Archiv für 4. Oktober 2016

Reiches Deutschland?   Leave a comment

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Reiches Deutschland? Es fragt sich nur für wen. Jedenfalls gibt es in Deutschland Millionen, die mit Niedriglöhnen, Niedrigrenten, die mit Hartz IV, Leiharbeit, Werkverträgen mehr schlecht als recht über die Runden kommen. Die Altersarmut ist mit diesem Rentenniveau so sicher wie das Amen im Gebet. Es darf auch nicht sein, dass jemand trotz Vollzeitarbeit nicht genug zum Leben hat und auf Sozialhilfe angewiesen ist. Das ist ein Armutszeugnis für die deutsche Politik, vor allem für die Sozialpolitik. Es kann ja nicht sein, dass alte Leute bis zum hohen Alter weiterarbeiten müssen, weil die Rente zum leben nicht reicht. Sofern sie überhaupt gesundheitlich dazu in der Lage sind. In Österreich oder auch in Italien bekommt jemand mit vergleichbaren Bedingungen eine wesentlich höhere Rente. Was ich nicht verstehe, dass deutsche Lohnempfänger nicht dagegen opponieren. Ein Leben lang arbeiten und dann mit einer Minirente sein Dasein fristen müssen… vielleicht sinkt ja dann auch wieder das Lebensalter, und es wird wieder billiger für den Staat.

 

Hier ein Artikel aus der ZEIT

Altersvorsorge: Ein Drama bahnt sich an

Millionen Niedriglöhner können es sich nicht leisten, fürs Alter vorzusorgen. Ihnen droht ein Ruhestand in Armut. Und das gesetzliche Rentenniveau soll noch weiter sinken.

Das Prinzip ist einfach: Wer nicht viel in die Rentenkasse einzahlt, bekommt auch nicht viel heraus. Aber ist es auch gerecht? Einer Verkäuferin, die 30 Jahre lang 30 Stunden in der Woche arbeitet, acht Euro pro Stunde verdient und von diesem Gehalt ihre gesetzlichen Rentenbeiträge zahlt, bleiben laut der Gewerkschaft ver.di im Alter bestenfalls 300 Euro im Monat zum Leben.

Millionen Menschen in Deutschland, die häufig ihr Leben lang arbeiten, können sich nicht darauf verlassen, im Alter abgesichert zu sein.

Zum Beispiel Petra T.* Sie ist Kinderpflegerin in einer Münchner Kindertagesstätte. Sie ist fest angestellt, arbeitet Vollzeit und verdient 2200 Euro brutto im Monat. Früher hat die 46-Jährige als Altenpflegerin gearbeitet, das war etwas besser bezahlt, doch diese Tätigkeit musste sie aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Um ihren 19-jährigen Sohn beim Studium unterstützen zu können, jobbt Petra T. zusätzlich an manchen Wochenenden und Feiertagen bei einer Zeitarbeitsfirma und verdient sich in verschiedenen Pflegeheimen ein paar Hundert Euro dazu. Angenommen Petra T. zahlt 35 Jahre lang von ihrem heutigen Gehalt in die gesetzliche Rentenkasse ein, bekommt sie im Alter im besten Fall 800 Euro heraus.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist eine Parallelwelt entstanden, in der eine Vollzeitstelle keine Garantie mehr dafür ist, im Alter abgesichert zu sein. „Die gesetzliche Altersvorsorge bröckelt“, sagt Dorothea Voss von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Es ist ein Problem, das alle Lohnklassen betrifft, aber für Menschen mit niedrigem Einkommen unlösbar geworden ist. Sie haben kein oder fast kein Geld übrig, um privat vorzusorgen, in der vagen Hoffnung, dass die Kapitalmärkte ihnen bis zum Alter ein ausreichend großes Sümmchen erwirtschaften werden, um ihre Vorsorgelücke zu schließen.

„Niedriglohnempfänger können die fehlenden Beträge nicht kompensieren“, sagt Voss. Das bedeutet, dass der Austräger von Werbeprospekten im Minijob, die Krankenschwester oder der Aushilfskellner in Teilzeit, aber auch eine Vollzeitkraft wie Petra T. zwar so viel verdienen, dass es ihnen zum Leben gerade reicht. Aber eben nur in der Gegenwart, nicht in der Zukunft.

