Archiv für 1. Juni 2016

Nach diesen Regeln arbeiten Journalisten   1 comment

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Finde ich recht interessant welche Regeln es da im Journalismus gibt.

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AfD-Vize Gauland beklagt die Arbeitsweise der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Doch haben die Redakteure – wie von ihm behauptet – gegen Regeln der Berichterstattung verstoßen? Eine Übersicht, was im politischen Journalismus üblich ist.

Nachdem die Kritik an seinen vermeintlichen Äußerungen über Fußballnationalspieler Jérôme Boateng nicht abreißen wollte, knöpfte sich AfD-Vize Alexander Gauland die Journalisten vor, die ihm den ganzen Schlamassel nach seiner Darstellung mutmaßlich eingebrockt haben. Er habe in der vorigen Woche ein „als vertraulich klassifiziertes Hintergrundgespräch“ mit den beiden Redakteuren geführt, schrieb Gauland in einer Rundmail an seine Parteifreunde.

Dass bei diesem Gespräch auch der Satz über Boateng gefallen sein könne, wollte Gauland nicht ausschließen. Er habe dem jedoch keine Bedeutung beigemessen, da das Gespräch „nicht zur Veröffentlichung bestimmt war“, schreibt er. Die Journalisten hätten sich jedoch „leider nicht an die Abmachungen gehalten, mir aber auch nicht irgendwelche Zitate zur Autorisierung vorgelegt“, klagt Gauland weiter. Haben die Redakteure der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“) also unsauber gearbeitet?

Kein Rechtsanspruch

Die Autorisierung von Zitaten ist im Hauptstadtjournalismus zu einer gängigen, wenngleich umstrittenen Praxis geworden. Zahlreiche Gesprächspartner bestehen mittlerweile darauf, wörtliche Zitate vorgelegt zu bekommen, bevor sie veröffentlicht werden. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht, es hat sich über die Jahre jedoch zu so etwas wie einem Gewohnheitsrecht entwickelt, auf das viele Politiker nicht mehr verzichten wollen.

Das gilt jedoch nicht für alle. Es gibt immer noch Gesprächspartner, die auf eine Autorisierung verzichten. Dies soll auch im Fall Gauland so gewesen sein, schreibt die „FAS“ in einer Stellungnahme: „Wie in früheren Gesprächen auch bestand Herr Gauland nicht auf einer Autorisierung von Zitaten. Herr Gauland stufte nur den Teil des Gesprächs, in dem er sich über AfD-Führungspolitiker äußerte, als Hintergrund ein und bat, daraus nicht zu zitieren. Daran hat sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gehalten“, heißt es.

„Lieber verzichten“

Laut Deutschem Journalistenverband (DJV) ist der „FAS“ damit nichts vorzuwerfen: „Wenn vor Beginn eines Interviews keine Autorisierung vereinbart wurde, heißt die Regel: Es gilt das gesprochene Wort. Das müsste Alexander Gauland wissen, denn er war über ein Jahrzehnt lang Mitherausgeber einer Zeitung, kennt also die Spielregeln im Journalismus genauso gut wie die Journalisten der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung““, so Frank Überall, Vorsitzender des DJV, zu tagesschau.de.

Wie viele andere Journalisten sieht Überall die gängige Autorisierungspraxis kritisch. Die meisten Politiker, Prominenten und Unternehmenschefs versuchten ihre Aussagen im Nachhinein zu glätten und zu beschönigen. „In solchen Fällen sollten Journalisten auf das Interview lieber verzichten. Denn das ist dann mehr Werbebotschaft als kritische Information.“

Mit dieser Meinung steht der DJV-Vorsitzende nicht allein da. Auch laut Pressekodex ist ein Interview dann journalistisch korrekt, „wenn es das Gesagte richtig wiedergibt“, heißt es in den Richtlinien des Presserats. Eine Pflicht zur Autorisierung nennt der Pressekodex nicht. Auch in anderen Ländern wird die deutsche Autorisierungspraxis eher skeptisch beäugt. So verbot beispielsweise die damalige Chefredakteurin der „New York Times“ im Jahr 2012 ihren Mitarbeiter explizit, Interviewpartnern Zitate noch einmal zur Freigabe vorzulegen.

