Archiv für Oktober 2016

Rationale aller Länder, vereinigt Euch!   1 comment

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Es ist interessant zu sehen, wie gleiche Gruppen, wie zum Beispiel Radfahrer und Autofahrer. Skifahrer und Snowboarder. Raucher und Nichtraucher, zusammenhalten und sich in Oppostion zur anderen Gruppe verhalten.

Die stärksten Kleber für solche potenziell aggressiven Gruppen sind Religion, Ethnie und Nationalismus.

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Hier eine Kolumne aus dem Spiegel.

Donald Trump, die AfD, Le Pen – Rechtspopulisten ist gelungen, woran die Linke gescheitert ist: ein internationales Identifikationsangebot für Verlierer der Globalisierung zu schaffen. Zeit für eine Gegenbewegung.

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Zwei Fäuste

Getty Images Easy Access/ EyeEm -Zwei Fäuste
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Es gibt ein auf den ersten Blick kurios wirkendes Experiment, das unter Psychologen sehr berühmt, sonst aber wenig bekannt ist. Durchgeführt hat es in den frühen Siebzigerjahren in Bristol ein Team um den Sozialpsychologen Henri Tajfel. Die Forscher zeigten Versuchspersonen Bilder von Wassily Kandinsky und Paul Klee und fragten sie, welche ihnen besser gefielen. Auf Basis dieser Urteile wurden die Personen einer Klee- oder Kandinsky-Gruppe zugeteilt. Sie erfuhren dabei nicht, wer die übrigen Gruppenmitglieder waren.

Anschließend wurden die Versuchspersonen gebeten, mithilfe eines aufwendigen Verfahrens immer wieder kleine Geldsummen an die beiden Gruppen zu verteilen – mit dem expliziten Hinweis, dass die Entscheidung keinen Einfluss auf ihre eigene Belohnung hatte. Und siehe da: Klee-Freunde bevorzugten die ihnen völlig unbekannten anderen Klee-Freunde, Kandinsky-Fans die anderen Kandinsky-Fans.

Diese Experimente sind als „minimal group paradigm“ in die Geschichte der Sozialpsychologie eingegangen. Der Befund wurde oft repliziert und auch kritisiert, über die genauen Wirkfaktoren wird seit Jahrzehnten gestritten. Unbestritten ist aber: Es ist erstaunlich einfach, Menschen dazu zu bringen, sich einer bestimmen Gruppierung zugehörig zu fühlen. Und das hat oft Konsequenzen für ihr Verhalten gegenüber anderen.

Die stärksten Kleber sind Religion, Ethnie und Nationalismus

Wenn Ihnen das zu theoretisch ist, lassen Sie mal eben die folgenden Beispiele auf sich wirken: Radfahrer und Autofahrer. Skifahrer und Snowboarder. Raucher und Nichtraucher. Jogger und Walker. Apple-Fans und Windows-Freunde. Konsolenspieler und PC-Spieler.

Schon solche ziemlich arbiträr wirkenden Zugehörigkeiten können, das hat vermutlich jeder schon erlebt, zu äußerst emotionalen Auseinandersetzungen führen. Ist die Gruppe schärfer definiert, stärker abgegrenzt, kann es schnell blutig werden: Schiiten und Sunniten. Hutu und Tutsi. Türken und Armenier. Und so weiter.

Die stärksten Kleber für solche potenziell aggressiven Gruppen sind Religion, Ethnie und Nationalismus. Deshalb war das „internationale Proletariat“ so ein Geniestreich. Marx und Engels erdachten gewissermaßen aus dem Nichts eine Gruppe, der man sich ohne Ansehen von Nation, Religion, Hautfarbe zugehörig fühlen konnte. Was immer man sonst vom Marxismus halten mag: Die beiden nahmen die Globalisierung vorweg und erfanden gleich ein globales Gegengewicht. Eine Gruppe, die über gemeinsame Interessen definiert war, über Grenzen hinweg.

Internationale Solidarität unter Nationalisten

Und damit kommen wir, so kurios das scheinen mag, zu Donald Trump und zur AfD. Trump ist der Kandidat, die AfD die Partei der gefühlt Abgehängten. Einer aktuellen, von der „FAZ“ in Auftrag gegebenen Studie zufolge finden 38 Prozent der AfD-Anhänger, sie gehörten „zu denen, die zurückbleiben, während es vielen anderen in Deutschland immer besser geht“. Bei den Anhängern der Linken sind es nur 33 Prozent.

Trump-Fans, AfD-Anhänger und die der britischen Brexit-Partei Ukip, des französischen Front National, der österreichischen FPÖ oder von Victor Orbáns Fidesz-Partei haben auch sonst viel gemeinsam: Sie haben oft etwas gegen Migranten, gegen „Political Correctness“, gegen Emanzipation und gegen gleiche Rechte für Menschen, die nicht heterosexuell sind. Und gegen Freihandelsabkommen. Gegenseitig aber mögen sie sich. Plötzlich gibt es da ein – internationales! – Identifikationsangebot für die Abgehängten und Wütenden. Internationale Solidarität unter Nationalisten.

Fast aus Versehen und mit viel Hilfe durch das soziale Internet ist eine Art reaktionäre Internationale entstanden. Von der sozialistischen Internationalen dagegen, der proletarischen Solidarität gegen die Mächte des Kapitals, hört man derzeit eher wenig. Auch und gerade die linken Parteien Europas denken und reden im Jahr 2016 allzu oft erschreckend national.

Verschwörungstheorien als politisches Instrument

TTIP und Co. bieten für Rechte wie Linke gleichermaßen Angriffsflächen, ja, zum Teil scheinen sie wie geschaffen dafür, Verschwörungsgedanken zu nähren: geheime Verhandlungen, geheime Dokumente, geheim tagende Schiedsgerichte ohne demokratische Legitimation und so weiter. Hier verschwört sich doch ganz offensichtlich das globale Kapital mit irgendwelchen dubiosen „Eliten“, hinter verschlossenen Türen.

Nun ist es die große Stärke der Rechten, Verschwörungstheorien als politisches Instrument zu benutzen. Im Fall des Freihandelsgegners Donald Trump reicht das bekanntlich bis hinauf zum Kandidaten persönlich.

Tatsächlich, und dafür braucht man gar keine Verschwörungstheorie, bräuchte der globale Kapitalismus mehr denn je dringend ein ebenfalls global organisiertes Gegengewicht. Die Konzerne haben die Methode perfektioniert, nationale Regierungen zu ihrem eigenen Nutzen gegeneinander auszuspielen, egal, ob es um Steuervermeidung, Arbeitnehmerrechte, den Klimawandel oder Abgasmauscheleien geht.

