Archiv für 11. September 2016

Soll das Gottes Plan sein?   2 comments

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Vor ca. 5 Tagen fuhr ich mit dem Rennrad meine häufigste Strecke und da lag am Straßenrand, ca. 1 km von zu Hause entfernt, ein totes weißes Kätzchen, schätze maximal 4-5 Monate alt, heute dasselbe traurige Bild wieder fast an derselben Stelle, diesmal war es ein beiges Kätzchen, schätze im selben Alter. Es könnte leicht möglich sein, dass es Geschwister waren.

Hätte da so ein allgütiger Gott (wie ja behauptet wird), Tiere nicht so ausstatten können, dass sie die Gefahr einschätzen und solche Situationen meiden könnten? Tote, platte Igel sah ich auch 2 im August am Straßenrand, die etliche km weiter entfernt von meinem Wohnort. Außerdem noch 2 Eichhörnchen im August, die auch zu verschieden Tagen, nur ca. 100 Meter entfernt, offensichtlich überfahren auf der Straße lagen. Diese Tiere dürfen ganz bestimmt nicht auf Barmherzigkeit hoffen, von einem der da oben irgendwo in seiner unendlichen Liebe thronen sollte. Die Liste ist lange nicht vollständig.

Nachmittags spielte unser Miro im Garten mit einer Maus, bis er sie dann endlich mal aß. Hätte es ER nicht einrichten können, dass wenn schon ein Tier ein anderes essen muss, dass die Maus schnell mit einem Genickbiss getötet wird? Eingreifen hätte nichts gebracht, denn kaum dass ich einen Schritt mache, haut eine Katze mit der Maus ab.

Ja, werden jetzt viele sagen: es sind ja NUR Tiere… Was soll so ein speziesistischer Satz? Was glaubt denn der Mensch was er ist? Er ist auch nur Säugetier und nichts als die Dornenkrone einer imaginären „Schöpfung“.

Anderes Beispiel: eine Familie in Südtirol, ca. 20 km von mir entfernt, verliert innerhalb 2-3 Jahren 3 Söhne.

Den ersten bei einem Autounfall, heuer einen Sohn im März durch eine Lawine und einen anfangs September durch einen Bergunfall. Sollen das etwa Prüfungen sein? Eine Frechheit, wenn jemand so etwas sagen würde.

Keiner weiß darauf zu antworten und jeder zieht andere Schlüsse daraus.

Es wird ja auch behauptet Gott würde alle lieben, von unendlicher Liebe sein, uns überhaupt erst durch seine Liebe auf die Welt kommen lassen. Wo ist da eine Liebe?

Ich kann mir keinen sadistischen Gott vorstellen, denn das müsste er ja bei solchen Vorfällen und bei millionenfachen anderen sein. Wer trotzdem an einen Gott glaubt muss mit einem unendlichen Gottvertrauen ausgestattet sein.

Aber ist schon klar, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Einen Glauben haben, an Gott glauben macht es ja leichter bei Schicksalsschlägen. Aber ich will mich nicht selbst betrügen!

Hier aber nun zu Religion(en) grundsätzlich.

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Das beste und stärkste Argument gegen Religion(en)

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Das ist nun wirklich schwierig für mich. Ich kenne im Prinzip alle gängigen Argumente für und wider Religion(en). Es gibt Argumente für und wider den Glauben, die Religionen und die Institutionen (Kirchen etc.).

Ich werde hier der Reihe nach die wichtigsten Argumente für und wider besprechen, aber heute will ich mit dem wichtigsten, besten und stärksten Argument gegen die Wahrheit aller Religionen anfangen.

Mir fällt es deshalb schwer ein Argument als das Beste und Stärkste zu bezeichnen, weil es so viele exzellente Argumente gegen die Religionen gibt. Und man kann sich natürlich lange darum streiten, ob nicht andere Argumente gegen die Religionen besser sind. Es ist natürlich auch eine Geschmacksfrage. Aber ich denke doch, dass das folgende Argument zu Recht ganz oben mitspielt. Viele werden es für ein banales und vielleicht sogar schwaches Argument halten, aber dann sollten Sie vielleicht noch einmal darüber nachdenken. Richtig ist, dass es ein sehr einfach strukturiertes Argument ist, es ist präzise und für jeden nachzuvollziehen und gerade diese Kombination macht seine Stärke aus und es geht so:

Das stärkste Argument gegen die Wahrheit einer speziellen Religion, und damit gegen die Wahrheit aller Religionen, ist das, dass es so viele verschiedene Religionen gibt. Ja, wirklich, das ist ein wahnsinnig starkes Argument, wenn man einmal ein wenig darüber nachdenkt. Warum ist es das?

Im Prinzip habe ich den Kern des Argumentes hier schon erwähnt, nämlich in den Artikeln „Wählt man seine eigene Religion?“ und „Warum gibt es so viele verschiedene Religionen aber nur eine Mathematik?“  .

Es gibt tausende(!) von verschiedenen Religionen, die sich alle widersprechen, und diese Religionen stellen Behauptungen über die Welt, Mythen, Wunder, Prophezeiungen und Götter auf. Jede einzelne Religion behauptet, dass nur sie die Wahrheit kennt und dass ihre Behauptungen wahr seien.