Vertraulichkeit muss gewahrt bleiben

Doch was ist mit dem Vorwurf, die „FAS“ hätte aus einem als „vertraulich klassifiziertem“ Gespräch zitiert? Auch hier gibt es keine festen Regeln. Allerdings hat sich im politischen Berlin die Klassifizierung von Informationen in drei Kategorien eingebürgert: unter 1, unter 2 und unter 3. Sie orientieren sich an der Satzung der Bundespressekonferenz, eines Vereins, in dem zahlreiche Hauptstadtjournalisten organisiert sind und der regelmäßig hochrangige Gesprächspartner und die Sprecher der Ministerien einlädt.

„Die Mitteilungen auf den Pressekonferenzen erfolgen: unter 1. zu beliebiger Verwendung oder unter 2. zur Verwertung ohne Quelle und ohne Nennung des Auskunftsgebenden oder unter 3. Vertraulich“, heißt es in Paragraph 16 der Satzung der Bundespressekonferenz.

In der Praxis bedeutet unter 1, dass Mitteilungen und Zitate unter voller Nennung der Quelle verwendet werden dürfen. Unter 2 dürfen zwar die Informationen genannt werden, die Quelle bleibt aber anonym. Hier kommen die berüchtigten „gutinformierten Kreise“ ins Spiel. Gespräche, die unter 3 geführt werden, sind nur für den Hinterkopf. Sie dürfen in der Berichterstattung nicht zitiert werden.. „Vertrauliche Informationen helfen uns, Zusammenhänge besser zu verstehen“, so Gregor Mayntz, Vorsitzender der Bundespressekonferenz zu tagesschau.de.

Die Praxis hat auch für die Befragten Vorteile: „Spitzenpolitiker können ihr Handeln besser erklären, wenn sie darauf vertrauen können, dass nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird“, sagt Gerd Depenbrock zu tagesschau.de. Der ehemalige Hörfunkkorrespondent ist Vorsitzender des Deutschen Presseclubs, eines Journalisten-Vereins, der monatlich zwei- bis dreimal Hintergrundgespräche veranstaltet. Mitglieder, die sich nicht an die vereinbarte Vertraulichkeit halten, droht der Ausschluss aus dem Club. Gleiches gilt für die Bundespressekonferenz. „Wir achten natürlich darauf, dass unsere Regeln eingehalten werden“, sagt Gregor Mayntz.

„Bruch aller Regeln“?

Die „FAS“ betont im Fall Gauland jedoch, dass es sich nicht um ein Hintergrundgespräch, sondern um ein „klassisches Informationsgespräch“ gehandelt habe. „Wir haben also notiert und wir haben übrigens auch aufgehört mit unseren Notizen in dem Moment, wo Herr Gauland gesagt hat, was er jetzt sage, das sei nicht mehr zum Schreiben“, so Eckart Lohse, einer der Autoren des Artikels, in dem das Gauland-Zitat erschien.

Der AfD-Vize schreibt in seiner Nachricht hingegen vom „Bruch aller Regeln“, durch den der Partei ein Schaden entstanden sei. Er kündigte rechtliche Schritte gegen die „FAS“ an, um eine Unterlassungserklärung der Zeitung zu erwirken.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Nach diesen Regeln arbeiten Journalisten

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 1. Juni 2016 von hubert wenzl in Medien, Politik, Uncategorized

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Mir sind die Tiere lieber als die Menschen   Leave a comment

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Ich kann da  nur den Argumenten von Helmut F. Kaplan zustimmen.

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Helmut F. Kaplan

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Bei vielen Berufen gibt es Dinge, die man auf keinen Fall sagen darf, Aussagen, mit denen man sich quasi das eigene Grab schaufelt. Etwa, wenn ein Poltiker sagt, daß er seine Wähler für Idioten hält oder ein Arzt bekennt, daß ihm die Gesundheit seiner Patienten egal ist. Beim „Beruf“ Tierschützer oder Tierrechtler besteht diese „Todsünde“ im Bekenntnis: Mir sind die Tiere lieber als die Menschen. Im folgenden möchte ich zeigen, daß diese Aussage durchaus sachlich berechtigt sein kann – ganz abgesehen davon, daß jeder, sollte man meinen, sympathisch finden darf, wen er will.

