Archiv für 13. März 2016

Zu Treffen mit seinem Retter schwimmt Pinguin jährlich 5000 Kilometer   Leave a comment

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Man sieht wie wenig wir Menschen wissen, was in Tieren vorgeht, wenn man liest, dass ein Magellan-Pinguin 5.000 Kilometer jährlich zu seinem Retter schwimmt. Aber vor allem Christen in ihrem Glauben, dass der Mensch das Wichtigste auf der Welt sei, sich selbst gar in unvergleichlicher Hybris für die Krone der Schöpfung halten, können und wollen sich auch nicht in ein Tier hineinversetzen. Es fehlt ihnen jede Empathie dazu. Höchst egoistisch haben sie nur ihr eigenes Heil im Kopf, weil sie glauben, sie könnten dann ewig leben. Jedenfalls ist noch wenig erforscht welche Gefühle Tiere haben. Zu so einer Freundschaft sind wohl sehr wenige Menschen fähig.
Hier aber zu der erfreulichen Geschichte. Tiere sind wirklich oft eine Wohltat und Balsam für die Seele, wenn man sich das Verhalten so einiger Menschen ansieht. Man kann sich da regelrecht wieder erholen. Tiere beschämen uns Menschen immer wieder. Man muss nur diesem Mann und dem Pinguin zuschauen – wenn man Augen dafür hat. Manche Menschen haben ja nur ausschließlich ihr eigenes Wohl im Sinn, alles andere interessiert sie nicht.

 

Ein Pinguin aus Patagonien (Südamerika) ist im Laufe von vier Jahren etwa 5.000 Kilometer jährlich geschwommen, um eine Zeitlang mit seinem Retter Joao Pereira de Souza zu verbringen, wie die Zeitung The Independent berichtet.

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Loyal penguin travels thousands of miles to meet his rescuer

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2011 hatte der Mann dem in Rio de Janeiro ans Ufer geworfenen, mit Öl bedeckten und bereits im Sterben liegenden Pinguin geholfen. Er nannte den Vogel Dindim. „Ich liebe Pinguine, wie eigene Kinder, und glaube, dass sie mich auch mögen. Dindim erlaubt keinem anderen Menschen, außer mir, sich anzufassen. Er legt sich auf meine Knie, ich kann ihn baden, füttern und auf den Arm nehmen“, zitiert die Zeitung Pereira de Souza.

Dem Mann zufolge bleibt der Magellan-Pinguin von Juni bis Februar bei ihm, bis er sein Gefieder erneuert hat. Dann würde er verschwinden, jedes Jahr aber zurückkehren.

„Ich habe noch nie so etwas gesehen. Ich glaube, der Vogel hält Pereira für ein Mitglied seiner Familie, und vielleicht gar für einen Pinguin, wie er selbst. Wenn er Joao sieht, wedelt er mit dem Schwanz wie ein Hund und schreit vor Freude“, so der Biologe Joao Paulo Krajewski.

Magellan-Pinguine werden bis zu 25 Jahre alt. Sie kommen im Süden Südamerikas vor. Ihren wissenschaftlichen Namen erhielt die Art wegen ihrer Häufigkeit an den Küsten der „Terra Magellanica“, die etwa dem Gebiet von Patagonien entspricht. Einzelne Vögel kommen auch in Rio de Janeiro und in Südperu vor.

Zu Treffen mit seinem Retter schwimmt Pinguin jährlich 5000 Kilometer

 

Patagonian Penguin Finds Second Home in Brazil


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Gruß Hubert

Josemaria Escriva und sein „Werk Gottes“   1 comment

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Es ist schon interessant und sagt über die katholische Kirche viel aus welche Gestalten sie selig oder später auch heilig sprechen, so wie bei diesem Josemaria Escriva (genauer: Josemaria Escriva de Balaguer) aus Spanien. Dieser gründete das Opus dei (Werk Gottes), welches alles daran setzt im Geheimen zu arbeiten und danach trachtet in wichtige Positionen einzudringen, zum Beispiel in die Wirtschaft. Die Selbstgeißelungen des Bußgürtelfetischisten Josemaria Escriva,  die er an sich ausübte und auch anderen Mitgliedern von Opus dei anordnete, neben der Unterwerfungssucht, zeigen auf eine stark deformierte Psyche hin. Da hätte ein Psychotherapeut wohl eine ewige Beschäftigung gefunden. Aber auch kranke Persönlichkeiten können großen „Erfolg“ haben.

