Archiv für 26. Juni 2016

Was heißt „stukturell antisemitisch“?   Leave a comment

.

Antisemitismus ist ja weit verbreitet, wie überhaupt immer große Vorbehalte bei der Bevölkerung gegen alles Andersartige vorherrschen. Eine maßgebende Grundlage des Antisemitismus ist aber im Christentum angelegt. Die Juden waren Christusmörder, obwohl ja damals die Römer in Israel herrschten, und sie Jesus zum Tode auf dem Kreuz verurteilten.

„Wann dieser rassistische Antisemitismus entstand, ob er qualitativ neu war oder nur den Jahrhunderte alten Judenhass mit neuen Scheinbegründungen fortsetzte, ist in der Forschung umstritten. Unumstritten ist die Verbreitung, Dauer und Wandlungsfähigkeit des Phänomens: In ganz Europa und außereuropäischen Staaten gab und gibt es antisemitische Tendenzen.

Zunächst im zaristischen Russland, seit 1879 und verstärkt seit 1918 auch in Deutschland und Österreich suchten Antisemiten eine „Lösung der Judenfrage“. Dazu gründeten sie neue politische Parteien, deren Programme bereits die Vertreibung, teilweise sogar Ausrottung der europäischen Juden forderten. Die Vernichtungsfantasien wurden in der antisemitischen Literatur als „Unschädlichmachung“, „Entjudung“, „Entfernung“, „Ausmerzung“, „Beseitigung“ umschrieben. Andere brachten antisemitische Forderungen in bestehende staatstragende Parteien ein. Sie verfolgten neben der Ausgrenzung der Juden verschiedene antiaufklärerische, antidemokratische, antikapitalistische und antisozialistische Ziele, führten aber auch religiös begründete antijüdische Motive fort.

An diese Tradition konnte später der Nationalsozialismus anknüpfen. In dessen Weltanschauung war der rassistische Antisemitismus zentral. Er lieferte seit 1933 die Begründung aller judenfeindlichen Maßnahmen, die zuletzt im Holocaust gipfelten.“

[…]
„Der Antisemitismus ist eine mit Nationalismus, Sozialdarwinismus und Rassismus begründete Judenfeindlichkeit, die seit etwa 1800 in Europa auftritt. Für den Nationalsozialismus war der Rassenantisemitismus zentral und führte im vom Deutschen Reich besetzten Europa bis 1945 zum Holocaust.

Zu seinen Voraussetzungen gehören der Antijudaismus in der Christentumsgeschichte, zu seinen Wirkungen der Antisemitismus nach 1945. Dieser ist zwar keine gesamtstaatliche Ideologie mehr, aber seine Stereotype und Vorurteilsstrukturen bestehen in vielen Ländern und vielfältiger Form fort. Die internationale Antisemitismusforschung widmet sich seit 1945 der Erklärung des Phänomens.“
Quelle: Wikipedia  https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_(bis_1945)
.

Hier aber nun zum „strukturellen Antisemitismus“, so wie ihn http://martinm.twoday.net erklärt.

„Aus mehr oder weniger aktuellem Anlass schreibe ich ein wenig zum im bestimmten Kreisen viel verwendeten – und oft falsch verwendeten Begriff „struktureller Antisemitismus“. Tatsächlich habe ich mich aus schon dabei ertappt, den Begriff falsch verwendet zu haben.

Also: „struktureller Antisemitismus“ ist etwas anderes als „latenter“, „verdeckter“, „heimlicher“ oder „getarnter“ Antisemitismus. „Strukturell antisemitisch“ heißt: einer bestimmten Anschauung oder Handlungsweise liegt eine gedankliche Struktur zugrunde, die dem Antisemitismus entspricht.

Verwirrt? Macht nichts, steigen wir mit einem einfacheren Beispiel ein. Dem „strukturellen Rassismus.

