Redebeitrag von Daniela Böhm in Frankfurt am 16.5.2015   2 comments

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Es ist schon krass wie auf der anderen Seite Rassehunde gezüchtet werden und auf der anderen Seite in vielen Ländern mit Straßenhunden umgegangen wird.

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Angesichts des Elends von Straßenhunden auf der ganzen Welt stellt sich in der heutigen Zeit mehr denn je die Frage über Sinn und Unsinn der Zucht von Rassehunden um des Profites willen. Speziell dann, wenn diese aus Ländern stammen, in denen es eine Überpopulation einheimischer Straßenhunde gibt.
Im Jahre 2011 wurde in China eine Tibetdogge für 1,1 Millionen Dollar verkauft. Und das in einem Land, in dem Millionen von Hunden für den Fleisch- oder Pelzkonsum auf grausamste Art und Weise getötet werden. Aber der Legende nach besaß Dschingis Khan eine Tibetdogge und Buddha ebenso und deshalb gelten diese Hunde in China als Statussymbol.
Der Rassismus, den der Mensch den Tieren auferlegt hat, klassifiziert sie in unterschiedliche Abstufungen und zeigt sich nicht nur bei der verallgemeinernden Einteilung in Haustiere und sogenannte Nutztiere.

Nein, dieser Rassismus trifft auch ganz besonders den angeblich besten Freund des Menschen. Auf der einen Seite die Streuner, deren Leben nicht einmal einen Dollar wert ist und auf der anderen Seite die Rassehunde, für die oft Unsummen bezahlt werden. Das ist absurd und Rassismus in reinster Form – übertragen auf die Hunde. Würde ein aufgeklärter Mensch heute sagen, dass das Leben eines Kindes aus dem Kongo oder Indien weniger wert oder schützenswert sei, als das eines Kindes aus England oder Deutschland? Nein, ganz sicher nicht, denn dann wäre er ein erklärter Rassist.

Aber genau das ist es, was den Straßenhunden auf der ganzen Welt widerfährt und ihnen ihr Leben kostet, auch durch die Tatsache, dass ein Zuchthund einem Streuner vorgezogen wird. Wie viele liebenswerte Seelen suchen dringend ein Zuhause und könnten vor der Tötung gerettet werden, wenn sie jemand adoptieren würde, anstatt einem sogenannten Rassehund den Vorzug zu geben. So aber werden die Straßenhunde zu Leidtragenden eines menschgemachten Rassismus.

Unzählige rumänische Hunde sind Opfer entsetzlicher menschlicher Gewalt geworden. Natürlich, die Medien und Politiker haben den tragischen Tod des kleinen Jungen im Herbst 2013 instrumentalisiert und verfälscht, das wissen wir mittlerweile. Und sicher, Rumänien ist ein armes Land und hat eine Überpopulation an Straßenhunden. Rumänien hat es aber seit Jahrzehnten versäumt, gezielt Kastrationsprogramme umzusetzen, die einzige Möglichkeit, eine Überpopulation von Straßenhunden einzudämmen. Anstatt endlich zu handeln und sich wirklich zu kümmern, agieren Verantwortliche oder Politiker blind in ihrem Tun und ohne Herz, sind mit mafiösen Strukturen verstrickt oder selbst ein Teil davon – allen voran Bancescu, der Chef der ASPA, der im Februar dieses Jahres absurde Pauschalanschuldigungen gegen ausländische Tierschutzorganisationen von sich gegeben hat.

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Foto: privat

Wären Straßenhunde eine schützenswerte Art, so wären viele rumänische Hunde noch am Leben. Gäbe es in Rumänien eine Überpopulation von Yorkshire Terriern oder irischen Settern, hätten diese Massaker nicht stattgefunden. Diese Rassehunde wären gehegt und gepflegt und dann für viel Geld verkauft worden. Aber mit dem Tod von Hunden lässt sich in staatlichen rumänischen Tierheimen bekannter Maßen auch Geld verdienen.

