Archiv für 21. Dezember 2016

Man kann kaum noch zwischen Bot und Mensch unterscheiden   Leave a comment

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Es ist schon bedrohlich was die so genannten Social Bots bewirken können. Sie greifen in Diskussionen ein und stören die Kommunikation zwischen echten Menschen und verbreiten Hass. Der Spezialist für Social Bots Simon Hegelich erklärt das sehr gut.

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Feindselige Kommentare bei Facebook und Twitter stammen oft nicht von Menschen, sondern von Socialbots. Sie manipulieren Wahlen, Kampagnen, Börsen. Sie wirken so echt, dass sie kaum zu entlarven sind.

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Ganz sicher ist sich Simon Hegelich bei dem Tweet „Putin plant Krieg gegen die Ukraine noch diesen Monat!“ Der sei höchstwahrscheinlich maschinenproduziert, sagt der 39-jährige Dozent an der Universität Siegen.

Hegelich und weitere Forscher wollen in dem Projekt „Social Media Forensic“ (SoMeFo) herausfinden, wie verbreitet das Phänomen ist und wie man Kommentare im Netz als Beiträge entlarven kann, die ein Computer, ein Social Bot verfasst hat. Als dringend notwendig stuft auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung so eine Analyse ein und fördert deshalb das Projekt.

Die Social Bots sind zu einem wachsenden Ärgernis geworden: „Die Anzahl an Bots, die in sozialen Netzwerken aktiv sind, nimmt definitiv zu. Zumal das technisch leicht zu realisieren ist und der Einsatz nicht viel kostet: 10.000 gefälschte Twitter-Accounts gibt es schon für 350 Dollar“, sagt Hegelich.

Social Bots verhalten sich wie menschliche Nutzer: Sie bekommen mit, wenn ihr Thema bei Twitter gerade hochkocht, und schreiben Texte, die sich darauf beziehen.

Und das Programm dahinter ist flexibel einsetzbar: „Eines der großen Probleme von Social Bots ist deren Skalierbarkeit. Ist ein Bot für einen Account entwickelt, lässt er sich – mit wenigen Anpassungen – auch für weitere Accounts einsetzen.“

Hier weiterlesen:

https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article149665357/Die-unheimliche-Manipulation-durch-Robot-Herden.html

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Aus der FAZ

Hegelich: Demokratie in Gefahr

Die Folgen dieser Entwicklung sind schon jetzt verheerend – nicht nur für die sozialen Netzwerke, sondern für das Selbstverständnis des gesamten Netzes. Wie soll noch Authentizität, wie Wahrhaftigkeit vermittelt werden, wenn alles unbemerkt manipulierbar ist? Wem soll man im Netz noch glauben, wenn man stets befürchten muss, dass die Information oder die Meinung, die man gerade liest, nicht von einem Menschen, sondern von einer Maschine stammt, die ihr Fähnchen entweder nach dem gut zahlenden Auftraggeber oder nach der neuesten Erregungskurve eines beliebigen Mobs ausrichtet?

Hegelich sieht sogar die Demokratie in Gefahr, wenn Politiker sich von der künstlichen Stimmungsmache im Netz beeinflussen ließen und sie fälschlicherweise für die „wahre“ Stimme des Volkes hielten. Und das Problem ist: Propaganda war nie billiger. Der Markt mit falschen Twitter-Accounts boomt. Wer will, findet schnell 10.000 Konten für 499 Dollar. Wer noch mehr will, lässt seine neuen „Freunde“ mit künstlicher Bot-Intelligenz ausstatten. „Es kostet fast nichts, mit Social Bots im großen Stil die Netzwerke zu überfluten“, sagt Hegelich, „dafür braucht man nur ein paar gute Computerspezialisten.“ Der Cyberwar spielt sich nicht mehr nur in den versteckten Sphären von Nachrichtendiensten und staatlichen Sicherheitssystemen ab, sondern vor allem als Meinungskrieg in den sozialen Netzwerken.

Der Kampf gegen die Social Bots ist schwierig, wenn nicht sogar aussichtslos. Das liegt zum einen an der schieren Masse der Konten in den Netzwerken. Hegelich und sein Team brauchen 15 Minuten, um 150 Accounts zu überprüfen – eine flächendeckende Kontrolle: undenkbar. Und selbst wenn man einen Bot identifiziert hat und versucht, ihn rückzuverfolgen, sitzen seine Verursacher eben nicht in Dortmund oder München, sondern in der Ukraine, in Panama oder den Vereinigten Staaten. Dagegen nachhaltig vorzugehen, ist schier unmöglich. „Social Bots werden nicht mehr verschwinden“, glaubt Hegelich. „Auch wenn wir sie mit aller Macht bekämpfen.“

Hier weiterlesen:

http://www.faz.net/aktuell/politik/automatisierter-hass-im-netz-dank-software-robotern-14245829-p2.html

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Aus ndr.de

Bot-Armeen für Kriegspropaganda

Das zumindest haben Simon Hegelich und sein Team an der Uni Siegen herausgefunden. Innerhalb des Projektes „Social Media Forensics„, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, erforschen sie die Manipulationsgefahr durch Social Bots. Dafür werteten sie über ein halbes Jahr Daten von Twitter aus, die das Netzwerk Forschern zur Verfügung stellt. Im Zusammenhang mit dem #ukraine stießen die Wissenschaftler auf entscheidende Hinweise: „Dabei ist uns aufgefallen, dass es sehr viele Meldungen gab, wo die gleiche Meinung von unterschiedlichen Nutzern gesendet worden ist. Es war aber kein Retweet. Das ist ein ungewöhnliches Verhalten.“ Hegelich und sein Team deckten eine ganze Armee von etwa 15.000 Bots auf, die im Durchschnitt 60.000 Tweets pro Tag posten.

Hier weiterlesen:

http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Netzangriff-Bots-feuern-gegen-Themen-,bots100.html

Siehe auch:

http://www.bento.de/gadgets/social-bots-manipulieren-facebook-und-twitter-einige-verdienen-damit-geld-258770/

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Gruß Hubert

 

 

 

Veröffentlicht 21. Dezember 2016 von hubert wenzl in Netzpolitik, Politik, Uncategorized

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