Der Aussteiger Klaus Steigleder sagt über das Opus dei: Das Opus dei ist ein straff organisierter Geheimbund erzkonservativer Fanatiker, die weltweit Schlüsselpositionen in Staat und Gesellschaft besetzen. Oft wird das Opus dei auch die Katholische Mafia genannt.

 

„Gesegnet sei der Schmerz“

Josemaria Escriva und sein „Werk Gottes“

 

Josemaria Escriva de Balguer y Albas wurde am 9.1.1902 in Baebastro (Spanien) geboren. Er wuchs unter ärmlichen Verhältnissen und dem prägenden Einfluss einer streng gläubigen Mutter auf. Schon in frühen Jahren war der kleine Escriva überzeugt, von Gott zu einer besonderen Mission ausgewählt zu sein. 1920 trat er in das Königliche Priesterseminar San Carlos in Saragossa ein, wo seine Kommilitonen ihn u.a. wegen seiner ausgeprägten Leidenschaft für Selbstgeißelungen arg hänselten. Escriva ließ sich jedoch von seinem Weg nicht abbringen und wurde 1925 zum Priester geweiht. Drei Jahre später – um exakt zu sein: am 2. Oktober 1928 – geschah dann (zumindest der Legende nach) etwas Ungeheuerliches. Escriva saß gerade in seiner kleinen Kammer im Wohnheim des heiligen Vinzenz von Paul und dachte über die Worte des Bartimäus nach: „Herr, mach, dass ich sehe!“ (1) Da – so formulierte es zumindest ein halbes Jahrhundert später die Postulation für die Seligsprechung Escrivas – „gefiel es Gott, ihn zu erleuchten: er sah das Opus Dei, wie der Herr es wollte und wie es im Laufe der Jahrhunderte sein würde.“ (2)

Derart inspiriert begann Escriva „Apostel“ um sich zu scharen. In den ersten Jahren wuchs das Opus Dei allerdings nur spärlich, man lebte, predigte, geißelte sich meist in schäbigen Unterkünften, die Beichte musste Escriva mitunter sogar in der Küche abnehmen. Aber es kam noch schlimmer: Im spanischen Bürgerkrieg musste der junge Ordensgründer kurzerhand untertauchen. Er versteckte sich in einer psychiatrischen Klinik und spielte dort fünf Monate lang den Geisteskranken (der er in gewisser Hinsicht sicherlich auch war.)

Erst unter der Diktatur Francos konnte Escriva sein Imperium aufbauen. Dank geschickter Verhandlungen mit der Römischen Kurie gelang es Escriva, dem Opus Dei einen neuen Rechtsstatus zu verschaffen. Das nun unter dem Begriff „Säkularinstitut“ firmierende „Werk Gottes“ unterstand direkt dem Papst, war also der Kontrolle der örtlichen Bischöfe entzogen. Escriva versprach Pius XII. im Gegenzug „ein Corps kalter Krieger bereitzustellen, die in zentralen wirtschaftlichen Bereichen und Ministerien in der gesamten freien Welt diskret den Einfluss der katholischen Kirche machen könnten.“ (3)

Aufgrund seiner radikal antiliberalen und antikommunstischen Ausrichtung fand Escrivas Orden in den folgenden Jahren einflussreiche Bündnisgenossen (u.a. die CIA). Die finanziellen Ressourcen wurden unterdessen immer üppiger. Escriva konnte Niederlassungen in mehr als achtzig Ländern der Welt gründen. Als der „ehrwürdige Vater“, wie Escriva in Opus Dei-Kreisen genannt wurde, 1975 in Rom starb, hinterließ er eine kampfstarke Eliteorganisation, die Führungspositionen innerhalb wie außerhalb der katholischen Kirche innehatte. Unter Papst Johannes Paul II gelang es dem Nachfolger Escrivas, Alvaro del Portillo, den Einfluß des Opus Dei noch weiter auszubauen. Heute kann kaum eine kirchliche Entscheidung getroffen werden, ohne dass das Opus Dei in die Planungen mit einbezogen wird.

