Archiv für 20. September 2016

Kuh gebar Kalb nach Flucht aus dem Schlachthaus   Leave a comment

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Es ist schon ein Skandal, dass trächtige Kühe geschlachtet werden dürfen und das als legal deklariert wird. Ändern könnte das die EU. Aber von der darf man ja keinen Tierschutz erwarten. Wirtschaft über alles…!

Aus ndr.de

In Deutschland werden einer Schätzung der Bundestierärztekammer zufolge jährlich bis zu 180.000 trächtige Kühe in Schlachthöfen geschlachtet. Dabei sterben auch die Kälber im Mutterleib. Nach Recherchen von Panorama 3 gehen Experten davon aus, dass diese Kälber einen qualvollen Tod sterben. Denn nur das Muttertier wird durch einen Bolzenschuss betäubt. Auf das ungeborene Kalb hat der Bolzenschuss keine Wirkung. Es verendet einige Minuten später durch Sauerstoffmangel ohne Betäubung.

Schlachtungen sind legal

Dieses Vorgehen ist ganz legal: Sowohl die deutsche Tierschutzschlachtverordnung als auch die entsprechende EU-Verordnung enthalten keinerlei Vorgaben zum Umgang mit tragenden Nutztieren.

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kalb-tot-b-tr__cht-kuhDas ist der Normalfall, tote, ungeborene Kälbchen nach Schlachtung ihrer Mutter (Bild aus Video von ndr.de – siehe folgenden Link)

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kuh2bkalb-gl__cksfall… und das ist der Glücksfall – Kuh und Kälbchen lebend nenbeneinander (Bild aus dem Video von ndr.de – siehe folgenden Link)

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http://www.ndr.de/nachrichten/Leidvoll-Das-Schlachten-traechtiger-Kuehe,kaelber113.html

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Hier aber eine Geschichte über eine trächtige Kuh mit positiven Ausgang, ein Riesenglücksfall für Kuh und Kuh-Kind.

Kuh gebar Kalb nach Flucht aus dem Schlachthaus

Erneut ist ein Rind aus dem Schlachthof geflohen. Diesmal mit Happy End – sogar doppelt! Normalerweise geht die Flucht so aus, dass das „Schlachttier“ rasch wieder eingefangen und der ihm auferlegten Bestimmung zugeführt wird. Ist das Einfangen nicht möglich, wird das Tier gewöhnlich an Ort und Stelle erschossen und entsorgt (wegen der Bleimunition ist es nicht mehr zum Verzehr tauglich). Die Mehrzahl der Fälle landet wohl nicht in der Presse, allenfalls als Vermerk auf internen Seiten, etwa der Feuerwehr. Es sei denn, es kam zu erheblichem Sachschaden oder der Fall verspricht spektakuläres Unterhaltungspotential – wie kürzlich im tragischen Fall eines Siegener Bullen oder aber wie jetzt als emotionaler Action-Thriller mit Happy End. Manchmal geht es eben doch gut aus, dank der Öffentlichkeit, deren Macht nicht zu unterschätzen ist.

Dieser Kuh gelang es förmlich in letzter Sekunde, unverletzt zu entkommen. Wie sich später herausstellen sollte, war sie tragend – wie so viele weibliche Rinder, die in den Schlachthäusern landen.

Gewöhnlich wartet auf die ungeborenen Kälber nach dem Tode der Mutter der Erstickungstod. Diese werdende Mutter allerdings konnte dem Grauen haarknapp und sogar noch aus der Tötungsbucht heraus entrinnen. Über vier Wochen lang war sie auf der Flucht. Das bis dato eingesperrte Rind versteckte sich dort, wo Rinder hingehören, im Wald, und entkam immer wieder aufs Neue ihren Verfolgern – Zeit genug, um gehörig Aufsehen zu erregen und die Gemüter zu bewegen. So hat sie sich im wahrsten Sinne einen Namen gemacht: „Johanna von Kaiserslautern“ wurde sie in den Medien genannt – und als man sie schließlich stellte, ließ man sie am Leben.

Man betäubte sie und brachte sie auf den Lebenshof Rüsselheim e.V., der sich seinerseits sehr für ihr Leben eingesetzt hatte. Dort führt sie von nun an ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben, an dessen Ende kein Schlachthaus wartet. In ihrem neuen sicheren Umfeld hat sie inzwischen schon vorsichtig Kontakt zu Artgenossinnen aufgenommen. Kühe pflegen innige lebenslange Freundschaften. Und diese Tage schließlich sorgte sie erneut für Furore: Sie brachte ihr Kalb zur Welt. Es ist gesund und wurde Josefine getauft.

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mutter-und-tochter

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Die „Schlachtkuh“, die vorher für Menschen nichts als irgend ein abstraktes Etwas war, das allenfalls über seinen „Zweck“ bestimmt wurde, wurde in der öffentlichen Wahrnehmung plötzlich zum Individuum. Das war sie natürlich auch schon vorher, wie jedes einzelne Tier, das geschlachtet wird, wir wissen das. Es wird üblicherweise aber ausgeblendet, weil es „halt so ist wie es ist“ und „so lecker schmeckt“. Dies und dergleichen Aussagen sind selten durchdachte Argumente, sondern Rechtfertigungs-Automatismen, die stets dann einsetzen, wenn indoktrinierte gesellschaftliche Normen, die man für seine eigenen hält, erschüttert oder infrage gestellt werden. Ähnlich unreflektierte Aussagen findet man in Zusammenhängen, mit denen man sich selbst nicht (mehr) identifiziert, oft spießig, etwa „Was sollen denn die Leute denken!“ oder „Iss Deinen Teller leer, denk an die armen hungrigen Kinder in Afrika!“

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Kuh gebar Kalb nach Flucht aus dem Schlachthaus

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kaelbch_atemversucheAtemversuche des Kälbchens im Mutterleib – bis der Sauerstoff aufgebraucht ist… Bild aus dem Video von ndr.de oben

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Gruß Hubert