Archiv für 11. November 2016

Martinigans & und andere Gänse   1 comment

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Wie mich das doch nervt, wenn bei christlichen Bräuchen immer wieder Tiere dran glauben müssen. Was gehen denn den Tieren die Religion und die Kirche an? Heute ist wieder die „Martinigans“ dran, besonders in Österreich ist das „Martinigansl“ weit verbreitet. Aber nach christlicher Lehre sind ja die Tiere zu unserem Verzehr da – und da sie sowieso keine Seele haben… Macht euch also die Erde untertan – und besonders die Tiere.

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Die Entstehung des Metzger-Berufes aus dem Priestertum des Alten Testaments

Warum töten Menschen überhaupt – teilweise nach schrecklichen Quälereien – Tiere, um dann ihre Leiche aufzuessen? Und das vor allem an kirchlichen Feiertagen wie Weihnachten, dem Fest der Liebe? Die Wurzeln für dieses Hinrichtungs- und Essverhalten liegen in der Religion. Einst wurden dem angeblich zornigen Gott Tieropfer dargebracht, um ihn damit angeblich zu besänftigen – sei es im vom Priestern beherrschten Judentum – unter dem massiven Protest der jüdischen Propheten – oder in antiken heidnischen Götzenkulten.

Daraus sind dann der Katholizismus und später der Protestantismus hervor gegangen und weitere Konfessionen. Der Priester in der Bibel war einst gleichzeitig der Schlächter und er brachte das Tier auf dem Altar mit dem Messer um und weidete es anschließend aus. Einen Teil des Fleisches bekam dann der betreffende Gott, nämlich den Teil, den man auf dem Altar verbrannte. Einen zweiten Teil bekamen die Priester und einen dritten Teil derjenige, der das Opfertier bezahlte und dem Priester zur Schlachtung überreichte.

In der Bibel der Kirchen heißt es an 22 Stellen, der Rauch des verbrennenden Tieres sei der „beruhigende Duft“ für den „Herrn“, also angeblich für Gott (z. B. 1. Mose 8, 21; 2. Mose 29,18; 4. Mose 28, 2). Oder es heißt, dieser ätzende Qualm des Kadavers des exekutierten Tieres sei der „liebliche Geruch“ oder der „süße Geruch“ für diesen Gott, so der Wortlaut anderer Übersetzungen. Und der gläubige Mensch solle sich nun vorstellen, wie er durch den versengenden Tierkörper mit Gott und dem Priester verbunden ist. Bei „Gott“ soll sich währenddessen Sein Zorn sozusagen in Rauch auflösen, der Priester erhält einen weiteren Teil des Fleisches als Metzger- und Segenslohn, und für den Gläubigen gibt es den Rest des Bratens zum Festgenuss. Einen weltlichen Beruf des Metzgers oder Schlächters gab es früher im so genannten Abendland und auch in vielen anderen Kulturkreisen also überhaupt nicht. Wer Fleisch essen wollte, musste zum Priester der betreffenden Religion und ein Tieropfer darbringen. Die Priester waren demzufolge in unserem Kulturkreis die ersten Metzger, und die heutigen Metzger sind nach wie vor sehr stolz, dass ihr Beruf unmittelbar auf die schlachtenden Priester des Alten Testaments zurück geht, die so genannten Leviten.

So heißt es in einem bekannten Lied der Fleischerzunft zit. nach Der Prophet Nr. 15, S. 94:

Wenn eine Innung ist, der Ruhm und Lob geziemt,
so ist’s die Fleischer-Zunft, die an sich hochberühmt,
und auch dem Ursprung nach; denn wie erwiesen worden,
entspringet sie ja selbst aus dem Leviten-Orden,
die da im alten Bund das Opfer-Vieh geschlacht’t,
so man auf dem Altar dem Höchsten dargebracht

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Zunftwappen von Schlächtern und Metzgern, sonst oft noch mit Kreuz auf der Fahne (Creative-Commons Lizenz BY-SA/2.0),de)

Auf den Fahnen der Metzgerszünfte ist bis heute das so genannte „Osterlamm“ mit so genannter Auferstehungsfahne abgebildet. Und im 17. und 18. Jahrhundert gab es z.B. in Deutschland zwei Zeiten, an denen die Tiere aus Gründen des Lärmschutzes nicht geschlachtet werden durften: In der Nacht und während der Predigt des Pfarrers. Das alles aber hat mit Gott, dem Höchsten, nicht das Geringste zu tun, es ist purer konfessionell-kannibalischer Götzenkult.

