Archiv für 9. November 2016

Konstantin Wecker – Willy   3 comments

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Konstantin Alexander Wecker (* 1. Juni 1947 in München) ist ein deutscher Musiker, Liedermacher, Komponist, Schauspieler und Autor. Er gilt neben Reinhard Mey, Hannes Wader und Franz Josef Degenhardt als einer der großen deutschen Liedermacher.

Er arbeitete mit vielen bekannten deutschen und ausländischen Künstlern zusammen, darunter waren Joan Baez und Mercedes Sosa. Zwischen 1986 und 1993 scharte er eine Band zum Teil aus der deutschen Jazz-Szene um das United Jazz and Rock Ensemble um sich. Darunter waren u. a. Wolfgang Dauner, Charlie Mariano, Johannes Faber, Frank Diez, Stephan Diez, Norbert Meyer, Wolfgang Haffner und Jo Barnikel, aber auch die englischen Musiker Colin Hodgkinson und Pete York. Am 13. Juni 1987 nahm Wecker am Pressefest des SED-Zentralorgans Neues Deutschland in Ost-Berlin vor rund 10.000 ostdeutschen Zuhörern teil.

In den 1990er Jahren verfiel Wecker der Drogensucht – nach eigener Aussage konsumierte er von 1994 bis zu seiner Verhaftung am 29. November 1995 täglich bis zu 7 Gramm Freebase/Kokainbase und Kokain und litt an Wahnvorstellungen. Bereits in seinem 1993 erschienenen Roman Uferlos mit erkennbar autobiografischen Zügen thematisierte er das Thema Drogen deutlich. Die folgenden Gerichtsverhandlungen zogen sich über Jahre hin. Im April 2000 wurde er in dritter Instanz zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Sein 1997 gehaltener Vortrag zum Thema Drogensucht vor Nervenärzten in Erlangen erschien zwei Jahre später unter dem Titel Es gibt kein Leben ohne Tod in Buchform.

Am 3. Februar 1996 heiratete Wecker die 27 Jahre jüngere Annik Berlin aus Bassum bei Bremen, die er auf einem seiner Konzerte kennengelernt hatte. 1997 und 1999 wurden die Söhne Valentin und Tamino geboren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Wecker

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Konstantin Wecker – Willy

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Willy – Songtext

Mei, Willy, jetz wo I di so doliegn sich, so weit weg hinter dera Glasscheibn, genau oa Lebn zweit weg, da denk I ma doch, es hat wohl so kumma müassn, I glaub oiwei, du hast as so wolln, Willy.

Ogfanga hat des ja alles 68, woaßt as no: Alle zwoa san ma mitglaffa für die Freiheit und fürn Friedn, mit große Augn, und plärrt habn ma: Bürger lasst das Glotzen sein, kommt herunter, reiht euch ein! Und du warst halt immer oan Dreh weiter wia mir, immer a bisserl wuider und a bisserl ehrlicher.

Mia habns eana zoagn wolln, Willy, und du hast ma damals scho gsagt: Freiheit, Wecker, Freiheit hoaßt koa Angst habn, vor neamands, aber san ma doch ehrlich, a bisserl a laus Gfühl habn ma doch damals scho ghabt, wega de ganzen Glätzen, die einfach mitglaffa san, weils aufgeht, wega de Sonntagnachmittagrevoluzzer: d’Freindin fotzen, wenns an andern oschaugt, aber über de bürgerliche Moral herziagn! Die gleichn, Willy, die jetzt ganz brav as Mei haltn, weils eana sonst nass nei geht! Und du hast damals scho gsagt, lang halt des ned, da is zvui Mode dabei, wenn scho die Schickeria ihrn Porsche gegan 2 CV umtauscht, dann muass was faul sei an der großen Revolution, mitlaffa ohne Denken ko hofft ma guat sei, aa ned für a guate Sach.

Gestern habns an Willy daschlogn,
und heit, und heit, und heit werd a begrobn.

