Archiv für 1. November 2016

Ordnung! Anstand!   Leave a comment

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Ordnung und Anstand sind ja an sich positive Werte. Es kommt aber immer darauf an wie sie angewandt werden und wie man diese Werte interpretiert – sonst können sie auch, wie man in der Geschichte gesehen hat – arg ins Negative kippen.

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Aus blick.ch

Ordnung! Anstand!

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Der Tatbestand ist rasch referiert: 5000 Neonazis versammelten sich im Ort Unterwasser. Die meisten waren aus Deutschland in den Kanton St.Gallen gepilgert, um dort ihrer Ideologie zu frönen: dem Nationalsozialismus, dem Dritten Reich, dem Führer.

Zu diesem Zweck war ein Rockkonzert geplant, weshalb die Veranstaltung auch als «Rock­toberfest» ausgegeben wurde. Die Öffentlichkeit sollte ja nicht aufgeschreckt werden, bevor die Nazi-Heerschau vonstattenging.

Und so verlief alles nach Wunsch. Die Gesänge feierten Gewalt: «Einen Tag regieren, das wär schön. Keiner würd’ den Pöbel jemals wieder seh’n.» Oder auch: «Keine Angst, ihr Volksverräter, keinen werden wir verschonen.»

Es rockte auch die Schweizer Neonazi-Band Amok, die in ihrem Repertoire ein Lied mit dem Refrain hat: «Wetzt die langen Messer, lasst die Messer flutschen in den Judenleib.»

Ganz ähnlich grölten einst die Vorbilder der heutigen Neonazis. Am 30.Januar 1933 feierte Hitlers SA die Ernennung ihres Führers zum Reichskanzler mit dem Lied: «Wenn der Sturmsoldat ins Feuer geht, ei, dann hat er frommen Mut / Und wenn’s Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s nochmal so gut.»

Ja, was soll man dazu sagen? Eigentlich nichts, ganz im Sinne des genialen öster­reichischen Schriftstellers Karl Kraus: «Mir fällt zu Hitler nichts ein.»

Einem Politiker jedoch, der die Schweizer «Fraue und Manne» immer wieder mit Leidenschaft zur patriotischen Ordnung ruft, kurzum: dem Politiker, dessen Einzigartigkeit sich inzwischen zur Enormität gesteigert hat, ist etwas eingefallen. Er verbreitete sich zur Neonazi-Feier über einen ihm gewidmeten Fernsehkanal mit folgenden Worten: «Am Morgen wurde ja gesagt: Es war ja nichts, es seien alles ganz anständige Typen gewesen, gute Ordnung, nichts.» Und weil diesem allprächtigen Politiker gewöhnlich der Mund überläuft, wenn er ein Mikrofon vor sich sieht, nannte er die braune Fete auch noch «eine ganz anständige Versammlung».

Ja, was soll man dazu sagen? Fällt einem dazu noch etwas ein? Es fällt einem etwas auf: das Wörtchen «Ordnung».

Ordnung ist ein fundamentaler Wert der Neonazis, prägte der Begriff doch bereits die Nazi-Herrschaft zwischen 1933 und 1945 – bis Deutschland in Trümmern lag, was dann leider Unordnung war, welche allerdings der Feind angerichtet hatte.

Die Ordnung bestimmt schon die Fortbewegung in der Nazi-Welt: Es wird marschiert, in Kolonnen, zu Märschen, Hass-Märschen damals, Hass-Rock heute, alles in aggressivem Takt, in guter Ordnung.

Einst schaffte auch die Uniform Ordnung: Rangordnung. Heute, in uniformfeindlicher Zeit, beschränkt sich das Uniforme auf Glatzen und Springerstiefel. Aber auch das vermittelt gute Ordnung.

Ganz besonders hielten es die in Unterwasser besungenen Hitler-Schergen mit der Ordnung bei der Vernichtung ihrer Opfer, der sechs Millionen Juden, die sie systematisch ermordeten, also in guter Ordnung. Die letzte Habe der aus­geplünderten Männer, Frauen, Kinder wurde säuberlich zur Weiterverwendung sortiert: Schuhe, Brillen, Haare, Goldzähne, Schmuck – alles in Auschwitz heute zu besichtigen.