Die Schlachtungen der edlen Gänse

Bis heute gibt es vermutlich kein kirchliches Fest, an dem nicht irgendein Tier geschlachtet werden soll, meist verbunden mit Legenden und Erzählungen. Und sehr oft sind es die edlen, klugen, reinlichen und sehr sozialen Gänse, die zum Opfer der konfessionellen Tradition werden. Dazu ein weiteres Beispiel:

Seit Jahrhunderten wird alle Jahre wieder zum Gedenken an den Erzengel Michael im September am Michaelistag, dem 29. September, eine Gans geschlachtet, die so genannte „Michaelisgans“ oder „Michelgans“. Dies gilt als eine Art Erntedank-Essen und geht darauf zurück, dass der konfessionelle Bauer dazu die Knechte und Mägde einlud. Gleichzeitig wurde am Michaelistag von der Kirche und den Klöstern vielfach der „Zehnte“ eingetrieben, die frühere Kirchensteuer, und die Bauern, Pächter und Lehensempfänger zahlten oft in „Naturalien“, wie es hieß, wozu auch Gänse gehörten, die man eben zu den „Naturalien“ = Sachen zählte. Und den einfachen Leute versuchte man zu diesem Anlass weis zu machen, dass derjenige, der am Ehrentag des Erzengels Michael eine tote Gans verspeist, sich im kommenden Jahr keine Geldsorgen machen müsste.

Sechs Wochen später wird dann bereits der nächsten Gans der Hals umgedreht, dieses Mal zu Ehren des „heiligen“ Bischofs Martin. So hatte sich der angeblich Heilige im 4. Jahrhundert der Überlieferung nach in einem Gänsestall versteckt, um nicht zum Bischof der Stadt Tours in Frankreich geweiht zu werden. Doch die schnatternden Gänse hätten ihn verraten, und er wurde darauf hin doch zum Bischof geweiht. Und die traditionsgebundenen Gläubigen verzehren seither alle Jahre am Martinstag, dem 11. November, zu Ehren der kirchlichen Karriere des angeblich „Heiligen“ eine „Martinsgans“. Eine andere Legende besagt allerdings, dass schnatternde Gänse den „heiligen“ Martin beim Predigen unterbrochen hatten und aus diesem Grund seither die „Martinsgänse“ geschlachtet wurden. Warum? Weil sie die Ausübung der katholischen Religion gestört hatten? Nachgewiesen ist, dass – häufiger wie noch am Michaelistag – auch am Martinstag die Bauern der Kirche und den Klöstern für deren kirchliche Oberherrschaft den „Zehnten“ zahlen mussten und oft auch mit einer oder mehreren Gänsen bezahlten.

[…]

Die Gänsefänger

Denn es gibt keine dumme Gans, keine blöde Kuh, kein faules Schwein, keine lahme Ente, kein blindes Huhn und derartiges mehr. Diese Redensarten sind Erfindungen einer Kultur, deren Religionsführer den Tieren die unsterbliche Seele absprechen und die sie zum Geldverdienen und zum Genuss wie Sachen behandeln. Welche Eigenschaft müsste man demzufolge dem Erfinder dieser Redensarten zusprechen?

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Wir stellen dazu abschließend die Frage, wie es überhaupt zu der falschen Redensart der „dummen Gans“ gekommen ist. Man weiß es nicht. Doch vielleicht, so die Überlegungen, geht sie auf die Tricks der Gänsefänger zurück, die vor allem in den Niederlanden im Winter Jahrhunderte lang Teil der „Tradition“ waren, wenn die Gänse aus dem Norden ihre Überwinterungsgebiete in südlicheren Gebieten aufsuchen wollten. Dabei wurde das außergewöhnlich soziale Verhalten der Gänse vom Jäger brutalst missbraucht:

Die skrupellosen Menschen nahmen dabei zahme männliche Hausgänse als Lockvögel und banden sie neben einer großen Schlagnetzfalle fest. In einen Stall daneben wurden die weiblichen Tiere und der Nachwuchs gesteckt. Kamen Wildgänse in die Nähe geflogen, ließ der Gänsefänger die weiblichen Gänse und die Junggänse kurzzeitig aus dem Stall hinaus ins Freie laufen. Diese bewegten sich dann fröhlich schnatternd auf die festgebundenen männlichen Gänse zu, weil sie sich freuten, sich wieder sehen zu können. Die Wildgänse am Himmel bekamen dieses Geschehen am Boden nun mit und wurden von dem freudigen Schnattern angesteckt. Außerdem vermuteten sie, dass es dort, wo ihre Artgenossen fröhlich sind, wohl gutes Futter gibt. Und genau darauf spekulierte der Gänsefänger und dachte sich: „Dumme Gans“.

Doch Gänse womöglich deswegen als „dumm“ zu bezeichnen, weil sie nicht mit dieser Hinterhältigkeit in Gottes guter Schöpfung rechnen, auch solches kann sich nur die Bestie Mensch – die kirchliche so genannte „Krone“ der Schöpfung – ausdenken.