Rassismus geht davon aus, dass die „eigene Rasse“ in irgendeiner Weise „hochwertiger“ sei als andere „Rassen“.
Strukturell rassistisch ist es, zwar auf den Begriff der rassischen Überlegenheit zu verzichten, aber troztdem die aus dem Rassismus bekannte Denkstruktur zu verwenden. Deutsche sind für einen „strukturellen Rassisten“ nicht deshalb „Kanakern“ überlegen, weil die „Kanaker“ keine Weißen (Europäer, „Arier“) sind, sondern weil die „Kanaker“ nun mal aus einer „primitiven (mittelalterlichen, religiös fanatisierten, nomadischen, streng patriarchalischen, zerrütteten usw. ) Kultur“ stammen und deshalb keine vollwertigen Mitmenschen sein können. (Für „Kanaker“ kann eine beliebige Einwanderergruppe oder Minderheit eingesetzt werden.)
Diese Form des „struktuellen Rassismus“ kann man auch „Kulturalismus“ nennen, wenn man Wert auf passend beschriftete Schubladen legt.
Anderes Beispiel: die Pseudowissenschaft „Metagenetik“ (in der von McNallen begründeten Form) entspricht in ihrer Struktur der älteren „Blut und Boden“-Lehre, verwendet aber ein modernes und auf den ersten Blick wissenschaftlich-neutrales Vokabular. Weil ein „Metagenetiker“ aber in exakt den selben Bahnen argumentiert wie ein „Blut und Boden“-Theoretiker, und weil die Lehre von „Blut und Boden“ eindeutig rassistisch ist, kann man mit Fug und Recht die „Metagenetik“ als strukturell rassistisch bezeichnen. Zugleich ist sie ein Beispiel für „verdeckten Rassismus“.

Der Antisemitismus teilt Merkmale des Rassismus, ist aber ein Sonderfall: Kein Antisemit würde auf die Idee kommen, etwa Juden nach dem üblichen rassistischen Muster als faul oder dumm zu bezeichnen. Tatsächlich trauten Antisemiten wie Wilhelm Marr, Jörg Lanz „von Liebenfels“ und sogar Adolf Hitler „den Juden“ einige geradezu „übermenschliche“ Fähigkeiten zu. Stattdessen gelten Juden dem Antisemiten als zwar schlau, intelligent, geduldig, sogar gebildet usw. – aber dabei immer auch als feige und hinterhältig, als gierig und verlogen.
Allesamt Attribute, die für den Antisemiten klar machen, dass Juden typischerweise eher im Hintergrund die Fäden ziehen und davor zurückschrecken, sich selber die Finger schmutzig machen.
Eine für Demagogen sehr praktische Methode. Denn dies ermöglicht es beliebige Fehlschläge darauf zu schieben, dass die Juden die Sache heimlich sabotiert hätten. So geschehen z. B. nach dem für Deutschland verlorenem ersten Weltkrieg. „Die Roten“ hätten an „der Heimatfront“ Verrat an den heldenhaft kämpfenden deutschen Soldaten geübt, ihnen „den Dolch in den Rücken gestoßen“. Und weil die „Roten“ nun mal verhetzte, aber im Grunde gutwillige „deutsche Arbeiter“ waren, müssen die wahren Drahtzieher der schändlichen Niederlage „die Juden“ gewesen sein – man weiß ja, denen kann man alles zutrauen …
Bei der Weltwirtschaftskrise wiederholte sich das üble Spiel, und für die Nazis waren die Juden an allem, aber wirklich allem Schuld, was einem aufrechten Nazi nicht in den Kram passte.

Nun ist diese Methode durchaus auch ohne Juden möglich. Das Großunternehmen XY-AG geht also nicht deswegen in den Konkurs – und einige tausend Arbeitsplätze flöten – weil die Konkurrenz am Markt einfach besser wäre, oder die Unternehmensleitung schwere Fehler gemacht hätte, oder die Rahmenbedingungen nicht günstig waren – oder, was auch vorkommt, ein Konkurrent schlicht weniger Skrupel z. B. bei Betriebverlagerungen in Billiglohnländer gehabt hätte usw. – oder, meistens, viele dieser Faktoren zusammen – sondern deswegen, weil eine kleine Handvoll gieriger Manager oder skrupelloser Investment-„Heuschrecken“ (gern Ausländer, gern in New York, London, Hongkong oder Singapur sitzend) sich bereichern wollten.
Die Vorstellung, dass ein „kerngesundes Unternehmen“ durch die „Machenschaften“ fieser „Drahtzieher“ mutwillig „gegen die Wand gefahren“ wird, damit sich ein paar „kriminelle Manager“ oder „geldgeile Heuschrecken“ bereichern können, entspricht in ihrer „Erzählstruktur“ einer klassischen antisemitischen Verschwörungstheorie. Das macht das Ganze „strukturell antisemitisch“ – auch wenn niemand „die Abzocker“ oder „die Heuschrecken“ für Juden hält oder absichtlich mit „den Juden“ gleichsetzt.

