Eine Ratte namens Nick   Leave a comment

.

Es gibt sehr viele Vorurteile über Ratten. Ratten sind sehr sozial. Außerdem bieten sie sich sogar dafür ein, sich für ihre Artgenossen als Vorkoster zur Verfügung stellen. Unmöglich, dass das ein Mensch täte.

Hier eine Geschichte von einer Ratte, die zuerst auf eine Wand der Ablehnung bei einigen Menschen stieß.

.

Eine Ratte namens Nick

Zu meiner ersten Ratte kam ich mit 25. Eine Freundin
brachte mir das Rattenkind in einer Schachtel mit. Als sie sie
öffnete, glitt ein zartes, graues, pelziges Wesen in meine
Hand. Ein Blick aus schwarzen Knopfaugen – und der kleine
Kerl verschwand link in meinem Pullover und machte es
sich in meiner Armbeuge gemütlich. Augenblicklich war ich
erfüllt von einem warmen Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Ich nannte ihn „Nick“.

Der Kleine wich nicht von meiner Seite
Nick erwies sich als überaus liebevolles, aufmerksames Haustier
Er begleitete mich – entweder in meinem Ärmel oder in
meiner Jackentasche – wohin immer ich ihn mitnahm. Niemals
entfernte er sich auf unseren Ausflügen weiter als ein paar
Schritte von mir. In meiner Wohnung lies ich ihn freilaufen.
Wenn ich ihn dort alleine zurückließ, konnte ich sicher sein,
dass er bei meiner Rückkehr sofort herbeirannte. Er kletterte
dann zur Begrüßung freudig an mir hoch und setzte sich auf
meine Schulter. Ich hielt Nick schon nach kurzer Zeit für eins
der liebenswertesten Geschöpfe auf diesem Planeten. Die Beziehung
zwischen mir und dem kleinen Kerl hatte von Anfang
an etwas Magisches. Deshalb kam es mir gar nicht in den Sinn,
dass irgendjemand diese kleine Ratte mit ganz anderen Augen
betrachten könnte. Ich lernte jedoch schnell, dass es so war.
Das schlechte Image der Ratten traf auch Nick. Die Menschen
in meiner Umgebung reagierten ablehnend, einige sogar voller
Ekel. Ich musste mich daran gewöhnen, mit unfreundlichen
Kommentaren über mein Haustier zu leben.

Meine Mutter war fassungslos

Am schmerzlichsten traf es mich aber, dass auch meine
Eltern meinem neuen Freund mit Widerwillen begegneten.
Wenige Tage nachdem Nick bei mir eingezogen war, wollte
ich ihn meinen Eltern vorstellen. Also nahm ich ihn mit zu
einem Besuch. Ich war nicht vorbereitet auf die heftige Reak-
tion meiner Mutter. Sie wich schockiert zurück und war fas-
sungslos, dass ihre Tochter so ein ekelerregendes Tier mit sich
herumtrug. Mein Vater begegnete Nick etwas gemäßigter,
aber ebenfalls ohne Begeisterung. In den folgenden Wochen
belastete mein kleiner Freund die familiäre Harmonie. Aber
meine Eltern gaben sich trotz ihrer Widerstände Mühe, sich
ein gewisses Maß an Toleranz abzuringen. Sie hatten verstan-
den, dass es Nick und mich nur noch im Doppelpack geben
würde. Im Laufe der Zeit wurde es für sie Normalität, dass
eine Ratte anwesend war.

Schließlich geschah etwas, was ich nicht mehr zu hoffen
gewagt hätte: Langsam in winzigen Schritten, schlich sich
mein knopfäugiger Begleiter auch in die Herzen meiner Eltern.
Sein Charme und seine sozialen Kompetenzen begannen auch sie
zu faszinieren.

Seine Treue rührte meine Eltern

Sie beobachteten seine Anhänglichkeit, seine unverbrüchliche
sichtbare Treue mir gegenüber. Das rührte sie. Meine
Mutter stellte zudem erleichtert fest, dass Nick nicht stank
(später sollte sie erfahren, dass Ratten sogar ein zart duftendes
Fell besitzen). Meine Eltern mussten zugestehen, dass
sein feingeschnittenes Gesicht mit der rosa Nase und den
durchscheinenden Ohren wirklich hübsch anzusehen war.
Und sie beobachteten voller Anerkennung, wie Nick mit
Gründlichkeit und Hingabe seine Fellplege betrieb. Eines
Tages traute sich meine Mutter Nick mit einem Stückchen
Möhre zu füttern. Sie war bezaubert davon, mit welcher An-
mut er diesen Leckerbissen verzehrte. Er setzte sich aufrecht
auf seine Hinterbeine, nahm das Möhrenstück behutsam in
seine Vorderpfoten und knabberte daran. Bei meiner Mutter
hatten guten Tischmanieren noch nie ihre Wirkung verfehlt!

Vom Ekeltier zum Familienmitglied

Sie fütterte ihn von da an häuiger aus der Hand, um das
possierliche Schauspiel zu beobachten. So wurde Nick nach
und nach ein akzeptiertes Familienmitglied.
Er wurde gestreichelt, gefüttert und
respektiert. Er wurde nicht länger als
Vertreter einer ekelerregenden schädlichen Spezies
angesehen. Er wurde als das wahrgenommen, was er war:
ein Individuum voller Würde, Klugheit und Liebe.
Dörte Haschke

Nachsatz: Als Nick starb – er hatte im Gegensatz zu
den meisten seiner Artgenossen ein langes schönes
Rattenleben – kam die Familie überein, dass er nicht
irgendwo begraben werden sollte. Und so wurde das
Familiengrab seine letzte Ruhestätte.

.

https://www.tierrechte.de/images/stories/Presse_und_Magazin_Tierrechte/Magazin_1-17_.pdf
.

Siehe auch:

https://hubwen.wordpress.com/2015/09/10/ratten-eine-voellig-verkannte-tierart/

https://hubwen.wordpress.com/2017/03/03/kritik-an-umgang-mit-ratten-tierversuche/

.

Gruß Hubert

 

Veröffentlicht 19. März 2017 von hubert wenzl in Tiere, Tierschutz, Uncategorized

Getaggt mit , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: