Die Macht der Sprache   2 comments

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Die Neurolinguistin Elisabeth Wehling sagte schon am 04. Oktober 2016 voraus, warum sogar Arbeitslose, Frauen und Einwanderer Donald Trump wählen werden – obwohl er gegen sie hetzt. Sehr interessant auch wie sie die Macht der Worte erklärt und wie manipulativ man Sprache verwenden kann. Entscheidend ist auch das Bauchgefühl.

Aus der ZEIT ein Interview mit Elisabeth Wehling

Die Neurolinguistin Elisabeth Wehling weiß, warum sogar Arbeitslose, Frauen und Einwanderer Donald Trump wählen werden – obwohl er gegen sie hetzt.

Sie habe einen „krassen Jetlag“, sagt Elisabeth Wehling, als sie sich in einem Restaurant auf einen Aluminiumstuhl setzt. Gestern hatte sie noch einem Termin in Washington, nun besucht sie für ein paar Tage ihre Eltern in Hamburg-Bergedorf. Um sich für das Interview wach zu halten, habe sie den ganzen Tag „Tatort“ geguckt.

ZEIT CAMPUS: Frau Wehling, Sie erforschen, wie Sprache Menschen beeinflusst. Können Sie mich manipulieren?

Elisabeth Wehling: Wenn ich mit diesem Ziel zum Gespräch gekommen wäre, dann ja. Sprache kann uns stark beeinflussen, wie wir denken, wie wir fühlen, sogar wen wir wählen.

ZEIT CAMPUS: In einem Interview haben Sie einmal gesagt …

Wehling: … das habe ich nie gesagt. (lacht)

ZEIT CAMPUS: … Donald Trump spreche wie ein Viertklässler.

Wehling: Das war das Ergebnis einer Studie aus unserem Forschungsteam, die das Sprachniveau von Politikern untersucht hat. Trump war auf dem Level eines Grundschülers. Auf den ersten Blick könnte man denken: Ach, der redet für Dumme, wahrscheinlich ist er selbst ein bisschen dumm. Ist er aber nicht.

ZEIT CAMPUS: Lassen Sie mich raten – alles Strategie?

Wehling: Ganz genau. Donald Trump benutzt fast nur Wörter der „basic level cognition“. Das sind solche, die wir als Kind als Erste lernen. Zum Beispiel sagt er nicht: Wir werden die Migration aus Mexiko eindämmen, sondern: Wir bauen eine Mauer. Da haben wir sofort ein Bild vor Augen.

ZEIT CAMPUS: Wenn Sie mich manipulieren wollten, wie würden Sie das machen?

Wehling: Ich könnte Ihnen zum Beispiel suggerieren, dass eine bestimmte politische Meinung besonders gut ist. Das geht über sogenannte Frames, Sprachbilder, die unser Gehirn mit einer Bedeutung verknüpft. Nehmen wir das Wort Schmutz. Wenn ich „schmutzige Steueraffäre“ sage, simuliert Ihr Gehirn automatisch Ekel. Als würden Sie einen üblen Geruch riechen oder hören, wie jemand sich übergibt. Wörter können Gefühle erzeugen.Das kann man nutzen, auch im Wahlkampf.

ZEIT CAMPUS: Ein Beispiel?

Wehling: Trump nennt Clinton „crooked Hillary“ – „gekrümmte Hillary“. Damit stellt er sie als unmoralisch dar. Krummer Hund, ein krummes Ding drehen, einknicken – Sie kennen die Metaphern. Da ist es völlig egal, ob man mit Trumps Meinung übereinstimmt oder nicht, das prägt sich ein.

ZEIT CAMPUS: Fakten sind unserem Gehirn egal, solange jemand gute Reden hält?

Wehling: Es geht darum, wie man die Fakten interpretiert. Selbst wenn wir alle dieselben Informationen kennen, haben wir völlig unterschiedliche Auffassungen davon, welchen gesellschaftlichen Auftrag sie mit sich bringen. Denn wir haben andere Vorstellungen davon, was gut und was schlecht ist.

ZEIT CAMPUS: Sprechen Politiker deshalb so häufig über Werte?

Wehling: Ja, der politische Streit ist immer ein moralischer. Grundsätzlich stehen sich dabei zwei Weltsichten gegenüber: die konservative und die progressive. In Amerika ist das sogar relativ sauber getrennt, in Republikaner und Demokraten.