Wenn man z. B. der NPD „strukturellen Antisemitismus“ nachsagt, ist das falsch – weil die NPDler typischerweise „echte“ Antisemiten sind, die ihre Gesinnung aber mehr oder weniger geschickt tarnen. (Aber die NDP hat, um die Verwirrung komplett zu machen, sehr wohl „antisemitische Strukturen“ – z. B. internes antisemitisches Schulungsmaterial, ihre Propaganda enthält antisemitische Deutungsmuster für Krisen, ihre Funktionäre haben haufenweise antisemitische Vorurteile und Klischees und verbreiten diese usw. usw. .)

Daher ist es auch kein Grund zur Empörung, wenn demographische Studien z. B. ergeben, rund 40 % aller Deutschen hätten ein „strukturell antisemitisches Weltbild“. Viele der Befragten haben keine oder nur wenige antijüdische Vorurteile – aber sie denken z. B. in den Bahnen ursprünglich antisemitischer Verschwörungstheorien.

Antizionisten können sowohl strukturelle wie uneingestandene Antisemiten sein – im ersten Falle wird die Rolle, die traditionell „den Juden“ zugeschrieben wird, einfach auf eine Untergruppe der Juden, eben die Zionisten, beschränkt. Im zweiten Falle ist der „Antizionist“ einfach ein Antisemit, der sich nicht gerne Antisemit nennen lässt.

Und wer das mit der Struktur kapiert hat, der begreift auch, wieso ich manche Antifas für „strukturell faschistoid“ halte.

.

Was heißt „stukturell antisemitisch“?

.

Gruß Hubert

 

Tierrechte – Säuberung von politischer Ideologie   Leave a comment

.

In vielen Dingen bin ich mit Ulrich Dittmann einer Meinung, wenn mir auch der Begriff vom Gutmenschentum nicht gefällt. Dieser wird ja gerne aus der rechte Ecke in der Intention verwendet, um weniger „Hartgesottene“ abzuwerten und lächerlich zu machen. Allgemein scheint mir Dittmann schon ein wenig rechtslastig zu sein. Aber mir geht es um die Tiere und da zählt für mich, wer versucht die Sache zum Guten der Tiere weiterzubringen. Wenn linke Grüppchen versuchen einen Tierrechtsethiker wie Dr. Helmut Kaplan zum Feindbild erklären, dann kann ich diese nur scharf verurteilen.

Hier ein Artikel von Ulrich Dittmann bei Fellbeisser.net

 .
Bildquellenangabe: Jürgen Nießen / pixelio.de
.

Ernsthafte Tierfreunde werden beständig von vielerlei Tierschutzzeitungen, Magazinen, Mitgliederbroschüren, oder mit Internetinformationen flächendeckend schlicht überrollt.
Die – ihrem Herzensbedürfnis folgend – ohnehin umfassend informierten Tierfreunde lesen so vielfach immer die gleichen bekannten Beiträge von immer den gleichen bekannten Autoren über die immer gleichen schrecklichen Tierschindereien. Andere Bevölkerungsteile hingegen erhalten kaum gezielt nachhaltige Informationen über all das Tierelend.

Doch ALLE Menschen, ob gut oder böse, dumm oder gescheit, atheistisch oder religiös, dem christlichen, buddhistischen, islamischen oder mosaischen Glauben zugehörig, politisch links oder rechts stehend, haben Anspruch, über alle Tierquälereien aufgeklärt zu werden – MÜSSEN im Sinne der Sache aufgeklärt werden. Beispielsweise über perverse sinnlose Tierexperimente, das Verkrüppeln der Wildtiere in Fallen und bei der Jagd, über die Qualen der Tiere in den KZ-Massentierhaltungen (Lt. OLG Düsseldorf RdL 1977, 42 f. – rechtmäßige Titulierung für Tierhaltung in Engstkäfigen) bei Transport und Schlachtung, oder über die Schinderei des betäubungslosen Schächtens, usf.

