Archiv für 6. September 2016

Die schmutzigen Geschäfte der VATIKAN AG – Teil 2   Leave a comment

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Der Informant und seine Kenntnisse

Renato Dardozzi, 1922 in Parma geboren, wurde 1973 als Spätberufener zum Priester geweiht. Seine Studienschwerpunkte waren Mathematik, Ingenieurwissenschaft, Philosophie und Theologie. Er sprach fünf Sprachen fließend. Seine Qualifikationen, seine Diskretion und sein Kontakt mit dem damaligen Kardinalstaatsekretär unter Johannes Paul II., Kardinal Agostino Casaroli verhalfen ihm zu einer steilen Karriere.

Das Staatssekretariat holte Dardozzi 1974 als Mitarbeiter in den Vatikan, und bald kannte er alle Geheimnisse des IOR. Kardinalstaatssekretär Casaroli weihte ihn umgehend in die Ambrosiano-Affäre ein, übertrug ihm wirtschaftliche und finanzielle Kontrollaufgaben und schickte ihn sogar als Vertreter des Vatikans in die bilaterale Untersuchungskommission. Diese war gemeinsam mit dem italienischen Staat gegründet worden, um die Wahrheit über den Crash von Calvis Banco Ambrosiano ans Licht zu bringen. Donnerstags tauschte Dardozzi oft seine Zivilkleidung gegen den langen schwarzen Talar und begab sich hinauf in die päpstliche Wohnung. Er zählte zu den wenigen Italienern, die von Johannes Paul II. zum Essen eingeladen wurden. Der Papst bevorzugte polnische Tischgenossen.

Auch unter Casarolis Nachfolger, Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, behielt Dardozzi seinen Aufgabenbereich bei.

Lebenslang hielt sich Dardozzi an seine Schweigepflicht, er gab keine Interviews und publizierte nichts. Von seinem umfangreichen Geheimarchiv ahnte niemand etwas. Sein letzter Wille war aber: „Diese Dokumente sollen veröffentlicht werden, damit alle erfahren, was hier geschehen ist.“ (S. 17)

Zu allen von ihm untersuchten Finanzangelegenheiten sammelte Dardozzi Aufzeichnungen in besonderen gelben Mappen. Insgesamt hat er im Laufe von 20 Jahren mehr als 4000 Dokumente sichergestellt. Viele von ihnen sind als Faksimile im Buch publiziert. Das Archiv lag sicher verwahrt im Keller eines entlegenen Bauernhofs im schweizerischen Tessin, dessen Bewohner gar nicht wussten, was sich in ihrem Haus befand. In monatelanger mühevoller Arbeit wurden sämtliche Unterlagen vom Autor dieses Buches gescannt, die Daten geordnet und auf CD-ROM gespeichert, um die Dokumente auf einer Website öffentlich zugänglich zu machen ( www.chiarelettere.it Anmerkung: Link funktioniert nicht, daher dieser Link: http://www.chiarelettere.it/libro/principio-attivo/vaticano-spa.php unter dem Stichwort Vaticano S.p.A.).

Dieses Buch richtet sich nicht gegen den Vatikan. Es gibt Auskunft über die Machenschaften von Männern, die das in sie gestellte Vertrauen enttäuschten. Es möchte Zeugnis ablegen von den Vorgängen hinter den Mauern des Vatikans, abgeschirmt von der Schweizergarde in ihren kobaltblauen Uniformen. Vor allem aber möchte es von den undurchsichtigen Finanztransaktionen des Vatikans berichten. Dabei kann es sich auf die Dokumente eines Mannes stützen, der von den siebziger bis in die neunziger Jahren Zeuge jener Ereignisse war, die den Vatikan, Italien und die Welt erschütterten.

Im ersten Teil des Buches wird die vatikanische Finanzverwaltung rekonstruiert. Der zweite Teil berichtet über die skrupellosen Finanzoperationen, mit deren Hilfe Monsignori und Prälaten nach dem Zusammenbruch der Democrazia Cristiana die Entstehung einer neuen „Großen Partei der Mitte“ unterstützten und Mafiagelder wuschen. (S. 19)

Der Autor und seine Arbeitsweise

Gianluigi Nuzzi arbeitet als investigativer Journalist bei der italienischen Zeitschrift „Panorama“. Seit 1994 verfolgt er die Polit- und Finanzskandale Italiens. Im Frühjahr 2008 erhielt er Zugang zu dem Geheimarchiv des Monsignore Dardozzi.

Ausführliche Quellenbelege nach jedem Kapitel sichern die Zuverlässigkeit bzw. Nachvollziehbarkeit der veröffentlichen Fakten. Am Ende des Buches werden die ca. 30 wichtigsten der in der Publikation genannten Personen in kurzen Portraits vorgestellt. Danach ist ein ausführliches Personenregister angefügt.

Friedrich Halfmann

Mit freundlicher Genehmigung der Internetseite kirchensteuern.de

Gianluigi Nuzzi, VATIKAN AG. Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche. Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann, Petra Kaiser, Rita Seuß. Salzburg (Ecowin Verlag) 2010, 356 Seiten, 22,50 Euro

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Die schmutzigen Geschäfte der VATIKAN AG – Teil 2

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Die dubiosen Geschäfte der Vatikanbank (von ARD – Monitor)

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Gruß Hubert