Werden und vergehen   Leave a comment

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Hier ein Gedicht des russischen Dichters Sergej Jesenin (1895-1925)

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Setz dich zu mir, meine Liebste,
lass uns in die Augen sehen.
Unter deinen warmen Blicken
mag ein Schneesturm in mir wehen.

Diese herbstlaubgoldnen Stunden
und das Lichtblond deiner Haare –
alles, um den Vagabunden
zu erretten, zu bewahren.

Längst schon hab ich Strauch und Blume
und die Wiesen aufgegeben,
um im bittren Großstadtruhme
als Verlorner zu leben.

Wollte das Erinnern löschen
an die heimatlichen Gärten,
wo ich beim Gesang der Frösche
Poesie zu schreiben lernte.

Dort nun auch: ein Blättertreiben …
Und der Ahorn und die Linden
sehen suchend in die Scheiben,
einst Vertraute noch zu finden.

Sie sind längst nicht mehr am Leben.
Auf dem Friedhof, mondbesehen,
mahnen Kreuze über Gräbern,
dass auch wir nun bald, vergehend,

uns in jenes Dickicht legen,
nichts bedauernd, nichts erstrebend.
Alle ruhelosen Wege
freuen jene nur, die leben.

Setz dich zu mir, meine Liebste,
lass uns in die Augen sehen.
Unter deinen warmen Blicken
mag ein Schneesturm in mir wehen.

 

******************************

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Hier noch eine „Teufelsgeigerin“

The Devil’s Trill – Vanessa Mae (HQ)

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 1. September 2016 von hubert wenzl in Lyrik, Uncategorized

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