Oder nicht? Darf nur eine ganz bestimmte auserwählte Bevölkerungsschicht, eine gewisse ethische oder geistige Elite – resp. die, die sich dafür hält – in Tierschutzdingen informieren oder Informationsbegehren beanspruchen? Darf nur eine “politisch-korrekte” Medien-Phalanx Information betreiben oder Kritik üben? Und dies auch nur in ganz bestimmten auserwählten Druckorganen oder Internetplattformen?
Niemand hat die Weisheit gepachtet, doch dieses Monopol wird leider besonders gerne vom links positionierten intellektuellen Möchte-gern-Gutmenschentum beansprucht.

Aber es besteht kein Anlass, nur einigen Auserwählten, in auserwählten Medien eine ausgewählte Informationsgebung, oder Wehklage-Erlaubnis zuzubilligen. Das heißt, es ist richtig und wichtig, gerade dort in der Öffentlichkeit Tierschutzthemen zu platzieren, wo bisher solche Tierschutz-Themen weitgehend negiert wurden. Konkret: Es darf keine Berührungsängste geben, beispielsweise (auch) in Fleischerzeitungen, Jagdmagazinen, Pharmazeitschriften etc. oder linken und rechten Presseorganen und Partei-Infoblättern, in verschiedensten Internetforen unser Anliegen “den Tierschutz – die Tierrechte” immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

(Anmerkung: da muss ich U. Dittmann widersprechen. Was soll der Unsinn den Kontakt mit Tierschutzthemen auch bei „Fleischerzeitungen“ und Jagdmagazinen oder auch Pharmazeitschriften zu suchen. Die sind nicht einsichts-fähig und auch nicht -willig. Da kann ich nur den Kopf schütteln).

Ernsthaft betriebener Tierschutz orientiert sich grundsätzlich weder an “links” noch an “rechts” – sondern am Geradeaus.
Und nur wo man sich politisch und gesellschaftlich offen und frei artikulieren und positionieren kann, kann man auch von Demokratie sprechen. Wo jedoch eine omnipräsente Meinungsdiktatur inflationär die Political-Correctness-Zuchtrute schwingt, ist man von diesem Ideal weit entfernt.
Wenn es eine “Mitte” gibt, gibt es zwangsläufig auch ein “links” und “rechts” – und keine politische Einstellung muss per se gut oder schlecht sein. Wer weit rechts steht, für den ist bereits die CDU ein “linker Haufen”. Umgekehrt sieht mancher Linksextreme bereits die SPD im Sumpf des Rechtsradikalismus versinken. Der Standpunkt macht eben die Sichtweise aus – und zersplittert tragischerweise die ohnehin schwache Tierschutzbewegung noch mehr.
Selbstredend ist Distanzierung von jeglichen extremistischen, gewalttätigen Gruppierungen unabdingbar – denn für die Opfer ist es gewiss nebenrangig, ob ihnen von linken, rechten oder religiösen Radikalen und Fanatikern und dem in ihrem Dunstkreis marodierenden Pöbel die Zähne eingeschlagen werden. Siehe z.B. die alljährlich stattfindenden, mittlerweile “rituellen” 1.Mai-Kravalle der sogenannten “autonomen” Linken – mit vielen Verletzten – in Berlin.