Wir brauchen eine aufgeklärte, globale Zivilgesellschaft

Die Politiker, die quasi versehentlich zu Vertretern der reaktionären Internationale geworden sind, haben es irgendwie geschafft, den Eindruck zu erwecken, sie seien das Gegengewicht zu dieser Entwicklung. Dabei ist Nationalismus – und darum geht es all den genannten Parteien in Wahrheit – als Mittel zur Lösung globaler Probleme völlig ungeeignet.

Was die Welt gut gebrauchen könnte, wäre eine globale Zivilgesellschaft, die sich jenseits von Religion, Ethnie und Nation darüber verständigte, wie der globale Kapitalismus im 21. Jahrhundert zu zähmen sei. Eine aufgeklärte, eine rationale Internationale gewissermaßen, ein Identifikationsangebot jenseits der Reaktion. So eine globale Zivilgesellschaft könnte enorme Macht entfalten, wenn sich ihr genügend Menschen zugehörig fühlten. Es gibt zwischen diesem Wunsch und Rassismus, Sexismus und Nationalismus keinen logischen Sinnzusammenhang, im Gegenteil.

Es wird höchste Zeit, den gefühlt Abgehängten klarzumachen, dass diese neue Gruppe, der sie sich seit neuestem zugehörig fühlen, ihnen nicht helfen kann. Dass die reaktionäre Internationale nur eine Richtung kennt: auf den Abgrund zu.

Eine Kolumne von

Rationale aller Länder, vereinigt Euch!

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Wenn die wechselvolle Geschichte von Islam und Europa eines zeigt, dann dies: Sobald die organisierte Religion – egal welche – dazu ermächtigt wird, politische und gesellschaftliche Normen zu setzen, wird es gefährlich. Denn wer sich auf einen letzten Grund, auf eine unbedingte Macht berufen darf, der muss keine rationalen Begründungen mehr liefern. Der kann Massaker ebenso anordnen wie die Zerstörung von Kulturgütern. Das gilt für das Christentum ebenso wie für den Islam.

Quelle Spiegel
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Gruß Hubert

Veröffentlicht 24. Oktober 2016 von hubert wenzl in Uncategorized

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You Want It Darker – Leonard Cohen   1 comment

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You Want It Darker – Leonard Cohen

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You Want It Darker –  deutsche Übersetzung von Google
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Wenn Sie der Händler sind
Ich bin aus dem Spiel
Wenn Sie der Heiler sind bedeutet es
Ich bin gebrochen und lahm
Wenn dein ist die Herrlichkeit dann
Mein muss die Schande sein
Sie wollen es dunkler
Wir töten die Flamme

Vergrößert, geheiligt
Seien Sie der heilige Name
Spüren Sie das Feuer, gekreuzigt
Im menschlichen Rahmen
Eine Million Kerzen brannten
Für die Hilfe, die nie kam
Sie wollen es dunkler

Imeni, imeni
Ich bin bereit, mein Herr

Es gibt einen Liebenden in der Geschichte
Aber die Geschichte ist immer noch die gleiche
Es gibt ein Schlaflied für Leiden
Und ein Paradox an die Schuld
Aber es steht in den heiligen Schriften
Und es ist nicht irgendein Idol-Anspruch
Sie wollen es dunkler
Wir töteten die Flamme

Du stellst dich den Gefangenen hin
Und die Wärter nehmen ihn
Ich kämpfe mit einigen Dämonen
Sie waren mittelmäßig
Ich wusste nicht, dass ich die Erlaubnis hatte
Um zu morden und zu korrigieren
Sie wollen es dunkler

Imeni, imeni
Ich bin bereit, mein Herr

Vergrößert, geheiligt
Seien Sie der heilige Name
Spüren Sie das Feuer, gekreuzigt
Im menschlichen Rahmen
Eine Million Kerzen brannten
Für die Liebe, die nie kam
Sie wollen es dunkler
Wir töteten die Flamme

Wenn Sie der Händler sind
Lassen Sie mich aus dem Spiel
Wenn Sie der Heiler sind
Ich bin gebrochen und lahm
Wenn dein ist die Herrlichkeit
Mine muss die Schande sein
Sie wollen es dunkler

Imeni, imeni
Imeni, imeni
Ich bin bereit, mein Herr

Imeni
Imeni
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http://cohencentric.com/official-lyrics-leonard-cohens-want-darker-album/#youwantit

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http://cohencentric.com/official-lyrics-leonard-cohens-want-darker-album/#youwantit

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Der Herbst rückt an, bald macht er dem Winter Platz. Nick Caves SKELETON TREE hallt weiter nach, wie ein Echo, das nicht verklingen will. So ist er, der Tod. Er nimmt nicht nur, er verschwindet auch nicht wieder. Auftritt Leonard Cohen.

Nick Cave betrachtet ihn als Vorbild, als Literat des Lebens, der Liebe und – auch immer schon – des Todes. Kurz eine Episode Mitten aus dem Leben dieses Mannes: Anfang der 60er, Cohen war noch Poet, lebte er auf der griechischen Insel Hydra. Eines Tages begegnete er in einem Geschäft der Norwegerin Marianne Ihlen, Frau des Dichters Alex Jensen. „A lightness had come over me“, beschrieb sie die Begegnung später. Für die Cohen-Fans war sie die Heilige Muse ihres Idols, er schrieb für sie „So Long, Marianne“.

Im Sommer 2016 erhielt Cohen eine Email von einem engen Freund von Marianne Ihlen. Sie leide an Krebs, habe nicht mehr lange zu leben. Cohen schrieb ihr: „Well Marianne, it’s come to this time when we are really so old and our bodies are falling apart and I think I will follow you very soon. Know that I am so close behind you that if you stretch out your hand, I think you can reach mine.“ Marianne erhielt den Brief noch rechtzeitig. Ein paar Tage später starb sie, ruhig und friedvoll.

[„Nun Marianne, es ist zu dieser Zeit gekommen, wenn wir wirklich so alt sind und unsere Körper auseinanderfallen und ich denke, dass ich dir sehr bald folgen werde. Wisse, dass ich so dicht hinter dir bin, dass, wenn du deine Hand ausstreckst, ich glaube, du kannst meine erreichen.“]

Man hat Marianne und Cohens letzte Worte an sie im Kopf, wenn man nun YOU WANT IT DARKER hört. „I’m ready, my Lord“, singt Cohen im Titellied, eine sarkastische Begegnung mit Gott und dem Tod, der lässige Ton erinnert an Thees Uhlmanns Roman „Sophia, der Tod und ich“, an dessen Ende dann schließlich auch die Tränen kamen. „I’m angry and I’m tired all the time“, heißt es bei „Treaty“, die feierlich-bittere Abrechnung einer Liebe: Wäre gut, wir hätten einen Vertrag gemacht.