Reiches Deutschland?

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Gruß Hubert

 

Fohlen – im Sommer geliebt, im Herbst geschlachtet   5 comments

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Haflinger und Noriker gehören in Österreich zu den beliebtesten Pferden. Erwachsene und Kinder lieben ihr freundliches, gutmütiges und geduldiges Wesen. In vielen Reitställen, auf Bauernhöfen und Almen zählen die Pferde zu jenen Attraktionen, die Touristen aus dem In- und Ausland erfreuen. Besonders beliebt sind natürlich die hübschen Fohlen, die im Sommer über die Weiden tollen und mit kecken Bocksprüngen ihre Lebensfreude zeigen. Wer die Fohlen in trauter Verbundenheit mit ihren Mutterstuten sieht, käme vermutlich nicht auf die Idee, daß dieses Glück nur von kurzer Zeit sein könnte. Und daß ein Großteil der kleinen Haflinger und Noriker dem Tod geweiht ist, noch ehe sich die Blätter an den Bäumen verfärben.

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Fohlenversteigerung + freikauf Maishofen

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Schrecklicherweise ist es aber so. Als Folge einer pervertierten Zuchtpolitik ist die Mehrheit der österreichischen Haflinger- und Norikerfohlen „Überschußproduktion“. Solange sie im Sommer Urlaubsgäste erfreuen, dürfen sie leben. Danach haben sie ihre Schuldigkeit getan und werden zu einer der großen Pferdeversteigerungen gekarrt. Von hier führt für die meisten der armen Fohlen der Weg in den Schlachthof. Italienische Schlachthöfe verarbeiten Fohlenfleisch zu Salami, aber auch in Belgien und Frankreich wird Fohlenfleisch geschätzt. In Österreich steht es ebenfalls auf einigen Speisekarten, wenn auch nicht immer offiziell. In Kärnten wird stolz das „Milchsaugfohlen“ angepriesen, aber auch in der Steiermark und in Niederösterreich kann man lokale Spezialitäten aus Fohlenfleisch bestellen.

Mit Ihrer Hilfe will ANIMAL SPIRIT jetzt noch mehr gegen das Leid der Fohlen tun.

Tödliche Schönheitsfehler

Haflinger werden seit über 100 Jahren gezüchtet, speziell in den letzten Jahrzehnten haben sich dabei Zuchtpraktiken eingeschlichen, die gelinde nur als „absonderlich“ bezeichnet werden können. Für die Tiere haben sie fatale Folgen: entspricht ein neugeborenes Fohlen nicht dem derzeitigen Typ Modehaflinger, ist das Tier bereits im Babyalter zum Tode verurteilt. Mähne und Schwanz müssen reinweiß und das Fell fuchsfarben sein. Die meisten anderen Tiere – in erster Linie natürlich die Hengstfohlen – scheiden von vorn herein zur einträglichen Weiterzucht aus und werden getötet. Denn außer der Zucht gibt es nur die Möglichkeit, Fohlen als Reit- und Fahrpferde auszubilden. Doch dieser Bereich ist begrenzt. Somit landen Jahr für Jahr an die 90 Prozent aller Fohlen auf irgendeinem Schlachthof. „Überschußware“… Das Schicksal eines Tierkindes interessiert weder die Züchter, noch die Verkäufer oder „Vieh“-Händler.

 

Wie es auf Pferdemärkten zugeht 

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Fohlenversteigerung Maishofen 281003

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Der größte Pferdemarkt in Österreich findet traditionell in Maishofen in Salzburg statt. Wir von ANIMAL SPIRIT besuchen diesen Markt schon einige Jahre, kennen ihn gut und haben bereits einige Protestaktionen durchgeführt. Etliche Pferde und Esel, die jetzt auf einem unserer Gnadenhöfe ihr restliches Leben in Frieden und Freiheit genießen dürfen, haben wir auf einem dieser Fohlenmärkte freigekauft. Der Charakter des Maishofener Pferdemarktes, der im Herbst mehrmals abgehalten wird, ist der eines Jahrmarktes, ein lautes, bier- und Leberkäs-geschwängertes Ereignis mit rauhen Sitten. Für die Leute, die hier mit Fohlen handeln, macht es keinen Unterschied, ob sie einen Traktor oder ein Pferd verkaufen; das einzige, was zählt, ist „das Geschäft“, das jeder einzufahren hofft. Nur einmal Glück haben und ein Fohlen, das 18.000 Euro bringt, davon träumen manche der Verkäufer. Und im Dunst des Alkohols, der meist in Strömen fließt, werden die Träume immer schriller und der Umgang mit den Pferden immer brutaler. Die Tiere, die manchmal schon verletzt vom Transport ankommen, werden nicht selten grob behandelt, „Ausschußware“ natürlich erst recht…