Escrivas Hauptwerk „Der Weg“: Die ideologische Grundlage des Opus Dei

Wenden wir uns nun den vermeintlich „göttlich inspirierten“ Worten Escrivas zu, für dessen schnelle Seligsprechung 1992 sich immerhin 69 Kardinäle und nahezu 1300 Bischöfe (mehr als ein Drittel des Weltepiskopates!) in Briefen an den Papst ausdrücklich eingesetzt haben.

In seinem Hauptwerk, der millionenfach aufgelegten Schrift „Der Weg“ (4) legt Escriva in exakt 999 Punkten seine „Lebensordnungsprinzipien“ dar, die zur „Heiligung des Alltags“ führen sollen. Herauszuheben sind hier vor allem:

1. das unaufhebbare Prinzip des blinden Gehorsams gegenüber den geistlichen Leitern, die den Willen Gottes repräsentieren:

„Gehorcht, wie ein Werkzeug in der Hand des Künstlers gehorcht, das nicht danach fragt, warum es dies oder jenes tut. Seid überzeugt, daß man euch nie etwas auftragen wird, das nicht gut ist und nicht zur Ehre Gottes gereicht.“ (Spruch Nr. 617)

„Hierarchie. – Jeder Teil an seinem Platz. – Was würde aus einem Bilde von Velazquez, wenn jede Farbe ihren Platz verließe, wenn sich jeder Faden aus der Leinwand löste, wenn jedes Holzstück des Rahmens sich vom anderen trennte.“ (Nr. 624)

„Gehorchen … sicherer Weg. Den Vorgesetzten mit rückhaltlosem Vertrauen gehorchen…, Weg der Heiligkeit. Gehorchen in deinem Apostulat…, der einzige Weg; denn in einem Werk Gottes muß dies der Weg sein: daß man gehorcht oder geht.“; (Nr. 941)

2. das Prinzip der Abtötung/Buße und Demut als Mittelpunkt des persönlichen Heilsplans:

„Wenn du dich nicht abtötest, wirst du nie ein Mensch des Gebetes.“ (Nr. 172)

„Wo keine Abtötung, da keine Tugend.“ (Nr. 180)

„Wir wollen in dem armen gegenwärtigen Leben den Leidenskelch bis zum letzten Tropfen leeren. – Was bedeuten zehn, zwanzig oder fünfzig Jahre Leid…, wenn dann die Herrlichkeit kommt, für immer, für immer…, für immer?“ (Nr. 182)

„Ich nenne dir die wahren Schätze des Menschen auf dieser Erde, damit du sie dir nicht entgehen läßt: Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis.“ (Nr. 194)

„Wenn das Weizenkorn nicht stirbt, bleibt es ohne Frucht. – Möchtest Du nicht Weizenkorn sein, durch Abtötung sterben und volle Ähren hervorbringen? – Jesus segne dein Feld.“; (Nr. 199)

3. die mit dem Prinzip der Abtötung zusammenhängende radikale Körper- und Lustfeindlichkeit sowie die Glorifizierung des Schmerzes:

„Gesegnet sei der Schmerz. – Geliebt sei der Schmerz. – Geheiligt sei der Schmerz … Verherrlicht sei der Schmerz!“ (Nr. 208)

„Sage deinem Leib: Lieber will ich mir einen Sklaven halten als selber dein Sklave sein.“ (Nr. 214)

„Dein größter Feind bist du selbst.“ (Nr. 225)