Dann hast plötzlich mim Schlucka ogfanga, und I glaub, a bisserl aufgebn hast damals scho. I versteh di, des is ja koa Wunder, wenn man bedenkt, was alles wordn is aus de großen Kämpfer. Heit denkas ja scho mit 17 an ihr Rente, und de Madln schütteln weise an Kopf, wenn d’Muater iam Mo as Zeig hischmeißt und sagt, mach doch dein Krampf alloa, I möcht lebn, trotzdem, Willy, ma muass weiterkämpfen, kämpfen bis zum Umfalln, a wenn die ganze Welt an Arsch offen hat, oder grad deswegn.

Und irgendwann hast dann ogfanga, die echten Leit zum suacha, de wo ned dauernd „Ja Herr Lehrer!“ sagn, hinten in dene Kneipn am Viktualienmarkt und am Bahnhofseck. Echter san de scho, Willy, aber I hab di gwarnt, aufpassen muasst bei dene, weil des san Gschlagene, und wer dauernd treten werd, der tritt halt aa amoi zruck, aber du hast koa Angst ghabt, I kenn di doch, mia duad koana was, mei, Willy, du dummer Hund du, jetzt sickst as ja, wia da koana was duad.

Gestern habns an Willy daschlogn,
und heit, und heit, und heit werd a begrobn.

Sakrament, Willy! Warst gestern bloß aufm Mond gwesen oder aufm Amazonas in am Einbaum oder ganz alloa aufm Gipfel, drei Schritt vom Himme weg, überall, bloß ned in dera unselign Boazn!

I hab in da Früah no gsagt, fahrn ma raus, as Wetter is so glasig, die Berg san so nah, schwänz ma a paar Tag, wia damals in da Herrnschui, an Schlafsack und die Welt in der Taschn, aber du hast scho wiederamoi oan sitzn ghabt in aller Früah, und am Abnd hast as dann wiedar amoi zoagn müassn, dass d doch no oana bist.

Am Anfang wars ja no ganz gmüatlich. Und natürlich habn ma den alten Schmarrn wieder aufgwärmt, wieder amoi umanandgstritten, wer jetz eigentlich mim Lehrer Huber seiner Frau poussiert hat am Faschingsball, sentimental san ma gwordn, so richtig schee wars, bis der Depp an unsern Tisch kumma is mit seim Dreikantschlüsselkopf, kloa, schwammig und braun. Und dann hat a uns gfragt, ob ma beim Bund gwesen san, na ja, des habn ma ja noch ganz lustig gfunden, und dass a so froh wär, dass jetzt wieder Ordnung kummt in die rote Staatssauce, und die Jugend werd ja aa wieder ganz vernünftig, und die Bayern wissens as eh scho lang, wos lang geht politisch, Willy, I hab gnau gwusst, des haltst du ned lang aus, und dann hat a plötzlich as Singa ogfanga, so was vom Horst Wessel. Hinten an de andern Tisch habns scho leise mitgsummt, und dei Birn is ogschwolln, und plötzlich springst auf und plärrst:

Halts Mei, Faschist!

Stad wars, knistert hats. Die Luft war wiara Wand. Zum Festhalten. Da hätt ma no geh kenna, Willy, aber na, I verstehs ja, du hast bleibn muässn, und dann is losganga an de andern Tisch: Geh doch in d’Sowjetunion, Kommunist! Freili, Willy, da muass ma narrisch werdn, wenns scho wieder soweit is, aber trotzdem, lassn geh, hab I gsagt, der schad doch neamands mehr, der oide Depp, nix, hast gsagt, alle schadens, de oiden und de junga Deppen, und dann hat der am Nebentisch plötzlich sei Glasl daschlogn, ganz ruhig, und is aufgstanden, Willy, du dumme Sau, I hab di bei da Joppen packt und wollt di rausziagn, obwohl i’s scho nimmer glaubt hab, und du hast di losgrissen: Freiheit, des hoaßt koa Angst habn vor neamands, und bist auf ean zua und nacha hat a halt auszogn… Willy, Willy, warn ma bloß weggfahrn in da Früah, I hätt di doch no braucht, wir alle brauchen doch solche, wia du oana bist!

