Archiv für 4. September 2016

Mutter Teresa – Die Heilige des elenden Verreckens   1 comment

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Ich kann mich nur wundern, wie leicht es dem Vatikan war so eine PR-Maschinerie anzuwerfen, wie das mit „Mutter“ Teresa gemacht wurde. Und die Medien spielen natürlich mit. Gegen den Vatikan anzuschreiben wagen nur ganz wenige Journalisten – wie zum Beispiel Gianluigi Nuzzi mit dem Buch „Vatikan AG“ („Vaticano S.p.A.“).

Zur Heiligsprechung des „Todesengels von Kalkutta“

 Mutter Teresa (1986)

Mutter Teresa; 1986 bei einer Pro-life-Kundgebung auf dem Münsterplatz in Bonn

Der Papst hat Anfang des Jahres den Weg für die Heiligsprechung von Mutter Teresa bereitet, indem er eine angebliche Wunderheilung anerkannte, die sie nach ihrem Tod erwirkt haben soll. Das ruft in doppelter Weise Verblüffung hervor: einerseits wegen der Tatsache, dass die extrem zweifelhafte Geschichte mit der Wunderheilung einfach so akzeptiert wird, andererseits ob der zweifelhaften Leistungen der Frau. Naiverweise stellt man sich doch unter einer Heiligen eine Frau vor, die viel Gutes und nie Schlechtes getan hat. Diese Definition mag zwar nicht felsenfest sein, dürfte aber doch dem allgemeinen Gefühl entsprechen.

Beleuchten wir einmal beide Punkte.

Das Wunder

Bei Monica Besra wurden bei einer Ultraschall-Untersuchung im Krankenhaus von Balurghat Tuberkulose und eine Zyste an den Eierstöcken gefunden. Eine solche Zyste ist gut behandelbar, nur in wenigen Fällen ist eine Operation nötig. Nach einigen Monaten ambulanter Behandlung wurde Monica Besra im März 1999 für geheilt erklärt. Dr. Murshed, der Direktor des Krankenhauses und die behandelnden Ärzte Dr. Mustafi und Dr. Biswas erläuterten später, dass es sich um einen ganz normalen, nicht im Mindesten außergewöhnlichen Fall gehandelt habe.

Vielleicht abgesehen von der Tatsache, dass Dr. Murshed danach häufig mit Anrufen belästigt wurde, er möge doch das Wunder bestätigen.

Nun denkt man sich: da müssen doch Unterlagen existieren, Protokolle, Laboruntersuchungen, etc. Leider sind diese nicht mehr vorhanden. Die medizinischen Unterlagen wurden nach der Behandlung an eine Schwester Betta der Missionarinnen der Nächstenliebe (der Orden von Mutter Teresa) übergeben und sind seitdem verschwunden. Die Missionarinnen der Nächstenliebe gaben zunächst an, sie verlegt zu haben, änderten danach jedoch ihre Geschichte und behaupten inzwischen, die Unterlagen nie erhalten zu haben. Damit steht praktischerweise die Aussage von öhhh – ähm: eigentlich genau genommen niemandem gegen die Angaben der behandelten Ärzte. Sogar Monica Besra zog zwischendurch ihre Behauptungen zurück, nachdem die Nonnen die versprochene monetäre Unterstützung nicht geleistet hatten.

Aber: von solchen Kleinigkeiten lässt man sich nicht aufhalten. Wunderbarerweise finden sich an ihrer Stelle in der 34.000 Seiten umfassenden Sammlung angeblicher Wundertaten von Mutter Teresa die Aussagen diverser Ärzte, die angeben, die Heilung sei “wissenschaftlich unerklärbar”. Weniger wunderbar ist es, dass in dem Krankenhaus, in dem Monica Besra behandelt wurde, keiner diese (z.T. dort angeblich arbeitenden) Ärzte kennt.

Mit den tatsächlich behandelnden Ärzten, wie Dr. Ranjan Mustafi, wurde der Einfachheit halber gar nicht erst gesprochen. Und Monica Besra besann sich nach Erhalt einer großzügigen Spende der Mother Teresa Charitable Welfare Society und der Aufnahme ihrer 4 Söhne in eine Privatschule doch wieder eines Besseren. Halleluja! Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Man ist an der Stelle fast geneigt, mit den Ermittlern des Vatikans, den Nonnen und auch der Katholikin Monica Besra über das 8. Gebot zu sprechen, aber seien wir mal nicht so. Bei so einem leuchtenden Beispiel der Menschlichkeit, des gelinderten Leidens kann man schon mal ein paar Dutzend Augen zudrücken.