Und so kam es dann leider: Die Wildgänse landeten, und in diesem Augenblick schlug die Falle zu. Das Fangnetz fiel über allen Gänsen zusammen. Jetzt konnte der Mensch sie einzeln aus dem Netz heraus holen und mit dem Hackebeil für St. Michaelis, für St. Martini oder für Weihnachten köpfen oder ihnen gleich mit der Hand den Hals umdrehen und ihn abreißen.
Weniger Mühe machen sich andere Gänsejäger in den so genannten Mausergebieten der Gänse, z.B. in Sommer in Sibirien. Wenn die Gänse während der Mauser für einige Tage flugunfähig sind, weil sich ihr Federkleid erneuert, werden sie einfach eingesackt; danach Kopf ab und guten Appetit. Wie lehrt doch die Kirche? Nur der Mensch sei Gottes Ebenbild und er dürfe die Tiere verspeisen oder sie für seinen anderweitigen Nutzen töten.
In der industriellen Massentierhaltung des kirchenchristlichen Abendlandes geht es noch schneller. Dort werden Gänse in Massen künstlich gezüchtet, gemästet, am Fließband geköpft und gerupft, und man muss sie gar nicht mehr aufwändig fangen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das alles ist die Tradition und noch hunderttausendfach die Gegenwart. Wollen Sie sich wirklich daran beteiligen? Guten Appetit können wir Ihnen dazu nicht wünschen. Aber wir wünschen Ihnen und uns, dass unser Gewissen immer empfindsamer wird für das Leid unserer kleinen Brüder und Schwestern, der Tiere.

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Aus katholisch.de

Bei den einen gibt es am Heiligen Abend oder ersten Weihnachtstag einen saftigen Schinkenbraten. Bei anderen brutzelt die Gans im Bräter oder wird Karpfen – gebraten oder gekocht – aufgetischt. Auch Würstchen mit Kartoffelsalat, Fondue und Raclette gehören zu den beliebtesten Weihnachtsgerichten. Warum ist das so? Und was steckt dahinter?

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Schweinebraten
Schweinebraten – BeTa-Artworks/Fotolia.com
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Nach der Christianisierung hatte sich der Schweinebraten bereits so durchgesetzt, dass er immer noch an Weihnachten auf den Tisch kam. Damals war es Brauch, zwölf geschmorte Äpfel rund um den Braten herum zu legen – ein Apfel für jeden Apostel.

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Gans
Gans – foodinaire/Fotolia.com
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Gans

Mit dem Fleisch der Schlachttiere – vor allem auch der Gänse – wurden früher an Sankt Martin, dem alten Zins- und Zahltag, die zum Winter entlassenen Dienstboten bezahlt und Schulden beglichen.

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http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/schinken-gans-und-co

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Martinigans & und andere Gänse

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Schlimme Zeiten für die Tiere … und die tierfreundlichen Menschen

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…der evangelische Theologe Sebastian Moll gibt zu: „Auf mehreren Konzilien der Kirche wurden Vegetarier tatsächlich verurteilt“ (Jesus war kein Vegetarier, München 2011, S. 36). Es sollte jedoch nicht bei Berufsverboten bleiben. Anscheinend diente dieses Dekret von Ancyra ca. 250 Jahre später Papst Johannes III. als Vorlage, als er auf der 1. Synode von Braga in Portugal im Jahr 561 vierzehn Bannflüche formulierte, die heute noch gültig sind: Der 14. Bannfluch verurteilte dabei nicht nur den vegetarisch lebenden Priester, sondern jeden Vegetarier:
„Wer die Fleischspeisen, die Gott zum Gebrauch der Menschen verliehen hat, für unrein hält und … sich ihrer so enthält, dass er nicht einmal von Gemüse, das mit Fleisch gekocht wurde, kostet, … der sei mit dem Anathema belegt“ (Heinrich Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, Herausgeber: Peter Hünermann, 42. Auflage, Freiburg 2009, Lehrsatz Nr. 464; dies ist eine der beiden heute noch gültigen Verfluchungen; die andere siehe hier).
Und Anathema = angebliche ewige Verdammnis, das bedeutete auch, dass der „Ketzer“ „vogelfrei“ war und ohne Bestrafung getötet werden konnte. Offenbar war dies eine Art „Rechtgläubigkeitstest“, dass man Gemüse in Fleischbrühe kochte und dann von dem Verdächtigten verlangte, dies zu essen.

http://www.theologe.de/theologe7.htm

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„Hatte nicht schon der junge Theologieprofessor Ratzinger, damals also noch nicht Bischof, Kardinal oder Papst, in seinen Vorlesungen vor seinen Theologiestudenten getönt, es könne dem Reh oder Hasen gar nichts Besseres passieren, als geschossen zu werden und auf dem Teller des Menschen zu landen, denn damit erfülle das Tier seine Bestimmung, die der Schöpfergott ihm zugeteilt habe.“

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reh_im_rapsBild: Wikipedia

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(Der ehemalige katholische Theologieprofessor Hubertus Mynarek in: Papst ohne Heiligenschein, Sonderdruck, Odernheim 2006, S. 4)

http://www.theologe.de/theologe7.htm#Bann_und_Tod

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Gruß Hubert

 

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Veröffentlicht 11. November 2016 von hubwen in Kirchenkritik, Uncategorized

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