Nationalismus und Romantik   Leave a comment

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Ich wollte mal den Zusammenhang zwischen Romantik und Nationalismus zeigen und zu welchem Fanatismus der Nationalismus getrieben wurde.

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Das gleichzeitige Auftreten von Nationalismus und Romantik legt die Frage nach der inneren Beziehung zwischen beiden nahe. Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass der Begriff der Nation insbesondere im deutschen Sprachraum nachhaltig desavouiert ist. Im Gegensatz dazu hält sich im europäischen Kontext das Denken und Handeln verlässlich und hartnäckig in Kategorien des Nationalen, auch wenn das nationale Pathos spürbar nachgelassen hat.
http://www.turia.at/titel/festwo.php

Aus der ZEIT (Auszug)

Ausstellung „Blutige Romantik“: „Ich will den Haß!“

Der Befreiungskampf gegen Napoleon ließ den Geist des deutschen Nationalismus aus der Flasche. Doch die große Ausstellung „Blutige Romantik“ in Dresden weicht ihrem Thema eher kunstvoll aus.

Der romantische Weg nach innen führte mitunter in den Abgrund der Gewalt. „Und wenn sie winselnd auf den Knien liegen, / Und zitternd Gnade schrein, / Laßt nicht des Mitleids feige Stimme siegen, / Stoßt ohn’ Erbarmen drein!“, dichtet der Romantiker Theodor Körner zur Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon. Unverhohlen verachtet er das Mitleid als ein Gefühl der Schwäche, das es im Dienste nationaler Ziele zu suspendieren gelte: Körner predigt eine Moral der Erbarmungslosigkeit; er erklärt den Kampf gegen die Franzosen zum Vernichtungskrieg.

Das Militärhistorische Museum in Dresden hat dafür mit dem Titel seiner Ausstellung zur Leipziger Völkerschlacht 1813 einen so drastischen wie treffenden Begriff gefunden: Blutige Romantik. Das Museumsplakat zeigt ein blutbespritztes Eichenblatt. Der Traum vom teutschen Vaterland gebiert Verwüstung und Tod. Oder illustriert das Bild die Sicht der national gesinnten Zeitgenossen? Blutet hier das Eichenblatt, von einer – französischen – Kugel durchschossen?

Wer die Ausstellung betritt, dem eröffnet sich noch eine dritte Lesart: Auf dem Fußboden sind die Schlachten der Napoleonischen Kriege aufgelistet, jeweils mit der Zahl der Opfer. Die Besucher schreiten buchstäblich über die Toten hinweg, und an einer Stelle gibt der Boden sogar den Blick auf ein Skelett frei – auf Knochen und Schädel eines von einer Kanonenkugel getöteten Pferdes, das Archäologen, neben den Überresten von 19 Soldaten, in Leipzig geborgen haben.

Fünf Millionen Menschen, schätzt die Historikerin Karen Hagemann, starben in den Kriegen der Jahre 1792 bis 1815, vom ersten Feldzug des revolutionären Frankreichs bis zur Niederlage Napoleons bei Waterloo. Gemessen an der Bevölkerungsgröße Europas, entspricht dies den Verlusten während des Ersten Weltkriegs. Die Epoche der Romantik fällt recht genau mit den mehr als 20 Kriegsjahren zusammen. Auch in insofern war sie eine blutige Zeit. Erstmals in der Geschichte stürmten Massenheere aufeinander los: In die Leipziger Völkerschlacht zogen rund eine halbe Million Soldaten, auf der einen Seite die Truppen Preußens, Österreichs, Russlands und Schwedens, auf der anderen die französischen Streitkräfte. Rund 100.000 von ihnen fielen in den vier Tage währenden Kämpfen. Am 19. Oktober 1813 waren die deutschen Lande von der französischen „Fremdherrschaft“ befreit, und Leipzig glich einem Leichenhaus.