„Behandle deinen Körper sorglich; aber schone ihn nicht mehr, als es einem verräterischen Feind zusteht.“ (Nr. 226)

„Wenn du begriffen hast, daß der Leib dein Feind und Feind der Verherrlichung Gottes ist, weil er deine Heiligung bedroht, warum faßt Du ihn dann so weich an?“; (Nr. 227)

4. das trotz aller Demütigkeit vorfindbare Elitedenken:

„Dutzendmensch werden? Du … zum großen Haufen gehören, der du zur Führung geboren bist?! Bei uns haben Laue keinen Platz. Sei demütig, und Christus wird aufs neue in dir die Glut seiner Liebe entfachen.“; (Nr. 16)

5. die Forderung nach ständiger „Gewissenserforschung“:

„Gewissenserforschung. – Eine tägliche Arbeit. Wer ein Geschäft betreibt, vernachlässigt die Buchführung nicht. Gibt es ein wichtigeres ‘Geschäft’ als das Geschäft des ewigen Lebens?“ (Nr. 235)

„Prüfe dich, ruhig und mit Mut. – Ist es nicht so, daß deine schlechte Laune und deine Traurigkeit, die grundlos, scheinbar grundlos sind, aus deiner mangelnden Entschlossenheit herrühren, die feinen aber ganz ‘konkreten’ Schlingen zu zerreißen, die deine Begehrlichkeit dir – mit raffinierten Entschuldigungen – gelegt hat.“; (Nr. 237)

6. der als unaufkündbar verstandene, apostolische Auftrag, „Menschen zu gewinnen“:

„Menschen gewinnen. – das ist das sichere Zeichen echten Eifers.“ (Nr. 793)

„Klein ist deine Liebe, wenn du nicht alle Menschen retten willst. – Und arm ist deine Liebe, wenn du nicht aus tiefer Seele wünschst, andere Apostel mit deiner Verrücktheit anzustecken.“ (Nr. 796)

„Die Welt hallt noch wider von dem göttlichen Ruf: ‘Feuer auf die Erde zu werfen, bin ich gekommen, und wie wünschte ich, daß es schon brenne.’ – Und du siehst doch: fast überall ist es erloschen… Willst Du dich nicht aufmachen, den Brand überall auszubreiten?“; (Nr. 801)

7. als Grundlage von allem: der unerschütterliche, weil nicht argumentativ angreifbare Glaube an die christliche, genauer: katholische „Heilsbotschaft“:

„Mit welchem infamen Scharfsinn argumentiert Satan gegen unseren katholischen Glauben! Aber sagen wir uns stets, ohne uns auf Diskussionen einzulassen: Ich bin ein Sohn der Kirche.“ (Nr. 576)

Escrivas Hauptwerk – man muss es so hart formulieren – strotzt nur so vor Banalität und blinder Autoritätsfixierung. Aber gerade hierin scheint sein immenser Erfolg begründet zu sein. In einer von Unsicherheiten und Unübersichtlichkeiten gezeichneten Welt entfaltet das Opus Dei nach Meinung vieler Beobachter seine Attraktivität vor allem durch „klare, einfache, unkomplizierte Leitlinien in der Spiritualität, der Theologie, der Schrift“. (5)

(Anmerkung: genau so eine Anziehungskraft hat auch der Islam auf simple Gemüter, nämlich durch einfache unkomplizierte Leitlinien).

Um auch jeden letzten Zweifel, jede kleinste Spur von Unstimmigkeit und Unsicherheit zu vermeiden, entwickelte Escriva ein bis ins letzte Detail durchkalkuliertes Regelwerk. Hierzu meinte der prominente Opus Dei-Aussteiger Vladimir Felzmann: „Der Gründer gab nicht nur grobe Umrisse oder Prinzipien vor – wie es etwa Jesus Christus tat -, die dann in der lebendigen Kirche verändert werden können. Vielmehr kodifizierte er seine gesamte Lehre soweit wie möglich. Ich denke besonders an die praktischen Anweisungen, die eine minutiöse talmudähnliche Vorschrift sind, die alles enthält. Das wird bewahrt. Man kann daran nichts verändern.“ (6)