Nicht nur der Rassismus, sondern auch der Speziesismus ist ein grundlegender Ansatz, der unendlich vielen Hunden in Rumänien, aber auch anderswo, das Leben gekostet hat und kostet – auf oft so grausame Art, dass man sich schämen könnte, der Gattung Mensch anzugehören. Der Speziesismus wird durch den anthropozentrischen Herrschaftsgedanken angetrieben und tritt die Rechte anderer mit Füßen. Dieses menschliche Denkmuster klassifiziert in besser und niedriger, mehr wert oder weniger, schützenswert oder nicht. Der Speziesismus regiert in den Köpfen vieler Menschen und mit erhobener Hand schwingt er sein Zepter bei den Politikern, ob in Rumänien oder anderswo.

Brüssel ist eine Hochburg des Speziesismus. Dort sitzt eine EU-Regierung, die bis heute nicht in der Lage ist, in Rumänien einzuschreiten, weil es diesbezüglich kein übergreifendes Gesetz zum Schutz der Straßenhunde gibt.

Im Vertrag von Lissabon steht, „dass die Mitgliedstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere als fühlende Wesen in vollem Umfang Rechnung tragen“ – etwas, das sich für mich angesichts von Abermillionen geschlachteter Tiere sowieso wie blanker Hohn liest. Weiter heißt es dann: „Bestimmte Aspekte des Tierschutzes fallen weiterhin in den Zuständigkeitsbereich der Mitgliedstaaten – z. B. der Einsatz von Tieren bei Wettbewerben oder die Vorgehensweisen im Zusammenhang mit streunenden Hunden.“ Die EU beruft sich im Fall von Rumänien also darauf, dass sie nicht eingreifen kann, weil sie keine Rechtsgrundlage dafür hat. Dann soll sie diese endlich schaffen! Sie schafft sie ja sonst auch für ziemlich unsinnig erscheinende Dinge.

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Foto: privat

Doch auch in Rumänien gibt es viele Menschen, denen das Leid der Straßenhunde nicht gleichgültig ist und selbst Bürgermeister, in deren Städten oder Dörfern anders gehandelt wird. Auch viele privat geführte Tierheime kämpfen verzweifelt um die Hunde und ihr Überleben. Hier darf nicht ein ganzes Land verurteilt werden! Verurteilt werden muss aber ein gewissenloser Mob, der seine Wut an unschuldigen Wesen auslässt, verantwortliche rumänische Politiker und Behörden, allen voran die ASPA und eine EU-Regierung, die bis heute nicht in der Lage ist, einzuschreiten.

Wie wollen wir als Menschen eine friedliche Welt erschaffen, wenn wir nicht einmal in der Lage sind, in Frieden mit jenen zu leben, die über keine Waffen verfügen, die sich nicht wehren können, die nicht für sich sprechen können, jene, die zu den Schwächsten gehören, und deren wirkliche Bedürfnisse und Nöte nicht anerkannt werden. Die getöteten Straßenhunde in Rumänien stehen, wie viele andere Tiere auch, für eine Gesellschaft, die ihnen keinen gebührenden Respekt und Platz als Mitlebewesen auf diesem Planeten einräumt.

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Foto: privat

 

Es ist an der Zeit für ein Umdenken beim Menschen, es ist an der Zeit, dass er seine Alleinherrschaft aufgibt und sich stattdessen kümmert und bekümmert, dass es allen gut geht. Als vernunftbegabtes Wesen, das er sein sollte, trägt er vor allem eines: Verantwortung. Jedes einzelne Lebewesen ist schützenswert, ist mit einem naturgegebenen Recht auf Leben in diese Welt gekommen. Die Gattung Mensch hat dieses Grundrecht nicht allein für sich gepachtet.

© Daniela Böhm
wwww.danielaböhm.com

 

Redebeitrag von Daniela Böhm in Frankfurt am 16.5.2015

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Gruß Hubert

 

