Archiv für 15. September 2016

Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten   Leave a comment

.
Nicht wenige Leute tun bei der Homosexualität ja so, als ob sie sich ihr Schwulsein selbst aussuchen würden, als wenn sie eventuell nach einer Enttäuschung mit einer Frau beschließen würden sich dem eigenen Geschlecht zuzuwenden.

Oder vielleicht glauben sie ja, dass sie es aus einer Laune heraus, oder aus Jux und Tollerei tun. Andere wieder, vor allem konservative, rechte und christliche Kreise klassifizieren die Homosexualität als psychische Störung, die heilbar wäre. Ich habe noch von keinem Fall gehört, der nach einer solchen Behandlung vom Homosexuellen zum Heterosexuellen geworden wäre.
Homosexualität ist eine Veranlagung, die sozusagen in den Genen oder der DNA liegt. Sie ist auch nicht widernatürlich, wie konservative oder reaktionäre Kreise behaupten, vor allem die christlichen Kirchen, die eine schon lange überholte Bibel zu Rate zieht, wo hervorgeht, dass es eine Gräuel sei, wenn ein Mann beim Manne liegt. Was die Natur hervorbringt kann nie unnatürlich sein. Im übrigen gibt es Homosexualität auch im Tierreich. Was die Fortpflanzung betrifft, die auch gerne zum Argument gemacht wird, so kann die Menschheit leicht darauf verzichten, wenn sich einige Menschen (so wie auch katholische Priester, zumindest offiziell) nicht vermehren. Das Problem ist vielmehr die Gefahr einer Bevölkerungsexplosion. So sollen bis zum Jahr 2050, 3 Milliarden Menschen hinzukommen. Wie man weiß ist die Erde endlich und diese Menschen müssen alle ernährt werden (aber vielleicht schafft es ja Bayer jetzt mit dem Monsanto-Einkauf…).

Meist wird auch nur von den homosexuellen Männern als Problem gesprochen. Was ist mit den Lesben? Ist da der Sex „sauberer“ oder „hygienischer“, weniger „widernatürlich“? Wie ich mal hörte soll es auch bei Heterosexuellen Analverkehr geben. 😉 Ist ein weiblicher A.. ääh, Po, hygienischer und natürlicher als ein männlicher? Aber klar, würde bei bibeltreuen Christen auch unter schwere Sünde fallen. So vermehrt man sich ja schließlich nicht.

Außerdem sollten Homosexuellen dieselben Rechte wie Heterosexuelle haben, denen sie auch nichts wegnehmen. Mit welcher Begründung sollte man ihnen Rechte vorenthalten? Das wäre eine unzumutbare Diskriminierung. Es ist höchste Zeit dass man ihnen diese Rechte in allen Bereichen gibt. Manche rechte Kreise sagen auch, dass Homosexuelle gar privilegiert würden. Die konkreten Beweise bleiben sie aber schuldig. Man kann sich auch nur höchst wundern, dass in Deutschland bis zum Jahr 1969 der Paragraf 175 gegolten hat, also keine 50 Jahre her.
Rund 5.000 Männer wurden in der Bundesrepublik verurteilt, auch zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen. Aus heutiger Sicht fanden die Prozesse ohne Rechtsgrundlage statt, der Paragraf war verfassungswidrig.
Mir ist unbekannt, dass auch nur ein Homosexueller aufgrund dieser verfassungswidrigen Bestrafung eine Entschädigung erhielt.
Vor den Folgen einer „Behandlung“, wo man Homosexuelle „umzupolen“ versucht, warnt die Bundesärztekammer. Ich denke, dass so eine Homosexueller schon ziemlicher christlicher Gehirnwäsche unterlegen sein muss, wenn er sich so einer Psycho-Therapie / Behandlung hingibt. Natürlich mit Erfolgsaussicht Null.

Hier der Bericht aus der ZEIT von zwei evangelikalen Ärzten, die angeblich Wunderheiler in Sachen Homosexuelle von ihrer „Krankheit“ heilen sein sollen, sie also zu Heterosexuellen machen, die „richtig“ reiten – natürlich nur für bibeltreue Christen. Also kurz gesagt so genannte „Umpoler“.

.

Mit Psychotherapie und Gebeten gegen Homosexualität: Was selbsternannte Schwulenheiler bei deutschen Krankenkassen abrechnen. Ein Erfahrungsbericht

.

