Archiv für 6. Februar 2017

Die Macht der Sprache   2 comments

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Die Neurolinguistin Elisabeth Wehling sagte schon am 04. Oktober 2016 voraus, warum sogar Arbeitslose, Frauen und Einwanderer Donald Trump wählen werden – obwohl er gegen sie hetzt. Sehr interessant auch wie sie die Macht der Worte erklärt und wie manipulativ man Sprache verwenden kann. Entscheidend ist auch das Bauchgefühl.

Aus der ZEIT ein Interview mit Elisabeth Wehling

Die Neurolinguistin Elisabeth Wehling weiß, warum sogar Arbeitslose, Frauen und Einwanderer Donald Trump wählen werden – obwohl er gegen sie hetzt.

Sie habe einen „krassen Jetlag“, sagt Elisabeth Wehling, als sie sich in einem Restaurant auf einen Aluminiumstuhl setzt. Gestern hatte sie noch einem Termin in Washington, nun besucht sie für ein paar Tage ihre Eltern in Hamburg-Bergedorf. Um sich für das Interview wach zu halten, habe sie den ganzen Tag „Tatort“ geguckt.

ZEIT CAMPUS: Frau Wehling, Sie erforschen, wie Sprache Menschen beeinflusst. Können Sie mich manipulieren?

Elisabeth Wehling: Wenn ich mit diesem Ziel zum Gespräch gekommen wäre, dann ja. Sprache kann uns stark beeinflussen, wie wir denken, wie wir fühlen, sogar wen wir wählen.

ZEIT CAMPUS: In einem Interview haben Sie einmal gesagt …

Wehling: … das habe ich nie gesagt. (lacht)

ZEIT CAMPUS: … Donald Trump spreche wie ein Viertklässler.

Wehling: Das war das Ergebnis einer Studie aus unserem Forschungsteam, die das Sprachniveau von Politikern untersucht hat. Trump war auf dem Level eines Grundschülers. Auf den ersten Blick könnte man denken: Ach, der redet für Dumme, wahrscheinlich ist er selbst ein bisschen dumm. Ist er aber nicht.

ZEIT CAMPUS: Lassen Sie mich raten – alles Strategie?

Wehling: Ganz genau. Donald Trump benutzt fast nur Wörter der „basic level cognition“. Das sind solche, die wir als Kind als Erste lernen. Zum Beispiel sagt er nicht: Wir werden die Migration aus Mexiko eindämmen, sondern: Wir bauen eine Mauer. Da haben wir sofort ein Bild vor Augen.

ZEIT CAMPUS: Wenn Sie mich manipulieren wollten, wie würden Sie das machen?

Wehling: Ich könnte Ihnen zum Beispiel suggerieren, dass eine bestimmte politische Meinung besonders gut ist. Das geht über sogenannte Frames, Sprachbilder, die unser Gehirn mit einer Bedeutung verknüpft. Nehmen wir das Wort Schmutz. Wenn ich „schmutzige Steueraffäre“ sage, simuliert Ihr Gehirn automatisch Ekel. Als würden Sie einen üblen Geruch riechen oder hören, wie jemand sich übergibt. Wörter können Gefühle erzeugen.Das kann man nutzen, auch im Wahlkampf.

ZEIT CAMPUS: Ein Beispiel?

Wehling: Trump nennt Clinton „crooked Hillary“ – „gekrümmte Hillary“. Damit stellt er sie als unmoralisch dar. Krummer Hund, ein krummes Ding drehen, einknicken – Sie kennen die Metaphern. Da ist es völlig egal, ob man mit Trumps Meinung übereinstimmt oder nicht, das prägt sich ein.

ZEIT CAMPUS: Fakten sind unserem Gehirn egal, solange jemand gute Reden hält?

Wehling: Es geht darum, wie man die Fakten interpretiert. Selbst wenn wir alle dieselben Informationen kennen, haben wir völlig unterschiedliche Auffassungen davon, welchen gesellschaftlichen Auftrag sie mit sich bringen. Denn wir haben andere Vorstellungen davon, was gut und was schlecht ist.

ZEIT CAMPUS: Sprechen Politiker deshalb so häufig über Werte?

Wehling: Ja, der politische Streit ist immer ein moralischer. Grundsätzlich stehen sich dabei zwei Weltsichten gegenüber: die konservative und die progressive. In Amerika ist das sogar relativ sauber getrennt, in Republikaner und Demokraten.

ZEIT CAMPUS: Wie kommt das?

Wehling: Jeder Mensch hat einen bestimmten Wertekompass. Das liegt daran, wie wir aufwachsen. Als Kind erfahren wir zum ersten Mal, was es bedeutet, „regiert“ zu werden. Deshalb werden auch in der politischen Sprache so häufig Metaphern der Familie verwendet: Vaterland, Schwesterpartei, Gründerväter. Wenn Sie mir sagen, wie für Sie die ideale Familie aussieht, kann ich Ihnen sagen, ob Sie eher konservativ oder eher progressiv sind.

ZEIT CAMPUS: Okay, probieren Sie es.

Wehling: In Ihrer perfekten Familie, wie sollten die Eltern ihre Kinder erziehen?

ZEIT CAMPUS: Mal überlegen. Die Eltern sollten den Kindern beibringen, dass sie ein schönes Leben haben können, aber nicht, indem sie anderen schaden.

