Bargeldabschaffung – Der gläserne Zahler   Leave a comment

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Die Abschaffung von Bargeld würde große Gefahren und Nachteile für den Bürger mit sich bringen. Vor allem würde man gläsern.

Für die Konjunktur ist die Sparerei Gift. Zentralbanken suchen schon jetzt nach Wegen, Sparer dazu zu bewegen, ihr Geld auszugeben. Eine Idee sind Negativzinsen. Sparer können das Instrument aushebeln, indem sie ihr Geld abheben und zuhause unters Kopfkissen legen. Ohne Bargeld haben sie diese Möglichkeit nicht mehr, sie wären Negativzinsen schutzlos ausgeliefert. Den Leuten werden immer mehr Freiheiten genommen. Die wenigsten alten Leute würden mit Kreditkarten umgehen können und auch nicht wollen.

 

Der gläserne Zahler

Für Regierungen, Noten- und Geschäftsbanken ist Bargeld lästig. Einige Ökonomen fordern deshalb die Abschaffung von Münzen und Banknoten. Doch dies wäre ein massiver Eingriff in das Eigentumsrecht, sagt der Münchner Ökonom Gerald Mann.

Von: Verena Schälter

Euroscheine und -münzen auf einem Tisch | Bild: colourbox.com

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Solche heftigen Reaktionen hatte Peter Bofinger nicht erwartet. Es habe „einen regelrechten Shitstorm“ gegeben. Was war passiert? Der Wirtschaftsweise hatte vor einigen Wochen die Abschaffung des Bargeldes gefordert – zur Empörung vieler Deutscher. Schließlich zahlt man in der Bundesrepublik am liebsten in bar, wie eine aktuelle Studie der Bundesbank zeigt. Bofinger ist aber nicht der einzige, der für ein Ende des Bargeldes plädiert. Doch was würde das Ende des Bargelds praktisch bedeuten?

BR.de/nachrichten:Herr Mann,Kredit- und EC-Karten, Paypal oder die Digitalwährung Bitcoin sind alles keine Erfindung des letzten halben Jahres – warum kocht die Debatte um die mögliche Abschaffung des Bargeldes gerade jetzt hoch?

Gerald Mann: Ich glaube, dass die Diskussion an Brisanz gewinnt, weil es aktuell nicht darum geht, Alternativen zur Barzahlung zu finden. Vielmehr sind hier Kräfte am Werk, die ganz konkret das Bargeld abschaffen wollen.

Zur Person:

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Gerald Mann war Unternehmensanalyst in einer Großbank. Später arbeitete er als Geschäftsführer und Berater im Verlagswesen sowie als freiberuflicher Dozent, unter anderem in der Volksrepublik China. Heute ist er Professor für Volkswirtschaftslehre und Gesamtstudienleiter an der FOM Hochschule in München. Er ist außerdem Autor des Buches „Bargeldverbot“.

BR.de/nachrichten:Wer oder was sind diese Kräfte?

Mann: Nun, da wären zum Beispiel US-Ökonomen wie Ken Rogoff, ehemals Chefökonom des Internationalen Währungsfonds oder Larry Summers. Außerdem gibt es auch Finanzinstitutionen, die ihr Geschäftsmodell auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgerichtet haben und von einer Abschaffung profitieren würden.

BR.de/nachrichten:Dass die Finanzbranche eine Abschaffung befürwortet, leuchtet ein. Aber welche Argumentation verfolgen Rogoff und Summers?

Mann: Sie sagen, dass es einen „Ersparnisüberhang“ gibt, dass also die Leute ihr Geld zu sehr horten, anstatt es auszugeben. Nun verlangen einige Institute bereits Negativzinsen. Das heißt, wer Geld bei der Bank spart, muss bezahlen anstatt Zinsen zu kassieren. Diese Negativzinsen müssten auch bei Lieschen Müller ankommen, denn nur so wird sparen weniger attraktiv und die Wirtschaft kommt in Schwung  – ich nenne das „Konsumverweigerungssteuer“. Allerdings kann Lieschen Müller momentan noch ihr Geld einfach abheben und so die Negativzinsen umgehen. Würde das Bargeld abgeschafft, müsste sie zahlen.

So zahlen die Deutschen

BR.de/nachrichten: In diesem Fall wäre es ja auch für Regierungen interessant, das Bargeld abzuschaffen?

Mann: Auf jeden Fall – außerdem ist da ja noch ein anderer Aspekt: Solange es Bargeld gibt, besteht immer eine Möglichkeit eines Bankenruns. Das wäre ein absolutes Misstrauensvotum gegenüber dem Staaten- und Bankensystem.

BR.de/nachrichten: In diesem Fall könnten die Menschen nicht mehr vollständig über ihre eigenen Ersparnisse verfügen?

