Archiv für 2. Mai 2016

Wenn Hochwürden bald schon im Schlafzimmer steht…   Leave a comment

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Ach der neue Papst ist ja soo modern und geht auf die Sorgen und Ängste seiner Schäfchen ein! Mitnichten. Das ist alles nur Public Relation, die es ja brauchte nach dem trockenen deutschen Papst Benedikt, alias Ratzinger. Warum Wiederverheiratete so scharf auf eine Hostie sind kann ich sowieso nicht verstehen… um teilnahmeberechtigt am „Leib Christi“ sein zu dürfen. Dass er bei den Homosexuellen nichts ändern würde war wohl klar und auch nicht anders zu erwarten.

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Nach der Veröffentlichung des Lehrschreibens von Papst Franziskus gab es viel Aufschrei: Manche Kircheninitiative war begeistert von den „Reformen“, die der Pontifex angestoßen haben soll.

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Wenn Hochwürden bald schon im Schlafzimmer steht…

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Viele Kritiker sahen dagegen eher eine riesige Enttäuschung über die minimalen Zugeständnisse an die Ortskirchen, die nun im Einzelfall darüber entscheiden sollen, wie mit Christen in angeblicher Sünde umgegangen werden darf. Dazu gehören die Homosexuellen, die die katholische Kirche im Jahr 2016 nun tatsächlich bereits als Menschen ansieht, denen man Respekt und Würde zuzugestehen habe. Es sind aber gleichermaßen auch die Wiederverheirateten, die durch ihre Scheidung eigentlich jedes Recht verwirkt haben, am Sakrament der Kommunion teilzunehmen, die im Mittelpunkt von „Amoris Laetitia“  stehen.

Während sich gerade bei Schwulen und Lesben abzeichnete, dass Franziskus keine revolutionären Änderungen in der katholischen Lehre einleiten würde, wird von den deutschen Bischöfen aber die Ermächtigung, wonach der Priester der Gemeinde künftig selbst abwägen kann, ob er wiederverheiratete Geschiedene zur Eucharistie zulässt, als großer Fortschritt bewertet.

Man gehe nun auf die Menschen zu, beschäftige sich mit ihren Lebensgeschichten, wird argumentiert. Dass die Entscheidung dagegen einen weiteren, massiven Einschnitt in die Privatsphäre der Gläubigen bedeutet, blieb in allem Freudentaumel der Theologen völlig unbeachtet. Bischöfe und Kardinäle legten die Wegweisung des Papstes ganz im Sinne des Machtbestrebens der Kirche aus, die schon bald ganz besonderes Interesse an den alltäglichen Gewohnheiten ihrer Schäfchen entwickeln dürfte.

 

Denn der Ortspfarrer möchte künftig wissen, warum eine Ehe zu Bruch gegangen, wer der neue Liebhaber und welche Buße das Gemeindemitglied zu tun bereit ist. Denn erst dann kann der Abtrünnige wieder in den Kreis der Teilnahmeberechtigten am „Leib Christi“ aufgenommen werden. Die Schuldfrage für eine Scheidung solle geklärt werden, führte ein ranghoher Geistlicher in seinen kommentierenden Worten aus. In Deutschland dachte man früher auch so. Da suchten Richter danach, wer verantwortlich für das Ehe-Aus ist, um dem „Angeklagten“ die Scheidungskosten aufbrummen zu können. Die Kirche macht dieses Prinzip wieder hoffähig – und untermauert einmal mehr ihre Rückwärtsgewandtheit. Viel schlimmer aber: Was geht sie es an, mit wem ich es im Bett treibe? Warum ich mich getrennt habe? Und ob meine Kinder vielleicht einen bleibenden Schaden von dem Entzweien unserer Elternschaft davon tragen?