Grotesk und schlicht Schnappatmung erzeugend das Verhalten auch linker Grüppchen von gewalttätigen Meinungsterroristen, die unter dem Deckmäntelchen, angeblich „Tierrechte“ zu verteidigen, selbst einen Tierrechtsethiker wie Dr. Helmut Kaplan zum Feindbild erklären und versuchen, ihn randalierend zu hindern, eine Rede zu halten. Siehe traurige Vorkommnisse am 14. Mai 2011 beim Aktionstag „Deine Stimme den Stimmlosen“ in Köln. Wirrer und schizophrener geht es wirklich nicht mehr: Vorgebliche „Tierrechtler“ greifen ernsthafte Tierschützer mit Hasstiraden an! Die Tiernutzerindustrie ist gewisslich sehr erfreut über eine solche Schützenhilfe. Oder man terrorisiert förmlich mit irrsinnigen, oft gewalttätigen Aktionen die Urchristengemeinde des Universellen Lebens, die basierend auf christlicher Grundlage allumfassende Nächstenliebe und Mitgeschöpflichkeit im Sinne Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor ALLEM Leben“ nicht nur propagiert, sondern praktisch vorlebt – analog den Glaubensgemeinschaften der Jaina und Bishnoi in Indien. Letztere werden auch von Tierrechtlern in Deutschland hochverehrt, während man erstgenannte seltsamerweise ketzerisch diffamiert. Gnadenlose Dummheit ist in manchen Kreisen offenbar in solchem Übermaß vorhanden, dass man sehr freigiebig damit umgeht – und damit der gesamten Tierrechtsbewegung unendlichen Schaden zufügt.

Seinen Glauben frei ausleben zu können, nennt man Religionsfreiheit. Doch dieses Grundrecht findet seine Grenzen immer an der Nasenspitze des Gegenübers und dessen religiös-kultureller Vorstellung – die in Westeuropa auf einem Ethik-Verständnis basiert, das dem Mitgeschöpf Tier nicht vorsätzlich und bewusst eine vermeidbare Qual auferlegt werden darf.

Der Begriff “Tierfreund” beinhaltet unmissverständlich ein “Freund des Tieres“ zu sein. Und Freunde verteidigt man nach besten Kräften.
Wichtig so, bei einem tabuisierten Bereich des Tierschutzes, dem betäubungslosen Schächten, auch Klartext zu reden: Hier weicht Toleranz und Gleichgütigkeit der Öffentlichkeit “… es sind ja nur Tiere”, häufig erst dann einem empörten Gejaule, wenn orientalische Polit-Terroristen nicht mehr Schafen und Rindern, sondern westlichen Geiseln die Kehle durchschneiden. Wenngleich diese Erkenntnis in den Gehirnwindungen unserer politischen Entscheidungsträger noch keinen Einzug gehalten hat – sind Tiere doch gleichermaßen leidensfähig wie Menschen.
So (Schächt-)Juden und (Schächt-)Muslime, die entgegen dem regulären Tierschutzgesetz und entgegen hier geltenden Normen, vorsätzlich Tiere qualvoll betäubungslos abmetzeln, nicht gerade mit Sympathie überschüttet werden – müssen diese Bevölkerungsgruppen das auch aushalten. Zu durchsichtig, wenn dann von diesen (mangels stichhaltiger Argumente) entrüstet – auf schlicht inflationäre Art und Weise – wieder mal die Ausländerfeindlichkeits- oder Antisemitismuskeule hervorgekramt wird.
Von Tierschutzseite muss der Zuzug von Bevölkerungsgruppen zwangsläufig sehr skeptisch gesehen werden, die eine hier bislang unbekannte Tierquälerei im Gepäck tragen – wie betäubungsloses Schächten. Und man braucht wegen dieser Einstellung auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Mit übelsten Tierqualpraktiken (Massentierhaltung, Tierversuche etc.) sind wir in Deutschland, Österreich und Schweiz wahrlich zur Genüge geschlagen. Es wäre aus Tierschutzsicht schlicht schizophren, Menschen, die weitere zusätzliche Varianten von Tier-Qualzufügungen nach hier einschleppen und praktizieren, freudig zu begrüßen.

Wenn aus Fleischesgier die “Dornenkrone der Schöpfung” Tiere schon abmurkst, so muss dies zumindest möglichst rasch und qualmindernd vonstatten gehen – analog ein Mensch gewisslich den Tod durch eine “gnädige” Kugel dem Tod durch langsame Folter vorzieht. (Auf die kleine, aber eindringliche Geschichte aus dem letzten Weltkrieg – siehe unten – wird in diesem Zusammenhang hingewiesen.)