ZEIT CAMPUS: Wie kommt das?

Wehling: Jeder Mensch hat einen bestimmten Wertekompass. Das liegt daran, wie wir aufwachsen. Als Kind erfahren wir zum ersten Mal, was es bedeutet, „regiert“ zu werden. Deshalb werden auch in der politischen Sprache so häufig Metaphern der Familie verwendet: Vaterland, Schwesterpartei, Gründerväter. Wenn Sie mir sagen, wie für Sie die ideale Familie aussieht, kann ich Ihnen sagen, ob Sie eher konservativ oder eher progressiv sind.

ZEIT CAMPUS: Okay, probieren Sie es.

Wehling: In Ihrer perfekten Familie, wie sollten die Eltern ihre Kinder erziehen?

ZEIT CAMPUS: Mal überlegen. Die Eltern sollten den Kindern beibringen, dass sie ein schönes Leben haben können, aber nicht, indem sie anderen schaden.

Wehling: Also Ermächtigung durch Selbsterfüllung? Und eher Kooperation als Wettkampf? Oder zumindest Selbstverwirklichung nicht auf Kosten anderer? Damit sind Sie der klassische progressive Typ. In Ihrem Wertemodell soll der Staat Menschen ermöglichen, sich zu entwickeln. Sie sollen sich bilden können, nicht in Armut leben, im Krankheitsfall versorgt sein. Sie dürfen heiraten, wen sie wollen, werden nicht rassistisch behandelt, als Frau nicht abgewertet. Der Mensch steht an erster Stelle, und die Gemeinschaft kümmert sich darum, Schaden von ihm abzuwenden.

ZEIT CAMPUS: Wenn alle so ein klares Weltbild haben, was bringt Wahlkampf überhaupt?

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Die Macht der Sprache

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Seite 2/2:

„Sie entscheiden nach ihrem ideologischen Bauchgefühl“

Wehling: Er will zeigen, dass es mit ihm keine Political Correctness gibt. Einmal hat er einen behinderten Journalisten nachgeäfft. Ein anderes Mal sagte er: Wenn es den Schwarzen in Amerika nicht gefällt, sollen sie zurück nach Afrika gehen. Wer jetzt annimmt, sie würden ihn deshalb nicht wählen, liegt falsch.

ZEIT CAMPUS: Wie bitte?

Wehling: Wenn sie streng konservativ sind, werden sie Trump ihre Stimme geben, obwohl seine Politik ihnen schaden kann. Aus dem gleichen Grund, aus dem nicht alle Gutverdiener für niedrige Steuern sind. Ein Beispiel: Ein wichtiger Wert im konservativen Wertemodell ist das Eigeninteresse. Trump stilisiert sich als der Typ mit Trump Tower, Trump Entertainment, Trump University. Darum wählen ihn auch arme Menschen. Weil sie sagen: Ich will mich auch hochkämpfen, keiner soll für mich entscheiden. Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist. Sie entscheiden nach ihrem ideologischen Bauchgefühl.

 ZEIT CAMPUS: Trump hat vor einer Weile eine Rede zum Waffengesetz gehalten, die manche als Aufruf zur Gewalt gegen Clinton interpretiert haben. War das auch geplant?

Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist

Wehling: Das war wohl eher nicht abgesprochen, passt aber zur Strategie seines Kampagnenteams: „Donald, do you“ – „Donald, sei du selbst.“ Aus Studien wissen wir: Neben Werten überzeugt Menschen vor allem Authentizität. Trump ist ein Rowdy, aber ein authentischer.

ZEIT CAMPUS: Man könnte ihn auch für eine Witzfigur halten.

Wehling: Natürlich hat Trump nicht den Look eines Präsidenten. Aber in Amerika gibt es fast nichts Überzeugenderes als Reichtum. Ergibt ja auch Sinn in einem Land, in dem man nur mit Geld an Bildung, Medizin, Altersvorsorge kommt. Wenn Trump mit seinem Hubschrauber fliegt und sagt: Du kannst nie gierig genug sein!, ist es immer noch witzig, dass er diese Frisur hat, aber es ist zweit-, dritt-, viertrangig. Die Geldkarte zieht.