Cohens Sohn Adam hat als Produzent dem Alten die Schrullen ausgeredet

Cohen, 82, singt mit einer übermenschlich tiefen Stimme, als wäre Tom Waits sein mit Honig beschmierter Kehlkopf in die Magengrube geplumpst. Die Musik ist besinnlich, Klangexperimente gibt es nicht, Cohens Sohn Adam hat als Produzent dem Alten die Schrullen ausgeredet. Wichtiges Element sind die Chöre, es singen nicht länger die aufreizenden Frauen, sondern mönchsgleiche Männer. Erst kurz vor Schluss strömt bei „Steer Your Way“ Frischlust in die Zeremonie: Eine freche Geige, eine Frau an seiner Seite. Noch einmal Leben, bevor das Werk mit einem Streichquartett endet. Die Stille danach ist kaum auszuhalten, aber sie währt nur kurz, so sehr hallt auch YOU WANT IT DARKER nach.
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https://www.musikexpress.de/reviews/leonard-cohen-you-want-it-darker/
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Marianne Ihlen und Leonard Cohen

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 22. Oktober 2016 von hubert wenzl in Musik, Uncategorized

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Berührende Worte eines Tierheimhundes   2 comments

So mancher liebe Tierheimhund bleibt wohl ewig im Tierheim, weil Menschen nicht genauer hinschauen, oder nur einen „schönen“, jungen Hund wollen. Traurig so ein Schicksal eines Hundes, die ja alle liebenswert sind.

Für die Freiheit und das Leben aller Tiere!

Entdeckt und gefunden auf der Facebookseite von Tierschützerin Marie Bettina Schneider:

Liebe Adoptivmama,

heute bin ich gestorben. Es war nicht schmerzhaft, keine Sorge. Ich war nur einsam. Aber weil ich so daran gewöhnt war, allein zu sein, fühlte sich Sterben vertraut und warm an, auch wenn niemand bei mir war.

Ich habe so viele Jahre in meinem Zwinger verbracht, ich lernte, ihn zu lieben. Es war der einzige Ort, an dem ich mich jemals sicher fühlte. Ich nehme an, ich hatte einfach Pech. Ich habe mich nie gefragt, warum ausgerechnet ich immer Pech hatte und andere nicht. Es ist nun einmal so.

Liebe Adoptivmama, ich möchte nicht, dass Du Dich schlecht fühlst. Ich hätte mir nur gewünscht, Du hättest gewusst, dass es mich gibt. Ich hätte mir gewünscht, dass Du nicht den flauschigen kleinen Welpen vom Züchter ausgesucht hättest, als Du nach einem Freund suchtest. Ich wünschte, jemand hätte Dir…

Ursprünglichen Post anzeigen 352 weitere Wörter

Veröffentlicht 22. Oktober 2016 von hubert wenzl in Uncategorized

Spaniens Verfassungsgericht kippt katalanisches Stierkampfverbot   2 comments

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Damit sagt das spanische Verfassungsgericht, Stiere nicht töten zu dürfen sei verfassungswidrig. Ich hoffe Katalonien erreicht bald die Unabhängigkeit von diesem spanischen Staat. Wie kann man denn heute noch sagen Stierkämpfe seien ein kulturelles Erbe. Arme Kultur und arme Stiere in Spanien. Da wollte wohl auch Spanien wegen der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen Katalonien eines auswischen.

 

Stierkampfverbot in Katalonien gekippt

Torero und Stier sind „kulturelles Erbe“

Tierschützer sprechen von grausamer Tradition. Befürworter betrachten Stierkämpfe dagegen als kulturelles Erbe. Genau darauf beruft sich Spaniens Verfassungsgericht – und hat deswegen das Stierkampfverbot in Katalonien gekippt.

Seit rund sechs Jahren sind Stierkämpfe in Katalonien verboten. Jetzt haben die spanischen Verfassungsrichter dieses Verbot wieder kassiert. In der Urteilsbegründung hieß es, der Stierkampf gehöre zum kulturellen Erbe Spaniens. Eine Entscheidung über sein Verbot stehe damit nur der Zentralregierung in Madrid zu. Deshalb sei das einst von Katalonien verfügte Stierkampfverbot „verfassungswidrig und damit auch ungültig“.

Späte Niederlage für Tierschützer

Kataloniens Parlament hatte im Juli 2010 aufgrund einer Petition von 180.000 Tierschützern ein Verbot der Stierkämpfe beschlossen. Anfang 2014 trat es in Kraft. Damit war Katalonien die erste Region auf dem spanischen Festland, die mit der jahrhundertealten Tradition brach – den Anfang hatten die Kanarischen Inseln 1991 gemacht. 2015 dann erklärte Madrid den Stierkampf zum „immateriellen Kulturerbe“ des Landes.

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Protest gegen Stierkampf in Pamplona | Bildquelle: dpa

Protest gegen Stierkämpfe in Spanien: spanische Tierschützer bei einer Aktion in Pamplona

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Urteil mit politischer Dimension

Die Entscheidung des Verfassungsgerichts dürfte nicht nur Tierschutzaktivisten auf die Barrikaden treiben, sondern auch Kataloniens Unabhängigkeitsbefürworter. Sie sehen das Verbot auch als Symbol für die Trennung zwischen Madrid und ihrer Region an. Das Verfassungsgericht hat bereits 2010 ein erweitertes Autonomiestatut für Katalonien wieder aufgehoben, in dem sich die Region zur „Nation“ erklärt hatte. Im November 2014 verhinderte die Zentralregierung dann ein Unabhängigkeitsreferendum per Klage vor dem Verfassungsgericht.

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Spaniens Verfassungsgericht kippt katalanisches Stierkampfverbot

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Gruß Hubert

 

Erschütternde Einblicke in die Heimerziehung in Österreich   2 comments

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Es ist erschreckend zu sehen welche Leute in der Nachkriegszeit in der Heimerziehung tätig waren. Die meisten waren nicht ausgebildet dafür und sehr viele waren auch noch Anhänger der NS-Ideologie. Es ist kaum vorstellbar, was diese Heimkinder über sich ergehen lassen mussten. Total ausgeliefert und niemand wollte auf sie hören. Außerdem hatten sie Redeverbot in der Öffentlichkeit – mit Androhung von schwersten Strafen – die sie ja zur Genüge kannten.

Was sich Psychiater leisteten ist kaum beschreibbar und widerspricht jeder Menschenwürde und elementaren Menschenrechten. Zum Beispiel verwendete der Psychiater Andreas Rett, Oxazolidin, das heute aufgrund seiner Giftigkeit nur mehr als Schmiermittel verwendet wird.

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Hier ein Auszug aus dem Kurier des ehemaligen Zöglings Franz Josef Stangl (64).