 

Und genau das ist das Problem. Wenn sich tausende und abertausende von Religionen widersprechen, dann kann höchstens eine davon Recht haben und diese wahr sein (es können natürlich auch alle falsch sein). Wie groß ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass bei tausend sich widersprechenden Religionen, eine zufällig ausgewählte Religion wahr ist? 0,1%!

Da hilft auch die Behauptung nicht weiter, dass irgendwie alle Religionen einen wahren Kern hätten, bzw. irgendetwas Wahres dran sein muss. Dafür sind die Religionen viel zu zahlreich und vielfältig und vor allem stellen sie sich widersprechende Behauptungen auf. Und zwei sich widersprechende Behauptungen über die gleiche Sache und über die Welt, können niemals gleichzeitig wahr sein. Es gibt den Polytheismus, Pantheismus, Panentheismus, Monotheismus, Deismus und so weiter. Es gibt das Christentum, mit hunderten oder tausenden Abspaltungen, den Islam, den Hinduismus, den Buddhismus, das Judentum, den Daoismus und so könnte man jetzt Seitenweise weiter aufzählen.

Wenn man sich fragt, was das Ergebnis von 2+2 ist, und jemand behauptet es sei 5, der nächste sagt es sei 76, der nächste 19, der nächste -3, der nächste 8+3i, der nächste 24764 und so weiter, dann können niemals alle Behauptungen gleichzeitig wahr sein, aber es könnten alle falsch sein. Das gleiche gilt für die Form der Erde, wenn jemand sagt, sie sei eine Scheibe, der nächste behauptet sie sei ein Dreieck, der nächste sagt sie sei ein Rechteck usw., dann kann höchstens eine Behauptung wahr sein.

Genauso verhält es sich mit Religionen. Die verschiedenen christlichen Religionen sehen in Jesus „Gottes Sohn“, für einen Moslem war Jesus höchstens ein Prophet. Das widerspricht sich. Und so ist es mit fast allen Behauptungen, die Religionen aufstellen.

Dieses Argument ist auch deshalb so stark, weil man sich noch nicht einmal genau im Einzelnen jede Behauptung ansehen muss. Es reicht völlig festzustellen, dass es hunderte, tausende und zehntausende von verschiedenen, sich widersprechenden Behauptungen über die gleiche Sache gibt, von denen höchstens eine wahr aber alle falsch sein können.

Jeder Christ sagt alleine dadurch, dass er Christ ist, dass der Islam für ihn nicht wahr ist. Jeder Moslem sieht umgekehrt im Christentum eine falsche Religion. Und jeder Hinduist denkt, dass weder die christliche noch die islamische Religion wahr sind. Und so könnte ich nun sehr lange alle weiteren Religionen aufzählen.

Kein Christ akzeptiert die Argumente oder Belege, die ihm ein Moslem präsentiert, die zeigen sollen, dass der Islam wahr ist. Kein Moslem findet sie Argumente oder Belege, die ihm ein Christ präsentiert, überzeugend.

Warum nicht? Weil sie die Argumente und Belege, die Ihnen von anderen Religionen präsentiert werden, kritisch und skeptisch begutachten und zu dem Schluss kommen, dass sie absolut nicht überzeugend sind. Und hier gebe ich, als Atheist, sowohl Christen als auch Moslems völlig Recht. Die Argumente und Belege für ihre Religionen sind nicht überzeugend, ganz im Gegenteil.

Wenn man sich das noch ein wenig genauer ansieht, bemerkt man sogar, dass sich nicht nur die unterschiedlichen Religionen und religiösen Abspaltungen gegenseitig, sondern dass sich auch Religionen in sich widersprechen. Wie ernst kann/sollte man eine Religion nehmen, die sich in ihrem eigenen “heiligen Buch” selber wiederspricht?

 

Aus einem Kommentar, dem ich mich vollinhaltlich anschließe.

Die Beweislast für eine „Existenzbehauptung“ trägt der Behauptende, siehe hier:
http://www.nachdenken-bitte.de/skeptizismus/wer-hat-die-beweislast-zu-tragen/

Ich behaupte gar nicht, dass „Gott nicht existiert“, erstens weil der Begriff „Gott“ nicht vernünftig definiert ist und zweitens, weil diejenigen, die das behaupten, keine guten Argumente oder Belege für „Gottes Existenz“ präsentieren können.

Ich muss nicht widerlegen, dass „Gott existiert“, sondern die Theisten müssen belegen, dass Gott existiert.

Ich bin offen für gute Argumente und Belege und warte darauf. Solange ich diese nicht präsentiert bekomme, glaube ich nicht, dass Gott existiert. Ich halte also die Behauptung „Gott existiert“ für falsch.

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Soll das Gottes Plan sein?

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Und hier  noch das Zitat vom Philosoph Bertrand Russells berühmter Teekanne:

„Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so würde niemand meine Behauptung widerlegen können, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können.

Aber wenn ich nun zudem auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrik werden.

Es würde dem Zweifler in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit eines Psychiaters einbringen oder die eines Inquisitors in früherer Zeit.“

– Bertrand Russell: Is There a God?

http://www.nachdenken-bitte.de/skeptizismus/wer-hat-die-beweislast-zu-tragen/

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 11. September 2016 von hubert wenzl in Religionskritik, Uncategorized

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