Hier weiterlesen:

http://www.zeit.de/campus/2016/06/sprache-politiker-hillary-clinton-linguistik-elisabeth-wehling/seite-2

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Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 6. Februar 2017 von hubert wenzl in Politik, Uncategorized

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2 Antworten zu “Die Macht der Sprache

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  1. Zwei Dinge halte ich für wichtig.
    Politik muss verständlich und glaubwürdig sein. Mit verständlich meine ich , dass ein Politiker sagt was er meint.
    (Wenn sie verstanden haben was ich meine, hab ich mich nicht kompliziert genug ausgedrückt.)
    Hierzu ist Political correctness das entscheidende Hindernis. – Indem die Menschen nicht mehr sagen dürfen was sie fühlen oder denken ohne gleich einen Shitstorm auszulösen. Der nicht selten einer medialen Hinrichtung gleichkommt. So dass die Menschen aus Angst polisch korrekt gebrandmarkt zu werden . . .
    Sobald ein Politiker so spricht, dass das Volk ihn versteht, wird er sofort als Populist gebrandmarkt. Was ja im eigentlichen Sinne eine positive Eigenschaft ist. Nur eben nicht im Sinne des Establishments. Und daher soll volksnah, volksverbunden, etwas ganz Böses sein.

    Und auf der anderen Seite steht die Glaubwürdigkeit der Eliten.
    Dabei wäre das so einfach. Sie brächten nur zu tun was sie sagen und zu sagen was die tun.

    Und nun macht Trump genau das – und das Entsetzen ist groß bei den Eliten.
    Ganz anders beim Volk, weswegen sie ihn – und nicht Clinton gewählt haben.
    Trump wird in deinem Beitrag als Rowdy bezeichnet. Was er aus der Sicht des Verfassers durchaus sein kann, aber warum sollen andere diese Meinung teilen?
    Wenn bei uns Politprominenz das Volk als Mob, Dumpfbacken, braune Soße oder Schlimmeres bezeichnet, ist das doch nichts anderes.

    Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist.
    Dieser Satz hat es in sich.
    Das heißt ja, es maßt sich jemand an zu entscheiden, was für mich gut ist ? Wer legt das fest?

    Letzten Endes entscheidet das doch jeder Mensch für sich alleine (als Symbiose aus allen im zur Verfügung stehenden Informationen, seinen persönlichen Erfahrungen und seinem Wissen – man nennt das auch Erkenntnisprozess) was er meint was gut für ihn ist.
    Ihm das vorzuschreiben betrachte ich als Entmündigung.

    Mit welchem Recht werde ich als Nazi bezeichnet wenn ich nationale Interessen über die einer Staatengemeinschaft stelle. Und warum soll das gut für mich sein meine kulturelle Identität zu verlieren – und ich stattdessen den ISLAM ganz toll finden soll.
    Ist es gut für mich ein Putin- oder Trump Verstehe zu sein oder nicht. Und wenn nicht- WARUM nicht. Wer maßt sich an, das zu entscheiden?

    Ob etwas wahr ist oder unwahr ist – oder wahr sein könnte, muss jeder selbst für sich entscheiden. Mit Ausnahme in der Mathematik gibt es keine Absolute Wahrheit. Es kann auch eine Lüge sein etwas als Fake-News zu bezeichnen. Warum soll ich dem einen mehr glauben als dem anderen. Oftmals geht es ja gar nicht um einen konkreten Fakt. Es reicht ja aus dass es wahr sein Könnte. Weil es eben zuzutrauen ist. (Bestes Beispiel Knast. Das was ihr angeblich unterstellt wurde, könnte zu 100 % auch von ihr stammen)
    Wer von sich behauptet im Besitz der einzig wahren Wahrheit zu sein, macht sich damit selbst unlaubwürdig. Und man ist gut beraten gerade dem nicht zu glauben.

    Ich belasse es bei den wenigen beispielen. Und verweise stattdessen auf zahlreiche kluge Zitate Anderer Leute die sich da auch Gedanken darüber gemacht haben.

    Liken

  2. Ja da muss ich dir recht geben, dass Politik verständlich sein muss. Trumps Sprache würde auch noch der letzte Depp von Hintertupfing verstehen.
    Trump ist unberechenbar, politisch unerfahren, vor allem auch ein Narzisst und ein Lügner. Der wird auch nicht rot, wenn am nächsten Tag die Lüge heraus kommt, das ist ihm völlig egal. Seinen Anhängern scheint dieses Verhalten zu gefallen. Trump lässt jeden guten Anstand vermissen. Aber den verlangen scheinbar seine Anhänger nicht.