Vieles bleibt in der Schwebe

Die Dresdner Schau will nachzeichnen, wie die Ereignisse gedeutet und manchmal schon im Moment des Geschehens romantisiert und zum nationalen Mythos geformt wurden. Ein ehrgeiziges Vorhaben, vielleicht ein unmögliches, denn um die Wechselwirkung zwischen politischem Geschehen und romantischer Weltbetrachtung auszuloten, brauchte es mehr Erläuterung, als einer Ausstellung zuträglich wäre.

http://www.zeit.de/2013/41/voelkerschlacht-leipzig-blutige-romantik-ausstellung-dresden

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Der Sieg über Napoleon war freilich nur möglich, weil man von ihm lernte: Massenmobilisierung, „Volkskrieg“, nationale Identifikation, das alles waren moderne, „französische“ Ideen und Techniken. Am Ende – Ironie der Geschichte – triumphierten mit ihrer Hilfe die Monarchien, nicht die romantischen Nationalisten. Nach Napoleons Untergang, 1815, begann die Epoche der Restauration. Kein einig Vaterland. Doch die Idee lebte fort. Und so erhielt auch die „blutige Romantik“ ihre Bedeutung im Wesentlichen nach den Befreiungskriegen. Für diese selbst, für den Sieg in der Völkerschlacht, war sie kaum entscheidend. Freikorps wie die Lützower Jäger, denen auch der Dichter Theodor Körner angehörte, spielten, das macht die Ausstellung deutlich, militärisch keine Rolle. Eine Koalitionsarmee, kein Heer deutscher Freiwilliger, schlug „die Franzosen“. Erst im Nachhinein wurde die internationale Völkerschlacht zum nationalen Befreiungsschlag stilisiert.

 

Sehr wohl bedeutend für die „blutige Romantik“ waren indes Agitatoren wie Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig „Turnvater“ Jahn oder Johann Gottlieb Fichte – und das schon vor 1813. Mit fanatischen Tiraden gegen alles „Welsche“ (Arndt: „Ich will den Haß!“), sprachphilosophischer Deutschtümelei (Fichte: Die Deutschen als „Urvolk“, das Deutsche als „Ursprache“) und martialischen Gemeinschaftsfantasien (Jahn: „Mit dem blutigen Schwert der Rache zusammenlaufen“) heizten sie den Furor gegen die Besatzer an.

 

Messen lässt sich die Wirkung ihrer Propaganda natürlich nicht, wie der Kurator der Dresdner Ausstellung, der Historiker Gerhard Bauer einwendet. Arndt aber beeinflusste nachweislich die Mächtigen in Preußen. Als Sekretär des Reformers Freiherr vom Stein half er Ende 1812, den preußischen König dazu zu bewegen, sich gegen Frankreich zu stellen. Dass die Romantikschau Arndt & Co. nur am Rand erwähnt, ist daher ein großes Versäumnis. Zumal sich die „blutige Romantik“ an ihnen besonders gut studieren ließe, Rassismus und ein bereits eliminatorischer Antisemitismus inklusive. Ebenso wenig kommen zeitgenössische Kritiker in den Blick, wie etwa der jüdische Publizist Saul Ascher, der die „Germanomanen“ so scharf wie ahnungsvoll aufs Korn nahm.

Die Ausstellung vergibt eine Chance

Die Ausstellung vergibt damit eine Chance: Eine Analyse der geistigen Aufrüstung um 1813, das wäre ein großartiger Einwurf zum Gedenkjahr gewesen – und ein interessanter Beitrag zur Geschichte der Romantik und ihren bräunlich blutverkrusteten Rändern. Doch das Dresdner Museum bietet bei näherer Betrachtung gar nicht die Ausstellung über das romantische Zeitalter, die es ankündigt, sondern eine über 1813 und die Völkerschlacht im kollektiven Gedächtnis. Und als solche ist sie durchaus sehenswert.

http://www.zeit.de/2013/41/voelkerschlacht-leipzig-blutige-romantik-ausstellung-dresden/seite-2

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 24. September 2016 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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