Meine Behandlung beginnt mit einer klaren Ansage: „Sie sind hier richtig. Ich bin davon überzeugt, dass Veränderung möglich ist.“ Der das sagt, ist approbierter Arzt in Dresden. Ich bin Journalist und schwul. Ich habe gehört, dass dieser Allgemeinmediziner homosexuelle Menschen heilen will, sie „umpolen“ – von schwul zu hetero.

Der Termin, den mir der Arzt am Telefon gegeben hat, liegt außerhalb seiner normalen Sprechstunde. Als mir die Arzthelferin die Tür öffnet, betrete ich eine Hausarztpraxis, wie es sie in Deutschland wohl tausendfach gibt: Auf den Tischen im Wartebereich liegen Illustrierte, hinter der Anmeldung surrt der Drucker. Wahrscheinlich sitzen hier sonst Patienten mit Husten. Jetzt bin ich allein.

Der Arzt ist ein unscheinbarer Mann mittleren Alters. Er begrüßt mich freundlich, wirkt zurückhaltend und verbindlich. Doch im Sprechzimmer wird er bestimmend. Er gibt mir genaue Anweisungen, wo ich meine Jacke hinlegen, auf welchen Stuhl ich mich setzen soll. Dann legt er die Hände auf seine Knie, die Handflächen zeigen nach oben. Er bildet mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis. Dabei blickt er mich schweigend und durchdringend an. Ich frage mich, was er gerade macht: Hypnotisiert er mich? Meditiert er? Betet er?

Eine längere Recherche in strenggläubigen christlichen Kreisen hat mich zu diesem Arzt geführt. Am Ende der ersten Behandlung wird er sagen, er rechne mit mindestens einem Jahr Psychotherapie, um meine Homosexualität zu kurieren.

Wie oft befriedigen Sie sich selbst? Woran denken Sie dann?

Schwulenheilung als kassenärztliche Leistung? Schwulsein als Krankheit? Ich bin schwul, solange ich denken kann. Schon in der Grundschule fand ich Jungs interessanter als Mädchen. Wenn ich mich zurückerinnere, war die Homosexualität von Anfang an in mir. Ich habe es mir nicht ausgesucht, schwul zu sein – aber ich wollte auch nie anders sein.

Der Arzt, vor dem ich nun sitze, hat offenbar ein größeres Problem damit als ich. Er erklärt mir, dass Homosexualität eine „neurotische Fehlentwicklung“ sei. Er könne mir keine Garantie für eine Veränderung geben. Aber er wolle mir Hoffnung machen, dass sich meine Sexualität am Ende auf Frauen beziehe, so wie Gott es angelegt habe. Ich frage ihn, ob ich der Einzige mit diesem Problem bei ihm in Therapie sei. Er schüttelt den Kopf und lächelt: „Nein.“

Im Laufe der ersten Sitzung stellt der Arzt mir intimste Fragen: Haben Sie Ihre Homosexualität mit anderen Männern ausgelebt? Benutzen Sie Internetpornografie? Haben Sie deswegen ein schlechtes Gewissen? Wie oft befriedigen Sie sich selbst? Woran denken Sie dann? Haben Sie schon Versuche unternommen, die Selbstbefriedigung zu unterbinden? Irgendwann halte ich es kaum mehr aus, spiele mit dem Gedanken, die Sitzung abzubrechen. Ich habe Kopfschmerzen.

Dieser Dresdner Arzt gilt in bibeltreuen Kreisen offenbar als Geheimtipp, dort bietet er „Männern in Krisen“ seine Hilfe an. Evangelikale Christen wie er halten Homosexualität für eine Sünde. „Schöpfungswidrig“ nennt das ihr Dachverband, die Deutsche Evangelische Allianz. Dieses Netzwerk verschiedener Organisationen und Gemeinden versteht sich als „Bund von Christusgläubigen“. Sie legen die Bibel sehr eng aus und glauben an ihre „Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung“. Eine historisch-kritische Bibelinterpretation lehnen die Evangelikalen im Gegensatz zur Mehrheit der deutschen Protestanten ab.

Da in der Bibel steht, dass ein Mann nicht bei einem Mann liegen soll wie bei einer Frau, weil das dem Herrgott ein „Gräuel“ sei (3. Mose 18,22), werden homosexuelle Partnerschaften abgelehnt.

Wie mich zwei Ärzte von meinem Schwulsein heilen wollten

 

Veröffentlicht 15. September 2016 von hubert wenzl in Sexualität, Uncategorized

Getaggt mit , , ,