 

Um eine Hostie zu bekommen, soll man sein Intimstes offenlegen? Das ist Erpressung – auch wenn ich mir nur schwer vorstellen will, wie solch eine Oblate derart verlockend sein kann, dass ich dafür einem unbekannten Mann in Gewändern mein Herz ausschütte. Und mit der biblischen Lehre hat es schon gar nichts zu tun. Bei Jesus musste sich niemand rechtfertigen, um am Abendmahl teilnehmen zu können, im Gegenteil. Abseits der Frage, wer nun Sünder ist oder nicht, waren alle eingeladen – und gerade deshalb sind sie willkommen gewesen, weil sie alle nicht unfehlbar waren. Gnade und Barmherzigkeit versteht sich da nicht als das bemitleidende Herabbücken zu dem Schuldiggewordenen, sondern Annahme eines Jeden, unabhängig seiner Vorgeschichte. Reumütig müsse sich der Gläubige zeigen, seine Verfehlungen aufarbeiten. Wenn meine Ehe gescheitert ist, rede ich vielleicht mit einem Therapeuten darüber, aber nicht mit dem Pfarrer von nebenan!

Früher zahlte man seine Taler, um die Sünden loszuwerden

Woher nimmt sich die Kirche das Recht, von mir eine Offenlegung meiner Beweggründe über Scheidung und Wiederverheiratung zu verlangen? Nur, damit ich an diesem „Heil“ aus der Verheißung eines „Auferstandenen“ teilhaben darf? Anmaßung, das konnte Rom schon immer. Und nein, es hat nichts mit Zugewandtheit zu den Menschen zu tun, wenn Franziskus nun den Freifahrtsschein erteilt, wonach gerade der im Zölibat lebende Priester den Coach für zerbrochene Liebesbeziehungen spielen darf. Viel eher ist es der Versuch, die Kirche noch tiefer in das Innerste der Persönlichkeit der Mitglieder vordringen zu lassen. Da wird mit Gefühlen gespielt, es wird mit der Rückkehr in die Gemeinschaft gelockt, während die Bedingung gestellt bleibt, sich emotional zu entblößen. Für mich hat das bereits sektenhafte Züge. Was ist das für ein Menschenbild, jemanden in einer gesellschaftlich leider noch immer oftmals verpönten Situation noch damit zu gängeln, sozialen Halt nur im Gegenzug zur moralischen Selbstbestrafung zu gewähren?

 

Früher zahlte man seine Taler, um die Sünden loszuwerden. Heute verkauft man seine ganze Seele an die Kirche, um wieder dazugehören zu dürfen. Da will sie wissen, ob wir auch keinen Geschlechtsverkehr vor der Ehe haben, ob wir unzulässigerweise verhüten, ob wir auch ausreichend Kinder in die Welt setzen, nach dem Versprechen auf ewige Treue auch bis zum Lebensende zusammenbleiben – und wenn nicht, wer von beiden den Partner und die Kinder sitzen ließ, in wen man sich neuerlich verguckt hat und ob man in der zweiten Ehe auch weiterhin bereut und Selbstgeißelung dafür verübt, die erste Beziehung leichtfertig aufs Spiel gesetzt zu haben. Denn dass es tatsächlich Gründe geben mag, eine Zweisamkeit zu beenden, ist für die Kirche eigentlich unvorstellbar. Einmal versprochen, nie mehr gebrochen. Denn ob bei Enthaltsamkeit, Familienführung und Ja-Wort – die Erwartungen der selbsternannten Instanz in Sachen Lebensfragen sind idealisiert, haben mit dem Menschsein aber nichts zu tun. Wie fernab ihr normatives Mahnen vom Lebemann aus der „Heiligen Schrift“ ist, gesteht sie natürlich nicht ein.

Rom macht es eigentlich alles noch schlimmer: Da soll ein Fortschritt verkauft werden, der in Wahrheit noch mehr bevormundet als es die Zementierung der jahrhundertealten Traditionen ohnehin schon tut. Nein, auch Franziskus will keinen Wandel. Die Abgabe von Kompetenzen an die Kirchen vor Ort ist ein Ausdruck seiner Hilflosigkeit, umwandert zu sein von einer erzkonservativen Lobby, die es selbst dem Oberhaupt der Katholiken nicht erlaubt, eigenmächtig zu handeln und vielleicht tatsächlich einmal aufzuräumen mit beweihräucherten Dogmen früher Zeiten. Dass die Entfremdung von den Gläubigen wächst, ist hierbei keine wirkliche Neuigkeit. Vielleicht eher, dass nun auch diejenigen Gläubigen ins Grübeln kommen könnten, die bisher noch aus schlechtem Gewissen in den Reihen des Hirten verblieben – weil „man“ eben schon seit Urzeiten zur Kirche gehört.

Denn wer möchte tatsächlich, dass irgendwann Hochwürden höchstpersönlich zu „Big Brother“ im heimischen Schlafzimmer mutiert?

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Wenn Hochwürden bald schon im Schlafzimmer steht…

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Gruß Hubert

 

Realität der TTIP-Verhandlungen übertrifft die dunklen Ahnungen noch   1 comment

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Wenn jemand noch bei Trost ist kann es nur ein klares und entschiedenes NEIN zu TTIP geben. Die USA möchte die EU erpressen indem sie sagt, die europäischen Autofirmen können nur zu günstigen Bedingungen in den USA ihre Autos verkaufen, wenn dafür die EU die US-Agrarexporte zulässt.
Sollen doch die US-Büger selbst ihre Drecks-Lenbesmittel (fr)essen. Man kann nur am Verstand der EU-Politiker zweifeln, wenn sie auf solche Deals eingehen wollen, zum Schaden von hunderten Millionen Europäern. Zählt das Wahlvolk noch oder ist es schon zum Stimmvieh degradiert? Unglaublich wie da wieder mal von Politikern gelogen wird und die Bevölkerung hinters Licht geführt werden soll. Von welchen Halunken werden wir da denn regiert?

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50 Jahre Container - Containerhafen

Containerschiffe bringen Güter über den Atlantik nach Europa – Blick auf den Hamburger Hafen

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Das Freihandelsabkommen führt zu globalen Wohlstandsgewinnen, sagen die Befürworter. Die TTIP-Papiere zeigen aber, dass die Befürchtungen der Gegner nicht aus der Luft gegriffen sind. Im Gegenteil, die Dokumente zeigen: Sie haben Substanz.

Kommentar von Heribert Prantl

Man kann die Bedeutung des geplanten Abkommens gar nicht überschätzen. Es geht um ein Abkommen zwischen den zwei größten Wirtschaftsmächten der Erde. Es geht um ein Abkommen, das vierzig Prozent des gesamten Welthandels betrifft. Es geht um ein Abkommen, das die gesamte transatlantische Wirtschaftsordnung neu regeln soll. TTIP, das Handels– und Wirtschaftsabkommen, ist ein Wirtschaftsgrundgesetz der Superlative; es ist eine Wirtschaftsverfassung, die für die USA und die EU gleichermaßen gelten soll und die tief eingreift in die Politik- und Sozialkulturen der beteiligten Staaten und Gesellschaften – also in die Verfassung der Menschen.

Das geplante Abkommen weckt bei den einen ungeheuere Hoffnungen; bei den anderen, und es werden zumal in Deutschland immer mehr, weckt es ungeheuere Befürchtungen. Das Abkommen kann zu globalen Wohlstandsgewinnen führen – wenn, ja wenn es richtig gemacht würde. Die TTIP-Papiere, die die Süddeutsche Zeitung von der heutigen Ausgabe an veröffentlicht, lassen daran zweifeln.

Diese Papiere zeigen, dass die Befürchtungen der Gegner nicht aus der Luft gegriffen sind. Mehr noch: Sie zeigen, dass die Realität der Verhandlungen die dunklen Ahnungen noch übertrifft. Die Papiere belegen, wie schwierig diese Verhandlungen sind, wie hart sich die europäischen und die US-amerikanischen Wirtschaftsinteressen im Raum stoßen, und wie weit also der Weg zu einem wirtschafts- und bürgerverträglichen Abkommen noch ist. Vielleicht mündet der Weg, auch des US-Starrsinns wegen, im Nichts.

