Niklas Frank und sein Vater   Leave a comment

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Vor kurzem war Niklas Frank, der Sohn von Hans Michael Frank, in einer Fernsehsendung des ZDF eingeladen. Der Vater Hans Michael Frank wurde am 16. Oktober 1946 im Kriegsverbrecher-Prozess in Nürnberg hingerichtet.
Sein Sohn rechnete mit dem Wirken seines Vater in der NS-Zeit radikal und schonungslos ab. Er war schockiert über die Verbrechen, die auf das Konto seines Vaters gingen. Seine drei Geschwister bleiben auch nach dem Tod des Vaters national und faschistisch. Auch die Mutter rückt nicht ab vom alten Herrenmenschendenken. Niklas Frank zeigt auch auf wie unterschiedlich in deutschen Familien mit der Vergangenheit umgegangen wurde. Niklas hat seinem Vater nie verziehen. Niklas Frank arbeitete die Zeit seines Vater auf und schrieb das Buch: „Der Vater – Eine Abrechnung“.

Zu Hans Michael Frank aus Wikipedia:
Hans Michael Frank (* 23. Mai 1900 in Karlsruhe; † 16. Oktober 1946 in Nürnberg) war ein nationalsozialistischer deutscher Politiker. Er schloss sich der DAP, Vorläuferin der NSDAP, bereits 1919 an, fungierte als Adolf Hitlers Rechtsanwalt und war höchster Jurist im „Dritten Reich“.

Während des Zweiten Weltkrieges war er Generalgouverneur des besetzten Polen und wurde von Zeitgenossen der „Schlächter von Polen“ oder der „Judenschlächter von Krakau“[1] genannt. Sein Staatssekretär Josef Bühler  *) bezeichnete ihn in Nürnberg als „König von Polen“

*) (Zu Josef Bühler:

Bühler drängte Reinhard Heydrich auf der Wannseekonferenz, mit der Endlösung im Generalgouvernement zu beginnen, weil er hier keine Transportprobleme sah. Dies geht eindeutig aus dem Protokoll vom 20. Januar 1942 hervor, in dem es heißt: „Staatssekretär Dr. Bühler stelle fest, daß das Generalgouvernement es begrüßen würde, wenn mit der Endlösung dieser Frage im Generalgouvernement begonnen würde“.[4] 1942 beteiligte sich Bühler an der Umsiedlungsaktion für deutsche Siedlungen bei Lublin und an der Verschleppung von Polen zur Zwangsarbeit nach Deutschland.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_B%C3%BChler

[…]

Niklas Frank und das Buch „Der Vater“

Hans Franks Sohn Niklas Frank publizierte 1987 ein Buch mit dem Titel Der Vater, das den Untertitel „Eine Abrechnung“ trägt. Frank rekonstruierte das Leben seines Vaters aufgrund jahrelanger Recherchen, in deren Verlauf er erkennen musste, welch ungeheuren Ausmaßes die Verbrechen des Vaters waren. Das Buch wurde zunächst als Serie mit dem Titel „Mein Vater, der Nazimörder“ in der deutschen Illustrierten Stern veröffentlicht und löste heftige Kontroversen aus. Es ist ein außergewöhnliches Dokument schonungsloser Offenheit eines Sohnes der Person und den Verbrechen seines Vaters gegenüber. Niklas Frank schreibt dazu:

„Es gibt Väter, die zeugen einen täglich neu. So, wie der meine mich. Ich schlug mich mit ihm herum, ein Leben lang. Erst innerlich. Dann exhibitionierte ich, schrieb einen wüsten Text, ungefiltert durch bürgerlichen Geschmack, genau so ekelhaft, wie deutsche und österreichische Bürger während des ‚Dritten Reiches‘ ihren Verbrechen nachgingen, oder Hitler und seine Verbrecher schützten, stützten, verehrten, liebten – und die große Zeit bis heute nicht vergessen haben. (…) Wenn man seinen Vater verfolgt, wie ich, wenn man in sein Hirn hineinkriecht, wie ich, wenn man seine Feigheiten studiert, und sie wieder findet, wie ich bei mir, wenn man bei den Recherchen sieht, welch Gierzapfen meine Mutter war, wie sie das Generalgouvernement Polen als Supermarkt auffasste, in dem sie als ‚Frau Generalgouverneur‘ die Preise selbst bestimmen konnte, wenn man, wie ich mit ihr, durch die Gettos fuhr und Pelze auflud aus den jüdischen Geschäften, deren Inhaber fälschlicherweise glaubten, durch Brigitte Frank ihr Leben retten zu können, dann kann aus all dem Leid und Hass zwischen den Leichenbergen nur eines entstehen: Die Groteske.“
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https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Frank

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Auszug aus swr2.de

Niklas Frank komplettiert seine Auseinandersetzung mit der Familie. Der Vater, Hans Frank, war Hitlers Generalgouverneur im besetzen Polen, und wurde nach dem Krieg verurteilt und hingerichtet.

Niklas Frank: Bruder Norman!