In seinen beiden Büchern „Der Bastard“ und „Der Klosterzögling“ berichtet er über diese Zeit. „Jeder Zögling hat das Maximum an dem erlebt, was gerade noch auszuhalten war“, sagt Stangl heute. Prügel, Strafen, Erniedrigung. Von Pflegeeltern, von Ordensbrüdern. Im „Klosterzögling“ gibt Stangl einen Dialog zwischen Frau Schiestl von der Jugendfürsorge und ihm wieder: „Dein Vater ein Krimineller von der Veranlagung her, deine Mutter eine Kriminelle von Geburt aus, hast du schon einmal an Selbstmord gedacht?“ „Ja, Frau Fürsorgerin. Habe ich.“ „Und? Weshalb mangelt es an der Durchführung?“

Wilhelminenberg (am westlichen Stadtrand Wiens )

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Absolvierte eine „typische Heimkarriere“: Franz Josef Stangl schrieb sich die Seele frei Foto: KURIER/Gnedt Absolvierte eine „typische Heimkarriere“: Franz Josef Stangl schrieb sich die Seele frei

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Helmut Oberhauser, 62, hat es nicht Goethe, sondern einem Patienten, der neben ihm im Spital lag, zu verdanken, dass er unter die Autoren gegangen ist. „Der hat von den 50er- Jahren geschwärmt“, sagt Oberhauser. „Er hat gemeint, damals gab es noch Charakter-Menschen.“ Das war Oberhauser zu viel. Er wurde in diesem Jahrzehnt von seinem „Nazi-Vater“ in der Barackensiedlung in Wien geprügelt und landete zwei Mal im Kinderheim Schloss Wilhelminenberg. „Erzieher Hassan hat mit der Weidenrute so hingeschlagen, dass die Hand aufgeplatzt ist“, erinnert er sich. „Erzieher, ich bitte um gerechte Strafe“, mussten sich die Zöglinge erniedrigen. „Der Hitler hat vergessen, dass er euch erschlägt“, meinte Hassan, ehe es wieder Schläge setzte.

Oberhauser berichtet in seinem Buch „Die blaue Decke“ auch über den sexuellen Missbrauch eines zierlichen Buben durch einen Erzieher. „Der arme Bub ist dann auch noch von den älteren Kindern vergewaltigt worden.“ Was nicht im Buch steht (Oberhauser: „Die Lektorin wollte das nicht drinhaben“): Durch Löcher in der Wand konnte er mehrmals beobachten, wie Erzieher Mädchen im Duschraum vergewaltigen. „Manchmal wurden sie durch Ohrfeigen und Tritte gefügig gemacht.“

Als er im Jugendamt bekannt geben wollte, dass er verprügelt wird, gibt ihm die Fürsorgerin zur Antwort: „Pass auf, was du sagst, sonst kommst du in psychiatrische Behandlung.“
„Wir waren den Menschen im Weg“, sinniert Oberhauser im Interview über die Brutalität vieler der damaligen Elterngeneration. „Die haben den Krieg hinter sich gehabt und wollten leben. Das waren Ausläufer vom Nazi-System.“
Beide Autoren haben mit ihrer Vergangenheit Frieden geschlossen. Stangl durch jahrelange Therapie, Oberhauser durch seine Familie. „Obwohl ich meine Kinder durch meine Zuneigung fast erdrückt habe.“ Stangl erinnert sich: „Das Schlimmste war die Einsamkeit. Ich bin ja auch von den prügelnden Pflegeeltern weggelaufen. Das Gefühl war dann so schlimm, dass ich wieder zurückgekehrt bin.“

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Erschütternde Einblicke in die Heimerziehung in Österreich

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Hier noch ein Auszug aus Wikipedia. Ich sehe keinen Grund da an der Objektivität von Wikipedia zu zweifeln. Fakt ist auch, dass fast niemand von diesen Tätern zur Rechenschaft gezogen wurde.

Ideologische Kontinuitäten bei Personal und leitenden Positionen

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 Kinderheim am Wilhelminenberg

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Das während der NS-Zeit beschäftigte Heimpersonal wurde nach dem Krieg großteils beibehalten oder mit der Begründung des Personalmangels nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Aus demselben Grund und um Personalkosten zu sparen wurden auch viele ungeeignete und häufig in ihren ursprünglichen Berufen gescheiterte Personen eingestellt. Sie wurden zunächst von älteren Kräften in die im jeweiligen Heim gängigen Praktiken eingeschult. Später mussten sechswöchige Kurse absolviert werden: dieselben Kurse, die auch zur Ausbildung zukünftiger Gefängniswärter vorgesehen waren.[12] Elfriede Haglmayer, Heimleiterin in Kramsach-Mariatal, stellte bereits 1951 auf einer Tagung von Heimleitern und Erziehern österreichischer Fürsorgeerziehungsheime in Hartberg fest, dass viele ehemalige Nazis, die ihre früheren Berufe nicht mehr ausüben konnten, verbittert in den Heimen untergekommen waren.[13] Auch Ute Bock berichtet von ehemaligen SS-Angehörigen als Kollegen im Heim Biedermannsdorf.[14] Zugleich stieg die Zahl der eingewiesenen Kinder Ende der 1940er- und in den 1950er-Jahren an – nicht zuletzt deshalb, weil der Krieg viele unvollständige Familien zurückgelassen hatte. Die Erziehenden hielten weiterhin am Repertoire der Schwarzen Pädagogik fest: Die Kinder und Jugendlichen erlebten psychische, physische, soziale, sexualisierte und strukturelle Gewalt sowie sexuellen Missbrauch und sie wurden, wie schon die Kinder am Spiegelgrund, in die Psychiatrie eingewiesen, wenn all die „Güte und Stränge“ nicht halfen. In einem Großteil der Heime war die Gewalt exzessiv und überschritt das Maß dessen, was den Erziehenden nach dem Muster der elterlichen Erziehungsgewalt zustand. Jüngere Erzieher und Erzieherinnen, die ihre Stelle mit moderneren Vorstellungen von Kindererziehung angetreten sind, konnten diese nicht umsetzen. Sie mussten sich den vorhandenen Strukturen anpassen, andernfalls hätten sie ihr Einkommen aufs Spiel gesetzt. Die Organisationsform der Jugendfürsorge änderte sich gegenüber der Nazi-Zeit ebenso wenig und auch hier wurde belastetes Personal aufgenommen.[3]

Hans Krenek, bis 1934 Sozialist, nach dem austrofaschistischen Putsch Mitglied der Vaterländischen Front, im Nationalsozialismus Mitglied der NSDAP und pädagogisch-psychologischer Leiter der Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund, wurde 1946 Mitglied der SPÖ und veröffentlichte einen Erziehungsratgeber, in dem er vor allem autoritäre, das Kind missachtende und auf Erziehung zur Ordnung ausgerichtete Ratschläge gab. Er arbeitete nach dem Krieg als Psychologe und Heilpädagoge und trat 1951 dem Bund Sozialistischer Akademiker bei. 1954 übernahm Krenek die Leitung des Referats der Wiener Jugendfürsorgeanstalten und war ab 1961 Leiter der städtischen Lehrlingsheime. In beiden Fällen gehörte auch die Auswahl des Personals für die städtischen Heime zu seinen Aufgaben.[15][16]