Zensur und Abtötung: Leben in den Fängen des „Octopus Dei“

Die für Escriva charakteristische antipluralistische Denkhaltung zeigt sich insbesondere in der Konzeption des sogenannten „Lebensplans“, den die sogenannten „NumerarierInnen“ (Vollmitglieder des Opus Dei) sklavisch einzuhalten haben. Im „Lebensplan“ wird der gesamte Tagesablauf eines Opus Dei-Mitglieds nahezu auf die Minute genau festgelegt: z.B. wann aufgestanden, gefrühstückt, der Bußgurt angelegt, gebetet, gegeißelt, gelernt wird. Eine Theorie/Praxis-Differenz ist im Opus Dei nicht festzustellen. Die Vorstellungen Escrivas, die für die Gläubigen den Willen Gottes repräsentieren, werden peinlich genau in die Praxis umgesetzt. Die Opus Dei-Pädagogik setzt hier auf ein „lebenslanges Lernen“ von Demut, Gehorsam, Abtötung.

Dieser Lernprozeß beginnt meist bereits im Alter von 14 Jahren. Die offizielle Aufnahme ins Opus Dei erfolgt zwar erst mit 17 Jahren, zuvor hat der/die KandidatIn jedoch meist eine dreijährige Eingliederungszeit als „AspirantIn“ hinter sich. Auf die „anfängliche Formung“ der vierzehn- bis siebzehnjährigen Jugendlichen legt das Opus Dei besonderen Wert. In diversen Jugendclubs und auf Jugendfahrten werden geeignete Jugendliche gezielt angelockt und durch geschickte Manipulierungstechniken langsam auf den von Escriva vorgezeichneten Weg gebracht. (7) Ist der/die AspirantIn dann ordentliches Mitglied, wird es in speziellen Schulungen und durch die täglichen Unterweisungen von Seiten der Zentrumsleiter weiter im Sinne der Opus Dei-Ideologie geformt.

Das Eindringen von Pluralismus, Meinungsvielfalt wird durch eine strenge Zensur verhindert. Hierzu heißt es in der internen Schrift „Vademecum für die örtlichen Räte“: „Konkret darf man ohne die notwendige Erlaubnis nicht lesen: die Bücher, die von der zuständigen kirchlichen Behörde ausdrücklich verworfen sind; die Bücher und Artikel von nicht-katholischen Autoren, die ausdrücklich religiöse Themen behandeln, es sei denn, sie enthalten mit Gewißheit nichts gegen Glaube oder Sitten; die Schriften, die im Widerspruch zum Glauben und zu den Sitten stehen; die Bücher, denen die kirchliche Approbation fehlt, und die diese nach dem Kirchenrecht … benötigen würden; die Werke von Autoren marxistischer Ausrichtung, wobei zu beachten ist, daß der Einfluß dieser Ideologie sich auf vielen kulturellen und wissenschaftlichen Gebieten zeigt; die Bücher, die zwar nicht ausgesprochen antikatholisch, häretisch, unmoralisch usw., aber doch zweideutig und verwirrend (und darum gefährlich) im Hinblick auf Glauben und Moral sind.“ (8)

Doch selbstverständlich bergen nicht nur Bücher eine Gefahr für die Einheit von Glauben und Moral, auch in persönlichen Briefen können sich Passagen einschleichen, die für Verwirrung sorgen könnten. Darum greift die Opus Dei-Führung auch in diesem Falle liebevoll zensierend ein: „Leute, die dem Werk erst kurz angehören, sind dankbar, wenn die Mitglieder des Örtlichen Rats die Lektüre der an sie gerichteten Briefe wohlwollend übernehmen – dies gehört zur Aufgabe der Formung -, denn so können sie ihnen Orientierung, Hilfestellung und den geeigneten geistlichen oder apostolischen Rat geben.“ (9)