 

Ein Fohlen ist ein Pferdekind

Auf dem Maishofener Fohlenmarkt und anderen Pferdeversteigerungen zählt so ein Pferdchen wenig, wenn es nicht dem gefragten Modetyp entspricht oder eine „prominente“ Abstammung vorweisen kann. Dann muß man es loswerden. So schnell wie möglich. Zum Kilopreis von ca. 1,60 bis 2 Euro. Da nimmt man auch schon mal irgendeinen Stock und das Fohlen wird von der Mutterstute weggeprügelt, zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Verkauft an den „Vieh“-Händler, dessen Transporter schon bereit steht für die Horror-Fahrt zum Mast- und dann weiter zum Schlachthof. Was wird so ein Fohlen empfinden? Was die Mutterstute? Kein Mensch fragt danach in Maishofen im Salzburger Pinzgau oder auf den anderen Märkten. Auch nicht in den österreichischen Zuchtverbänden, die u.a. mit Empfehlungen wie „eine Stute soll nie leer stehen“ die „Produktion“ anheizen. Kein Mensch fragt danach, aber wir von ANIMAL SPIRIT wollen verhindern, daß jeden Herbst wieder unzählige Fohlen umgebracht werden. Und wir bitten Sie, uns dabei zu unterstützen.

 

Was erlebt die Stute?

Eine Stute ist elf Monate trächtig und wird gleich nach der Geburt des Fohlens wieder gedeckt. Nach dem Sommer auf der Alm werden Stute und Fohlen meist gemeinsam zum Markt gebracht, weil das kleine Pferd sonst überhaupt nie in den Transporter steigen würde. Wie viele Fohlen wird eine Stute wohl zur Versteigerung begleiten? Wie viele wird sie dort verschwinden sehen nach dem immergleichen grausamen Kreislauf von Geburt, sommerlicher Aufzucht, Pferdemarkt und Abtransport des Fohlens zum Schlachthof?

 

Der Transport zum Schlachthof

Pferde gehören zu jenen Tieren, die sich am schlechtesten zum Transport eignen, weil sie nur schwer ihr Gleichgewicht halten können. Wenn man sich ihren Körperbau ansieht, ist es klar: Der Schwerpunkt liegt hoch, die Stehbreite ist schmal. Das ist auch der Grund, warum Pferde höchst sensibel sind, wenn es um den Boden geht, auf dem sie stehen und gehen. Sie steigen freiwillig auf nichts, was vibriert. Ein Fohlen wird alles tun, um nicht in den Transporter steigen zu müssen. Also wird es geprügelt und manchmal sogar mit Elektroschocks dazu gezwungen.

Nach einer stundenlangen, manchmal auch tagelangen Fahrt, oft ohne Futter, zum erstenmal weg von der Mutterstute und eingesperrt mit viel zu vielen anderen Pferden, landet das Fohlen erschöpft und oft verletzt im Mastbetrieb oder am Schlachthof.

 

Auch das Ende ist gnadenlos

In den Hochleistungsschlachthöfen der EU geht es nur um Effizienz, jeder Arbeiter soll pro Minute ein Tier töten. Hier ist kein Platz für Mitgefühl und so werden die Fohlen auch in ihren letzten Stunden nicht geschont. Die Tiere bekommen alles mit, was mit ihnen geschehen soll, denn sie müssen ihren Leidensgenossen zusehen. Wer einmal dabei war, wird das bezeugen. In Panik verletzen sie sich, brechen sich die Beine, um schließlich den Bolzenschußapparat angesetzt zu bekommen und mittels Kehlschnitts umgebracht zu werden.

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Fohlen – im Sommer geliebt, im Herbst geschlachtet

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Gruß Hubert