Karl Ourednik war während der NS-Zeit Leiter der Unterabteilung Jugendhilfe in der Abteilung 3, Wohlfahrtspflege und Jugendhilfe. Diese gehörte nicht der Gemeindeverwaltung an, sondern war eine Stabsstelle der NSDAP, deren Aufgabe es war, die Jugendfürsorge entsprechend der Parteiideologie umzuformen. 1951 scheint Ourednik als oberster Leiter der Wiener Berufsvormundschaften auf, ab 1952 war er zuständig für Rechtsangelegenheiten der Magistratsabteilung 11, dem Wiener Jugendamt, und verfasste 1956 einen maßgeblichen Teil der Wiener Heimverordnung. Von 1. Jänner 1963 bis 31. Dezember 1967 war Ourednik Leiter des Jugendamtes der Stadt Wien.[9]

Marianne Estl leitete im nationalsozialistischen Groß-Wien das Wohlfahrtsamt Liesing, welches auch die Agenden des Jugendamtes übernommen hatte. Nach dem Krieg war sie Erziehungsberaterin, von 1973 bis 1983 war sie Leiterin der Erziehungsberatung. In ihrer 1952 erschienenen Dissertation Intelligenzuntersuchungen an sexualdepravierten jungen Mädchen ist sie stolz auf ihre „in jahrelanger nachgehender Fürsorgearbeit erworbene Uebung in der Beurteilung von Milieusituationen“ und der Zuordnung zu den einzelnen Gruppen der „Verwahrlosung“ – Praxisjahre, die sie während des Nationalsozialismus erworben hat. Neben ihrer Schuldigsprechung sexuell missbrauchter Mädchen verwendet sie in ihrer Dissertation auch die Sprache des Nationalsozialismus, etwa verwendet sie häufig den Begriff „Material“. Estls Ausführungen über die Minderwertigkeit der Mädchen lassen keinen Grund erkennen, warum dieses „Material“ weiterleben sollte, zudem stellt sie menschenökonomische Berechnungen an, um die Belastung der Gesellschaft durch diese Mädchen nachzuweisen. Sie schlägt die Einrichtung einer Gefährdetenfürsorge vor, in der „arbeitsscheue“ Jugendliche und Mädchen mit „unsittlichem Lebenswandel“ zur Zwangsarbeit angehalten werden sollten. Gertrude Czipke kommt zu der Ansicht, dass Estl versuchte, die Methoden der NS-Fürsorge dem Jugendamt zu oktroyieren und sich eine gesetzlich abgesicherte Berechtigung zur Verhängung von Vorbeugehaft mit Zwangsarbeit zu verschaffen.[9]

Die berufliche Laufbahn der 1928 geborenen Hermine Koller begann zwar, nachdem sie die zweijährige Fürsogeschule der Stadt Wien absolviert hat, erst 1950 als Fürsorgerin am Jugendamt, ihre Sozialisation erfolgte jedoch im Nationalsozialismus und sie vertrat das gleiche Gedankengut wie Marianne Estl. Ihr Psychologiestudium schloss Koller 1962 bei Sylvia Bayr-Klimpfinger mit der Dissertation Zum Problem der Verwahrlosung weiblicher Jugendlicher unter Berücksichtigung ihrer Einstellung zu den verschiedenen Lebensbereichen ab und wurde ab 1964 im Psychologischen Dienst (vormals Erziehungsberatung) beschäftigt. Verwahrlosung erkannte Koller schon, wenn ein Mädchen außerhalb des Elternhauses übernachtete oder den Arbeitgeber wechselte, was sie als Arbeitsflucht bezeichnete. Bereits in ihrer Dissertation wünschte sie sich einen Ausbau des Heimwesens, und zwar in Richtung Arbeitserziehung: In geschlossenen Heimen sollten einfache Fließbänder eingerichtet werden, an welchen die Insassinnen in unbezahlter Zwangs-Akkordarbeit zur Arbeit erzogen werden sollten. In allen ihren 25 Fallgeschichten stellt Arbeitsflucht den Grund für die Einweisung in ein geschlossenes Heim dar, womit für die Jugendlichen der nationalsozialistische Arbeitszwang noch in den 1960er-Jahren galt. 1983 wurde sie als Nachfolgerin Estls Leiterin des Psychologischen Dienstes. 1987 war sie mit der Redaktion eines Teils des Berichtes 70 Jahre Wiener Jugendamt beauftragt, in welchem ihre geistige Prägung ebenfalls zum Ausdruck kommt.[9]

Johanna Hauke schrieb in ihrer Dissertation Untersuchungen über ethische Begriffe Verwahrloster 1951 von „Beobachtungsmaterial“ und legte den untersuchten Mädchen nicht nur „Versagen am Arbeitsplatz“, „Arbeitsunwilligkeit“ oder etwa die Fahnenflucht des Vaters zur Last, sondern auch „am Spiegelgrund dreimal durchgegangen“. Ihre Beobachtungen hatte sie in der 1944 bis 1945 bestehenden und von Sylvia Bayr-Klimpfinger geleiteten „medizinische-pädagogisch-psychologische Untersuchungsanstalt für Kinder und Jugendliche in Perchtoldsdorf“ gemacht. Sie wurde später Psychologin der Jugendfürsorge Niederösterreichs.

Der Rassenpsychologe Otto Tumlirz stieg zum Gutachter des Steirischen Jugendamtes auf.

