Archiv für 26. Oktober 2016

Möbelgangster XXXL   Leave a comment

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Ich habe ja einmal bei XXX Lutz etwas gekauft. Das werde ich aber ganz sicher nicht mehr tun, nachdem ich einige Informationen von dieser Firma habe. Gestern (25.10.) war auch in „Frontal“ vom ZDF ein Beitrag dieser fragwürdigen Firma. Schlicht zum kotzen finde ich auch wie Gesetzgeber und Behörden da tatenlos zuschauen, gar nicht daran denken einzuschreiten.

Hier ein Auszug von work-watch.de

Großer Stuhl, große Klappe

(ak) Unter dieser Überschrift berichtet die Tageszeitung „Neues Deutschland“ am 21.5. über die Politk des Möbelkonzerns XXXL gegen Beschäftigtenrechte und Betriebsräte. Wir drucken mit freundlicher Genehmigung der Zeitung den Artikel hier ab:
„Die XXXLutz-Unternehmensgruppe ist einer der größten Möbelhändler der Welt. Das profitable Geschäftsmodell gründet auf einem tariflosen Zustand, einer ausgetüftelten Steuervermeidungspolitik und einer Konzernstruktur, die Beschäftigte zu einer Art Leiharbeiter degradiert.

Es ist ein Konzern der Superlative. Allein der Eigenname, die Über-Übergröße XXXL, in die er seine Geschäfte einkleidet. Dann der riesige rote Stuhl, der vor jeder Filiale protzt, eingetragen ins Guinnessbuch der Rekorde. Und die Verdreifachung des Umsatzes in den vergangenen 15 Jahren auf vier Milliarden Euro, genauso wie die der Mitarbeiter auf 20 000 und der Filialen auf über 200. Nichts zu wünschen übrig lassen auch die Visionen:
»Die XXXLutz-Unternehmensgruppe ist heute einer der größten Möbelhändler der Welt. Doch das Ziel lautet klar: Wir wollen in Europa an die Poleposition.«

Nach Auffassung von Gewerkschaften lässt allerdings der Umgang des Möbelkonzerns mit den Beschäftigten zu wünschen übrig – obwohl die entsprechenden Absichtserklärungen des Möbelhändlers natürlich über jeden Zweifel erhaben sind: »Die menschliche Komponente ist die Basis unseres Erfolges. (…) Gemäß dem Leitsatz ›Mit Sonne im Herzen zur Nr. 1 der Welt‹ sieht die große XXXLutz-Familie den täglichen Herausforderungen mit Freude entgegen.«

 

Gegen Tarif und Gesetz

Mit Sonne im Herzen? Familie? Freude? Ein ehemaliger Mitarbeiter aus Böblingen schildert in einem schriftlichen Bericht seine Erfahrungen: »Meine heftigste Arbeitszeitüberschreitung war von 7 Uhr morgens bis 22.30 Uhr beim Kunden, Fahrtzeit ins Lager noch mal 30 Minuten, dann Müll sortieren und Lkw auskehren
weitere 30 Minuten. Ich habe also um 23.30 Uhr Feierabend gemacht. Aber die Laufliste dieses Tages enthielt eine Arbeitszeit von 7 Uhr bis 18 Uhr mit einer Stunde Pause in der Mittagszeit. Die ich auch nicht gemacht, sondern nur gestempelt habe.«

Wie das geht? Wir fragen auf einem Treffen von XXXL-Betriebsräten am 9. April in Köln nach und erhalten die Erklärung: Die Monteure stellen ihre Auslieferungswagen, Siebeneinhalbtonner, pünktlich kurz vor 18 Uhr auf dem Firmengelände ab und stempeln aus. Damit kann der Arbeitgeber bei eventuellen Kontrollen durch
die Gewerbeaufsicht saubere Papiere vorzeigen. Danach allerdings laden dieselben Monteure die Möbel, die noch auf dem Lkw sind, auf einen kleineren Lkw ohne elektronische Tachoscheibe um, fahren wieder los und bauen sie bei den Kunden auf. Das kann auch schon mal bis in die Nacht dauern, offiziell ist die Arbeitszeit ja längst
schon beendet. Wer trotzdem »offiziell« nicht vor 18 Uhr abstempelt, dem passiert nach dem vorliegenden
Bericht des Böblinger Monteurs Folgendes: »Während meines Abstempelvorgangs sprang die Uhr um eine Minute nach 18 Uhr weiter. Am nächsten Morgen erhielt ich eine Abmahnung, worin beteuert wird, dass wir die Arbeitszeiten zwingend einzuhalten haben. Diese Abmahnung musste ich natürlich unterzeichnen. Etwa drei Monate später werden solche Abmahnungen wieder gelöscht. Die Abmahnungen dienen lediglich dem Schutze des Unternehmens XXXLutz bei Arbeitszeitkontrollen.« Erfahrungen, die – nach Aussage der Betriebsräte auf dem Kölner Treffen – auch andere Monteure in anderen XXXL-Filialen machen.

