisher nicht daran hindern konnten, unerkannt durch Europa zu reisen.

Oder man hört Alain Grignard zu.

Grignard ist Polizist. Kaum jemand kennt die belgische Islamistenszene besser als er. Schon 1985 war Grignard der erste Teamleiter der neu gegründeten Brüsseler Anti-Terror-Einheit. An der Universität Lüttich lehrt er politischen Islam. Seit 2005 führt Grignard Ermittlungen gegen militante Islamisten, im gleichen Jahr hob er eine Zelle rund um eine belgische Selbstmordattentäterin im Irak aus. Er ermittelte auch über das Attentat auf das Jüdische Museum in Brüssel 2014. Schließlich war er am Einsatz gegen eine islamistische Terrorgruppe in Verviers im Januar 2015 beteiligt. Die Polizei verhinderte damals eine Anschlagsserie, an der auch Abaaoud beteiligt war.

Grignard sagt: „Wir haben es zu tun mit Leuten, die sich am besten als ‚islamisierte Radikale‘ beschreiben lassen.

Diese jungen Muslime aus den Großstädten von Belgien, Frankreich und anderen europäischen Ländern, die dem IS beigetreten sind, waren schon radikal, bevor sie religiös wurden. Viele waren wichtige Mitglieder von Straßengangs. Der IS legitimiert nun ihr Straßengewalt-Credo.“

Ein Jahr katholische Schule

Abdelhamid Abaaoud war – so viel lässt sich aus den wenigen Schilderungen seiner Jugend lesen – ein Kind der Straße. Der Vater war aus Marokko nach Belgien gekommen und hatte sich einen kleinen Klamottenladen in Molenbeek aufgebaut. Reich wird man damit nicht, zumal wenn vier Kinder zu versorgen sind. Die Familie Abaaoud lebte in ärmlichen Verhältnissen in einer Wohnung in der Rue de l’avenir unweit des Marktplatzes von Molenbeek, gleich neben der Polizeistation.

Dennoch boten sich Abaaoud Aufstiegschancen. Die Eltern schickten ihn auf eine gute Schule: Das katholische Collège Saint-Pierre d’Uccle in der Rue du Doyenné, 1905 gegründet, ein lang gestreckter Backsteinbau in einem gutsituierten Viertel der Stadt. Der Direktor des Collège, Georges Tremouroux, will sich zu seinem früheren Schüler nicht äußern. Doch offenbar fand Abaooud als Schüler keinen Anschluss an die belgische Mehrheitsgesellschaft. Die New York Times will erfahren haben, dass Abaaoud nur ein Jahr an der Schule blieb und dann plötzlich verschwand.

Hass auf Polizei und Staat

In den folgenden Jahren geriet Abaaoud in Konflikt mit dem Staat. Mehrfach wurde er wegen diverser Kleindelikte von der Polizei verfolgt. Seine Schwester erzählte dem Brüsseler Standaard, ihr Bruder habe Polizisten gehasst. Seit seiner Pubertät habe er Probleme mit Beamten gehabt. Er sei festgenommen worden wegen Schlägereien, Trunkenheit, solchen Dingen. Manchmal habe er sich geweigert, den Polizeibeamten seinen Ausweis zu zeigen.

Die Schwester berichtet auch, Abaaoud habe erzählt, er sei von Polizisten misshandelt worden. Mehrmals hätten sie ihn nach Festnahmen auf der Wache mit Schlagstöcken und Telefonbüchern geschlagen. Kann man solchen Vorwürfen glauben? Jedenfalls entstand in jener Zeit wohl sein Hass auf den Staat.

Dieser Hass, so scheint es, war älter als Abaaouds religiöser Fanatismus. Seine Schwester sagt: „In den Gefängnissen von Vorst und Sint-Gillis, wo er vor einiger Zeit einsaß, hat er sich radikalisiert. Viel mehr als auf der Straße.“ 2010 war Abaaoud wegen eines bewaffneten Überfalls zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Im Gefängnis traf er einen weiteren mutmaßlichen Attentäter von Paris: Salah Abdeslam.

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Gruß Hubert