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Erdogans Machthunger ist noch lange nicht gestillt. Es hätte ihm nichts besseres als der fehlgeschlagene Militärputsch passieren können. Ich habe starke Zweifel ob eine Militärdiktatur schlimmer gewesen wäre als die Diktatur von Erdogan. Biden, der gestern (24.08.) in der Türkei war, lehnt Kurdenstaat in Syrien ab. Ist ja klar, die geostrategischen Interessen sind wichtiger, als dem türkischen Sultan zu widersprechen.

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Der „Neuen Türkei“ ein Stück näherAllmacht ist für Erdogan nur der Anfang

Von Issio Ehrich

Der gescheiterte Putsch ist für den türkischen Präsidenten ein Segen. Erdogan nutzt den Aufstand auch für eine neue historische Erzählung, in der Atatürk, der Vater der modernen Türkei, keinen Platz mehr hat.

Recep Tayyip Erdogan weiß um die Macht von Symbolen. Und seitdem es dem türkischen Präsidenten gelungen ist, einen Staatsstreich von Teilen des Militärs abzuwenden, setzt er sie mit noch höherer Frequenz ein. Zu allererst sind die allabendlichen Massenkundgebungen in Istanbul und Ankara zu nennen, die „Demokratie-Wachen“, zu denen Erdogan aufgerufen hat. Der Präsident lässt zudem die Namen von Brücken, Straßen und Plätzen ändern. Sie werden den Menschen gewidmet, die ihr Leben verloren haben, als sie sich den Panzern der Putschisten in den Weg stellten. Den 15. Juli, den Tag des Aufstands, hat er zum Feiertag erklärt. Bis zum ersten Jahrestag dürften dann auch schon diverse Statuen und Gedenkstätten stehen.

Erdogan versucht, diese Zeichen unwiderruflich zu setzen, er lässt sie in Stein meißeln und in Stahl gießen, um eine Erzählung für die Geschichtsbücher zu etablieren, eine Erzählung von der Geburt einer neuen Nation.

Wer glaubt, dass es Erdogan dabei allein darum geht, seine Befugnisse als Präsident auszubauen, um vollends ungestört zu regieren, verkennt die gewaltigen Ambitionen dieses Mannes. Die Implementierung eines Präsidialsystems ist nur ein Schritt auf seinem Weg. Erdogans Ziel ist es, zum Übervater der Nation zu werden.

Er will Republik-Gründer Mustafa Kemal Atatürk übertrumpfen. Wie, zeichnet sich längst ab. Sogar der Zeitplan ist offensichtlich.

Kampf gegen die „Mutter alles Bösen“

Erdogans Kurs stand von Anfang an im Konflikt zur Politik Atatürks, der die moderne Türkei von ihren historischen Wurzeln des Sultanats und Kalifats im Osmanischen Reich löste und an den Werten Westeuropas ausrichtete. Insbesondere auf die Trennung von Staat und Religion legte Atatürk wert. Und er setzte sie radikal um. Konservative Muslime hatten in seiner kemalistischen Türkei nichts zu melden.

Viele Politiker vor Erdogan versuchten, sich die große Schar der Menschen, die sich dadurch marginalisiert fühlten, zu Nutze zu machen. Doch keinem gelang es so wie dem Mann, der erst Istanbuler Bürgermeister, dann mehr als ein Jahrzehnt Ministerpräsident der Türkei war und nun ihr Präsident ist.

Erdogan schuf 2001 die Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) und punktete vor allem damit, den Interessen der Religiös-Konservativen Ausdruck zu verleihen, sei es nun mit der Debatte über das Kopftuchverbot an Universitäten, dem Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit oder gemischte Studentenwohnheime.