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Bruder Norman erinnert sich nicht an die SS-Kaserne neben seiner Schule in Krakau, nicht an halb nackte Juden, die in bitterer Kälte Kohlensäcke abladen mussten, nicht an die Peitschenhiebe, nicht an Quälereien aus purer Lust und auf offener Straße. Der Bruder will sich nicht erinnern, er kann sich nicht erinnern. Doch ein Schulfreund von Norman erinnert sich sehr wohl und schreibt es sogar auf. Der Schulfreund hat ein Büchlein für seine Enkel gemacht, damit nichts vergessen wird. Frühjahr 1944: Auf einem LKW sieht der Schulfreund von Norman jämmerliche, abgemagerte, heruntergekommene Gestalten, hinten am LKW steht der Zielort in großen Buchstaben: Auschwitz. Das Vernichtungslager ist förmlich plakatiert. In langer Reihe hängen an Telefonmasten die Toten an Galgen. Zur Abschreckung, vor aller Augen. Darüber konnte keiner hinweg sehen. Wie konnte später gesagt werden, man habe nichts gewusst? Und die Spottlieder und antisemitischen Witze? In aller Munde, herzhaft und gehässig gebrüllt und selbstgefällig weitergetragen und hier, bei Niklas Frank, nachzulesen. Der Autor macht all das plastisch, er kennt keine Tabus, reiht eine Ungeheuerlichkeit an die andere. Und macht damit, stellvertretend für die Deutschen, auch seinem geliebten Bruder den Prozess.

„Es hat nichts mit Tapferkeit zu tun! Wir sind in einer wunderbaren Demokratie, die trotz aller Fehler immer noch sensationell gut funktioniert. Da bedarf es keinerlei Mutes, solche Bücher zu schreiben.“

Niklas Frank blickt in die Abgründe einer deutschen Familie. Er enthüllt die Tragik gespaltener Seelen. Drei Geschwister bleiben auch nach dem Tod des Vaters national und faschistisch. Auch die Mutter rückt nicht ab vom alten Herrenmenschendenken. Bruder Norman flüchtet sich in den Alkohol, erinnert sich lieber an das Glück der Kindheit und die Abenteuer der Pubertät und will alles andere vergessen. Ein paar Anekdoten aus großer Zeit sind ihm im Gedächtnis geblieben: mit Roland Freisler, dem brüllenden ‚Blutrichter‘ Hitlers, beim Frühstück: witzig war der, erinnert sich Norman. Als Fünfjähriger saß er auch auf Hitlers Schoß: beißend ironisch denkt Norman daran zurück, mehr nicht. Schön gefärbte Bilder eben. Damit kommen die Brüder der Wahrheit nicht näher. Und doch erkennt Bruder Norman ab und an etwas – aber im nächsten Moment widerruft er das schreckliche Erwachen. Niklas Frank, der Autor, kommt sein Leben lang nicht los von seiner mörderischen Familie und der Scham über die deutschen Verbrechen. Seit Jahrzehnten wühlt er im Urschlamm und möchte verstehen, begreifen, wissen, warum. Eine Frage der Selbstachtung? Eine Frage des Überlebens? Ein Ringen mit dem Trauma, ein Kampf gegen die Verpanzerung. Niklas Frank wirkt heute alles andere als verbittert oder zynisch. Im Gegenteil: Er ist dem Leben zugewandt und freut sich über die Kapriolen und Widersprüche und Rätsel menschlichen Seins.

„Das ist immer die Groteske des Lebens und wofür ich auch die Menschen liebe. Das ist einfach toll: Wir könnens halt nicht! Wir können nicht der Wirklichkeit konform leben. Da müsste ich auch sagen: Bin ein alter Mann und hab Arthrose und jetzt leg dich doch hin und sterbe, es hat ja alles keinen Sinn. Aber ich träume. Und freue mich über dies und jenes. Und denk, die Enkel werden mich schon in drei Jahren für stinklangweilig erachten, weil sie ganz andere Interessen haben. Und so geht das Leben dahin. Aber es ist schön.“

Niklas Frank hat ein tabuloses, ein tragisches und sehr schmerzhaftes Buch geschrieben. Die Wucht der Worte ist überwältigend. Hier kommt keiner ungeschoren davon, auch der Leser nicht. Ein umwerfendes Buch, bitter, trostlos, verzehrend. Eine Entblößung, herausfordernd, selbst zerfleischend, klar und einfach und packend geschrieben. Ein Lehrstück.
Stefan Berkholz – Stand: 25.4.2013

http://www.swr.de/swr2/literatur/buch-der-woche/niklas-frank-bruder-norman/-/id=8316184/did=11333040/nid=8316184/xw43d5/index.htm

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Siehe auch:

Dem Vater nie verziehen
http://www.onetz.de/weiden-in-der-oberpfalz/lokales/sohn-des-judenschlaechters-rechnet-ab-dem-vater-nie-verziehen-d58154.html

https://www.dhm.de/lemo/biografie/hans-frank

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Aus amazon.de

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Gruß Hubert

Veröffentlicht 28. Januar 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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