Widerspruch gegen die Zensurregelungen ist freilich nicht erlaubt, Kritik im höchsten Maße angstbesetzt, denn – wie der Opus Dei-Aussteiger Klaus Steigleder betont: „Zu der Ausbildung des Opus Dei gehört neben vielem anderen die Vermittlung großer Angst vor ewiger Verdammnis und Hölle. […] Wer … den sicheren Weg des Gehorsams im Opus Dei, wer seine Berufung verläßt, begibt sich in eine große Gefährdung, in die Gefahr ewiger Verdammnis. Er gibt einen sicheren Weg auf und beginnt höchst unsichere und heikle Wege zu beschreiten.“(10)

Folge: Opus Dei – AnhängerInnen sind in der Regel in erschreckendem Maße intolerant, autoritätshörig, unkritisch und fanatisch missionarisch. Darüber hinaus sind sie sexuell hochgradig gehemmt, was kaum verwunderlich ist, müssen sie doch für jedes individuelle Glück – im wahrsten Sinne des Wortes – „Höllenängste“ durchstehen. (11)

Damit das Opus Dei-Mitglied nicht vom sicheren Wege abkommt, wird es nicht nur angehalten, ständig sein Gewissen zu erforschen, es wird auch von seinen GlaubensgenossInnen überprüft und kontrolliert. Für außerhalb der Vereinigung stehende Menschen sind Opus Dei-Mitglieder nur insoweit offen, als sie möglicherweise zukünftige Apostel der Organisation sein könnten, denn Opus Dei zielt stets darauf ab, „Menschen zu gewinnen“. Hierzu heißt es in einer internen Schrift: „Wir haben den großen Ehrgeiz, die Institutionen der Völker, der Wissenschaft, Kultur, Zivilisation, Politik, Kunst und sozialen Beziehungen zu heiligen und zu christianisieren. Alles sollte christlich sein als ein kollektiver gesellschaftlicher Ausdruck des Glaubens des Menschen und als ein Werkzeug, Seelen zu retten, sie in ihrem Glauben zu erhalten und zu Gott zu führen“ (12)

Der selige, Hitler- und Franco-freundliche Escriva ließ selbst keinen Zweifel daran, daß im Notfalle auch „heiliger Zwang“ eingesetzt werden müsse, falls es mit der freiwilligen Christianisierung einmal nicht so richtig klappen sollte: „Um ein irdisches Leben zu retten, wendet man unter dem Beifall aller jede mögliche Gewalt an, um den Menschen vom Selbstmord zurückzuhalten. – Sollen wir nicht den gleichen Zwang anwenden, den heiligen Zwang, um das Leben vieler zu retten, die idiotischerweise unbedingt den Selbstmord ihrer Seele verüben wollen.“(13)

Dass das Opus Dei, die „katholische Mafia“ (Mettner), die Rede vom heiligen Zwang durchaus ernst meint, hat es nicht nur durch die aktive Teilnahme an der Franco-Diktatur bewiesen. In der Gegenwart versucht das „Werk Gottes“ durch geschickte, personalstrategische und wirtschaftliche Manöver die bereits erreichten Machtpotentiale auszubauen. Es ist weiterhin auf dem Weg nach oben und – wer weiß? – vielleicht tritt bald ein, was nach Angabe Felzmanns, führende Opus Dei-Leute heute offen formulieren: „In 20, 30 Jahren wird das einzige, was von der Kirche bleibt, Opus Dei sein. Die ganze Kirche wird Opus Dei sein. Denn wir haben den klaren, sicheren, orthodoxen Blick in bezug auf alles. Der Gründer ist ja von Gott erwählt worden, die Kirche zu retten. Deshalb ist Gott mit uns.“ (14)