Gestern habns an Willy daschlogn,
und heit, und heit, und heit werd a begrobn.

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http://www.golyr.de/konstantin-wecker/songtext-willy-280804.html

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 9. November 2016 von hubwen in Musik, Uncategorized

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Trumps Aggressivpopulismus zerstört die politische Kultur   1 comment

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Ich bin dann neugierig ob Trump die Mauer zu Mexiko bauen lassen will. Die kostet ja Milliarden. Und er möchte auch noch dass die mexikanischen Drogendealer und Vergewaltiger, diese auch noch bezahlen. Was ist denn das für eine Logik?

Die Unternehmenssteuern will Trump radikal von 35 auf 15 Prozent senken, um mehr Unternehmen zum Verbleib in den USA anzuspornen. Die Einkommensteuer soll bei 33 Prozent für Großverdiener gedeckelt werden, Niedrigverdiener sollen über die Nutzung von Freibeträgen zum Teil gar keine Einkommensteuer zahlen. Die reichsten Amerikaner würden einer Erhebung von Forbes zufolge pro Jahr 275 000 Dollar Steuern sparen, die Ärmsten 128 Dollar.

Aus <http://www.msn.com/de-de/nachrichten/us-wahl/trumps-politische-positionen-damit-m%c3%bcssen-wir-jetzt-rechnen/ar-AAk54Ss?li=BBqg6Q9&ocid=mailsignout>

Wie will er mit Steuersenkungen für den kleinen Mann, der ihm so am Herzen zu liegen scheint, und Steuergeschenken für Unternehmen, mit sozialen Programmen unterstützen? Weniger einnehmen und mehr ausgeben. Das kann nicht funktionieren.

Der weiß ja nicht als Milliardär was im Kopf eines kleines Mannes vorgeht, wie er über die Runden kommt – er kam ja schon reich auf die Welt.

Aber jetzt zu der SZ

Der künftige US-Präsident hat die Grenzen des Anstands gesprengt – mit Erfolg. Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass Deutschland weniger anfällig für solch simple Formeln ist.

Bisher galt auch für Populisten der Satz: Man muss wissen, wie weit man gehen kann. Es gab Grenzen des Sagbaren, auch für Populisten. Trump hat diese Grenzen gesprengt – und er war erfolgreich damit. Wenn Trump seinen Amtseid auf die US-Verfassung leistet, müsste diese – könnte sie die Farbe wechseln – rot werden vor Scham. Trump hat diese Verfassung mit und in seinem Wahlkampf wieder und wieder gebrochen. Schon bevor er als Präsident nun die Möglichkeit hat, Verfassungsrichter zu ernennen, hat er über die Verfassung gerichtet. Sein Wahlkampf hat gezeigt, dass sie ihm nichts bedeutet: Er hat die Rechte der Minderheiten verhöhnt und die Religionsfreiheit missachtet. Er hat Frauen verächtlich gemacht und seine politische Gegnerin bedroht.

Der Trump’sche Populismus, der nun weltweit giftig strahlt, ist ein anderer Populismus als der, der in Deutschland lange als solcher bezeichnet wurde; da galten und gelten ja Politiker wie Roland Koch oder Oskar Lafontaine oder Peter Gauweiler als Populisten. Aber diese Populisten wussten und wissen ganz gut: Wer stets nur simplifiziert, wird selbst zum Simpel. In den USA ist damit soeben ein Simpel, ein Aggressivpopulist, auf diese Weise Präsident geworden.