Wehling: Also Ermächtigung durch Selbsterfüllung? Und eher Kooperation als Wettkampf? Oder zumindest Selbstverwirklichung nicht auf Kosten anderer? Damit sind Sie der klassische progressive Typ. In Ihrem Wertemodell soll der Staat Menschen ermöglichen, sich zu entwickeln. Sie sollen sich bilden können, nicht in Armut leben, im Krankheitsfall versorgt sein. Sie dürfen heiraten, wen sie wollen, werden nicht rassistisch behandelt, als Frau nicht abgewertet. Der Mensch steht an erster Stelle, und die Gemeinschaft kümmert sich darum, Schaden von ihm abzuwenden.

ZEIT CAMPUS: Wenn alle so ein klares Weltbild haben, was bringt Wahlkampf überhaupt?

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Die Macht der Sprache

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„Sie entscheiden nach ihrem ideologischen Bauchgefühl“

Wehling: Er will zeigen, dass es mit ihm keine Political Correctness gibt. Einmal hat er einen behinderten Journalisten nachgeäfft. Ein anderes Mal sagte er: Wenn es den Schwarzen in Amerika nicht gefällt, sollen sie zurück nach Afrika gehen. Wer jetzt annimmt, sie würden ihn deshalb nicht wählen, liegt falsch.

ZEIT CAMPUS: Wie bitte?

Wehling: Wenn sie streng konservativ sind, werden sie Trump ihre Stimme geben, obwohl seine Politik ihnen schaden kann. Aus dem gleichen Grund, aus dem nicht alle Gutverdiener für niedrige Steuern sind. Ein Beispiel: Ein wichtiger Wert im konservativen Wertemodell ist das Eigeninteresse. Trump stilisiert sich als der Typ mit Trump Tower, Trump Entertainment, Trump University. Darum wählen ihn auch arme Menschen. Weil sie sagen: Ich will mich auch hochkämpfen, keiner soll für mich entscheiden. Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist. Sie entscheiden nach ihrem ideologischen Bauchgefühl.

 ZEIT CAMPUS: Trump hat vor einer Weile eine Rede zum Waffengesetz gehalten, die manche als Aufruf zur Gewalt gegen Clinton interpretiert haben. War das auch geplant?

Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist

Wehling: Das war wohl eher nicht abgesprochen, passt aber zur Strategie seines Kampagnenteams: „Donald, do you“ – „Donald, sei du selbst.“ Aus Studien wissen wir: Neben Werten überzeugt Menschen vor allem Authentizität. Trump ist ein Rowdy, aber ein authentischer.

ZEIT CAMPUS: Man könnte ihn auch für eine Witzfigur halten.

Wehling: Natürlich hat Trump nicht den Look eines Präsidenten. Aber in Amerika gibt es fast nichts Überzeugenderes als Reichtum. Ergibt ja auch Sinn in einem Land, in dem man nur mit Geld an Bildung, Medizin, Altersvorsorge kommt. Wenn Trump mit seinem Hubschrauber fliegt und sagt: Du kannst nie gierig genug sein!, ist es immer noch witzig, dass er diese Frisur hat, aber es ist zweit-, dritt-, viertrangig. Die Geldkarte zieht.

Hier weiterlesen:

http://www.zeit.de/campus/2016/06/sprache-politiker-hillary-clinton-linguistik-elisabeth-wehling/seite-2

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 6. Februar 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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Lafontaine fordert Abschiebung illegaler Migranten   Leave a comment

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Lafontaine und auch seine Ehefrau Wagenknecht stellen sich in der Flüchtlingspolitik immer wieder in Kontrast zu großen Teilen ihrer Partei. Ich sehe das als sehr realistische Einstellung. Lohndrückerei und Rentenkürzung, wie sie die AfD im Programm haben, wären mit mir nicht zu machen.

Aus t-online.de

Der Linken-Politiker Oskar Lafontaine hat sich für eine konsequente Steuerung der Zuwanderung ausgesprochen – und im Gegensatz zu großen Teilen seiner Partei auch Abschiebungen nicht ausgeschlossen. 

Letztlich müsse „der Staat darüber entscheiden können, wen er aufnimmt. Das ist nun mal die Grundlage staatlicher Ordnung“, sagte der saarländische Landtagsfraktionschef der „Welt“. „Wer illegal über die Grenze gekommen ist, der sollte ein Angebot bekommen, freiwillig zurückzugehen. Wenn er dieses Angebot nicht annimmt, bleibt nur die Abschiebung.“

Lafontaine steht damit im Widerspruch zu großen Teilen seiner Partei, ähnlich wie seine Ehefrau, Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht.

„Darüber nachdenken, warum so viele Arbeiter AfD wählen“

Der frühere Bundesvorsitzende von Linkspartei und SPD erklärte: „Die Einwanderungsfrage ist vor allem eine soziale Frage – für die, die kommen und für die, die schon hier leben. Sie ist eine nicht geklärte Frage innerhalb der Programmatik der Linken.“

Die Linke müsse darüber nachdenken, „warum so viele Arbeiter und Arbeitslose AfD wählen, obwohl diese Partei Lohndrückerei und Rentenkürzung im Programm hat“. Lafontaine verlangte: „Wir dürfen es nicht rechten Parteien überlassen, die Probleme der Lohn- und Mietkonkurrenz anzusprechen.“

Unternehmer befürworteten offene Grenzen, „um in den Entwicklungsländern qualifizierte Arbeitskräfte abzuwerben und durch verstärkte Zuwanderung die Lohnkonkurrenz zu verschärfen“, argumentierte er. „Wir müssen zuerst denen helfen, denen es am schlechtesten geht.“ Das seien jene Millionen Menschen im Vorderen Orient und in Afrika, die nicht nach Deutschland kommen könnten, „weil sie die 7000 Euro für die Schlepper nicht bezahlen können“.

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Lafontaine fordert Abschiebung illegaler Migranten

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 6. Februar 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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