Natürlich sieht der Konzern das alles anders. Auf Nachfrage des »nd« erklärt die Pressestelle, dass die gesetzlichen Arbeitszeiten in der Unternehmensgruppe eingehalten werden. »Sollten einmal Überstunden aus betrieblichen Gründen notwendig sein, so werden diese durch Freizeitausgleich oder finanzielle Zuschläge abgegolten.« Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bereits 2013 ein interner Untersuchungsbericht,
der »nd« vorliegt, »in Einzelfällen Überschreitungen der Arbeitszeit über 60 Stunden in der Woche« und damit einen Bruch des Arbeitszeitgesetzes feststellte.

Auch die Verkäufer bei XXXLutz stehen gehörig unter Druck. »Jedes Jahr soll ein Verkäufer den Umsatz um zehn Prozent steigern«, berichtete ein Betriebsratsmitglied einer Filiale auf einem Treffen von Betriebsräten aus Nordrhein-Westfalen im März 2016. Das habe tatsächlich die ersten zwei Jahre nach der Übernahme ihres
Möbelhauses durch XXXL geklappt. Im dritten aber sei das nicht mehr gelungen. Die Filialleitung habe daraufhin die Kollegen bedrängt und vorgeschlagen, sie könnten ja ihren Urlaub »als Gegenwert einbringen«. Dann würde die Umsatzsteigerung sicherlich gelingen. Der Konzern dementiert gegenüber »nd« solche Praktiken.

Aber auch hier lohnt ein Blick in den internen Untersuchungsbericht von 2013: »Besonderen Druck spüren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen der Festlegung der Personalkennzahlen (PKZ) und der damit verbundenen Befürchtung, dass Arbeitsplätze abgebaut werden und dass sie davon betroffen sein können.
« Gemeint ist die Möglichkeit, bei Unterschreiten der Umsätze pro Beschäftigtem mit Lohnkürzungen oder Entlassungen zu reagieren.

Die Brüder Andreas und Richard Seifert, die über den Konzern mithilfe zweier Privatstiftungen herrschen, fahren – auch dank solcher Regelungen – eine zweistellige Rendite ein und gehören zu den reichsten Österreichern. Ihr geschätztes Vermögen: 650 Millionen Euro.
Ihrem Wohlergehen förderlich ist sicherlich auch, dass der österreichische Konzern XXXLutz sein Kernunternehmen nach Malta verlegt hat und dort Steuern einsparen kann bzw. fast keine Steuern zahlt. Die maltesische XXXLutz Marken GmbH kassiert nämlich von XXXL-Gesellschaften in anderen Ländern hohe Lizenzgebühren. Dadurch sinken die in Österreich oder Deutschland erwirtschafteten Gewinne. In Malta
braucht der Konzern auf seine Profite nur fünf Prozent Steuern abzuführen. Die nach Österreich in die Muttergesellschaft rücktransferierten Gewinne bleiben steuerfrei. Dadurch entgingen dem dortigen Fiskus in einem Geschäftsjahr die Steuern auf einen zweistelligen Millionenbetrag, wie es österreichischen Medien
2014 einhellig schilderten. Der Konzern kommentiert hierzu lapidar: »Die XXXL-Unternehmensgruppe zahlt sämtliche Steuern (Umsatzsteuer, Lohnsteuer und Ertragsteuern) in den Ländern, in denen ihre Betriebe ansässig sind.«

In Deutschland erwirtschaften über 100 Einzelgesellschaften ihre Gewinne für die Zentrale in Würzburg. Jede Filiale ist in mehrere GmbHs zergliedert, einerseits für das eigentliche Verkaufsgeschäft, andererseits für das Personal. Eine trickreiche Konstellation mit weitreichenden Folgen. Die Personalgesellschaften verfügen
nämlich über kein eigenes Vermögen und können mit diesem Argument sowohl Abfindungen wie Sozialpläne verweigern – und behaupten, sie seien gezwungen, »ihren« Beschäftigten ohne Einhaltung von Fristen zu kündigen, wenn ihr Auftraggeber – zum Beispiel die Zentrale in Würzburg oder eine andere GmbH vor Ort – ihnen den Auftrag entzieht. In München, Mannheim und Oberhausen wurde diese Praxis von der örtlichen Presse mal mit Erstaunen, mal mit Entsetzen zur Kenntnis genommen. Die GmbH-Konstruktion ist jedenfalls auf möglichst geringe Haftung ausgelegt und soll Schutzrechte von Arbeitnehmern unterlaufen.