Der Anblick vermittelt einen Eindruck davon, wie wichtig den Nazis Ordnung war. Und Sauberkeit: die saubere Erledigung des grossen historischen Auftrags, dem die Neonazis in Unterwasser huldigten, selbstverständlich in «guter Ordnung», wie der grösste Schweizer Politiker aller Zeiten den Anlass zu belobigen wusste.

Ihm fiel auch das Wörtchen «anständig» ein – in seiner Wertung «eine ganz anständige Versammlung». Es enthält ebenfalls eine schauerliche Reminiszenz: Anstand war den Massenmördern, die das Tausendjährige Reich betrieben, dieses nostalgisch zurückersehnte Paradies der Neonazis, ganz besonders wichtig.

Dazu sei aus berufenstem Munde zitiert. Heinrich Himmler, Reichsführer SS und oberster Befehlshaber der Judenvernichtung, pries in einer Rede seine SS-Untergebenen, denen das Vernichtungs-Handwerk oblag: «Von Euch werden die meisten wissen, was es heisst, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.»

In Unterwasser, Kanton St. Gallen, gedachten 5000 Neonazis selig dieses Ruhmes, den sie so liebend gerne für sich selbst in Anspruch nehmen würden. Ihr Gedenken vollzogen sie, wie es sich seit jenen ruhmreichen Zeiten gehört: in «guter Ordnung», als «anständige Typen». Dies versicherte ihnen der Politiker, der wie kein anderer über das Richtmass für alles und jedes verfügt.

War da was in Unterwasser? Nichts war.

Von Frank A. Meyer

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Ein Kommentar dazu.

Silvio  Valentin

Kürzlich habe ich beim Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mauthausen den Satz gelesen: „… denn das Vergessen des Bösen ist die Aufforderung zu seiner Wiederholung“. Man könnte hinzufügen: „… und dessen Verharmlosung ist die Rechtfertigung dieses Tuns“. Was haben Sie denn von Blocher mit seinem geistigen Hintergrund erwartet, Herr Meyer? Dass er gegen diese Kräfte angeht? Seine politische Bewegung hat doch die Akzeptanz dieses Umfelds seit jeher verstärkt und salonfähig gemacht.

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Ordnung! Anstand!

 

Veröffentlicht 1. November 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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Diese 8 Tiere werden am häufigsten geschossen (CH)   Leave a comment

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Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

Die nachfolgend genannten Zahlen betreffen die Schweiz.

Herbstzeit heisst Jagdsaison. Gemäss der eidgenössischen Jagdstatistik wurden im letzten Jahr 138’620 Tiere geschossen. Wie teilt sich diese Zahl auf? Hier ist die Liste der beliebtesten Jagdtiere.

Aus blickamabend.ch

1. Reh

Am öftesten haben Jäger Rehe geschossen. 41’973 Stück mussten daran glauben.

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Getty Images/age fotostock RM

2. Rotfuchs

Ganze 25’135 Rotfüchse wurden letztes Jahr erlegt. Und dabei war «What does the fox say?» 2013 ein grosser Hit.

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Getty Images

3. Gämse

Die 29’585 lizensierten Jäger schossen 12’227 Gämse.

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UIG via Getty Images

4. Rothirsch

Sie gelten als die wahre Trophäe für Jäger: die Hirsche. 10’411 davon wurden letztes Jahr erlegt.

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Getty Images/Moment Open

5. Rabenkrähe

9034 Raben mussten letztes Jahr daran glauben.

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Getty Images/Flickr RF

6. Murmeli

Dabei sind sie soo herzig! 6448 Murmeltiere wurden von der Kugel getroffen. Unter anderem wird gemäss der «NZZ» in lokalen Apotheken «Munggenöl» verkauft, welches aus dem Fett der Murmeltiere gewonnen wird. Dies soll gut sein gegen Rheuma und Gicht.

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Getty Images/Imagebroker RF

7. Wildschwein

Ganze 5741 Wildschweine wurden im letzten Jahr erlegt.

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Getty Images/imageBROKER RF

8. Stockente

Für den Genuss der Entenleber wurden 5537 Enten geschossen.

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Getty Images/Moment Open
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Veröffentlicht 1. November 2016 von hubwen in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

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