Mann: Genau, das wäre ein massiver Eingriff in das Eigentumsrecht. Aber wenn, dann erfolgt die Abschaffung sowieso schleichend. Zuerst werden die großen Geldscheine abgeschafft, dann sinkt die Obergrenze der Beträge, die man in bar abheben darf – in einigen europäischen Ländern gibt es solche Regelungen bereits. Schließlich werden Barzahlungen einfach nicht mehr möglich sein und damit wird jede Transaktion nachvollziehbar. Die Arbeit der schon jetzt mächtigen Geheimdienste wird noch leichter und es entsteht der „gläserne Zahler“. Ich nenne das „NSA plus“.

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BR.de/nachrichten:Entstehen dadurch aber nicht auch Gefahren durch Hacker?

Mann: Hier muss man zwei Dinge unterscheiden: Einerseits die großen Cyber-War-Angriffe, wenn also Kriege nicht mehr auf dem Schlachtfeld sondern virtuell geführt werden. Nehmen wir an, ein Land wird angegriffen und die komplette Stromversorgung lahmgelegt. Das allein würde ausreichen, um eine Panik auszulösen. Wenn es in so einer Situation aber kein Bargeld mehr gibt, kommt erst einmal niemand mehr an sein Geld, es sind keine Transaktionen mehr möglich und das Chaos wäre perfekt.

Andererseits glaube ich, dass die Gefahr für einzelne Konten oder Banken nicht größer ist als jetzt. Taschendiebstähle oder Banküberfälle finden dann eben virtuell statt. Gleichzeitig werden die Geldinstitute ihre Sicherheitsvorkehrungen kontinuierlich aufrüsten.

BR.de/nachrichten:Was wären denn die Vorteile einer bargeldlosen Gesellschaft?

Mann: Nun ja, Straftaten wie Steuerhinterziehung, Korruption, Geldwäsche oder Schwarzarbeit wären weitaus schwieriger zu begehen. Aber ob sich die so vollständig auslöschen lassen, ist schwer zu sagen. Auch die Mafia ist ja durchaus erfindungsreich.

BR.de/nachrichten: Welche Alternativen hätten die Menschen, sollte das Bargeld abgeschafft werden?

Die Menschen könnten wirtschaftliche Transaktionen mit Bargeld fremder Länder abwickeln. Edelmetalle könnten Verwendung finden oder Regionalwährungen oder Gutscheinsysteme. Menschen werden erfinderisch, wenn man ihnen das Bargeld nimmt, die geprägte Freiheit, wie es der russische Schriftsteller Dostojewskij formulierte. Aber auch der Staat hat Möglichkeiten, diese Alternativen zu unterbinden oder zu erschweren.

BR.de/nachrichten: Was glauben Sie, wie der Zahlungsverkehr der Zukunft aussieht? Wird das Bargeld abgeschafft?

Mann: Selbst wenn das Bargeld erhalten bleibt, wird der elektronische Zahlungsverkehr immer stärker zunehmen – allein schon deshalb, weil die Kosten für bargeldlose Zahlungen deutlich geringer sind. Das heißt aber nicht, dass es auch für die Verbraucher billiger wird.Es ist davon auszugehen, dass die Banken mit den niedrigeren Kosten ihre Gewinnmargen erhöhen wollen.

 

Bargeldabschaffung – Der gläserne Zahler

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Der Verzicht auf Bargeld bringt erhebliche Nachteile mit sich. Mögliche Szenarien sind:

 

  • Verlust der Anonymität beim Einkauf

  • signifikanter Anstieg der Cyber-Kriminalität wahrscheinlich

  • viele ältere Menschen müssten sich erstmals auf elektronischen Zahlungsmitteln einstellen

  • die visuelle Kontrolle über die eigenen Finanzen geht verloren, die gerade für Kinder und das Erlernen von Umgang mit Geld wichtig ist

  • Probleme für Menschen, die als kreditunwürdig eingestuft werden

  • Möglichkeit, Menschen aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben „abzuschneiden“ durch Verwehrung der technischen Zahlungsmöglichkeit

Die Möglichkeit der Überwachung aller Geldtransaktionen bringt zwangsläufig nicht abzuschätzende Risiken mit sich. Diejenigen, die Zugriff auf diese Fülle an sensiblen Daten erhalten, würde zu viel Macht verholfen.

Das Sinnbild vom „gläsernen Menschen“ dürfte gerade auch in diesem Kontext sehr gegenwärtig werden. Zudem ist die Gefahr, dass alle gesammelten Informationen einander zugeordnet und auf ihrer Grundlage Personenprofile erstellt werden können ein durchaus denkbares Szenario. Nach einer vorteilhaften Entwicklung für die Bürger sieht das nicht aus.

 

https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/nur-bares-ist-wahres-die-abschaffung-von-bargeld-birgt-risiken/

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Gruß Hubert

 

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