Archiv für 4. April 2016

Die Briefkastenfirmen der Mächtigen   6 comments

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Bei den Briefkastenfirmen muss man sich als erstes fragen, warum legt sich jemand eine Briefkastenfirma zu? Sicher nicht um dann dieses Vermögen regelrecht zu versteuern. Der Zweck dieser Briefkastenfirmen ist Verschleierung, man will sein Geld verstecken. Wenn ich ehrlich meine Steuern zahlen will, dann muss ich nichts verschleiern. Die großen unversteuerten Millionen- bis Milliarden-Beträge fehlen dem Staat zum Beispiel für Bildung, für das Gesundheitswesen, für die Infrastruktur und viele andere Dinge. Das ist der Skandal. Das Prinzip von Steuern ist, dass jeder nach seinem Vermögen dazu beiträgt, dass die öffentliche Hand ihrem Auftrag für die Allgemeinheit nachkommen kann. Da gibt es dann riesige Löcher im Staatshaushalt und überall geht dann die Sparerei los, im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Bildungswesen, Normalbürger bekommen mickrige Pensionen und müssen oft bis ins hohe Alter arbeiten um überhaupt überleben zu können. Und da sind diese Politiker, Prominenten, Sportler und alle die Reichtum angehäuft haben, nicht mal bereit die Steuern zu bezahlen, die vom Staat in den allermeisten Ländern für Reiche eh schon unmoralisch tief gehalten werden.
Gestern (03.04.2016) sagte ein Teilnehmer bei Anne Will, dass man Hoeneß ins Gefängnis gesteckt hat (wofür ich kein großes Bedauern aufbringe), man sollte aber auch den, der ihm dabei geholfen hat ebenfalls zur Verantwortung ziehen. Prinzip Hehler und Stehler.
Das Problem ist, dass man sagt, dass alle Länder diese Briefkastenfirmen verbieten müssten, anstatt dass einzelne Länder ein Signal setzen würden und gleichzeitig international verhandeln würden.

Am meisten zu kotzen ist es, wenn man sich als sauberer Staatsbürger gibt und sagt man halte Gesetze ein.

Alles LEGAL. Ach wie schön! Kunststück, wenn Staatschefs und andere Reiche bzw. Mächtige dabei sind bei diesen Briefkastenfirmen, ihre fragwürdigen Geschäfte zu  verstecken und davon profitieren. Eine Lachnummer, die nicht zu überbieten ist. Es ist eine Schande solche Gesetze zu machen.

Eine Firma, die nur aus einer Adresse besteht und wenn es hochkommt aus einem Türschild, aber ohne Büroräume und Angestellten. Unappetitlichere Tricksereien kann ich mir nicht vorstellen. Eine Briefkastenfirma dient ja nur dazu um Einkommen zu verschleiern. Zu was denn sonst? Panama, wahrscheinlich ein Land in der es mehr Briefkastenfirmen gibt als Einwohner. Die im Dunkeln sieht man nicht.

 

Aus Tagesschaue.de

Eine internationale Recherche deckt auf, wer alles von Briefkastenfirmen profitierte: Staats- und Regierungschefs, Putin-Vertraute, Sportstars. Das geht aus einem Datenleck bei einem der größten Anbieter für solche Konstruktionen hervor.

Von Petra Blum, WDR und Christian Deker, Peter Hornung, Kersten Mügge, Elena Kuch, Julia Stein, Jan Lukas Strozyk, Benedikt Strunz, NDR

Ein Datenleck bei einem der größten Anbieter für Briefkastenfirmen bringt zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie andere Politiker in aller Welt in Schwierigkeiten. Die Unterlagen zeigen, wie sie in Geschäfte mit Offshore-Konstruktionen verstrickt sind. Das Leck umfasst E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 214.000 Gesellschaften, vor allem in Panama und den Britischen Jungferninseln.

 

 

Offshore-Geschäfte von 140 Politikern und hohen Amtsträgern

Die Daten legen die Offshore-Geschäfte von insgesamt 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt offen. Insgesamt finden sich die Namen von zwölf amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs in den Unterlagen, zum Beispiel der Premierminister von Island und Pakistan und der Präsidenten von Argentinien und der Ukraine. In den Dokumenten tauchen aber auch Spione auf, Drogenhändler und andere Kriminelle. Zudem haben zahlreiche Sportstars und Prominente Offshore-Firmen genutzt.

Enge Vertraute von Putin und der Cousin von Assad

Mehrere enge Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin finden sich in dem Leck wieder. Einer davon ist Sergej Roldugin, der als bester Freund des Präsidenten gilt und Taufpate seiner Tochter ist. Roldugin, in Russland ein bekannter Cellist, war an einem Netz von Briefkastenfirmen beteiligt, in dem innerhalb weniger Jahre mehr als zwei Milliarden US-Dollar verschoben worden sind.

Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie der Cousin von Präsident Bashar al-Assad oder Monarchen, wie der König von Saudi-Arabien, haben den Unterlagen zufolge Offshore-Firmen genutzt.

Die Daten stammen von der panamaischen Anwaltskanzlei „Mossack Fonseca“. Eine anonyme Quelle hat sie der „Süddeutschen Zeitung“ überlassen, die sie mit dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ), NDR und WDR teilte. Insgesamt umfasst das Leck 11,5 Millionen Dateien, der größte Teil davon aus den Jahren 2005 bis 2015. Der Datensatz ist 2,6 Terabyte groß. Die Rechercheergebnisse betreffen nahezu jedes Land der Erde und werden seit Sonntagabend weltweit von 109 Medien unter dem Titel „PanamaPapers“ veröffentlicht.

 

Premier und zwei Minister in Island

In Island müssen sich drei Kabinettsmitglieder der amtierenden Regierung für Offshore-Geschäfte rechtfertigen. Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson hielt Anteile an einer Offshore-Firma, in der Anleihen in Millionenhöhe wichtiger isländischer Banken deponiert wurden. Auch die Innenministerin und der Finanzminister haben den Unterlagen zufolge „Mossack Fonseca“-Firmen genutzt.

Der als Reformer eines korrupten Systems angetretene Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, taucht in den Dokumenten als Besitzer einer Briefkastengesellschaft ebenso auf, wie Ukraines Ex-Premier, der wegen Betruges und Geldwäsche verurteilte Pavlo Lazarenko

Die Recherchen der „PanamaPapers“ ermöglichen einen einmaligen Einblick in die geheime Offshore-Welt und die Arbeitsweise eines ihrer Schlüsselspieler, der Anwaltskanzlei „Mossack Fonseca“. Sie hat die Briefkastenfirmen im Auftrag gegründet und verwaltet – rund ein Drittel der untersuchten Firmen waren zum Zeitpunkt der Recherche noch aktiv.

In Zusammenarbeit mit Banken, Rechtsanwälten und Finanzberatern verkauft „Mossack Fonseca“ die Gesellschaften, mit Sitz zum Beispiel in Panama oder auf den Britischen Jungferninseln, an die Kunden.

Die haben dann die Möglichkeit, mit Hilfe der Firmen anonyme Konten und Aktiendepots einzurichten und Jachten, Kunstwerke, Autos oder Immobilien zu verstecken. Nach außen repräsentieren Scheindirektoren, meist gestellt von „Mossack Fonseca“, die jeweiligen Firmen. Der Name des eigentliche Eigentümers taucht nicht auf.

Siemens-Manager profitierten mutmaßlich von Schwarzgeldern

Derartige Firmen können legale Ziele verfolgen. Die Anonymität zieht aber auch Kriminelle an. So lässt sich in den Unterlagen beispielsweise nachvollziehen, wie Siemens-Manager die Dienste genutzt haben, um mutmaßlich Schwarzgelder in die eigene Tasche umzuleiten. Zu den weiteren Kunden von „Mossack Fonseca“ gehören mindestens 33 Personen und Firmen, die auf verschiedenen Sanktionslisten stehen – weil sie Geschäfte mit Terrororganisationen wie der Hisbollah und mit mexikanischen Drogenkartellen gemacht haben oder Einfuhrverbote für den Iran oder Nordkorea umgangen haben. Eine Briefkastengesellschaft wurde allem Anschein nach dafür genutzt, Treibstoff für syrische Kampfflugzeuge zu beschaffen, mit denen Tausende Zivilisten zu Tode gebombt worden sind.

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Lionel Messi als Begünstigter eine Offshore-Firma

Lionel Messi | Bildquelle: dpa

Lionel Messi findet sich ebenfalls in den Unterlagen.

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Auch der argentinische Fußballstar Lionel Messi, der sich in diesem Frühjahr in Spanien wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten muss, wird in den „Mossack Fonseca“-Unterlagen als Begünstigter einer bislang unbekannten Offshore-Firma geführt. In den Papieren finden sich zudem Spuren zu Bestechungsskandalen, etwa zur FIFA-Affäre. Demnach hat ein Mitglied der Ethikkommission (!!) des Weltfußballverbands gleich drei der in den USA im Zusammenhang mit der FIFA-Affäre Angeklagten bei der Einrichtung von Briefkastenfirmen geholfen.

Hier weiterlesen:

Die Briefkastenfirmen der Mächtigen

 

Aus „Der Westen“

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„Generell gilt: Der Besitz einer solchen Offshore-Firma ist für sich nicht illegal“, schreibt auch die „Süddeutsche“. „Aber wer sich in den PanamaPapers umsieht, stellt sehr schnell fest, dass es in der überwältigen Zahl der Fälle vor allem um eines geht: zu verschleiern, wem die Firma in Wahrheit gehört.“ Die Daten belegten, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Politikern, Funktionären, Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten oder Sport-Stars verwalte.