Die übliche allgemeine und automatische Empörung über die Aussage, daß einem Tiere lieber als Menschen seien, ist sachlich schon deshalb unsinnig, weil es ja durchaus so sein könnte, daß der „Bekanntenkreis“ des Betreffenden eben aus „besonders sympathischen Tieren“ und „besonders unsympathischen Menschen“ besteht – kein Mensch kennt schließlich alle Tiere und alle Menschen. Freilich hat die hysterische allgemeine Empörung über jemandes Aussage, ihm seien die Tiere lieber als die Menschen, schon ihre Berechtigung.

Es wird nämlich als ganz selbstverständlich unterstellt, daß JEDER MENSCH moralisch wertvoller sei als JEDES TIER, daß auch der „schlechteste Mensch“ noch viel wertvoller sei als das „beste Tier“.

Nun sollte es bei so starken Behauptungen schon erlaubt sein, nach Gründen zu fragen. Wer dies allerdings hier tut, wird feststellen, daß man Begründungen in dieser Frage nicht nur für unnötig hält, sondern schon das bloße Fragen nach Gründen als quasi unsittlich betrachtet. Mehr noch: Nach Gründen für die menschliche Höherwertigkeit zu fragen, wird geradezu als gefährlicher Angriff auf die Gesellschaft angesehen – oder als Zeichen völliger geistiger Verwirrtheit.

Läßt man sich gnadenhalber und widerwillig dann doch zu Begründungen herbei, bestehen diese meist aus Verweisen auf dubiose Glaubenssätze wie etwa die von der Gottesebenbildlichkeit oder unsterblichen Seele des Menschen. Daß SOLCHE Begründungen außerhalb kirchlicher Räume in pluralistischen, säkularen Gesellschaften kein Gewicht haben, sollte nicht weiter erläutert werden müssen.

Betrachten wir schließlich mögliche faktische Gründe für die allgemeine moralische Höherwertigkeit des Menschen, kommen wir rasch zum Ergebnis: Es gibt keine. Denn kein Merkmal, das von irgendjemandem als moralisch relevant angesehen wird – etwa Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Rationalität oder Autonomie -, verläuft entlang der Speziesgrenze Menschen – Tiere. Mehr noch: Bei vielen Menschen sind diese Merkmale SCHWÄCHER ausgeprägt als bei vielen Tieren, viele geistig behinderte oder senile Menschen und alle kleinen Kinder befinden sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau als viele Tiere.

Abgesehen davon, daß man, wie gesagt, eigentlich lieber mögen dürfen sollte, wen man will und warum man will, kann es also durchaus auch sachliche, „objektive“ Gründe für das Liebermögen von Tieren geben. Etwa, wenn man einen intelligenten, unternehmungslustigen, treuen Hund lieber mag als einen völlig apathischen vor sich hindämmernden Senilen.

Schließlich werden selbst eingefleischte Menschen-Fans einräumen, daß es auch viele üble Vertreter ihrer Spezies gibt. Ganz abgesehen von Hitler, Stalin & Co kennt jeder aus eigener Erfahrung Zeitgenossen, die er weniger mag – und bei denen es dafür gute Gründe gibt. Müssen uns wirklich alle Egoisten, Lügner, Verräter und Verbrecher lieber sein als jedes Tier?

„Aber Menschen sind moralfähig, sie können zwischen Gut und Böse unterscheiden!“ Erstens ist auch die Moralfähigkeit kein Merkmal, daß nur bei Menschen (geschweige denn bei allen) und bei keinen Tieren anzutreffen wäre. Zweitens gibt es Menschen, bei denen die Moralfähigkeit weniger ausgeprägt ist als bei manchen Tieren. Und drittens ist die bloße Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, ja noch kein Verdienst. Verdient macht sich jemand erst, wenn er diese Fähigkeit auch positiv nützt, sprich: sich für das Gute entscheidet. Andererseits beinhaltet die Moralfähigkeit die Gefahr, moralisch zu scheitern, sprich: sich für das Böse zu entscheiden.

Nun ist es wohl nicht völlig unsinnig oder unverständlich, wenn einem jemand, der sich jenseits der Kategorien Gut und Böse befindet, lieber ist als jemand, der zwischen Gut und Böse wählen kann, sich aber für das Böse entscheidet. Daß letzteres beim Menschen keine Seltenheit ist, wird niemand bei Sinnen bezweifeln.

© Helmut F. Kaplan

Mir sind die Tiere lieber als die Menschen

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Gruß Hubert