Fazit

Den Sachverständigen der Kongregation für Heiligsprechungen zufolge steht Escriva „in der Geschichte der Spiritualität auf einer Stufe mit den legendären Größen“. (15) Wohl wahr. Wer sonst in der katholischen Kirche pflegte solch intimen Kontakt mit Diktatoren, Waffenschiebern und Ausbeutern? Wer sonst konnte ein streng nach Rom blickendes, autoritäres Führersystem innerhalb solch kurzer Zeit aufbauen? Zweifellos: Josemaria Escriva, der fromme Bußgürtelfetischist, der sich nicht nur mit Inbrunst blutig geißelte, sondern auch der geplagten katholischen Kirche immer wieder mit Millionenbeträgen aushalf, ist in der Tat ein leuchtendes Vorbild – für alle jenseitsblinden Diesseitsverächter und katholischen Folterknechte. Kurzum: ein würdiger Heiliger in spe. Ein Mann, dessen durchschlagender Erfolg bestens die Inhumanität jener „allein seligmachenden“ Kirche belegt, die sich selbst als einzigartigen „Rückhalt der Liebe in unserer Welt“ stilisiert. Ein Mann zudem, dessen Lebensgeschichte eindrucksvoll den Wahrheitsgehalt jenes Satzes bestätigt, den man mit Karlheinz Deschner gerne den würdevollen Heiligsprechungskonkregationen entgegen schleudern würde:

„Je größer der Dachschaden, desto schöner der Aufblick zum Himmel.“

 

Josemaria Escriva und sein “Werk Gottes”

(Unter: Die Seligen)

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Hier noch einige Details über den Bußgürtel, der der körperlichen Abtötung dienen soll, erklärt von Klaus Steigleder, einem Aussteiger von Opus dei, aus dem „Spiegel“.

Recht früh erfuhr ich von einer „körperlichen Abtötung“ als „Gewohnheit“ des Opus Dei, dem „Sleeping“: Ein Numerariermitglied schläft jede Woche eine Nacht auf dem Fußboden seines Schlafzimmers, sofern dieser nicht aus Stein ist. Dies gilt aber nur für Numerarier, die in einem Haus des Opus Dei zusammenwohnen; wohnt ein Mitglied noch bei seinen Eltern, soll und darf es das „Sleeping“ nicht vornehmen, da die Gefahr besteht, daß die Eltern jemanden dabei „ertappen“ und sich wundern könnten.

Relativ spät hingegen erfuhr ich durch einen Priester des Opus Dei von der „Gewohnheit“, täglich einen „Bußgürtel“ zu tragen und wöchentlich sich zu geißeln. Ich war völlig überrascht und sagte ihm, daß ich gar nicht wisse, was man sich unter einem „Bußgürtel“ vorzustellen habe. Der Priester meinte, mein Leiter habe mir das wohl zu erklären versäumt.

Aus einem Schrank holte er ein kettenartiges, dreireihiges und vielgliedriges Metallband, das aus einem starken Draht gefertigt war und nach der „Innenseite“ hin zahlreiche Spitzen hatte. An einem Ende des Metallbandes war eine Schnur befestigt. Der Priester erklärte mir, daß man den „Bußgürtel“ mit den Spitzen nach innen um den Oberschenkel lege, die beiden Enden mittels der Schnur zusammenziehe, bis der Gürtel fest sitzt, und dann verknote. Der „Bußgürtel“ werde täglich zwei Stunden getragen, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Die Geißel sei aus Schnüren mit Knoten gefertigt und werde einmal in der Woche benützt, indem man sich damit für die Dauer eines „Credo“, eines „Salve Regina“ oder eines anderen Gebetes auf das blanke Hinterteil schlage.

[…]

Das Tragen des „Bußgürtels“ ist äußerst schmerzhaft, vor allem beim Sitzen. Die Metallspitzen graben sich tief in die Haut ein und hinterlassen als Spuren kleine rote Punkte. Mehr noch schmerzt der Gebrauch der Bußgeißel. So schmerzhaft es auch war, sich selbst zu geißeln, als weitaus unangenehmer und qualvoller empfand ich es, das durchdringende Knallen zu hören, wenn ein anderer sich mit der Geißel schlug – was ich, als ich in Bonn im „Studienzentrum“ der Vereinigung wohnte, häufig erleben mußte.

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http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14020034.html

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sanjosemaria011

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Gruß Hubert