Seine Rhetorik, aus der man noch seine Herkunft aus dem Arbeiterviertel Kasimpasa in Istanbul heraushört, hob ihn dabei stets von anderen Politikern ab. Alkoholkonsum nannte er in einer Parlamentsdebatte einmal die „Mutter alles Bösen“. Eine Journalistin, die gefragt hatte, ob die überwiegend muslimische Gesellschaft in der Türkei überhaupt in der Lage sei, ihre Autoritäten infrage zu stellen, bezeichnete er einmal als „schamlose Frau“. Und fügte hinzu: „Erkenne deinen Platz.“

Im Präsidentenpalast rasseln die Seldschuken-Säbel

Gewissermaßen stellt Erdogan mit seiner Karriere auch den Gegenbeweis zur Autoritätshörigkeitsthese dar. Nachdem er sich anfangs allein durch seinen Islamisierungskurs gegen Atatürk stellte, etablierte er vor allem in den vergangenen fünf Jahren auch einen Kult um die Kultur des Osmanischen Reiches, die Atatürk zu überwinden suchte. Erdogan setzte schon da sehr auf Symbolik. Er machte sich daran, Atatürks Erbe auszuhöhlen, erst sehr behutsam, dann immer offensichtlicher.

So setzte Erdogan sich dafür ein, wieder ein Staatswappen einzuführen. Er forderte, das ausgesprochen papierene Osmanisch, das Atatürk einst abschaffte, als Pflichtfach einzuführen. Besonders sichtbar werden seine Ambitionen, Atatürks Wirken infrage zu stellen, beim Blick in seinen gewaltigen Präsidentenpalast. Dort zieren Gemälde und Ornamente die Wände, die an die früheren Herrscher der Türkei erinnern, nicht nur Osmanen sondern auch seldschukische Türken. Im vergangenen Januar sorgte er zudem für Aufsehen, als er Männer in historischen Rüstungen, mit Speeren und Säbeln zum „regulären Bestandteil“ von Staatsempfängen erklärte. Mit Verve setzt Erdogan sich dafür ein, die großen Schlachten der alten Türken zu zelebrieren.

100. Jahrestag der Republik ist ein entscheidendes Datum

Erdogan weiß, dass es nicht ganz einfach ist, den Heldenkult zu überschreiben, der um Atatürk besteht. Auch wenn es längst paradox wirkt, hängt wohl auch deshalb in seinem Präsidentenpalast ein Gemälde des „Vaters der Türken“.

Ob das als Zugeständnis an die Kemalisten im Land so bleiben wird? Und falls ja, wie lange? Ungewiss. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass Erdogan seine Träume von einer „Neuen Türkei“ bis zum 100. Jahrestag der Republik-Gründung durch Atatürk erfüllen will. Bereits in den Präsidentschaftswahlkampf 2014 ging er mit dem Slogan „Vision 2023“. Er versprach den Türken, bis dahin Bürger einer der zehn größten Volkswirtschaften zu sein. Er prophezeite 50 Millionen Touristen und eine blühende Exportwirtschaft, die jährlich 500 Milliarden US-Dollar ins Land spülen sollte. Das Ziel: eine moderne, aber islamisch geprägte Türkei.

Von diesen wirtschaftlichen Eckdaten ist gerade eher selten zu hören. Umso häufiger von der islamischen Prägung. Bei den allabendlichen „Demokratie-Wachen“ in Istanbul und Ankara sind islamische Glaubensbekenntnisse allgegenwärtig. Natürlich weiß Erdogan auch um diese Symbolik und befördert sie. Eine muslimische Mehrheitsgesellschaft feiert dort ihre Stärke. Demokratie und Islam passen doch zusammen. Das ist die Botschaft.

Der Putsch ist für Erdogan so im dreifachen Sinne ein Segen. Erstens, weil er sich und seine Anhänger jetzt als ganz große Demokraten in Szene setzen kann. Zweitens, weil er noch rigoroser gegen seinen wohl mächtigsten sunnitischen Gegenspieler, Fethullah Gülen, vorgehen kann. Und drittens, weil das Militär, das in der Türkei immer als Verteidiger von Atatürks Erbe aufgetreten ist, nun endgültig entmachtet wurde. Etwas Besseres hätte Erdogan auf seinem Weg zum neuen Vater der Nation kaum passieren können.

Quelle: n-tv.de

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Allmacht ist für Erdogan nur der Anfang

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 25. August 2016 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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