Gegen Verschwörungstheorien helfen Offenheit und Diskussion

 

Die Papiere erlauben eine Prognose: Wenn die TTIP-Verhandler auf die Sitten, Kulturen und Rechte der Bürger nicht mehr achtgeben (zum Beispiel dadurch, dass sie in den EU-Staaten unterschiedliche Ausnahmeregeln für die Daseinsvorsorge, den Verbraucher- und Umweltschutz zulassen), wird das Abkommen von den Bürgern als sittenwidrig betrachtet und mit Bann belegt werden.

 

Das Wissen um dieses TTIP-Abkommen steht im umgekehrten Verhältnis zu seiner Bedeutung; so gewaltig die Hoffnungen und so alarmierend die Befürchtungen sind, so alarmierend ist die Heimlichkeit, mit der es verhandelt wird; gewaltig ist offenbar auch das Nichtwissen von Spitzenpolitikern, die öffentlich über dieses Abkommen reden und es wortreich verteidigen. Entweder sie kennen den Verhandlungsstand nicht (wie er sich aus den veröffentlichten Papieren ergibt) oder sie lassen die Öffentlichkeit darüber bewusst im Unklaren. Die EU-Kommission in Brüssel und die große Koalition in Berlin haben beispielsweise so getan, als sei die Idee, private Schiedsgerichte für die Investitionsstreitigkeiten einzurichten, seit September 2015 begraben. Es wurde bekannt gegeben, dass nun supranationale öffentliche Gerichte mit ordentlichen Richtern eingerichtet werden sollen. Es wurde so getan, als sei TTIP der Giftzahn gezogen worden.

Nur: Das stimmte und stimmt nicht. Es gibt zwar einschlägige EU-Vorschläge, die aber von den Amerikanern rundweg abgelehnt werden; es wurde noch gar nicht darüber verhandelt. Es geht bei TTIP nicht nur um Wirtschaft und um den Abbau von Handelshemmnissen. Es geht um Grundfragen von Rechtsstaat und Demokratie, um Weichenstellungen, die weit in die Zukunft wirken. Denn das Abkommen ist als „living agreement“ geplant, als Abkommen, das von Expertenausschüssen fortentwickelt werden soll; solche Ausschüsse sollen auch verhindern, dass nationale Gesetze erlassen werden, die im Widerspruch zum Freihandelsabkommen stehen. Man nennt das regulatorische Kooperation. Man muss diese Pläne kennen, um diskutieren zu können, wie hier die Parlamente eingebunden werden können.

 

Offiziöse Lügerei über den Stand des Abkommens gefährdet die Demokratie

 

Die Verhandler, zumal die aus den USA, werden behaupten, die Veröffentlichung der TTIP-Papiere gefährde den Verhandlungserfolg. Es ist dies ein eigenartiges Verständnis von Erfolg. Ist es, wäre es ein Erfolg, wenn die Menschen das Gefühl haben, dass das Abkommen ihnen wie eine Zwangsjacke verpasst wird? Die bisherige Heimlichtuerei gefährdet ein zuträgliches Abkommen; die Klandestinität sabotiert eine sachgerechte Diskussion; und die offiziöse Lügerei über den Stand des Abkommens gefährdet Demokratie und Rechtsstaat. Wer eine transatlantische Wirtschaftsgemeinschaft will, und es gibt gute Gründe, sie zu wollen, der muss dafür sorgen, dass mit Wissen und mit Substanz über die kritischen Punkte gestritten werden kann.

Befürworter des Abkommens werfen den Gegnern Verschwörungstheorien vor. Gegen solche Theorien hilft nicht die Verschwörung der Verhandler, sondern Offenheit und Diskussion.

 

Realität der TTIP-Verhandlungen übertrifft die dunklen Ahnungen noch

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Siehe auch:

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/ttip-211.html

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Gruß Hubert