Mutter Teresa, die Heilige

Allerdings stößt man, wenn man ein wenig nachliest, abseits der Darstellung als Heilige schnell auf eine andere, eine fanatisch fundamentalistische Betrügerin. Der Journalist Christopher Hitchens blickte in seinem Essay „The Missionary Position: Mother Teresa in Theory and Practice“ hinter die schöne Fassade und fand jenseits der schönen Bilder eine unschön unheile Welt; für ihn war Mutter Teresa ein Engel der Hölle.

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Christopher Hitchens – Mother Teresa: Hell’s Angel

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Hier war ein Video von youtube, das leider entfernt wurde.

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Wobei das Ganze natürlich eine Sache des Blickwinkels ist. Wir, und wohl auch der inzwischen verstorbene Christopher Hitchens, erwarten uns von einer Heiligen, dass sie im Sinne humanistischer Ideale handelt und das Leben der Menschen besser macht. Aus unserer Sicht, auch wenn es vielleicht pathetisch klingt, sollte Leiden gelindert werden, die Armen aus der Armut geführt, die Kranken versorgt, wenn möglich geheilt, die Hungernden mit Nahrung versorgt werden.

Mutter Teresa hat das aber wohl nie interessiert. Ihre Zielsetzung war eine andere.

Der höchste Zweck des menschlichen Lebens besteht darin, in Frieden mit Gott zu sterben.

Die Kritik, dass in ihrem Heim an Hygiene mangele, dass Kranke keine Untersuchung, keine medizinische Versorgung, keine Schmerzmittel erhielten, dass z.B. Tuberkulosekranke neben anderen liegen und diese anstecken …, kommentierte Mutter Teresas folgendermaßen: „Wir sind keine Krankenschwestern, wir sind keine Sozialarbeiter, wir sind Nonnen.“

Mutter Teresa ging es um die kirchliche Doktrin, das Seelenheil, nicht um das sonstige, körperliche Wohl der Kranken. Bei Hitchens und vielen anderen Kritikern löste das große Empörung und Abscheu aus. Inzwischen haben auch kanadische Wissenschaftler Wirken und Einfluss der Mutter Teresa einer genauen Untersuchung unterzogen und zeichneten in ihrer Arbeit ein sehr zweifelhaftes Bild, in der Kritik an der fragwürdigen Versorgung der Armen, den fragwürdigen, ultrakonservativen politischen Ansichten, fragwürdigen Kontakten, fragwürdigen Geschäftspraktiken aufgeworfen wurde und stellten auch die Frage: „Wohin sind die Millionen an Spenden für die Ärmsten der Armen verschwunden?“

Aber, nichtsdestotrotz: ob Mutter Teresa eine Heilige im Sinne der Kirche ist, muss man aus Sicht der katholischen Kirche beurteilen. Die humanistischen Maßstäbe, die wir anlegen, sind für die Kirche fast logischerweise bedeutungslos.

Und aus ihrem Blickwinkel hat Mutter Teresa zweifellos richtig gehandelt! Ist nicht das Seelenheil wertvoller als das körperliche Wohl? Das Leiden in der diesseitigen Welt wird in der jenseitigen Welt belohnt werden. Alle Ungerechtigkeit, alles Leiden zahlt sich aus, wenn man schließlich in den Himmel gelangt. Ist es da nicht besonders gut, wenn die Menschen möglichst viel leiden, wenn sie dafür die Belohnung des Ewigen Lebens im Himmel erhalten?

Das Mutter Teresa in diesem Sinne eine Heilige ist, lässt sich wohl am Einfachsten mit einem kleinen Zitat belegen:

There is something beautiful in seeing the poor accept their lot, to suffer it like Christ’s Passion. The world gains much from their suffering. (Es liegt etwas Schönes darin, die Armen ihr Schicksal akzeptieren zu sehen, es zu erleiden wie die Passion Christi. Die Welt gewinnt viel aus ihrem Leiden.)

Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Autoren von Psiram.

Mutter Teresa – Die Heilige des elenden Verreckens

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monicabesra

Monica Besra

Angebliche Wunderheilung von Monica Besra.

My wife did feel less pain one night when she used the locket, but her pain had been coming and going. Then she went to the doctors, and they cured her. My wife was cured by the doctors and not by any miracle.
Monica Besra’s husband, Seiku
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Meine Frau hat weniger Schmerzen in einer Nacht gefühlt als sie das Medaillon verwendete, aber ihre Schmerzen kamen und gingen. Dann ging sie zu den Ärzten, und sie heilten sie. Meine Frau wurde von den Ärzten geheilt und nicht durch ein Wunder.
Monica Besra Ehemann, Seiku

http://rosarubicondior.blogspot.it/2015/03/mother-teresas-fake-miracle.html

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 4. September 2016 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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70 Todesfälle im „Alternativen Krebszentrums“ Brüggen – NRW-Gesundheitsministerin   Leave a comment

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Kaum zu glauben, dass eine Gesundheitministerin in NRW über so wenig Kompetenz verfügt und auf solchen Hokuspokus abfährt. Unverantwortlich was die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (B90/Die Grünen) unterstützt.