Solange wir die Fesseln der Tiersklaven nicht lösen können, müssen wir zumindest pragmatisch versuchen, die Ketten zu lockern. Keinesfalls reicht es, lediglich edle maximale Gesinnungsethik wie eine Fahne mit der Aufschrift „Ich bin vegan und gegen jegliches Töten“ vor sich her zu tragen, sondern es gilt mit praktischer Handlungsethik in die Niederungen des Alltagsgeschehens hinabzusteigen und zunächst alle Qualverminderungsmöglichkeiten auszunutzen – ohne natürlich je das Ziel, die Tiere von allen Fesseln zu befreien, aus den Augen zu verlieren. “…Der praktische Tierschützer muss immer wieder auf Kompromisse eingehen, weil der Alles-oder-Nichts-Grundsatz besonders im Tierschutz immer nur zum ‘Nichts’ und niemals zum ‘Alles’ führt.“ (Gotthard M. Teutsch: Mensch und Tier. Lexikon der Tierschutzethik)

Gelebte Demokratie heißt auch im Tierschutz, sich emanzipiert zu positionieren, mit offen artikulierter Meinungsäußerung – und das in allen Medien. Selbsternannte Moralwächter aller Couleur sollten sich in diesem Zusammenhang endlich den ideologischen Schaum vom Mund abwischen.
Wer das als erklärter “Tierschützer” oder “Tierrechtler” oder als Tierschutzorganisation nicht so sieht, wer hier herumnörgelt, exzessiv Gesinnungsselbstbefriedigung zelebriert, hat nicht verstanden (oder WILL nicht verstehen), dass es hier nicht um Vorlieben und Vorstellungen persönlicher, religiöser, weltanschaulicher oder politischer Vorstellungen und Phantasien geht – sondern um Publikmachung, Geltungmachung und praxisorientierte Durchsetzung von elementaren Tierrechten. Nur gemeinsam und bei Hintenanstellung eigensüchtiger persönlicher Interessen werden wir hier vorankommen.

V.i.S.d.P.: Ulrich Dittmann / 10.06.2011

Siehe auch Glosse “Mit Tierbefreiern unterwegs – oder die Geschichte von “Michi” dem Käfighuhn” (Internet:
www.fellbeisser.net/authors/mi…).

~~~~~~~~~~~~

Von der Gnade und Barmherzigkeit eines raschen Todes

Zweiter Weltkrieg: In der Weite der russischen Wälder hatte eine größere Partisanengruppe eine kleine Anzahl deutscher Soldaten gefangengenommen. Diese mussten sich ausziehen, man band ihnen Steine an die Geschlechtsteile und schoss auf ihre Beine, um so die verhassten Deutschen noch zum “tanzen” zu zwingen, bevor man sie liquidierte.
Ein zufällig vorbeikommender Aufklärungstrupp der regulären sowjetischen Armee wurde auf die Geschehnisse aufmerksam. Der befehligende Offizier griff ein, rügte mit scharfen Worten das menschenverachtende Verhalten der Partisanen und stellte sich mit seinem Körper schützend vor die geschundenen Deutschen, um sie in die Gefangenschaft zu überführen.
Doch die durch Alkohol enthemmten Partisanen wollten sich ihren “Spaß” nicht nehmen lassen und drohten auch ihm Gewalt an, so er sie bei ihrem Tun hindern wolle. Mit seinen nur wenigen Männern an der Seite, sah der russische Offizier keine Möglichkeit, sich gegen den zahlenmäßig übermächtigen Partisanentrupp durchzusetzen und die Deutschen vor weiteren Folterungen zu bewahren oder gar ihr Leben zu retten.
Als Konsequenz aus diesem furchtbaren Dilemma sah der Offizier nur eine Lösung: Mit gezielten Kopfschüssen tötete er die deutschen Soldaten, bewahrte sie so vor einem schrecklichen, qualvollen Martyrium – gewährte ihnen die Gnade eines schnellen barmherzigen Todes in einer auswegslosen Situation.

Quelle: Gedächtnisprotokoll einer Radiodokumentation, Ausstrahlung Anfang der 1970er Jahre – U. Dittmann / 10.06.2011

.

Tierrechte – Säuberung von politischer Ideologie

.

Gruß Hubert