Erbost zeigte sich darüber die ehemalige Arbeitsministerin von Baden-Württemberg, Katrin Altpeter (SPD): Sie nannte die XXXL-Konstruktion »zutiefst unmenschlich und verabscheuungswürdig. Genauso empörte sich der ehemalige Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, Guntram Schneider, darüber, der eine Task- Force einrichten wollte, um die GmbH-Konstruktion von XXXLutz bzw. die daraus folgenden Angriffe auf die Beschäftigten zu stoppen. Seit dem Abschied Schneiders vom Ministeramt hört man von dem Projekt leider nichts mehr.

Die GmbHs sämtlicher XXXL-Filialen treffen in den wesentlichen Geschäftsbereichen keinerlei eigene Entscheidungen, sondern werden von der Zentrale in Würzburg mit harter Hand geführt. Das zeigt der »Subunternehmerrahmenvertrag für Dienst- und Werkleistungen«, den die GmbHs vor Ort mit der Zentrale in Würzburg, der BDSK Handels GmbH und Co KG abzuschließen haben. Darin heißt es: »Die Auftraggeberin
(also die BDSK, d. Verf.) teilt schriftlich oder per Email die Einzelaufträge mit. In einem Einzelauftrag wird grundsätzlich folgender Inhalt festgelegt: Beginn und Ende der Leistungserbringung; Aufgaben und Ziele des Tätigwerdens in Form einer detaillierten Leistungsbeschreibung …« Und im Hintergrund regieren die beiden Eigentümer zum Teil bis in die Details hinein.

Betriebsrats- und gewerkschaftsfeindlich

Der überfallartige Rausschmiss von Beschäftigten ist ein Kernbestandteil der Konzernpolitik. Zwar steigen die Mitarbeiterzahlen durch die ständige Übernahme von Konkurrenten, besonders in Deutschland. Aber die Übernahmen werden so abgewickelt, dass auch mal Dutzende der alten Mitarbeiter gekündigt werden. Wenn neue MitarbeiterInnen eingestellt werden, dann zu schlechteren Konditionen: Für längere Arbeitszeiten
bekommen sie weniger Geld.

 

Hier weiterlesen:

Möbelgangster XXXL

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Auszug – Westpol – Sendung vom 26.06.2016

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http://www.4shared.com/video/Qywi8Yijba/Sendung_vom_26062016_-_Westpol.html
http://www.4shared.com/web/embed/file/Qywi8Yijba

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Ich kann mich mal wieder aufregen.
Das habe ich am Sonntag in der Sendung Westpol gesehen:
Da gibt es ein großes Möbelhaus, das plötzlich im Konzern eine Personalgesellschaft gründet und die Mitarbeiter dorthin auslagert. Erstmal eine reine Formalie, so scheint es. Doch dann entzieht das Möbelhaus dieser Firma den Auftrag. Folglich ist die Firma pleite und alle Mitarbeiter werden entlassen.
Ich kann dabei nicht ruhig bleiben. Da gibt es Wut und Ohnmacht in mir. Jede Menge. Und manchmal kommt mir der Satz „Keine Gewalt ist auch keine Lösung.“ Wenn jetzt jemand den Konzernchef erschösse, ich dürfte es nicht billigen. Aber ich würde ihm gerne die Kosten für die Munition ersetzen.
Schauen wir mal, was in Gespräche mit Gott dazu steht, meinem Leitfaden. Dort steht, ich erinnere mich, in Band I glaube ich, dass auch die Gewaltlosen, die durch Gewalt in die Ecke gedrängt werden, manchmal zur Gewalt greifen müssen, um dann wieder das zu sein, was sie sind: Gewaltlose. Klingt irgendwie verdreht; ich weiß auch nicht, ob ich es richtig kapiert habe. Aber es hat für mich den Gedanken an Notwehr, die ja bei uns erlaubt ist.
Und sich zu wehren, wenn Arbeitsplatz und materielle Lebensgrundlage durch Tricksereien entzogen werden, wo das normale Kündigungsrecht ausgehebelt wird, das erscheint mir berechtigt. Und wenn die Gemeinschaft, Gerichte und Politik, dies nicht unterbinden, dann habe ich Verständnis dafür, wenn jemand sich mittels anderer Gewalt wehrt.

https://sabnsn.wordpress.com/2016/06/30/was-muss-man-den-deutschen-noch-antun-damit-die/

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 26. Oktober 2016 von hubert wenzl in Uncategorized, Wirtschaft

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