Auch der alte Populismus, wie man ihn in Deutschland kannte, war laut und aufmerksamkeitsheischend. Auch er hat, wie der neue Populismus, mit Ängsten gearbeitet – vor dem Terrorismus, vor der Kriminalität, vor Ausländern; auch der alte Populismus hat auf Instinkte gesetzt, er hat vergröbert, er hat das Angstmachende vergrößert und potenziert. So war das 1999 in Hessen, als der damalige CDU-Politiker Roland Koch in allen Fußgängerzonen Klapptische aufstellen ließ, auf denen man gegen Ausländer unterschreiben konnte – und damit die Landtagswahl gewann und Ministerpräsident wurde. Aber solche Erfolge, so war das Urteil hierzulande, sind nicht wiederholbar. Als Koch die Wiederholung versuchen wollte bei der Landtagswahl von 2008 mit einem Wahlkampf, in dem er die Jugendgewalt infam aufblies, unterlag er.

Politik, so heißt es nach dem Soziologen Max Weber, ist das Bohren harter Bretter. Der alte, der gewohnte Populismus war das Trommeln auf diesen Brettern. Diese Trommelei war oft aggressiv, und sie hatte und hat bisweilen einen rechtsradikalen Rhythmus – etwa dann, wenn es gegen Flüchtlinge ging und geht. Der neue Populismus belässt es nicht bei der Trommelei auf den harten Brettern. Er wirft mit den harten Brettern. Er wirft sie gegen Minderheiten, er erschlägt damit Grundrechte und Grundwerte, er drischt damit auf „das System“ ein, auf die Demokratie, auf den Rechtsstaat, auf die Gewaltenteilung und auf den politischen Gegner, den er zum Feind erklärt, und dem er Verhaftung und Gefängnis androht.

Der neue aggressive Populismus ist die Zerstörung der politischen Kultur, sie ist die Entartung der politischen Auseinandersetzung. Zu den Lehren aus finsterer Zeit gehört das „Nie wieder“. Wer die hasserfüllte Sprache hört, mit denen die für den Staat verantwortlichen Personen von Demonstranten auch in Deutschland als „Volksverräter“ tituliert werden, der stellt besorgt fest: „Schon wieder“.

Verachtung der Humanitas

Sein Wahlerfolg macht Trump zu einer globalen Leitfigur des neuen Aggressivpopulismus. Sein Rassismus, sein Nationalismus, seine Xenophobie und seine Verfassungsverachtung sind aufreizend und ansteckend. Der Erfolg, den Trump damit gehabt hat, stachelt Nationalisten und Rassisten auch in Europa an – dazu, jede Zurückhaltung fallen zu lassen, bisherige Grenzen des Anstands zu durchbrechen und den Tabubruch als politisches Rezept zu verkaufen. Trump hat die politische Feinderklärung in die Demokratie getragen. Das ist ein tödliches Gift. Bei Trump hat sich gezeigt, dass der mediale und digitale Tanz, der um seine Tabubrüche aufgeführt wird, dem Tabubrecher letztendlich hilft – weil die Dauerpräsenz, die er damit genießt, ihn wie mit einem Panzer umgibt.

Die europäischen Rechtspopulisten sollte man mit den Trumpisten nicht in einen Topf werfen. Aber gemeinsam ist ihnen die Missachtung und Verachtung der Humanitas. Es ist eine große Aufgabe, den von Globalisierungsängsten und gesellschaftlichen Umbrüchen verunsicherten Menschen zu zeigen, dass Gift ihre Lage nicht besser, sondern schlechter macht. Man sollte sich in Deutschland nicht darauf verlassen, das die Deutschen weniger anfällig sind für populistische Simplizitäten als die Amerikaner – auch wenn hierzulande politische Stabilität und politische Erfahrung höher geachtet werden mögen als in den USA. Es ist eine große, es ist ein gewaltige, aber bitter notwendige Aufgabe, die soziale Demokratie groß und den Aggressivpopulismus damit wieder klein zu machen.

Kommentar von Heribert Prantl

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Trumps Aggressivpopulismus zerstört die politische Kultur

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 9. November 2016 von hubwen in Politik, Uncategorized

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