Alfred und Margarete Stellbogen betrieben seit 1924 das Kinderheim Wimmersdorf. Beide waren eingetragene Mitglieder der NSDAP, Margarete Stellbogen war auch in der NS-Frauenschaft aktiv. Alfred Stellbogen war zudem von 1938 bis 1945 Bürgermeister des Nachbarortes Johannesberg und Zellenleiter. Er machte mit den ihm anvertrauten Fürsorgezöglingen Waffen- und Geländeübungen. Einige Kinder aus Wimmersdorf wurden auf den Spiegelgrund überstellt, drei von ihnen wurden dort ermordet. Nach dem Krieg beschickte das Wiener Jugendamt das Heim ungebrochen weiter mit in Fürsorgeerziehung geratenen Buben. Bei der Beurteilung nach § 21 des Verbotsgesetzes[17] gab Margarete Stellbogen an, die Anmeldung zur Partei erfolgte aufgrund der Sorge um den Fortbestand des Kinderheimes. Erst nach einem kritischen Bericht in der ORF-Sendung Teleobjektiv im Jahr 1980 wurde der Vertrag von der Stadt Wien gekündigt, was die Schließung des Heimes im Jahr 1981 zur Folge hatte.[3][18] Forschungen, wie weit das Kinderheim Wimmersdorf in direktem Zusammenhang mit der Kindereuthanasie stand, sind noch nicht abgeschlossen.[19]

Im Jugendheim des Landes Oberösterreich auf Schloss Leonstein gab es eine Heimleiterin mit umfangreicher NS-Vergangenheit: Eva Maria Meditz war unter anderem im Nationalsozialistischen Lehrerbund aktiv und ging bei der Überprüfung durch die amerikanische Militärbehörde als Mitläuferin durch.[20]

Auch in Tirol kamen bekannte Austrofaschisten und NS-Parteigänger in Führungspositionen des Fürsorgewesens, wie der zuvor im NS-Fürsorgeapparat tätige Alfred Haindl, der es zum Leiter des Tiroler Landesjugendamtes brachte. Als solcher förderte er auch die Karriere von Maria Nowak-Vogl, die ihre Ausbildung während der NS-Zeit erhielt und sich später nicht von dem Gedankengut trennen konnte. Noch 1959 stellte sie die Frage,

„ob unsere öffentlichen Mittel, unsere beste Arbeitskraft, unsere vorzüglichste Sorge jenen zuzuwenden sei, die in irgendeiner Weise missraten, doch nie zu vollwertigen Menschen werden.[10]

Diskrete geistige Fortsetzung der NS-Psychiatrie

Auch klinische Heilpädagogik und klinische Psychiatrie behielten weiterhin Einfluss auf die Heime. Wer aufsässig, unruhig oder Bettnässer war, masturbierte oder der Lüge bezichtigt wurde, lief Gefahr, auf eine medizinische oder psychiatrische Kinderstation zu kommen und dort medizinischen Versuchen ausgesetzt zu sein. Tausende Kinder wurden in der Klinik Hoff, in der Kinderabteilung des Krankenhauses Lainz, in der psychiatrischen Kinderstation der Universitätsklinik Innsbruck und der dort beheimateten Kinderbeobachtungsstation Maria Novak-Vogl für die medizinische Forschung missbraucht, oder sie bekamen ohne Narkose Elektroschocks von Erwin Ringel – strafweise, wie sich aus den Akten nachweisen lässt. Wer in die heilpädagogische Abteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt kam, war in Gefahr, von Franz Wurst sexuell missbraucht zu werden, was dieser als „Zuwendungstherapie“ bezeichnete.

Hans Asperger, Heinrich Gross, Hans Hoff, Maria Novak-Vogl, Andreas Rett, Erwin Ringel und Walter Spiel verwendeten in ihren Publikationen bis in die 1970er-Jahre vorwiegend die verräterischen Ausdrücke „Versuchsmaterial“ oder „Versuchsgut“, nur selten fanden sie zu menschlichen Begriffen wie „Kinder“, was darauf schließen lässt, dass es in der österreichischen Psychiatrie und Heilpädagogik kaum einen Bruch mit der Nazizeit gab. Der Vorstand des Instituts für Geschichte der Medizin in Wien, Michael Hubenstorf, bezeichnet das, was tausenden Kindern unter dem Deckmantel der ärztlichen Hilfeleistung nach 1945 angetan wurde, als „diskrete geistige Fortsetzung der NS-Psychiatrie“.

Stellvertretend für andere höchst kritikwürdige (um es vorsichtig auszudrücken) Psychiater hier Maria Novak-Vogl und Andreas Rett (der später Maria Nowak-Vogl vor Gericht mit einem Gutachten entlastete).

 

Maria Nowak-Vogl

Fast alle in den Jahren 1954 bis 1987 in Tirol, Vorarlberg und Salzburg verhaltensauffällig gewordenen Kinder gerieten in die Hände von Maria Nowak-Vogl. Sie leitete die Kinderbeobachtungsstation der Kinderpsychiatrie Innsbruck, wo sie insgesamt 3650 Kinder behandelte. Nebenbei war sie Gerichtsgutachterin sowie psychiatrische Beraterin von Kinder- und Jugendheimen. Bettnässer mussten bei ihr auf Matratzen schlafen, die bei Feuchtigkeit zu klingeln begannen, und wer tagsüber in die mit einem elektrischen Gerät verkabelte Hose machte und damit den Alarm auslöste, bekam zusätzlich Stromstöße. Die Hosen, deren Alarm sich nur im Haus abstellen ließ, mussten auch außerhalb der Station getragen werden, etwa bei Freizeitaktivitäten außer Haus oder in der Kirche, wodurch die Kinder nicht nur vor der Gruppe sondern auch öffentlich bloßgestellt wurden. Gegen Masturbation setzte Nowak-Vogl Epiphysan (ein Hormon aus der Zirbeldrüse von Rindern) ein, obwohl ihr bekannt war, dass dieses Medikament zu schweren Hodenschädigungen führte. Sie habe sich, wie sie 1965 in einer Fachzeitschrift ausführte, trotz aller Bedenken für das Medikament entschieden, weil die Folgen einer „exzessiven sexuellen Aktivität“ gravierend seien. Als die Staatsanwaltschaft Innsbruck im Jahr 1980 gegen Nowak-Vogl ermittelte, rechtfertigte Andreas Rett deren Verwendung von Epiphysan mit der Begründung, dass er selbst das Medikament über einen Zeitraum von 17 Jahren an 500 Behinderten erprobt habe.[22] Weiters setzte Nowak-Vogl bei „Verwahrlosung“ und „Wutanfällen“ Röntgenstrahlen ein, die keinerlei therapeutischen Wert hatten. Da bereits seit den 1950er-Jahren in Fachzeitschriften unmissverständlich vor Krebsschäden durch Röntgenstrahlung gewarnt wurde, wird darin eine absichtliche schwere Körperverletzung gesehen. Auch Medikamente gegen Epilepsie und Betäubungsmittel kamen zum Einsatz, um die Kinder „zur Ruhe zu bringen“. Besonders demütigend war für die Kinder auch die Benützung als Vorführobjekte in Lehrveranstaltungen, bei denen sie angezogen oder nackt in herabwürdigender Weise präsentiert wurden.

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Andreas Rett

Während seiner Tätigkeit als Leiter der Kinderabteilung des Krankenhauses Lainz (bis 1975) und als Leiter der Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel in Wien (1975 bis 1989) führte Andreas Rett neben den oben erwähnten 500 Epiphysan-Behandlungen auch andere Medikamenten-Versuche an Kindern – auch Heimkindern – durch. Dazu gehörten etwa Oxazolidin, das heute aufgrund seiner Giftigkeit nur mehr als Schmiermittel verwendet wird, und Thalidomid: Zwar war zur Zeit seiner Versuche (1958 bis 1961) der Contergan-Skandal noch kein Begriff, das Medikament hatte aber auch andere schwere Nebenwirkungen, die häufig und zeitnah auftraten. Andreas Rett arbeitete zeitweise auch eng mit Heinrich Gross zusammen.