Igor Angelini, Chef der Finanzermittlungseinheit von Europol, erklärt dem „SZ“-Bericht zufolge, dass Briefkastenfirmen auch eine „wichtige Rolle bei Geldwäsche-Aktivitäten im großen Maßstab“ spielen. Gleiches gelte für Korruption: Offshore-Firmen würden besonders genutzt, „um die Bestechungsgelder weiterzuleiten“.
Insgesamt 370 Journalisten aus 78 Ländern an Recherche beteiligt

Der Datensatz war der „Süddeutschen Zeitung“ von einer anonymen Quelle zugespielt worden, hieß es. Die wiederum teilte die Daten demnach mit dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) und Partnern auf der ganzen Welt. Insgesamt haben in den vergangenen zwölf Monaten etwa 370 Journalisten aus 78 Ländern im Zuge der Recherchen rund 11,5 Millionen Dateien ausgewertet. Es handle sich um „ein gigantisches Leak in einer bislang nicht vorstellbaren Dimension von rund 2,6 Terabyte“.

Der Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“, Georg Mascolo, sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“, er gehe davon aus, dass von dem Einblick in das Geschäft in Steueroasen „ganz erheblich“ Sprengkraft ausgehe. Mascolo kündigte weitere Veröffentlichungen an. „Das was da in den nächsten Tagen zu lesen und zu hören sein wird, in der „Süddeutschen Zeitung“, in der ARD und auch anderswo, halte ich für sehr bemerkenswert, weil wir einen solchen Einblick in das Geschäft dieser Steueroasen bisher in diesem Umfang nicht gehabt haben.“

Edward Snowden äußert sich auf Twitter zu Enthüllungen

Unter dem Hashtag #PanamaPapers verbreiten sich auf Twitter Nachrichten und Kommentare zur Enthüllung. Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, sprach auf Twitter vom „größten Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus“.

Journalisten enthüllen Finanzgeschäfte von Offshore-Firmen | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/wirtschaft/journalisten-decken-finanzgeschaefte-ueber-offshore-firmen-auf-id11702247.html#plx1312649971

 

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Kanzlei Mossack Fonseca von einem deutschstämmigen Rechtsanwalt gegründet

Die Kanzlei Mossack Fonseca bietet die Gründung und Verwaltung von Offshorefirmen an. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen über 500 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Die Kanzlei ist in Belize, den Niederlanden, Costa Rica, Großbritannien, Malta, Hong Kong, Zypern, den Britischen Jungfern-Inseln, Bahamas, Panama, Anguilla, Seychellen, Samoa und den US-Bundesstaaten Nevada und Wyoming tätig.

(Anmerkung: Fonseca ist ein Schweizer).

Journalisten enthüllen Finanzgeschäfte von Offshore-Firmen | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/wirtschaft/journalisten-decken-finanzgeschaefte-ueber-offshore-firmen-auf-id11702247.html#plx1326946

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Spiegel:

Skandal um Kanzlei Mossack Fonseca: Schrecklich diskret

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DPA

 

Obwohl die betroffene Kanzlei Mossack Fonseca gewarnt war, zeigte sie sich noch vor wenigen Wochen offen für deutsche Steuervermeider.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/panama-papers-steuerskandal-in-panama-a-1085272.html

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Nachtrag zu Premierminister Gunnlaugsson aus Island

Islands Premier Gunnlaugsson hat seinen Rücktritt von Rücktritt erklärt. Er wolle die Amtsgeschäfte unbefristet ruhen lassen – hält sich aber so eine Hintertür für eine Rückkehr auf. Die Opposition und viele Isländer sind empört.

Kommentar
Am 06. April 2016 um 18:05 von imaginator
Was geht in einem solchen Kopf vor?

Man stelle sich einmal vor, ein Arbeitgeber erwischt einen Arbeitnehmer bei Kungeleien zulasten der Firma und gibt ihm großzügig die Möglichkeit selbst zu kündigen. Aber statt dieses Angebot in Anspruch zu nehmen, wäre die Reaktion des Arbeitnehmers: „Och, nö. Ich nehme lieber erstmal unbezahlten Urlaub auf unbestimmte Zeit und erteile mir für den Fall meiner eventuellen Rückkehr eine Arbeitsplatzgarantie.“

Die Schamlosigkeit, mit der solche unfassbar dreisten Figuren im Angesicht der eigenen Untauglichkeit an ihrem Sessel kleben und festhalten, scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Moral und Ehrgefühl waren wohl gestern. Oder vorgestern… Das gilt übrigens nicht nur für Island.

http://meta.tagesschau.de/id/110270/gunnlaugsson-unbefristeter-amtsverzicht-statt-ruecktritt

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Gruß Hubert