2 Antworten zu “Redebeitrag von Daniela Böhm in Frankfurt am 16.5.2015

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  1. Wenn man bedenkt dass alle Hunderassen vom Wolf abstammen wird deutlich welche Perversion hinter der Hunde-Zucht steckt. Vom Pekinesen bis zum Bernhardiner stammen alle Hunde vom Wolf ab. Hunde mit platter Schnauze, mit kurzen Beinen . . . Hunde ohne und mit total verfilztem Fell. Schoßhündchen und reine Kampfmaschinen.
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    Der Mensch hat sich Tiere geschaffen die ohne den ihn nicht lebensfähig wären. Sie hätte keine Chance in freier Natur zu überleben. Sie wären eine leichte Beute für andere Tiere und könnten sich selbst nicht ernähren / jagen.
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    Willkürlich werden Standards für Hunderassen festgelegt die jeder Logik entbehren.
    So darf z. B. ein altdeutscher Schäferhund kein “weiß“ im Fell haben, sowie es mein Rex hatte.
    Darum wurde er als Welpe (ca. 5 Wochen alt) ausgesetzt, zum Glück muss man sagen in einem Karton anonym im Tierheim abgegeben. Er durfte in keinem Zuchtbuch erscheinen, obwohl er ein reinrassiger altdeutscher Schäferhund noch aus der DDR-Zuchtlinie war, da das den ganzen Zwinger in Misskredit gebracht hätte.
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    Nach BRD Zuchtstandards war er eine Missgeburt die entsorgt werden musste weil er als Altdeutscher Schäferhund die Farbe weiß im Fell hatte. Alle anderen Farben sind erlaubt, Braun, schwarz, gelb nur eben weiß nicht. Das haben Menschen so festgelegt. Ich frage mich ob das überhaupt Menschen sind die so etwas festlegen.
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    Nach den Westdeutschen Standards wurden dem deutschen Schäferhund kurze Hinterbeine angezüchtet. Eine Perversion die bei Schäferhunden zwangsläufig zu HD = Hüftdysplasie führt.
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    Lediglich die DDR-Zuchtlinie bewahrt noch den Ursprung des Wolfes in den Genen das Schäferhundes. Die dem westlichen Pendant um ein vielfaches an Widerstandskraft, an Intelligenz und Leistungsfähigkeit überlegen sind.
    Vermutlich weil der DDR-Schäferhund als Diensthund bei den DDR Grenztruppen eingesetzt war . . . . wird die DDR-Zuchtlinie in der BRD nicht anerkannt, so dass diese Zuchtlinie wegen einem zu geringen Gen-Pool aussterben wird. Der DDR Schäferhund war in seinem Wesen, seinem Sozialverhalten, seiner Intelligenz dem Wolf noch am nächsten. Ich kann das durch meinen Rex nur bestätigen.
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    Das Ansinnen des Menschen, Hunde nach seinem Schönheitsempfinden zu schaffen gipfelt in der Perversion, bestimmten Hunderassen den Schwanz und oder die Ohren zu kupieren.
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    Man sollte das unbedingt auch bei deren Besitzern machen.

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    Sabine

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  2. Danke Sabine für deinen sehr interessanten, traurig und wütend zugleich machenden Kommentar.
    Es kann einen nur wütend machen, wenn man sieht wie der Mensch in selbstherrlicher Weise Tiere verunstaltet und mit Züchtungen quält. Das fällt alles in die Kategorie Frevel, Perversion und bewusste Körperverletzung, wie das Anzüchten kurzer Beine beim Schäferhund (führt zu Hüftdysplasie), das kupieren von Ohren und Schwänzen usw. Ich gehe mal davon aus, dass auch viele Hunderassen mit den perversen Züchtungen ein kürzeres Leben haben. Diese Eingriffe in die Natur und auch in die Lebensqualität von Tieren sind ein Verbrechen.
    Ich würde diesen Züchtern nur wünschen, dass bei ihnen das gleiche gemacht würde.
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    Es ist absolut pervers, wenn ein Schäferhund kein Weiß haben darf und damit zum „Ausschuss“ erklärt wird. Für Rex führte das nach dem Aussetzen in einem Karton und anonymer Abgabe im Tierheim doch noch zu einem Happy End, weil er bei dir und Babette ein liebevolles Zuhause fand, es hätte ihm nicht besser ergehen können. Es erfüllt schon mit Wehmut Rex auf dem Bild zu sehen. Aber wie viele Schäferhunde mit den gleichen Eigenschaften der weißen Farbe an den Füßen oder sonst wo erleiden leider ein anderes Schicksal…

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    Gruß Hubert

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