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Heimerziehung in Österreich

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Siehe auch:

https://hubwen.wordpress.com/2016/04/14/heimerziehung-in-oesterreich/

https://hubwen.wordpress.com/2016/06/02/heimerziehung-in-tirol-im-namen-der-ordnung/

https://hubwen.wordpress.com/2016/04/11/die-schreckensherrschaft-der-innsbrucker-kinderpsychiaterin-maria-nowak-vogl/

https://hubwen.wordpress.com/2016/04/17/innsbruck-zieht-ehrung-fuer-kindesmisshand%c2%adler-zurueck/

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Gruß Hubert

 

Norbert C. Kaser   1 comment

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Mein Landsmann Norbert C. Kaser war nie ein Bequemer, zu sehr juckte es ihm auch nach Provokation, um die für ihn zu engen Fesseln der Südtiroler Heimat und bornierter Künstler-„kollegen“ zu sprengen. Im folgenden einige Ausschnitte aus seinem Wirken und kurzen Leben (1947 – 1978).

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Ein streitbarer Tiroler war Norbert C. Kaser allemal, erst nach seinem Tod gewann er einen gewissen Einfluss über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Nun erscheint ein großer Teil seines Werkes als Taschenbuch.

Von Matthias Kußmann

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Bruneck, wo Kaser sein Leben lang wohnte. Das Bild ist von 1964, Kaser war damals 16 Jahre alt. (picture alliance / dpa)Bruneck, wo Kaser sein Leben lang wohnte. Das Bild ist von 1964, Kaser war damals 16 Jahre alt. (picture alliance / dpa)

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„waer ich doch ein fisch
laege vergiftet im wasser
zur trauer den weibern
waer ich ein weitentfernter
vietnams
verfault im reis
zur freude den maennern
waer ich ein totgesoffner
am innsbrucker bahnhof

alles waer ich gern
nur nicht bei euch
waer ich nur ein toter taxilenker
waer ich nur ein rentnermoerder
waer ich nur ein kinderschaender
waer ich nur student

alles
nur nicht bei euch“

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Der Anfang eines Gedichts, das Norbert C. Kaser um 1970 schreibt. Er sympathisiert mit der 68er-Bewegung und tritt später in die Kommunistische Partei ein – allerdings in Südtirol, weitab der studentenbewegten Metropolen. Und sein Protest gegen die Väter und den Kapitalismus ist nicht, wie damals häufig, modische Pose, sondern innere Notwendigkeit. Kaser ist Zeit seines kurzen Lebens ein Außenseiter. 1947 in ärmlichen Verhältnissen unehelich geboren, von der Großmutter verteufelt, der Vater machte sich aus dem Staub.

„das gehoeft

brenn vaterhaus brenn
brenn großmutterhaus
das vieh ist heraus
sogar die henn

die verrueckten schweine
blendet das licht
gellend faellt der hof
in sich
brenn zu asche
nordwind
vertreibs

brenn vaterhaus brenn
brenn großmutterhaus
das vieh ist heraus
& auch die henn“

Kaser fällt gleich zweimal durch die Matura-Prüfung. Den dritten Anlauf macht er in einem Kapuziner-Kloster, wo er versucht, Brecht als Lektüre durchzusetzen, und erstmals eigene Texte liest. Wie die Brüder reagierten, ist nicht bekannt, jedenfalls verlässt er den Orden nach einem halben Jahr – mit der Matura. Dennoch ist Kaser, auch das ungewöhnlich bei 68ern, ein gläubiger Christ – allerdings ein kritischer. 1976 tritt er aus der Kirche aus.

„da ich ein religiöser mensch bin, trete ich aus der katholischen kirche aus. (…) versuchen Sie nicht mir nachzulaufen oder mich zu belaestigen wie das verirrte schaf – lassen Sie meinetwegen Ihre ewig opfernde lammfromme herde ja auch nur keinen augenblick lang unbehuetet. – mit keinerlei hochachtung …“

Kaser studiert Kunstgeschichte, bricht es ab und arbeitet als Hilfslehrer in kleinen südtiroler Bergschulen, wo er selbst Texte für die Schüler schreibt, weil er Lehrbüchern misstraut. Er ist Mitte 20 und Alkoholiker, die Weinflasche steht beim Unterricht auf dem Pult. Da hat er bereits erste eigene Gedichte publiziert – in kleinen handgemachten Bändchen, eines heißt „Probegesaenge“, eines „20 Collagen und 20 Fuerze“. In die literarischen Karten schauen lässt er sich weder damals noch später. Durch Zufall ist ein kurzes Radiogespräch mit ihm erhalten geblieben. Kaser ist 30 und als Autor völlig unbekannt, noch ist kein Buch von ihm in einem Verlag erschienen.

„Ich bin grundsätzlich gegen Werkstattgespräche. Warum ich irgendwie was schreibe und dass ich etwas schreibe, das soll man bitte mir selber überlassen. Ich möchte auch keine Erklärungen abgeben über dieses oder jenes. Wer´s versteht – ist gut und recht. Wer´s nicht versteht – tut mir Leid.“

Seine südtiroler Autorenkollegen und ihre süßliche Heimatdichtung verspottet er – Kaser orientiert sich an der Weltliteratur. Er liest und liest, vor allem amerikanische Beatpoeten, dann Charles Olson und Robert Creeley. Wie sie nutzt er eine einfache Sprache, Alltagsjargon, Kraftausdrücke, rhythmische Wiederholungen und ungewöhnliche Metaphern. Er verdichtet seine Texte immer mehr, manchmal nähern sie sich dem Haiku, freilich einem bitteren. Wie hier, wenn im letzten Vers die anfängliche Idylle in existentielle Gefährdung umkippt:

„ueber dem meer
in fuelle der mond
die luft ein
schnitt am hals“

Dieses Gedicht steht in Kasers Handschrift auf der Umschlag-Rückseite des Bandes „herrenlos brennt die sonne“, mit dem der Haymon Verlag an den Autor erinnert. Kasers Handschrift ist klar, fast kindlich einfach.

„des esels tod

mein esel mein esel
warum bist du so tot
zucker bring ich dir
in diesem seltnen fall
& tausend kuesse von mir
im frischgestreuten stall“

 

Und die südtiroler Bauernkinder lernen ohne gereckten Zeigefinger, dass sich Nachdenken lohnt, dass man keine Angst vor sogenannten Autoritäten haben muss und dass sich Tiere freuen, wenn sie einen sauberen Stall haben.