    Trump äfft einen behinderten Journalisten nach.

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    Aus n-tv.de
    „Donald Trump, einer der republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahlen, hat sich in einer Rede über die körperliche Behinderung eines Reporters der „New York Times“ lustig gemacht. Der Journalist Serge Kovaleski kann seine Arme und Hände wegen Muskelrückbildung nur eingeschränkt bewegen. Trump machte die für Arthrogrypose typischen Bewegungen nach, während er Kovaleski zitierte.“ (Anmerkung: geht es noch tiefer?)
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    http://www.n-tv.de/politik/Donald-Trump-imitiert-behinderten-Reporter-article16438711.html
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    Video
    http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Donald-Trump-macht-behinderten-Journalisten-nach-article16451586.html
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    In der Angelegenheit von Einreiseverboten aus 7 islamischen Ländern nannte er einen Richter einen „sogenannten Richter“ und das Urteil „lächerlich“. Er hat keinen Respekt vor der Unabhängigkeit der Richter. Man muss bei ihm besorgt um die Demokratie sein, wenn er die Gewaltenteilung nicht respektiert. Die Spitze war in der Angelegenheit dann als man einen 5-jährigen Jungen 5 Stunden in Handschellen festhielt. Da hieß es aus der Trump-Ebene: das Alter oder das Geschlecht spielt bei Terroristen keine Rolle. Ich hoffe der Junge trug kein Trauma davon.
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    Aus web.de
    „Die ganze Sache ist beängstigend“, zitiert die „Washington Post“ David Boaz vom libertären Cato-Institut. „Sie haben keinen Respekt für die Verfassung, erst Recht nicht für die ungeschriebenen Normen einer liberalen Demokratie.“
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    Aber auch in diesem Rechtsstreit um die Einreiseverbote scheint es so, als würden Trump und seine Gefolgsleute schlicht in einer eigenen Welt leben. Kritiker – auch die wenigen in den eigenen republikanischen Reihen – kommen nicht an ihn heran. Und deshalb ist es auch passiert. In seinem Eifer, seine Wahlversprechen umzusetzen, hat sich Trump vorwärtsgewalzt, von einer Anordnung zur nächsten, zuständige Ministerien wurden übergangen.“
    Quelle web.de

    Mich wundert auch, dass du nun plötzlich Twitter gut findest, weil du ja Twitter wegen der Unmöglichkeit in 140 Zeichen ein politisches Anliegen erklären zu können, kritisiert hattest. Aber wenn Trump es tut ist es dann doch tut. Es kommt bei dir eben darauf an wer es tut.
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    “ (Bestes Beispiel Knast. Das was ihr angeblich unterstellt wurde, könnte zu 100 % auch von ihr stammen)“
    Was du mit dem Beispiel Knast (Clinton?) meinst ist mir nicht klar – dafür bin ich wahrscheinlich wohl zu dumm 😉
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    Elisabeth Wehling: „Menschen wählen nicht das, was für sie am besten ist.“
    Das ist genau so gemeint wie es im Beispiel bei Lafontaine angeführt wird.
    Lafontaine: Die Linke müsse darüber nachdenken, „warum so viele Arbeiter und Arbeitslose AfD wählen, obwohl diese Partei Lohndrückerei und Rentenkürzung im Programm hat“.
    Da wählen die Gruppen, die das betrifft nicht das was für sie am besten ist.
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    Bei deinen Zitaten finde ich das von Erich Fromm gut, vor allem die Passage: „… dass man nicht länger schläft, sondern menschlich wird…“ Bei der Menschlichkeit fehlt es allerding bei manchen Rechtspopulisten grob.

    Wenn man dich einen Nazi (oder sagt man bei einer Frau Nazistin?) nennen würde, dürftest du dich nicht wundern und auch nicht beklagen. Du tust wirklich nichts um das zu entkräften. Man braucht sich ja nur auf deiner HP umschauen. Also auch noch ein bisschen Werbung für dich.
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    https://sabnsn.wordpress.com/
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