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Tödlicher Hokuspokus mit dem Segen der Gesundheitsministerin

 

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (B90/Die Grünen)
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (B90/Die Grünen) Foto: B90/Grüne – NRW, (CC BY-SA 2.0).
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Während die Staatsanwaltschaft Krefeld im Zusammenhang mit einem von Heilpraktikern betriebenen „Alternativen Krebszentrums“ in Brüggen wegen 70 Toten ermittelt, schweigt die zuständige Gesundheitsministerin Barbara Steffens (B90/Die Grünen). Nun wird öffentlich gefragt, ob das daran liegt, dass Frau Steffens selbst eine aktive Befürworterin der Pseudomedizin ist.

Waren es anfänglich nur drei bekannt gewordene Todesfälle, ermittelt die Krefelder Staatsanwaltschaft inzwischen bereits in siebzig Fällen, in denen Patienten des Brüggener Krebszentrums nach der Behandlung verstarben. Dabei muss geklärt werden, ob die Patienten an den Folgen ihrer Krebserkrankung starben oder an der Verabreichung des umstrittenen Präparats 3-Bromopyruvat. Das Mittel ist zwar nicht verboten, aber kaum erforscht. Es gibt bislang keine Studien, die eindeutig sagen können, ob der Wirkstoff überhaupt wirkt. Er wurde zudem auch nur an Tieren getestet.

Die Wissenschaftsjornalistin Claudia Ruby erklärte: „Danach kämen, wenn er denn eine Wirkung hat, noch drei klinische Stufen, um diesen Stoff am Menschen zu erproben. Allerdings scheiden die meisten Wirkstoffe auf diesem Weg irgendwann aus, das heißt, es ist sehr fragwürdig, ob aus diesem Stoff irgendwann mal ein Medikament wird. Man weiß nicht, was die Nebenwirkungen sind; man weiß nicht, ob er überhaupt Krebs heilen kann.“

Susanne Schneider ist gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion in NRW und kritisiert die zuständige Ministerin hart. Sie fragt, weshalb die Aufsichtsbehörden nicht eingeschritten sind und den vermeintlichen „Wunderheiler“ „anscheinend über Jahre Krebspatienten mit nicht zugelassenen Wirkstoffen behandeln“ ließen. Schneider kritisiert: „Statt einer öffentlichen Stellungnahme der Ministerin kommt vom Gesundheitsministerium nur eine interne Verwaltungsinformation an die Gesundheitsämter.“ An die Gesundheitsministerin Barbara Steffens gerichtet stellt sie die Frage: „Fühlt sie sich etwa als bekennende Anhängerin von Homöopathie und alternativer Medizin selbst in Frage gestellt?“

Die Gesundheitsministerin eröffnete die „Heilpraktikertage 2001“. Dort erklärte sie allen Ernstes:

Die Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker mit ihrer Orientierung auf Naturheilkunde haben ihren festen Platz in unserem Gesundheitssystem. Es gibt in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz für diesen Beruf. Vor allem dort, wo die Schulmedizin an Grenzen stößt, beweist die Naturheilkunde ihre Stärke.

Damit zeigte Frau Steffens deutlich, dass sie für ihren Beruf ungeeignet ist. Denn schon die Verwendung des Begriffes „Schulmedizin“ zeigt Frau Steffens Inkompetenz auf. In der Wikipedia findet sich deshalb auch der Hinweis, dass sich die Ministerin für die Pseudowissenschaft Homöopathie einsetzt, da sie „persönlich davon überzeugt“ sei. Sie strebt insbesondere auch deren Einführung an Hochschulen an. Die GWUP nominierte sie deshalb im Jahr 2014 für das „Goldene Brett“.

Dank solcher „Gesundheitspolitiker“ wie Barbara Steffens starben in Brüggen vermutlich 70 Menschen durch die Behandlung eines Heilpraktikers. Selbst wenn es für das „Alternative Krebszentrum“ Brüggen Konsequenzen gibt; die Ministerin wird solche nicht zu befürchten haben.

Von Frank Nicolai

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70 Todesfälle im „Alternativen Krebszentrums“ Brüggen – NRW-Gesundheitsministerin

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Gruß Hubert