„die ersten kuehe waelzen sich vor freude und bruellen, die schweine laufen quietschend davon. Um halbzehn glaenzt der ganze stall.“

Immer wieder versucht sich Kaser in kurzen Prosastücken über sein eigenes Leben und Schreiben klar zu werden. Auch dafür gibt es ein beeindruckendes Beispiel im vorliegenden Auswahl-Band. „warum gerade brixen?“ heißt der Text, in dem der Autor in gespielt naivem Ton über seinen Geburtsort nachdenkt, der ihm niemals Heimat war, über seine uneheliche Geburt und die Jahre bei den „grauen Schwestern“ in einem Nonnenkloster, wohin ihn seine Mutter als Kind gegeben hatte.

„die zeiten waren nicht die besten, aber alois, zu olang ein metzger ohne rechtschreibkenntnisse geworden, versorgte in allem frieden unsere familie mit fleisch & nahrungsmitteln, die zum großteil die grauen schwestern selber fraßen. Diese nonnen ließen mich tagelang in nassen windeln liegen, bis mein kleiner hintern fleischig war & man mich nach kastelruth in pflege gab. Dort traf mich die englische krankheit, dass mein ueberschwerer kopf nur so baumelte …“

Am Ende des Textes steht eine lakonische und Kaser-typische Volte – plötzlich wendet sich, ob ironisch oder nicht, mag der Leser entscheiden, alles zum Guten.

„meine tanten liebten mich & meine großmutter hatte spaeter keinen lieberen enkel als mich. Das ist vorlaeufig alles.“

Kaser soll häufig Briefe und Postkarten an sich selbst geschickt haben, auf denen manchmal nur ein einziges Wort stand. Einmal war es eine Karte mit Giottos Bild „Auferstehung des Lazarus“. Auf die Rückseite notierte er nur das Wort: „hoffentlich“. — Mit 28 muss er, schwer leberkrank, zum Alkoholentzug in die Psychiatrie.

„es ist ein gutes spital mit vielen freiheiten – so viele freiheiten, dass man die vergitterten fenster erst richtig spuert.“

Nach dem Entzug beginnt er wieder zu trinken. Am 21. August 1978, mit 31 Jahren, stirbt Norbert C. Kaser an einem Lungenödem als Folge von Leberzirrhose, mit grotesk aufgequollenem Leib. Sein letztes Gedicht lautet:

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„ich krieg ein kind
ein kind krieg ich
mit rebenrotem kopf
mit biergelben fueßen
mit traminer goldnen haendchen
& glaesernem leib
wie klarer schnaps

zu allem lust
und auch zu nichts
ein kind krieg ich
es schreiet nie
lallet sanft
ewig sind
die windeln von dem kind
feucht & nass

ich bin ein faß“

Ein Jahr nach Kasers Tod erscheint die erste Auswahl seiner Werke. Mehrere Verlage erinnern im Lauf der Jahrzehnte an ihn, darunter Diogenes, die Friedenauer Presse, dann Haymon mit einer dreibändigen Werkausgabe. Er wird jedes Mal von den Feuilletons wiederentdeckt und bald darauf vergessen. Höchste Zeit also, Kasers widerborstige, zugleich poetische Texte neu zu lesen und im Gedächtnis zu behalten.

„kakteen
(…)
bluehen ist ihre staerke nicht

werft sie vom fenster
und mich dazu
mein fallen mit toenernen toepfen
ist mir musik“

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Norbert C. Kaser

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 19. Oktober 2016 von hubert wenzl in Literatur, Lyrik, Uncategorized

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Kurz: „…es wird keinen EU-Beitritt der Türkei geben“   Leave a comment

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Gut wenn Kurz ausspricht was die meisten denken. Wenn ein Land so autokratisch und nicht einem Rechtsstaat entsprechend geführt wird, hat es in der EU nichts zu suchen.

 

Kurz: „Wird keinen EU-Beitritt der Türkei geben“

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Es brauche flexiblere Modelle der Zusammenarbeit mit anderen Staaten, sagt Kurz.

Es brauche flexiblere Modelle der Zusammenarbeit mit anderen Staaten, sagt Kurz. / Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER 
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Es gebe hier eine große Differenz zwischen dem, was die meisten Regierungschefs dachten und was sie öffentlich sagten, meint der Außenminister.

Außenminister Sebastian Kurz schließt eine EU-Mitgliedschaft der Türkei aus. Das berichtet die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ in ihrer Mittwochausgabe. „Ich bin mir sicher, es wird keinen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union geben“, sagte der ÖVP-Politiker der „Welt“. Diese Meinung, so der ÖVP-Politiker, vertrete er nicht alleine, sondern auch zahlreiche Regierungschefs und Außenminister.

„Sie sagen, dass die Beitrittsverhandlungen zwar weiter geführt werden müssen, aber am Ende des Tages es keinen Beitritt geben wird. In dieser Frage gibt es eine große Differenz zwischen dem, was die meisten Politiker in Europa denken, und dem, was sie öffentlich verlautbaren“. Kurz forderte stattdessen einen ehrlichen Umgang miteinander. „Das sind wir auch unseren Bürgern, die in vielen Ländern einen Beitritt der Türkei seit Jahren klar ablehnen, und der Türkei schuldig“.

Kurz forderte eine „maßgeschneiderte Partnerschaft“

Gleichzeitig bekräftigte Kurz seine Forderung nach einer „guten Gesprächsbasis“ und einer engen Zusammenarbeit mit Ankara. „Aber es kann aus meiner Sicht nicht das Ziel sein, dass die Türkei der EU als volles Mitglied beitritt“. Notwendig sei vielmehr eine „maßgeschneiderte Partnerschaft“. Kurz: „Wir müssen in der EU flexibler werden, was unsere Zusammenarbeit mit anderen Staaten betrifft“.

Derzeit gebe es nur das sogenannte Assoziierungsabkommen und die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union. „Und wir erleben sowohl bei der Türkei als auch im Osten der EU, dass man künftig flexiblere Modelle der Partnerschaft benötigt. Im Fall der Türkei eine Zusammenarbeit ohne Vollmitgliedschaft“, erklärte Kurz. Zudem sollte einigen Staaten in der östlichen Nachbarschaft der EU ermöglicht werden, „mit uns enger zu kooperieren, ohne dass diese Staaten gleichzeitig gezwungen sind, die Kooperation mit Russland aufzugeben“.

(APA)

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Kurz: „…es wird keinen EU-Beitritt der Türkei geben“

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Siehe auch:

Türkei: Wieder ein regierungskritischer Sender weniger

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Mehr zum Thema:

 

Veröffentlicht 19. Oktober 2016 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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